Mittwoch, 31. Januar 2018

Buchrezension: Clare Swatman - Before you go - Jeder letzte Tag mit dir


Inhalt:

Diese Geschichte beginnt mit einem Ende, aber dieses Ende ist erst der Anfang ...

Zoe und Ed sind ein Traumpaar, doch im Laufe der Jahre ist ihre Beziehung ins Wanken geraten. Nach einer ihrer häufigen Auseinandersetzungen geschieht das Unfassbare: Ed stirbt bei einem Unfall. Zoe glaubt, an ihrem Schmerz zu zerbrechen. Wieso hat sie Ed an diesem Morgen nicht mehr gesagt, wie sehr sie ihn liebt? Nachdem sie wenig später schwer stürzt, erwacht sie in einer Version ihres Lebens, in der Ed noch am Leben ist und sich die beiden gerade erst kennenlernen. Fortan hat Zoe die Chance, ihr gemeinsames Leben zu verändern. Bis der Tag von Eds Unfall unaufhaltsam näher rückt...

Rezension:

Zoes Ehemann Ed stirbt bei einem Verkehrsunfall-. Die 38-Jährige kann seinen Tod nicht wahrhaben und macht sich Vorwürfe, dass sie im Streit auseinandergegangen sind und sie ihm nicht mehr sagen konnte, wie sehr sie ihn liebt. In den letzten Jahren ist die Liebe der beiden wegen Streitigkeiten und existentieller Krisen zu kurz gekommen.
Zwei Monate nach Eds Tod stürzt Zoe und wacht im Jahr 1993 auf, als sie Ed kennenlernte. Ab sofort lebt sie vergangene Schlüsselmomente mit Ed wieder und versucht Dinge zu ändern, ihre Beziehung zu verbessern, um seinen Tod möglichst verhindern zu können.

"Before you go - Jeder letzte Tag mit dir" ist der Debütroman von Clare Swatman, der in über 20 Ländern verkauft wurde. Auch aufgrund der überschwänglichen Kritiken ("Das Debüt begeistert die Welt!") hatte ich hohe Erwartungen an diesen Roman.

Er beginnt zunächst auch sehr emotional mit der Beerdigung von Ed und man kann Zoes Trauer und ihren Schmerz nachvollziehen. Ihr Sturz, die damit verbundene Reise in die Vergangenheit und die Idee, durch die Möglichkeit einer zweiten Chance, sein Leben zu ändern, Dinge besser zu machen, die man im Nachhinein bereut, sind eine schöne Vorstellung und bieten die Vorlage für einen gefühlvollen Liebesroman.

Gleich zu Beginn stellt man allerdings fest, dass es bei Zoe und Ed nicht die Liebe auf den ersten Blick war, sondern dass sie erst in einem zweiten Anlauf Jahre später zusamen gekommen sind. Ihr Zusammenleben war stark von Unzufriedenheiten miteinander und permanenten Konflikten geprägt. Mehrfach haben sie sich zumindest kurzzeitig getrennt. Ed bevorzugt das Leben auf dem Land, Zoe möchte in London wohnen. Ed möchte viele Kinder haben, Zoe keine. Als die beiden sich dann doch entschließen, eine Familie zu gründen, stellen sie fest, dass ihr Kinderwunsch nicht so einfach umzusetzen ist. Die Ehe wird daraufhin durch eine erfolglose Kinderwunschbehandlung nachhaltig erschüttert.

Die Tage der großen Streits und Trennungen erlebt Zoe wieder und kann tatsächlich etwas an ihrem Verhalten ändern, so dass mancher Konflikt gar nicht erst entsteht oder eskaliert. Mir war allerdings beim Lesen irgendwann nicht mehr bewusst, warum Zoe überhaupt so krampfhaft an einer Beziehung festhält, die von so viel Spannungen und wenig Harmonie geprägt ist. Gab es gar keine schönen Erlebnisse zwischen den beiden oder wurden diese für ihren Flashback einfach ausgelassen? Selbst ihre Versöhnungen und Liebesschwüre am Ende der überstanden Krisen konnten mich dann nicht wirklich berühren.

Der Roman hatte viel Potenzial und gerade am Anfang merkt man auch, dass die Autorin sehr emotional schreiben kann und man den Protagonisten nahe kommt. Die Umsetzung der Idee der Zeitreise in die Vergangenheit, um seinem Glück durch eine zweite Chance auf die Sprünge zu helfen, war für mich allerdings nicht so gelungen, da sie zu sehr auf den Aspekt konzentriert war, was Zoe und Ed trennt und nicht auf das, was sie eint.
Das Ende - dieses halbe Happy End - fand ich unpassend, realistischer wäre es gewesen, wenn es einfach mit einem guten Gefühl für Zoe geendet hätte, alles für Ed und eine gemeinsame Zukunft mit getan zu haben. 



Montag, 29. Januar 2018

Buchrezension: Anne Tyler - Die störrische Braut


Inhalt:

Kate Battista ist frustriert. Während sie ihrem exzentrischen Vater brav den Haushalt führt, hat ihre jüngere Schwester Bunny nur Flausen im Kopf. Und auch in ihrem Kindergartenjob gibt es immer nur Ärger. Professor Battista hat derweil andere Sorgen. Die Aufenthaltsgenehmigung seines brillanten weißrussischen Laborassistenten Pjotr läuft bald ab. Der Professor heckt einen Plan aus und verlässt sich dabei wie immer auf seine ältere Tochter. Doch Kate sieht rot.

Rezension:

Kate Battista ist 29 Jahre alt und arbeitet nach dem Abbruch ihres Studiums als Betreuerin in einem Kindergarten. Sie wohnt bei ihrem Vater, einem vergeistigten Wissenschaftler, der für sein Labor und seine Forschung lebt, weshalb sich Kate um ihre jüngere, pubertierende Schwester Bunny kümmert.

Als die Aufenthaltserlaubnis für seinen weißrussischen Laborassistenten abläuft, kommt Professor Battista auf die für ihn logische Idee, seine ältere Tochter mit Pjotr zu verheiraten, schließlich habe Kate mit ihrer direkten Art ohnehin bislang kein Glück bei Männern gehabt.

Kate nimmt den Vorschlag ihres Vaters zunächst nicht erst und findet Pjotr nur wenig sympathisch. Ihr Vater bleibt allerdings hartnäckig und findet immer wieder einen Weg, die beiden zusammenzuführen und eifrig Beweisfotos für die Einwanderungsbehörde zu machen.

Zum 400. Todestag von William Shakespeare hat der Knaus-Verlag 2016 das "Hogarth Shakespeare-Projekt" initiiert, bei dem international bekannte und erfolgreiche Autoren jeweils ein Werk von Shakespeare neu interpretieren. Im Jubiläumsjahr hatte ich bereits den Roman "Der weite Raum der Zeit" gelesen, eine Nacherzählung des "Wintermärchen" von Jeanette Winterson.

"Die störrische Braut" ist angelehnt an das Stück "Der Widerspenstigen Zähmung". Der Roman ist der komödiantischen Vorlage gerecht werdend äußerst witzig geschrieben. Ich konnte mich köstlich über Kate und ihren trockenen Humor - sei es im Umgang mit den Kindern und ihrer Chefin im Kindergarten oder in den Dialogen mit ihrem Vater oder Schwester - amüsieren.
Die Charaktere sind überspitzt gezeichnet und eigenwillig bis skurril, aber auf ihre Art einnehmend und liebenswert.

Kate kann sich nicht wirklich gegen ihren exzentrischen Vater durchsetzen, ist aber gleichzeitig an ihr Zuhause gebunden, da sie sich ihren jüngeren Schwester verpflichtet fühlt. Diese ist ganz anders als Kate, hat ein gesundes Selbstbewusstsein und ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis. Sie nimmt sich ihre Freiheiten, ob es der vegetarische Ernährungsstil ist oder der Freund, den sie als Spanisch-Nachhilfelehrer deklariert.

Auch wenn Kate ein wenig phlegmatisch ist, nimmt sie zumindest verbal kein Blatt vor den Mund, steht sich damit aber oft selbst im Weg.

Anne Tyler hat Shakespeares Komödie modern umgesetzt und ins 21. Jahrhundert adaptiert. Dreh- und Angelpunkt ist die erhoffte Heirat von Kate und Pjotr, um die Green Card zu erhalten, wobei diese Handlung und die sich sehr zurückhaltend entwickelnde Liebesgeschichte nicht den Reiz des Romans ausmachen. Der Roman lebt durch die einmaligen Charaktere und die erfrischend witzigen Dialoge.
Die störrische Braut Kate willigt nach einem knapp dreimonatigen Kennenlernen in die Heirat ein, wird dadurch allerdings weniger gezähmt, sondern kann auf diese Weise dem Einfluss ihres Vaters entfliehen und mit Pjotr letztendlich freier leben, als es ihr in ihrem Elternhaus jemals möglich war.

Die freche Familienkomödie ist in ihrer Kürze nicht sonderlich tiefgründig oder überraschend, aber sehr leichtgängig und unterhaltsam zu lesen.



Samstag, 27. Januar 2018

Buchrezension: John Corey Whaley - Hochgradig unlogisches Verhalten


Inhalt:

Solomon muss nie aus dem Haus. Er hat zu essen. Er kann von seinem Fenster die Berge sehen, und seine Schulaufgaben macht er online, mit ungekämmten Haaren und im Schlafanzug. Ernsthafte Probleme hat er eigentlich nicht. Und er hat auch keine schwere Krankheit. Er ist bloß ein neurotisches Vorstadtkind, das da draußen Panikattacken erleidet. Als seine ehemalige Mitschülerin Lisa für einen Psychologie-Aufsatz ein Studienobjekt benötigt, drängelt sie sich in sein Leben. Gemeinsam mit ihrem Freund Clark werden sie zu einem eingeschworenen Trio. Solomon lernt, was Freundschaft ist, und stellt fest, die Welt ist voller guter Gründe, sich aus dem Versteck zu wagen.

