Mittwoch, 17. Juni 2026

Buchrezension: Ulf Kvensler - Die Klippe: Jede Lüge könnte deine letzte sein

Inhalt:

Marcus‘ glamouröse Tage als gefeierter Starautor gehören der Vergangenheit an – ihm will einfach kein neuer Bestseller gelingen. Da wird er von Ernst, einem alten Bekannten aus der Autorenschule, kontaktiert, der unter Pseudonym einen Kriminalroman veröffentlichen möchte. Könnte Marcus das Manuskript an seine Agentin weitergeben und sicherstellen, dass Ernsts Identität geheim bleibt? Ein kleiner Gefallen, keine große Sache, denkt Marcus. Doch durch ein Missverständnis geht die literarische Welt bald davon aus, dass Marcus seine Schreibkrise überwunden und einen neuen Bestseller geschrieben hat. Alles könnte gut sein. Doch Ernst stellt plötzlich Forderungen, und Marcus verstrickt sich immer mehr in ein Labyrinth aus Lügen. Bald geht es nicht mehr um Ruhm und Eitelkeiten. Sondern darum, wer in diesem gefährlichen Katz-und-Maus-Spiel gewinnt. 

Rezension: 

Marcus Andersson ist als Autor eines internationalen Bestsellers bekannt geworden und arbeitet nun als Briefträger. Als sich ein ehemaliger Klassenkamerad der Autorenschule bei ihm meldet, ist Marcus bereit, ihn bei der Veröffentlichung seines Buches zu helfen und erreicht Ernsts Manuskript bei seinem Verlag ein. Ein Missverständnis verselbstständigt sich, weshalb bald alle begeisterten Erstleser davon ausgehen, dass Marcus der Autor ist. Mit einem enormen Vorschuss vor Augen unterbreitet Ernst ihm das Angebot, dass Roman unter Marcus' Namen veröffentlicht wird und Ernst den Großteil der Einnahmen erhält. Doch dabei bleibt es nicht. Ernst stellt immer dreistere Forderungen und setzt Marcus massiv unter Druck. Marcus muss eine endgültige Lösung des Problems finden... 

Der Roman ist aus der Perspektive von Marcus verfasst, der sich zunehmend in ein Geflecht aus Lügen, Geheimnissen und dunklen Gedanken verstrickt. Es beginnt harmlos mit einem kleinen Gefallen und einem daraus resultierenden Missverständnis, bis Marcus die Kontrolle verliert und Handeln muss, um sein Gesicht zu wahren. Nach anfänglichen Skrupeln folgt ein Verbrechen, Moral und Ethik werden außer Acht gelassen und schon bald ist ein Punkt erreicht, an dem alles egal ist und es sich nur noch darum dreht, die eigene Haut zu retten. 

Marcus ist in einem Teufelskreis aus Erpressung und Misstrauen gefangen. Die Situation entgleitet ihm und eskaliert immer weiter. Dabei wird die Handlung zu keinem Zeitpunkt konstruiert, sondern erscheint folgerichtig und logisch. Oft kann man deshalb jedoch auch die vermeintlich nächsten Schritte erahnen, insbesondere da auch die Nebencharaktere offensichtlich nicht integer sind. Das mindert die Spannung, aber dennoch bleibt eine Faszination über die weiteren Eskalationsstufen und wie es Marcus immer wieder schafft, sich mit mehr Glück als Verstand herauszuwinden. 

Der Psychothriller ist durchgehend unterhaltsam und gleicht einer Charakterstudie, die zeigt, wohin Feigheit führt, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen und wie leicht aus Gut Böse werden kann. Nach einem spannenden Beginn voller Unbehagen wiederholen sich im weiteren Verlauf allerdings Motive, Überlegungen und Drohungen, so dass "Die Klippe" am Ende nicht mit besonderer Kreativität oder Originalität aufwarten kann. 

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