Rezension:

Solomon ist 16 Jahre alt und hat seit drei Jahren das Haus seiner Eltern nicht mehr verlassen. Er leidet seit seinem 11. Lebensjahr unter Panikattacken und kann noch nicht einmal nach draußen in den Garten gehen. Ihm macht die Abgeschiedenheit nichts aus, er lernt online, lies Bücher oder beschäftigt sich mit Computerspielen und auch seine Eltern gehen mit der Situation und ihrem neurotischen Sohn, der eine Psychotherapie abgebrochen hatte, entspannt um.

Solomons Mutter ist Zahnärztin und eine ihrer Patientinnen eine Schülerin, die Solomon noch von früher kennt. Lisa ist eine ambitionierte Streberin und träumt davon, die Stadt zu verlassen, um an einer der renommiertesten Universitäten der USA zu studieren. Für das Stipendium ist ein Aufsatz gefordert, den Lisa klammheimlich über Solomon schreiben möchte. Über Seine Mutter pirscht sie sich an ihn heran und überraschenderweise lässt er sie ohne Vorbehalten in seine Nähe. Sie besucht ihn daraufhin regelmäßig und bringt bald ihren Freund Clark mit. Die beiden Jungs freunden sich an, so dass sich Lisa ausgeschlossen fühlt. Aufgrund Solomons homosexueller Neigungen wird sie sogar eifersüchtig.

In dem Gefühlschaos erfährt Solomonon dem Grund der Kontaktaufnahme Lisas und zweifelt an der Freundschaft der beiden. Tief enttäuscht zeiht er sich wieder zurück und bricht den Kontakt zu beiden ab.
Lisa und Clark bereuen es, Solomon so hintergangen zu haben und möchten die Freundschaft zu ihm nicht aufgeben. Beide müssen sich zudem klar werden, was aus ihrer Beziehung wird.

"Hochgradig unlogisches Verhalten ist ein Jugendbuch über einen Außenseiter, der durch den Kontakt zu zwei Jugendlichen aus seinem Schneckenhaus gelockt wird und erfährt, was Freundschaft ist.
Solomon blüht durch den Kontakt zu Lisa, aber auch zu Clark, mit dem er dieselben Interessen teil, sichtlich auf und traut sich dann sogar allein in den Garten zu gehen und im Pool zu schwimmen, den seine Großmutter für ihn hatte bauen lassen.
Erst durch Lisa und Clark macht er Erfahrungen und registriert, was er alles verpasst, indem er sich selbst einschließt und anderen verschließt. Solomon ist am Ende zwar nicht geheilt, sondern offener für das, was auf ihn zukommen mag und sieht mutig in die Zukunft.

Es ist eine warmherzige, lehrreiche Geschichte, die zeigt, dass es sich lohnt, die eigene Komfortzone zu verlassen und das Ehrlichkeit die Basis für eine Freundschaft ist.
Auch wenn ich die kurze Geschichte aufgrund der Verhaltensweisen der etwas "nerdigen" Charaktere nicht immer ganz realistisch empfunden habe, ist es für Jugendliche im Alter der Protagonisten, die in der Pubertät mit so vielen Problemen, Unsicherheiten und Ängsten zu kämpfen haben, ein sehr positiver Roman, der die Einzigartigkeit eines jeden feiert.



Freitag, 26. Januar 2018

Buchrezension: Eva Woods - Gib mir deinen Ex, ich geb dir meinen


Inhalt:

Ist das Liebe, oder kann der weg?

Dating ist nicht einfach, vor allem, wenn du nur Lügner, komische Käuze, Männer, die Superman-Unterhosen tragen, oder noch bei ihrer Mutter leben, triffst. Warum also nicht mit jemandem ausgehen, der schon »getestet und für ok befunden« wurde? Nur weil der Typ nichts für deine Freundin war, heißt das ja nicht, dass er für dich nicht der Richtige sein kann. Marnies Plan: Zeig mir deinen Ex, ich zeig dir meinen, und sie denkt gleich für ihre drei besten Freundinnen Helen, Rosa und Ani mit, die alle auch auf der Suche nach dem perfekten Mann sind – und schon ist es geboren, das Projekt "Ex-Factor".

Rezension:

Marnie hatte vor zwei Jahren London verlassen, ohne sich wirklich von ihren Freundinnen zu verabschieden. Seitdem konnten diese Marnie ausschließlich über ihren Twitter-Account und Facebook verfolgen oder erhielten Postkarten von exotischen Orten. Nun ist die quirlige Frau, die schon immer die Eigenschaft hatte, Menschen für sich zu gewinnen, wieder zurück, als wäre nichts gewesen.

Bei ihren Freundinnen hat sich in den vergangenen zwei Jahren jedoch einige geändert. Die Journalistin Rosa wurde von ihrem Mann wegen einer 20-jährigen Praktikantin verlassen, muss ihren untreuen Ex aber weiterhin jeden Tag in der Redaktion sehen. Helen hat fast 25 kg abgenommen, lebt jedoch völlig zurückgezogen mit ihrem Kater in ihrer kleinen Wohnung, von wo sie aus arbeitet und eine Website für Fremdgehwillige betreibt. Die indischstämmige Ani ist Scheidungsanwältin und nach unzähligen enttäuschenden (Online-)dates der Meinung, dass sie nie den richtigen Mann finden wird.

Marnie möchte den Beziehungsstatus ihrer Freundinnen ändern und schlägt vor, dass jeweils eine Freundin mit dem Exfreund einer anderen verkuppelt werden soll. Ein bereits erprobter Mann könnte schließlich für eine andere von ihnen Mr. Right sein.
Die drei Freundinnen reagieren zunächst äußerst zurückhaltend, können sich gegen die enthusiastische Marnie aber nicht wehren, lassen sich auf das Experiment ein und arrangieren erste Dates.

Zu Beginn fand ich die Handlung etwas verwirrend, da ich zunächst die vielen Personen, die in dem Roman eine Rolle spielen, für mich sortieren musste. Sobald man die vier Freundinnen kennengelernt hat, kommen ihre Exfreunde hinzu und die Männer, denen sie im Rahmen ihrer Dates oder am Arbeitsplatz begegnen. Es ist nicht ganz einfach auseinanderzuhalten, wer mit wem in der Vergangenheit zusammen war und wer sich in der Gegenwart mit wem trifft.

Davon abgesehen ist "Gib mir deinen Ex, ich geb dir meinen" aber eine lockere und amüsante Geschichte à la "Sex and the City", die prima unterhält. Der Roman ist dabei anwechselnd aus den Perspektiven von Rosa, Helen und Ani geschrieben, während Marnie und ihre plötzliche Rückkehr ein wenig geheimnisvoll bleiben. Im Vordergrund stehen die aktuellen Dates und die Begegnungen der Frauen mit ihren Exfreunden, die Erinnerungen und mitunter alte Verletzungen und Konflikte hervorrufen.

Es ist ein Roman über die Schwierigkeit in der schnelllebigen Zeit von Tinder und anonymen Onlinedatings den Mann fürs Leben zu finden bzw. überhaupt einen potentiellen Partner kennenzulernen. Daneben liegt der Fokus auf der langjährigen Freundschaft der vier Frauen, einem Netzwerk, das für die einzelne im Gegensatz zu einem Mann immer da ist und vor allem auch in schwierigen Zeiten verlässlichen Halt gibt.

Die Idee des Männer-Recyclings wurde von Eva Woods unterhaltsam und mit herrlicher Situationskomik umgesetzt, ohne ins Alberne zu verfallen. Durch die sehr unterschiedlichen Charaktere der Frauen und ihren Erfahrungen mit und Einstellungen über Männer ist der Roman eine abwechslungsreiche und locker zu lesende Liebeskomödie.



Mittwoch, 24. Januar 2018

Buchrezension: Lily Oliver - Träume, die ich uns stehle


Inhalt:

Lara kann nicht aufhören zu reden. Ein Zwang treibt die an Amnesie leidende junge Frau dazu, ihre Erinnerungslücken mit Worten zu füllen. Längst hört ihr keiner mehr zu, außer in den Therapiestunden, die sie als Patientin der Psychiatrie bekommt. Bis sie Thomas findet. Lara weiß, es ist falsch, ihre Verzweiflung über ihre Amnesie auf ihn abzuladen, denn Thomas liegt im Koma. Dennoch schleicht sie sich immer wieder zu ihm und bemerkt bald, dass er auf ihre Stimme reagiert. Lara beschließt, Thomas eine Geschichte zu erzählen: eine Liebesgeschichte zwischen ihr und ihm, die bald für beide realer wird als ihr Dasein im Krankenhaus. Ein Traum von Liebe, an den sich beide klammern und der die Kraft hätte, nicht nur Thomas aus der Dunkelheit zu holen, sondern auch Lara. Doch beide ahnen nicht, was für eine erschütternde Wahrheit in den Tiefen von Laras Geschichte auf sie wartet.

Rezension:

Lara leidet nach einem Verkehrsunfall unter Amnesie und ist in einer Psychiatrie untergebracht. Die Amnesie scheint aber nicht ihr eigentliches Problem zu sein, denn Lara hat einen unwahrscheinlichen Rededrang, den sie nicht kontrollieren kann. In Gesprächen mit ihrem Therapeuten und vor allem bei den Gruppentherapien kann sie sich nicht zurückhalten. Ihre Worte müssen heraus, gleichzeitig hat sie immer wieder die Worte ihrer Mutter im Kopf, dass sie dumm sei.

Im selben Klinikum ist Thomas untergebracht, der nach einem Unfall auf der Intensivstation im Koma liegt. Lara fühlt sich von dem jungen Mann hingezogen, der nur vereinzelt Besuch von seiner Schwester erhält. Erst schleicht sich Lara heimlich in sein Zimmer, um zu erzählen, da er ihr nicht entkommen kann. Als die Ärzte feststellen, dass Thomas nur auf Laras Stimme reagiert, darf sie auch mit Erlaubnis der Ärzte bei ihm sein. Lara tut das, was sie am besten kann, sie redet und hilft damit ihnen beiden. Thomas zeigt erste Reaktionen, während Lara ihm ihre Geschichte erzählen kann.
Sie glaubt, sich an Thomas zu erinnern und fragt sich, ob die enge Verbindung daher rührt, dass sie ein Liebespaar sind und ob sie Schuld an seinem Zustand sein könnte. Bald ist nicht mehr klar, was Lara wirklich erlebt hat und welche Geschichten nur ihren Träumen entspringen.

Der Roman ist abwechselnd aus der Perspektive von Lara und Thomas erzählt, wobei die Abschnitte von Thomas siech rein auf seine Gedanken als Reaktion auf die Erzählungen von Lara beschränken und jeweils nur ein bis zwei Seiten umfassen.

Ich fand es schwierig, mich in die Geschichte der beiden einzufinden und mit der anstrengenden Protagonisten Lara warm zu werden. Der Roman spielt sich allein im Krankenhaus ab und beschränkt sich im Wesentlichen auf Laras Besuche bei Thomas und den Geschichten, die sie im erzählt.

Ihre Erzählungen sind verwirrend, sie interpretiert selbst viel und als Leser kann man sich nie sicher sein, was sie tatsächlich erlebt hat, was nur ihrer Einbildung entspringt oder was sich zumindest in Teilen so ähnlich ereignet haben mag. Dieser Erzählstil wird konsequent fortgesetzt bis es Lara durch die Therapie besser geht und sich auch die Verwirrung für den Leser legt, als ihre Diagnose und Leidensgeschichte klarer wird.

"Träume, die ich uns stehle" ist keine leicht zu lesende Liebesgeschichte, sondern eher schwere Kost. Ich musste das Buch mehrfach zur Seite legen, da es sich für mich bis zum Bekanntwerden ihrer Diagnose und zum Verständnis ihrer Krankheit für mich in die Länge gezogen hat. Dann hätte ich mir mehr Hintergrund Informationen zu ihrer Erkrankung, dem Krankheitsbild und vor allem auch ihrer Kindheit gewünscht. Das hätte man durch intensivere Gespräche mit ihrem Therapeuten aufklären können, stattdessen wird der Leser ähnlich wie Lara selbst ein wenig allein mit der Wahrheitsfindung gelassen.

Da im Krankenhaus selbst nicht viel passiert, ist der Roman eine ganz ruhige, besonnen erzählte Geschichte. Es handelt von kaputten Seelen aufgrund von traumatischen Erlebnissen und/ der psychischen Krankheiten. Lara hat zwei Jahre ihres Lebens komplett vergessen, die sie sich durch ihre eigenen Erzählungen wieder holt. Das Vergessen liegt nicht allein an der Amnesie, sondern an dem Mittel der Verdrängung, das sie unbewusst nutzt, um sich selbst vor belastenden Ereignissen und Erinnerungen zu schützen.
Es ist keine klassische Liebesgeschichte, in welcher sich zwei Personen kennenlernen, annähern, und in einander verlieben. Bei Lara und Thomas ist die Anziehungskraft von Anbeginn da. Es ist dieses unerklärliche, magische Band, das den beiden letztlich zur Linderung verhelfen wird.

"Träume, die ich uns stehle" ist keine Wohlfühlgeschichte. Ich fand den eigentümlichen Erzählstil nach einer Eingewöhnungsphase wirklich interessant, aber letztlich blieb mir die Erzählung zu sehr auf das Innenleben, die Gedanken von Lara, beschränkt. Ich hätte mir mehr Interaktion mit ihren Mitpatienten und vor allem auch ihrem Therapeuten gewünscht. Ihre Krankheitsgeschichte blieb mir zu vage, ihre Angehörigen blieben komplett außen vor. So konnte mich die Geschichte nicht fesseln, die Liebesgeschichte nicht berühren.




Montag, 22. Januar 2018

Buchrezension: Ellen Sandberg - Die Vergessenen


Inhalt: 


1944. Kathrin Mändler tritt eine Stelle als Krankenschwester an und meint, endlich ihren Platz im Leben gefunden zu haben. Als die junge Frau kurz darauf dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen. Zu spät merkt sie, dass Landmanns Arbeit das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.

2013. In München lebt ein Mann für besondere Aufträge, Manolis Lefteris. Als er geheimnisvolle Akten aufspüren soll, die sich im Besitz einer alten Dame befinden, hält er das für reine Routine. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das Generationen überdauert hat.
Rezension:

2013: Vera Mändler ist Journalistin, die einen für sie frustrierenden Job bei einer Frauenzeitschrift in München hat. Viel lieber würde sie in einem anspruchsvolleren Ressort arbeiten, wagt aus finanziellen Gründen allerdings nicht den Schritt, als freie Journalistin zu arbeiten, auch wenn ihr Verlobter Tom hinter ihr steht und sie dafür motiviert.

Als ihre Tante Kathrin einen Schlaganfall erleidet und ohne Bewusstsein im Krankenhaus liegt, gerät Vera in Konflikt mit ihrem kleinkriminellen Cousin Chris, einem Neffen von Kathrin. Dieser hat Spielschulden und wollte sich bei Kathrin Geld leihen, das sie ihm allerdings verwehrt hatte. Christ verschafft sich nun Zugang zu Kathrins Wohnung, stiehlt das vorhandene Bargeld und nimmt das Sparbuch an sich, war allerdings noch nach etwas anderem.

Als Vera in der Wohnung ein Foto von ihrer Tante findet, auf dem sie in Schwesterntracht mit Hakenkreuz, aufgenommen in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg, zu sehen ist, ist Vera von ihrem journalistischen Ehrgeiz gepackt, möchte mehr über die Vergangenheit ihrer Tante erfahren, die sie in Teilen offensichtlich verschwiegen hat und macht sich selbst bei Kathrin auf die Suche nach den Dokumenten.

Manolis Lefteris wurde beauftragt die von Chris gesuchten Dokumente für einen ihm unbekannten Kunden zu beschaffen, der mit den Unterlagen erpresst wird. Er heftet sich an die Fersen von Vera. Als er jedoch herausfindet, was die Dokumente offenbaren, zögert er, sie ihr zu entwenden, da er, Sohn eines griechischen Gastarbeiters, sich durch sie an das Schicksal seiner eigenen Familie erinnert fühlt, die von deutschen Wehrmachtsoldaten regelrecht abgeschlachtet wurde.

1944: Kathrin Mändler ist Krankenschwester und arbeitet im letzten Kriegsjahr in einer Heil- und Pflegeanstalt, in der überwiegend behinderte Kinder und Kriegsversehrte untergebracht sind. Als sie merkt, dass die Ärzte sich dort nicht dem hippokratischen Eid verpflichtet sehen, sondern die Menschen kategorisieren und diejenigen, die "keine nutzbringende Arbeit" verrichten können, keine Versorgung erhalten, sondern langsam verhungern bzw. an den damit einhergehenden Krankheiten Tuberkulose oder Lungenentzündung sterben, gerät sie in einen Gewissenskonflikt. Sie möchte die unschuldigen Kinder und Patienten retten, ist allerdings dem Leiter der Anstalt, Dr. Karl Landmann, verfallen.

"Die Vergessenen" ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt und ein dunkles Thema der deutschen Geschichte während des Zweiten Weltkrieges thematisiert. Die Handlung ist Fiktion, beruht jedoch auf wahren Begebenheiten. Der Ort des Geschehens ist angelehnt an das ehemalige Hungerhaus für Mäner der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar und die damit verbundene Fahndung nach einem Nazi-Arzt 60 Jahre nach Kriegsende, um ihn zur Verantwortung für seine Kriegsverbrechen zu ziehen.

Romane über den Antisemitismus und die Judenverfolgung während des Dritten Reiches gibt es viele, "Die Vergessenen" erinnert an andere Opfer der Nationalsozialisten, an hilflose Patienten und Kinder in den Heilanstalten, denen das Recht auf Leben abgesprochen wurde und die dort dem Tod geweiht untergebracht worden sind, als "nutzlose" Menschen nur Mangelernährung erhielten oder zielgerichtet getötet worden sind.
Kathrin Mändler steht beispielhaft für eine Krankenschwester, die die Tötungen nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnte und sie unter Einsatz ihres Lebens zu boykottieren versuchte. Sie selbst wird dabei nicht einseitig als Gutmensch dargestellt, sondern auch ihre Charakterschwäche in den Fokus gerückt, die verhinderte, dass Verbrecher zur Rechenschaft gezogen werden konnten.

Die Krimi-Autorin Inge Löhnig hat unter dem Pseudonym Ellen Sandberg eine spannende Familiengeschichte geschrieben, die Ereignisse der Vergangenheit ins Gedächtnis ruft und die menschenverachtenden Verbrechen von Medizinern, die Euthanasie von behinderten Menschen, die nicht durch die NS-Gesetzgebung gedeckt war, während des Zweiten Weltkriegs beschreibt. Es ist ein Roman, der über die Generationen hinweg fesselnd und tief beeindruckend zu lesen ist. 


Samstag, 20. Januar 2018

Buchrezension: Stefan Bachmann - Die Seltsamen


Inhalt:

Das souveräne Debüt eines 18-Jährigen – ein Bestseller in Amerika und jetzt auch in Deutschland: Ein schüchterner Junge zieht aus, seine Schwester zu suchen, und findet nicht nur einen Freund, sondern muss – vielleicht – auch die Welt retten.

Bartholomew Kettle wäre gern ein ganz normaler Junge, aber er findet sich hässlich – fast so hässlich wie seine Schwester Hettie. Freunde hat er keine. Wie auch? Schließlich ist er ein Seltsamer, halb Mensch, halb Feenwesen, von beiden verachtet, vor beiden auf der Hut. Besonders seit Mischlinge wie er auf mysteriöse Weise verschwinden. Eines Tages taucht eine geheimnisvolle Dame in einem pflaumenfarbenen Kleid im Slum von Bath auf. Bartholomew beobachtet sie verstohlen durchs Fenster. Was will sie? Als plötzlich Federn aufwirbeln und die Dame mit einem weiteren Mischlingskind entschwindet, vergisst Barthy jegliche Vorsicht – und wird bemerkt. Ein tollpatschiger junger Politiker, der alle Parlamentssitzungen verschläft, scheint der Einzige zu sein, der Barthy helfen will. Barthy ist überzeugt: Der Nächste in der Reihe bin ich.

Rezension:

An einem 23. September hatte sich in der Stadt Bath in England ein Portal geöffnet, wodurch der Übergang von zwei Welten möglich gewesen ist. Feen, Gnome und Elfen sind nach England gekommen und haben sich unter die Bevölkerung gemischt. Inzwischen leben die Feen in Slums, den Mischlingen - halb Mensch, halb Fee - ergeht es allerdings noch schlechter. Sie werden gesellschaftlich geächtet, sind die "Seltsamen". Der Junge Bartholomew Kettle und seine Schwester Hettie sind zwei von ihnen.

Inzwischen ist das neunte Mischlingskind verschwunden und tot - ausgehöhlt - in der Themse aufgefunden worden. Bei dem letzten Opfer handelte es sich um einen Freund und Nachbarn von Bartholomew, weshalb er sich selbst an Leib und Leben bedroht fühlt. Was er nicht ahnt, ist, dass die Verbrecher es auf seine Schwester abgesehen haben, die sie als Portal nutzen wollen, um das Tor in die andere Welt erneut zu öffnen.

Als Hettie verschwindet, begegnet Bartholomew bei seiner Suche nach ihr Mr. Jelliby, einem Mitglied des Staatsrates aus London, der ihm helfen möchte.

"Die Seltsamen" ist ein Young Adult-Fantasyroman, den der Autor im jungen Alter von nur 16 Jahren geschrieben hat. Die Geschichte wird im zweiten Band der Reihe "Die Wedernoch" fortgesetzt.

Mir war die Geschichte etwas zu verworren, zu viele unterschiedliche Gestalten, maschinenartige Tier und fabelhafte Figuren wirkten mit. Die Beschreibung der neuen Welt und die Einführung in die Charaktere wirkte etwas zu lang, da erst ab der Hälfte des Romans ersichtlich wird, worauf der Autor hinaus will und damit zu spät Spannung aufgebaut wird.

Der Autor verwendet eine ganz besondere Sprache, um die Atmosphäre diese utopischen Englands zu vermitteln. Aufgrund der etwas langatmigen Beschreibungen konnte mich der Roman aber nicht wirklich fesseln. Für einen Abenteuerroman empfand ich die Handlung als zu langweilig. Die Freundschaft, die auf dem Klappentext angekündigt war, war zwischen Jelliby und Bartholomew kaum zu spüren.

Überrascht war ich dagegen von dem tiefgründigen Inhalt, den man so nicht erahnen konnte. Die Themen Ausgrenzung, Rassenhass, Leben im Ghetto, soziale Unterschiede sind am Beispiel der Umgangs der Engländer mit Feen und Mischwesen beschrieben und lassen den Roman, der schätzungsweise im 19. Jahrhundert spielt, modern erscheinen und auf unsere heutige Zeit, in der Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Sozialneid allgegenwärtig sind. übertragen.

Schade fand ich, dass der Roman keinen Abschluss hat und mit einem Cliffhanger endet. Wer wissen möchte, ob Bartholomew seine Schwester retten kann, muss "Die Wedernoch" lesen. Auch wenn ich diesen Roman noch auf meinem SuB habe, werde mich der Fortsetzung noch warten, bis eine Leseflaute eintritt...




Freitag, 19. Januar 2018

Buchrezension: Charlotte Lucas - Wir sehen uns beim Happy End


Inhalt:

Stell dir vor, Romeo und Julia erleben wunderbare Flitterwochen, die kleine Meerjungfrau bekommt ihren Prinzen und Hannibal Lecter wird zum kinderfreundlichen Veganer - Wie könnte die Welt aussehen, wenn jede Geschichte das Recht auf ein glückliches Ende hätte? Und was würdest du tun, wenn dir das Leben die Verantwortung für einen anderen Menschen gibt? Schenkst du ihm ein Happy End? Selbst wenn du nicht weißt, ob er das will?
Ein zauberhafter Roman über das Schicksal, unerwartete Begegnungen - und die Frage, ob erst ein Happy End das Leben lebenswert macht.

Rezension:

Emilia, genannt Ella in Anlehnung von Cinderella, lebt in ihrer eigenen Traumwelt. Sie wohnt zusammen mit ihrem Verlobten, dem Rechtsanwalt Philip, für den sie gleichzeitig Haushälterin ist, in Hamburg. Ihr Hobby ist ihr Webblog "Happy Endings", auf welchem sie traurige Enden von Büchern und Filmen umschreibt und den Protagonisten so zu einem Happy End verhilft.

Als sie zufällig herausfindet, dass ihr Verlobter sie betrügt, steht sie vor dem Nichts: Als seine Lebensgefährtin und Angestellte ist sie komplett abhängig von ihm. Nach einem Streit verlässt sie ihn am späten Abend und fährt in strömendem Regen auf dem Fahrrad hinaus zu den Landungsbrücken. Durch einen Zusammenstoß mit einem vermeintlichen Selbstmörder und einer Verkettung unglücklicher Umstände, die Ella für den suizidgefährdeten Mann, der am Ende der Nacht unter Amnesie leidet, verantwortlich fühlen lassen, bietet sich Ella ihm als Haushälterin mit dem "Rundum-sorglos-Paket" an. Sie möchte dem gut situierten Oscar de Witt, der in einer Messie -Villa wohnte und offensichtlich von Ehefrau und Kind verlassen wurde, helfen, sein Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und seine Erinnerungen wieder zu erlangen. Bei ihren Bemühungen gerät ihre eigene zerbrochene Beziehung fast in Vergessenheit. Durch die Verstrickung in verschiedenste Notlügen, um Oscar vor tragischen Ereignissen der Vergangenheit zu schonen, fällt es Ella zunehmend schwerer, zur Wahrheit zurückzukehren und ist auf dem besten Weg Oscars Vertrauen ohne böse Absicht zu missbrauchen.

"Wir sehen uns beim Happy End" ist das zweite Buch nach "Dein perfektes Jahr", das Wiebke Lorenz unter dem Pseudonym Charlotte Lucas geschrieben hat. Der Schreibstil dieser liebenswürdigen Geschichten ist sehr ähnlich und man begegnet sogar den Protagonisten aus dem ersten Roman wieder, die in "Wir sehen uns beim Happy End" kleine Nebenrollen haben.

Ella lebt nach dem Motto "Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende." Der Sinnspruch wurde ihr von ihrer geliebten Mutter vermittelt, die sie im Alter von zwölf Jahren verlassen hat. Seitdem möchte Ella nicht nur für alle traurigen Geschichten ein glückliches Ende erfinden, sondern auch im wirklichen Leben für "happy endings" sorgen.
Sie ist eine naive, verträumte junge Frau, die unbedarft und ein wenig weltfremd agiert, aber ihr Herz auf dem rechten Fleck hat.

Ella hat sich in den Kopf gesetzt, nicht nur Oscars Villa auf Vordermann zu bringen, sondern ihn auch tunlichst mit seiner Familie zu versöhnen. Die hat die Vorstellung, als Belohnung des Schicksals wieder mit Philip zusammenzukommen, wenn sie für Oscar ein glückliches Ende herbeiführen kann.
Die Handlung ist turbulent. Ella möchte Oscar vor einer bitteren Wahrheit schützen, weshalb sie sich in immer mehr Lügen verstrickt und am Ende die Annäherung gefährdet, die sie zu dem mürrischen und auf den ersten Eindruck arrogant wirkenden Millionär erreicht hat. Kann man zunächst nur den Kopf über Ellas naive Art und ihr "heile-Welt-Denken" schütteln, ziehen sich am Ende alle Fäden zusammen und man kann aufgrund ihrer Vorgeschichte verstehen, warum sie so bemüht ist, den unter Amnesie leidenden Oscar nur gemächlich an sein altes Leben zu erinnern.

"Wir sehen uns beim Happy End" ist ein modernes Märchen und eine gelungene Mischung aus Tragik, Humor und Spannung. Die Geschichte mutet war seicht an, hat aber einen überraschenden und kurzweiligen Verlauf und ist letztlich tiefgründiger als gedacht. Mir gefiel zudem die Grundidee von Ellas Blog und wie ihre Postings mühelos in den Roman eingearbeitet worden sind.

Die Aufmachung des Buches ist so liebenswürdig und hübsch wie diese anrührende, zauberhafte Geschichte und das Hardcover ein richtiges Schmuckstück im Bücherregal. Das Buch ist eine klare Kaufempfehlung für alle Leser(innen), die gern in tragikomische Geschichten mit einem Hauch Romantik und Happy End-Garantie eintauchen.



Mittwoch, 17. Januar 2018

Buchrezension: Cathy Hopkins - Die Blumenschwestern


Inhalt:

Der letzte Wunsch ihrer Mutter ist für drei Schwestern das große Glück ...

Iris Parker hat drei sehr unterschiedliche Töchter: die sensible Künstlerin Daisy, die pedantische Rose und zu guter Letzt Fleur, Freigeist und Femme fatale. Seit Jahren haben die Schwestern nicht mehr miteinander gesprochen und sind schockiert, als sie bei der Verlesung von Iris’ Testament von einer Bedingung erfahren: Wollen sie das Vermögen erben, müssen sie ein Jahr lang eine Reihe von Wochenenden miteinander verbringen, die Iris vor ihrem Tod organisiert hat. Aber sind Spa-Aufenthalte, Tanzstunden und Töpferkurse genug, um die Blumenschwestern wieder zusammenzubringen, selbst wenn es der letzte Wunsch ihrer geliebten Mutter war?

Rezension:

Die dreifache Mutter Iris Parker ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Sie hat ein nicht unerhebliches Vermögen hinterlassen; der Antritt des Erbes ist allerdings an bestimmte Bedingungen gebunden, was den Schwestern bei der Testamentseröffnung überraschend mitgeteilt wird.

Die "Blumenschwestern" Rose, Daisy "Dee" und Fleur sind ganz unterschiedliche Charaktere und haben sich in den letzten Jahren nicht oft gesehen. Selbst die Mutter haben sie in der Senioreneinrichtung stets getrennt voneinander besucht.
Die älteste der Schwestern, Rose, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie ist sehr kontrolliert, ehrgeizig und setzt sich mit ihrem Perfektionismus selbst unter Druck. Dee ist Künstlerin, geschieden, hat eine erwachsene Tochter, die in Australien bei ihrem Vater wohnt und lebt in einem gemieteten Cottage in Cornwall. Die Jüngste, Fleur, war noch nie verheiratet, hat wechselnde Lebenspartner und genießt ihr freies, unbeschwertes Leben.

Iris hatte sich gewünscht, dass die Schwestern, die sich nach einem Streit über die Unterbringung der Mutter und über die Jahre hinweg immer weiter voneinander entfernt haben, wieder annähern. Sie sollen sich dazu alle zwei Monate für ein Wochenende treffen und die Aufgaben absolvieren, die ihnen Iris mittels Videobotschaften mitteilt. Gerade Dee, deren Vermieterin gestorben ist, ist auf das Erbe angewiesen, um das Cottage selbst kaufen zu können. Die Schwestern lassen sich insofern auf das Experiment ein und sind bewegt davon, Botschaften aus dem Jenseits zu erhalten und den endgültigen Abschied von der Mutter damit noch hinauszögern zu können. Die gemeinsamen Wochenenden sind aber gerade zu Beginn alles andere als harmonisch und drohen ein ums andere Mal an der Verweigerungshaltung von Rose oder Fleur zu scheitern.
Dee ist jedoch nicht nur an der Erfüllung des letzten Wunsches ihrer Mutter gelegen. Sie entwickelt auch ein zunehmendes Interesse an Daniel, der von Iris eingesetzt wurde, um die Umsetzung des Testaments zu überwachsen.

Cathy Hopkins ist als Autorin zahlreicher Jugendromane bekannt. "Die Blumenschwestern" ist ihr erster Roman für Erwachsene.

Das Buch ist aus der Perspektive von Dee geschrieben, in vereinzelten Abschnitten wird diese jedoch gewechselt, um Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt von Rose und Fleur zu erhalten. Der Roman konzentriert sich auf die sechs Wochenenden, die die drei Schwestern zwangsweise miteinander verbringen müssen und die unterschiedlichen Aufgaben, die sie absolvieren müssen. Dies können entspannte Aufenthalte im Spa, spirituelle Gespräche, kreative Kurse oder auch körperlich anstrengende Aktivitäten sein. Iris möchte dadurch nicht nur erreichen, dass sich ihre Töchter neu kennenlernen und emotional annähern, sondern dass sie durch de Übungen auch ihren persönlichen Weg zum Glück finden.

Was Iris nicht ahnen konnte, ist, dass Daniel gleich ein Auge auf zwei Schwestern geworfen hat und dass Rose nach der Testamentseröffnung mit einer weiteren schlimmen Nachricht konfrontiert werden wird.

Der Roman ist emotional bis traurig, enthält aber auch viele witzige Szenen bei der Absolvierung der Aufgaben durch die Schwestern. Der Hauptcharakter Dee ist eine sympathische Frau, die zunächst naiv und unbeholfen wirkt, im Verlauf des Romans aber eine Entwicklung durchmacht und durch die Wochenenden mit ihren Schwestern neues Selbstbewusstsein entwickelt. Rose findet ihren inneren Frieden und Fleur wirkt am Ende weniger kaltherzig und abweisend.

Die Idee des Romans ist nicht neu, sogenannte Bucket-Listen von toten Müttern waren schon häufiger Thema diverser Frauenbücher. "Die Blumenschwestern" sorgt aber dennoch für unterhaltsame Lesestunden, in denen man eine Veränderung der Schwestern verfolgen kann und man zu einer anderen Einschätzung ihrer Persönlichkeiten als zu Beginn des Romans gelangt.

Da die Protagonistinnen im Alter von 46 bis 52 Jahren deutlich älter sind als ich und mit anderen Sorgen und Problemen zu kämpfen haben, blieben mit vor allem Rose und Fleur zu unnahbar.
Mit dem Ende des Romans ist "Die Blumenschwestern" tragischer als erwartet und für meinen Geschmack hätte es diesen Teil des Romans für die vorhersehbare Versöhnung der Schwestern nicht benötigt.

Das Nachwort der Autorin, ihre zehn Schritte zum Glück, hat mir dagegen sehr gut gefallen und ist eine Liste, die man sich selbst immer wieder vor Augen halten kann. 



Montag, 15. Januar 2018

Buchrezension: Seré Prince Halverson - Die andere Seite des Glücks


Inhalt:

Wie weit gehen wir, um die zu schützen, die wir lieben? Dieser Frage geht Seré Prince Halverson, Autorin des Romans ›Das Haus der gefrorenen Träume‹, in ihrem Debütbestseller nach.
Ein herzzerreißender, vielschichtig erzählter Roman. Ein Drama das unter die Haut geht. Eine Sommerlektüre, die Sehnsüchte weckt – und am Ende glücklich macht.

Rezension:

Ella Beene lebt im im Städtchen Elbow in Nordkalifornien und ist glücklich mit ihrem italienischstämmigen Ehemann Joe Capozzi und seinen beiden Kindern Annie und Zach, die sie wie ihre eigenen liebt. Seine Ehefrau Paige hatte Joe vor drei Jahren verlassen und einen Abschiedsbrief hinterlassen, dass sie sich als Mutter nicht geeignet fühlt.

Als der Hobbyfotograf Joe bei der Suche nach einem Motiv von einer Welle erfasst wird und im Meer ertrinkt, kommt auch seine Exfrau zur Beerdigung und sieht dort nach drei Jahren zum ersten Mal ihre Kinder wieder, zu denen sie seit ihrem Weggang nach Las Vegas keinen Kontakt mehr hatte.

Ella ist verunsichert. Sie trauert um ihren Mann, der den Ernst der wirtschaftlichen Lage der Familie, die seit drei Generationen einen Supermarkt mit überwiegend italienischen Lebensmitteln führt und fürchtet, dass Paige sich in das Leben der Kinder drängt und wieder ihre Mutter sein möchte.

Nachdem es zunächst den Anschein hat, dass die leibliche Mutter aufgrund ihres Desinteresses der letzten drei Jahre nur die Chance auf ein zeitlich eingeschränktes Umgangsrecht haben wird, treten während der Prüfung des Sorgerechts Wahrheiten zutage, die Paige und Joe in einem anderen Licht dastehen lassen und Ellas schlimmste Befürchtungen wahr werden lassen könnten.

"Die andere Seite des Glücks" ist ein Familiendrama über Mutterliebe und den Kampf um die Fürsorge zweier Kinder, deren Sorgerecht bisher allein beim inzwischen verstorbenen Vater gelegen hat. Ella ist diejenige, die sich die letzten drei Jahre um die beiden Kinder gekümmert hat, die im unmittelbaren Umfeld der Verwandten ihres Vaters, bei Onkel, Nonna und Nonno aufgewachsen sind. Daneben gibt es die leibliche Mutter, die noch während der Stillzeit ihres Sohnes aufgrund der irrigen Überzeugung, keine gute Mutter sein zu können, gegangen ist. Nach erfolgreich abgeschlossener Psychotherapie sieht sie sich nach dem Tod ihres Exmannes in der Lage, das Sorgerecht für ihre Kinder zu übernehmen und möchte sie zu sich nach Las Vegas holen.
Es geht um die Frage des Kindeswohls: Sollen die Kinder ihrem gewohnten Umfeld entrissen werden, um bei der leiblichen Mutter aufzuwachsen? Welche Rolle kann die Stiefmutter, die die Kinder bisher liebevoll umsorgt hat, spielen?

Es ist ein sehr empathisch geschriebener Roman, der aus der Perspektive von Ella erzählt wird. Man kann sich in ihre Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen, erlebt sie als starke, kämpferische Stiefmutter, aber auch als verletzliche und verzweifelte Witwe und Frau, deren Gewissen ihr im Kampf gegen die zurückgekehrte Exfrau und leiblichen Mutter im Wege steht. Gleichzeitig dreht es sich auch um die Frage, worauf man als Mutter aus Liebe und für das Wohlergehen der Kinder verzichten kann.

Es ist eine bewegende, authentisch geschriebene Geschichte, die nebenbei die Geschichte der italienischen Einwanderer in die USA erzählt und deren Situation als unerwünschte Feinde während des Zweiten Weltkrieges und ihrer Deportation beschreibt. Dieses geschichtliche Detail fand ich durchaus interessant, aber im Rahmen des Hauptplots des Sorgerechtsstreits unpassend und zu kurz gefasst.
Wie der Streit zwischen den beiden Frauen beendet wurde, empfand ich zudem unnötig dramatisch und für eine unbedingte Entscheidungsfindung zu einfach dargestellt.

Dennoch ist "Die andere Seite des Glücks" ein bis zum Schluss unterhaltsamer Roman, der beschreibt, dass das Glück der einen das Unglück der anderen sein kann, der emotional und schicksalhaft, aber nicht zu kitschig ist.



Samstag, 13. Januar 2018

Buchrezension: Joy Fielding - Die Schwester


Inhalt:

Caroline Shipley ist eine glückliche Mutter von zwei kleinen Mädchen. Doch dann wird ein Ferienaufenthalt in Mexiko zum Albtraum ihres Lebens, denn ihre zweijährige Tochter Samantha wird aus der Hotelsuite entführt. Alle Bemühungen, das Kind zu finden, sind vergebens. Carolines Ehe scheitert schließlich daran, und obwohl die Jahre vergehen, leidet sie noch immer unter ihren Schuldgefühlen. Da erhält sie eines Tages den Anruf einer jungen Frau, die behauptet, Samantha zu sein. Caroline steht unter Schock – und wird schließlich mit einer Wahrheit konfrontiert, die sie von Neuem vor einen Abgrund stellt. 

Rezension:

Anlässlich ihres zehnten Hochzeitstages verbringen Caroline und Hunter einen Kurzurlaub in Mexiko. Als sie abends mit Freunden im Hotel beim Dinner feiern, lassen sie ihre beiden Töchter, die fünfjährige Michelle und die zweijährige Samantha, allein in der Suite, da kein Babysitter verfügbar war. Caroline und Hunter sehen halbstündlich nach den schlafenden Kindern bis Caroline Samanthas Bettchen leer vorfinden. Das Mädchen bleibt spurlos verschwunden. 


15 Jahre später erhält Caroline einen Anruf von einer 17-jährigen Teenagerin aus Calgary, Lili, die vermutet, die verschwundene Samantha zu sein. Sie ist bereit für einen DNA-Test...

Der Roman ist zunächst abwechselnd in Abschnitte aus der Vergangenheit und Gegenwart unterteilt, bis der Fokus im letzten Drittel auf den Geschehnissen in der Gegenwart liegt. Die Handlung wird aus Sicht von Caroline geschildert, die nicht nur unter Verlust ihrer jüngsten Tochter leiden musste, sondern in den Medien stets als kaltherzige Rabenmutter und Schuldige am Verschwunden von Baby Samantha dargestellt wurde. Während sie dadurch sogar Probleme hatte, eine Anstellung als Lehrerin zu bekommen, konnte ihr Mann ein neues Leben beginnen und wieder eine Familie gründen. 

Caroline klammert sich an den Strohhalm, dass Lili ihre Tochter ist, wohingegen insbesondere ihre schwierige ältere Tochter skeptisch ist und vermutet, dass diese eine Betrügerin ist, die Caroline um Geld erleichtern möchte. Als Lili dann tatsächlich in die USA reist, wartet die Familie gespannt auf das Ergebnis des DNA-Tests. Währenddessen werden Geheimnisse offenbar, was sich wirklich am Abend des Verschwindens von Samantha ereignet hat. 

Bei "Die Schwester" handelt es sich mehr um ein Familiendrama als um einen Thriller. Über das Thema verschwundenes/ entführtes Kind, das nach Jahren wieder auftaucht, wurden schon einige Romane geschrieben und auch dieser ist nach altbekanntem Muster aufgebaut und spielt mit den üblichen Klischees einer gescheiterten Ehe, unfair behandelter Ehefrau und Mutter und betrügerischem Ehemann, der das Drama ohne größere Reibungsverluste übersteht. 

Während absehbar ist, dass es sich bei Lili um die verschwundene Samantha handelt, bleibt nur noch spannend zu erfahren, wer und warum das Mädchen damals entführt hat. Dieser Fakt wird am Ende etwas abrupt und für mich unpassend wie ein Plädoyer aufgelöst und letztlich empfand ich den Hintergrund der Entführung ernüchternd und enttäuschend. 

Der Roman liest sich flüssig und natürlich möchte man als Leser auch wissen, was sich vor 15 Jahren tatsächlich ereignet hat, dennoch fehlte die nötige Spannung und Sympathie für die Protagonisten, um von der Geschichte gefesselt zu werden. 



Freitag, 12. Januar 2018

Buchrezension: Mhairi McFarlane - Es muss wohl an dir liegen


Inhalt:

Wie viele Schmetterlinge passen in einen Bauch?

Mit ihren tizianroten Haaren und ihren Kurven ist Delia vielleicht nicht ganz der Model-Typ, aber dass Paul sie nach zehn Jahren gemeinsamen Glücks mit einer Studentin betrügt, trifft sie ziemlich unvorbereitet. Am Anfang glaubt sie, alles sei ihre Schuld. Doch dann erkennt Delia, dass die zerplatzten Seifenblasen von gestern die Chance auf das Glück von morgen bedeuten: Denn nun kann sie selbst entscheiden, wie sie die bunten Puzzleteile ihres Lebens neu zusammensetzt. Kurzerhand zieht sie zu ihrer besten Freundin Emma nach London und sucht sich einen neuen Job. Alles könnte gut werden. Wäre da nicht Adam, ein Skandalreporter und der härteste Konkurrent ihres neuen Arbeitgebers - denn er bringt die Schmetterlinge in Delias Bauch plötzlich kräftig in Wallung. Und zu allem Übel setzt Paul wieder alle Hebel in Bewegung, um Delia zurückzugewinnen.

Rezension:

Delia ist zehn Jahre mit ihrem Freund Paul zusammen, als sie ihm einen Heiratsantrag macht und durch eine versehentlich von Paul an sie verschickte SMS erfährt, dass dieser eine Affäre hat. Er verstrickt sich in weitere Lügen, weshalb Delias Vertrauensverhältnis zu Paul erschüttert ist.
Da die 33-Jährige ihre Arbeitsstelle in der Stadtverwaltung in Newcastle zudem zunehmend nervt, kündigt sie und zieht kurzerhand zu ihrer Freundin Emma nach London. Dort findet sie einen Job als Junior Account Manager im Bereich Marketing wobei die kleine Firma und allen voran ihr Chef Kurt zwielichtig sind und ihr Geld mit erlogenen Geschichten verdienen. Delia hat zwar Skrupel, kann ihren Job aber auch nicht so einfach aufgeben, da sie von dem Enthüllungsjournalisten Adam West erpresst wird.
Mehr und mehr freundet sie sich dagegen mit Joe an, mit dem sie in regem E-Mail-Kontakt steht und der mit seinen Social Media-Accounts der Stadtverwaltung in Newcastle das Leben mit negativen Postings schwer macht.

Paul lässt nicht locker und hält den Kontakt zu Delia weiterhin aufrecht. Als ihr gemeinsamer Hund eingeschläfert werden muss, kehrt Delia nach Newcastle zurück, wo sie Paul wieder näher kommt. Doch als sie dann seine Geleibte die 24-jährige Celine zufällig trifft und ihr bewusst wird, dass Paul sie weiterhin belogen hat, entscheidet sie sich endgültig gegen Paul und für einen Neuanfang in London.

"Es muss wohl an dir liegen" ist eine Geschichte über das Ende einer Beziehung und den Mut, nicht nur privat, sondern auch beruflich ein neues Leben zu beginnen. Der Plot ist nicht neu, jedoch abwechslungsreich und humorvoll geschrieben. Die rothaarige Delia mit ihrem unkonventionellem Kleidungsstil ist zwar etwas naiv, aber herzlich und sympathisch.

Das Buch hat mit seinen über 500 Seiten allerdings seine Längen. Insbesondere die Beschreibung von Delias Berufsalltag war mir zu sehr in den Vordergrund gerückt und war insbesondere aufgrund der plump-sexistischen Anspielungen der Männerwelt ermüdend zu lesen. In Bezug auf Delias Neuanfang hätte ich mir einen stärkeren Fokus auf die Verarbeitung der Trennung von Paul und die Avancen von Adam und Joe gewünscht, um den Roman etwas zu straffen.

"Es muss wohl an dir liegen" ist eine turbulente Geschichte, die locker geschrieben ist und durch witzige Dialoge unterhält, aber einen sehr zähen Mittelteil hat, der den Leser nur durch die eigenwilligen, interessanten Charaktere bis zum Ende durchhalten lässt. Wer sich von dem Roman eine romantische Liebesgeschichte erhofft, wie es Cover und Klappentext suggerieren, wird enttäuscht sein. 




Mittwoch, 10. Januar 2018

Buchrezension: Stephanie Danler - Sweetbitter


Inhalt:

Eigentlich wollte Tess nicht Kellnerin werden. Sie wollte ihrer provinziellen Herkunft entkommen, in die Großstadt eintauchen und endlich herausfinden, wofür sie geschaffen ist. Doch dann landet sie in einem edlen New Yorker Restaurant und es ist wie der Eintritt in ein neues Universum, in dem ganz eigene Regeln und Gesetze herrschen, in dem der falsche Wein im falschen Moment zum Verhängnis werden kann. Oder die Ignoranz gegenüber der Einzigartigkeit einer Auster.

Rezension:

Die 22-jährige Tess kehrt ihrer Heimat den Rücken, um in New York neu anzufangen. Sie erhält einen Job als Hilfskellnerin in einem Edelrestaurant, das die besten Zeiten hinter sich hat. Die Arbeit in dem Restaurant ist ein Knochenjob, der oft bis spät in die Nacht andauert. Die Anfängerin Tess muss sich unterordnen, möchte jedoch den Aufstieg von der Hilfskellnerin zur Kellnerin machen, ist wissbegierig und lässt sich von Kellnerin Simone in Bezug auf Wein weiterbilden. Gerade in stressigen Situationen, sei es an der Bar oder im Service, ist Tess sichtbar überfordert und steht anfangs des Öfteren kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

Nach Restaurant-Schluss trinken die Angestellten einen Absacker und ziehen in der Regel weiter in die nächste Bar. Alkohol und Drogen gehören zu Tess' Alltag. Tess passt sich den anderen Mitarbeitern des Restaurants an und fühlt sich zunächst von Simone und dann von Jack angezogen. In Jack verliebt sie sich, doch scheint eine Beziehung zu ihm keine Chance zu haben, da dieser in einem schon seit Jahren bestehenden (Abhängigkeits-)verhältnis zu Simone zu stehen scheint.

Der Roman untergliedert sich in die vier Jahreszeiten und beschreibt Tess' Arbeit in dem New Yorker Restaurant innerhalb eines Jahres. Der Schauplatz des eintönigen Romans ist ausschließlich das Restaurant bzw. die "Park Bar". Der Inhalt des Romans ist im Wesentlichen auf den Arbeitsalltag in dem Restaurant reduziert. Auch wenn es ein Edelrestaurant ist, gibt es Probleme mit Ungeziefern und hygienische Mängel.
Nach Schichtende bedienen sich die Angestellten am Alkohol und konsumieren ihre Aufputschmittel und härtere Drogen.
Tess, deren Name der Leser erst nach zwei Drittel des Romans überhaupt erfährt, lässt sich willenlos mitziehen, um dazuzugehören.

Die Charaktere, sogar die Protagonisten Tess, aus deren Sicht der Roman geschrieben ist, bleiben fremd. Der Leser erfährt rein gar nichts über Tess' Vergangenheit, weiß nicht, wo sie herkommt und welche Probleme es mit ihrer Familie gegeben haben muss, dass sie allein nach New York gegangen ist. Die Mehrheit der zahlreichen Angestellten, die einen den Überblick verlieren lassen - Köche, Barista, Kellner, Hilfskräfte - bleiben reine Statisten, von denen man nur die Namen kennt.

Der Roman bleibt oberflächlich, verliert sich in Beschreibungen des deprimierenden Alltags in dem Restaurant und den allabendlichen Drogenexzessen von Tess und ihren Kollegen.
Offensichtlich verarbeitet die Autorin in ihrem Debütroman ihre eigenen Erfahrungen als Kellnerin in New York.
Die Geschichte ist schwer zugänglich wirkt zusammengestückelt und insbesondere langweilig, da über 400 Seiten nicht viel passiert. Jeder neue Tag - egal in welcher Jahreszeit - ist für Tess immer gleich, ein Alltag außerhalb des Jobs findet nicht statt.

Auch wenn Tess am Ende des Romans unerwarteten Einsatz für sich selbst zeigt und Anspruch auf eine Anstellung als Kellnerin erhebt, vermisste ich eine Entwicklung der Hauptperson, mehr Tiefgang und Struktur, um einen Zugang zu ihrem Charakter, ihren Gefühlen und eine Idee für eine Intention der Autorin zu erhalten.

"Sweetbitter" zieht den Leser nicht nach New York, könnte in jeder x-beliebigen Großstadt handeln und beschreibt schon gar keinen kulinarischen Hochgenuss eines Edelrestaurant. Dieser Roman hinterlässt allenfalls einen bitteren Geschmack.



Dienstag, 9. Januar 2018

Droemer Knaur Challenge 2018

Droemer Knaur
Challenge 2018

Da ich im Verlauf des Jahres viele Bücher lese und darunter auch einige der Verlagsgruppe Droemer Knaur sind, nehme ich dieses Jahr an der Challenge teil und versuche, in den kommenden zwölf Monaten möglichst viele Bücher aus dem Knaur-Verlag zu lesen.

Die Challenge findet auf Lines Bücherwelt statt.

Ein Einstieg in die Challenge ist jederzeit möglich.

Infos und Regeln:

Der Zeitraum: 01.01.2018 bis zum 31.12.2018

Das Ziel der Challenge ist es in diesen zwölf Monaten mindestens 20 Bücher aus dem Knaur Verlag (Droemer, Knaur, Feelings) zu lesen und zu rezensieren.
Es zählen alle Bücher aus dem Knaur Verlag, die ab dem 1. Januar 2018 gelesen und rezensiert werden.

Am Ende der Challenge wird es zwei Gewinner geben. Zum einem wird der Teilnehmer gewinnen der die meisten Punkte gesammelt hat (je mehr Seiten desto mehr Punkte) und zum anderen wird der Teilnehmer gewinnen der die meisten Bücher aus dem Knaur Verlag gelesen und rezensiert hat.

Ich bin gespannt, ob ich die 20 Büchermarke knacken werde.

Meine gelesenen Bücher:

Mhairi McFarlane - Es muss wohl an dir liegen

512 Seiten = 5 Punkte

Lily Oliver - Träume, die ich uns stehle

400 Seiten = 4 Punkte

Judith W. Taschler - Die Deutschlehrerin

224 Seiten = 2 Punkte

Dani Atkins - Sieben Tage voller Wunder

240 Seiten = 2 Punkte

Susanna Ernst - Der Herzschlag deiner Worte

400 Seiten = 4 Punkte

Hannah Kent - Wo drei Flüsse sich kreuzen

432 Seiten = 4 Punkte

Montag, 8. Januar 2018

Buchrezension: Armando Lucas Correa - Das Erbe der Rosenthals


Inhalt:

1939 muss die elfjährige Hannah mit ihrer Familie aus Berlin fliehen, denn sie ist Jüdin. Ein Schiff soll sie nach Kuba bringen, doch nur die Wenigsten dürfen die St. Louis dort verlassen. Auch Hannahs Familie wird auseinandergerissen.
2014 sucht die elfjährige Anna nach den Wurzeln ihres bei 9/11 verstorbenen Vaters. Ein Brief ihrer Großtante enthält Fotos und erste Hinweise. Doch erst als sie zusammen mit ihrer Mutter von New York nach Kuba reist, kommt sie der Geschichte ihrer Familie wirklich nahe.

Rezension:

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen. 


1939 erlebt das jüdische Mädchen Hannah in Berlin die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Sie genießt das Privileg zur Rosenthal-Familie zu gehören, die bis zuletzt sehr angesehen war und der es auch an Geldmitteln nicht mangelt, sieht aber auch das Elend im Viertel der "Unreinen". Als ihr Vater Max willkürlich von den "Barbaren" gefangen genommen wird und sich nur durch die Abtretung seiner Besitztümer freikaufen kann, beschließt die Familie endgültig zu flüchten.

Im Mai 1939 gehen sie in Hamburg an Bord der St. Louis, die sie nach Kuba bringen soll, das zugesagt hat, die über 900 Passagiere aufzunehmen. Die Entscheidung wird jedoch auf ihrer 14-tägigen Reise rückgängig gemacht und Hannah und ihre Mutter Alma sind zwei von nur 30 Passagieren, die das Schiff in Havanna verlassen dürfen. Die St. Louis nimmt wieder Kurs auf Europa, was die Familie entzweit und Hannah auch von ihrem besten Freund Leo trennt.

2014 lebt die 11-jährige Anna allein mit ihrer depressiven Mutter Ida in New York. Erst als diese einen Brieg aus Kuba von der Familie ihres verstorbenen Mannes erhält, wird sie aus ihrer Lethargie gerissen, kümmert sich endlich wieder um ihre Tochter, beantwortet ihr Fragen zu ihrem Vater, die über all die Jahre offen geblieben sind. Ida nimmt sodann Kontakt zur Tante ihres Mannes auf und besucht diese zusammen mit Anna auf Kuba. Dort lernt Anna ihre Wurzeln und erfährt die tragische Familiengeschichte ihres Vaters Louis von ihrer Großtante Hannah, die als Zeitzeugin auch von der Flucht nach Kuba und dem Versuch eines Neuanfangs in einem fremden Land unter denkbar schlechten Voraussetzungen berichtet.

"Das Erbe der Rosenthals" ist die fiktionale Geschichte über zwei Mädchen in einem realen Kontext. Beide Mädchen verbindet die Liebe zu ihren Vätern, von denen sie getrennt wurden bzw. nie kennenlernen durften und die bei ihren Müttern aufgewachsen sind, die mit der Verantwortung für ihr Leben überfordert sind und sich phasenweise in Depressionen flüchten.

Das Schicksal von Hannah und ihrer Familie, die in Berlin alles zurücklässt, um in Kuba eine neues Leben zu beginnen, nur um dort einer Illusion zu erliegen, ist besonders ergreifend aus Sicht der 12-jährigen Hannah erzählt, die für ihr Alter unheimlich reif wirkt und selbst so verzweifelt ist, Selbstmordgedanken zu hegen.

Jahrzehnte später schreibt die inzwischen 87-jährige Hannah ihren Nachfahren einen Brief und enthüllt in Gesprächen mit ihrer Großnichte Anna und deren Mutter ihre Familiengeschichte, wodurch Anna endlich mehr über ihren verstorbenen Vater und damit auch ihre eigenen deutsch-kubanischen Wurzeln erfährt.
Die Verknüpfung des Traumas der Vergangenheit mit den Unsicherheiten über das Schicksal des Vaters seit ihrer Geburt werden zu einer gemeinsamen Geschichte von Hannah und Anna, ein Gedenken an die Verstorbenen und ein Trost für die Hinterbliebenen.

"Das Erbe der Rosenthals" ist ein wertvoller Roman über Flucht, Verlust, Leid und Schmerz, der die Generationen verbindet, aber auch ein bittersüßer Roman über den Kampf um das Überleben, Mut und die Hoffnung nicht aufzugeben.

Auch wenn man schon viele Bücher über den Zweiten Weltkrieg, Nationalsozialismus und Judenverfolgung gelesen hat, ist dieser Roman - in Zeiten, in denen Antisemitismus und die Angst vor Fremden wieder weit verbreitet sind und Rechtspopulisten in Europa auf dem Vormarsch sind - aktuell un dein wichtiges Dokument gegen das Vergessen.

Von der Irrfahrt der St. Louis hatte ich bisher noch nichts gehört, weshalb ich den historischen Hintergrund zu der leidvollen Familiengeschichte, die repräsentativ für die 937 deutschen Juden steht, die all ihre Hoffnungen auf die Überfahrt nach Kuba setzten, besonders interessant fand.


Samstag, 6. Januar 2018

Buchrezension: Lisa O'Donnell - Die Geheimnisse der Welt


Inhalt:

Der elfjährige Michael Murray kann zwei Dinge am allerbesten: Ballhochhalten und Geheimnisse bewahren. Seine Familie findet, dass er für Erwachsenenangelegenheiten noch zu jung ist, also lauscht er an Türen. Es ist der einzige Weg, um irgendetwas mitzubekommen. Und Michael hat ein Geheimnis mitbekommen – eines, das vielleicht die Prellungen im Gesicht seiner Mutter erklärt.
Als das Flüstern zu Hause und in der Nachbarschaft zu laut wird, um es zu ignorieren, fragt sich Michael, ob hinter der ganzen Sache doch mehr steckt, als er dachte. Also macht er sich daran, die Wahrheit herauszufinden, in der Hoffnung, dass dann endlich alles wieder normal wird.
Er darf dabei nur ein paar Sachen nicht vergessen: sich auf den bevorstehenden Talentwettbewerb im Dorf vorzubereiten, ein Auge auf seine
Erzfeindin "Dirty Alice" zu haben und auf jeden Fall die wässrigen Eintöpfe seiner Granny zu vermeiden.

Rezension:

Michael Murray ist elf Jahre alt, als sich ein schrecklicher Vorfall ereignet, der das Leben seiner Familie komplett durcheinanderbringt.
Michael lebt mit seinen Eltern Rosemary und Brian sowie seiner Granny zusammen auf der Insel Isle of Bute vor Glasgow. Michaels Alltag bestand bislang aus Schule, Fußball, Spielen mit den Jungs und Streitigkeiten mit Mädchen.
Der Vorfall, der seine Mutter schwer traumatisiert hat, verstört den Jungen, da in der Familie nicht offen darüber gesprochen wird. Vor Scham in der Kleinstadt geächtet zu werden, wird eine Gewalttat tot geschwiegen, bis weitere Frauen verletzt werden. Trotz des schlechten Gewissens, das auf der Familie lastet, geht niemand zur Polizei.
Michel belauscht seine Eltern und kann durch die aufgeschnappten Wörter mit der Zeit erahnen, welche Form der Gewalt seiner Mutter angetan wurde.

Der Roman spielt in den Jahren 1982/ 1983, als Margaret Thatcher Premierministerin war und Groß Britannien gegen Deutschland den Grand Prix verloren hat. Aus der Sicht des 11- bzw. 12-jährigen Jungen wird beschrieben, wie die Arbeiterfamilie fast an dem Drama zerbricht.
Durch die kindliche Perspektive von Michael nimmt der Leser wahr, welche Auswirkungen die Gewalttat auf seine Mutter Rosemary und letztlich auf die ganze Familie hat und wie sie die verzwickte Situation aus Verdrängen, Gewissensbissen, Angst und Schuld gemeinsam meistern.

Es ist ein ernstes Thema, das aus Kinderaugen betrachtet wird und im Gegensatz zum Leser von Michael nicht richtig einzuordnen ist. Das für ihn nicht nachvollziehbare Verhalten der Erwachsenen steht im Fokus der Geschichte. Für mich drehte sich diese im Kreis und erst am Ende kam es zu einer Wende, was aber nichts mehr daran änderte, dass ich den Roman über weite Strecken ermüdend langweilig empfand. 



Freitag, 5. Januar 2018

Buchrezension: Diane Chamberlain - Das geheime Leben der CeeCee Wilkes


Inhalt:

Eve Elliott ist eine erfolgreiche Therapeutin, liebende Ehefrau und hingebungsvolle Mutter. Doch ihr Glück ist auf einer Lüge aufgebaut. Als gutgläubiges, verletzliches Mädchen musste sie in einer dunklen Nacht eine Entscheidung treffen, die ihr ganzes Leben veränderte. Und nun muss sie sich wieder entscheiden: Soll sie ihrer Familie sagen, wer sie wirklich ist? Oder soll sie zusehen, wie ein unschuldiger Mann zum Tode verurteilt wird?

Rezension:

Die 12-jährige CeeCee Wilkes verliert ihre Mutter, die im Alter von nur 29 Jahren an Brustkrebs stirbt. CeeCee wächst daraufhin in Pflegefamilien auf, vermisst jedoch ihre Mutter sehr, die ihr als Vermächtnis Briefe hinterlassen hat.
Mit 16 Jahren verdient sie ihren Lebensunterhalt selbst in einem Coffeeshop und lernt dort den Studenten Tim kennen, der so liebevoll zu ihr ist und in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Aus Angst ihn zu verlieren und wieder ganz allein zu sein, tut sie ihm einen Gefallen, der ihr ganzes Leben verändern und den sie noch Jahrzehnte später - unter ihrer neuen Identität als Eve Elliott - schwer bereuen wird.

"Das geheime Leben der CeeCee Wilkes" ist eine gelungene Mischung aus Thriller und Familientragödie, die sich über knapp 30 Jahre erstreckt.
Das Buch ist von Anbeginn spannend geschrieben und man fiebert mit der zunächst naiven, aber später sehr starken Protagonistin CeeCee bzw. Eve mit.
Fesselnd liest sich ihre Lebensgeschichte, die auf einer Lüge aufgebaut ist, eine Lüge, die mit einem schweren Verbrechen verbunden ist. Eve wird mit Mitte 40 von ihrer Vergangenheit eingeholt und sieht sich mit dem schwerwiegenden Fehler ihrer Jugend konfrontiert, den sie über all die Jahre versucht hat zu verdrängen und der nun droht ihr Leben und das ihrer Familie, die sie sich nach Jahren der Einsamkeit aufgebaut hat, zu zerstören.
Als Leser kann man sich gut in CeeCee bzw. Eve hineinversetzen, ihr Denken und Handeln nachvollziehen. Der Roman ist kurzweilig und zudem so authentisch geschrieben, dass man selbst im weiteren Handlungsverlauf, als CeeCee eine neue Identität annimmt und das Leben der treusorgenden Ehefrau und zweifacher Mutter führt, vergisst, was in der Vergangenheit geschehen ist.
Sehr eindringlich ist ihr seelisches Leiden, das sich auch in ihrer verschlimmernden Arthritis zeigt, beschrieben und wie sie damit ringt, ihre Tarnung aufzugeben, den Fehler der Vergangenheit einzugestehen und damit das Leben von Tim zu retten, der sie vor knapp 30 Jahren so egoistisch ausgenutzt hat.

Das Leben von CeeCee Wilkes ist eine faszinierende Geschichte voller Spannung und Emotionen, die den Leser bis zum Schluss mitnimmt.



Mittwoch, 3. Januar 2018

Buchrezension: Andreas Gruber - Todesreigen: Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez 4


Inhalt: 

Nachdem eine Reihe von Kollegen auf brutale Art Selbstmord begangen haben, wird Sabine Nemez – Kommissarin und Ausbilderin beim BKA – misstrauisch. Vieles weist auf eine jahrzehntealte Verschwörung und deren von Rache getriebenes Opfer hin. Sabine bittet ihren ehemaligen Kollegen, den vom Dienst suspendierten Profiler Maarten S. Sneijder, um Hilfe. Doch der verweigert die Zusammenarbeit, mit der dringenden Warnung, die Finger von dem Fall zu lassen. Dann verschwindet Sabine spurlos, und Sneijder greift selbst ein. Womit er nicht nur einem hasserfüllten Mörder in die Quere kommt, sondern auch seinen einstigen Freunden und Kollegen, die alles tun würden, um die Sünden ihrer Vergangenheit endgültig auszulöschen.

Rezension:

"Todesreigen" ist der vierte Fall um den niederländischen Profiler Maarten S. Sneijder und die Kriminalkommissarin Sabine Nemez des Autors Andreas Gruber und der erste Band der Reihe, den ich gelesen habe. Für das Verständnis des Falles ist es nicht nötig, die Vorgängerbände gelesen zu haben und auch die Protagonisten lernt man durch Verweise auf vergangene Fälle bereits zu Beginn des Thrillers kennen.

Sneijder ist ein exzentrischer, von sich selbst überzeugter Polizist, der nach der Tötung eines unbewaffneten Verdächtigen vom Dienst suspendiert ist. Sabine Nemez wurde von Sneijder an der Akademie des BKA unterrichtet und war zuletzt die ermittelnde Kollegin an seiner Seite. 

Als sich nun mehrere BKA-Beamte nacheinander des Leben nehmen, die zuvor einen Todesfall in der Familie zu beklagen hatten, wird Nemez stutzig und wendet sich vertrauensvoll an Sneijder, der alle vermeintlichen Selbstmörder kannte. Bei ihm beißt sie jedoch auf Grant und er rät ihr sogar, die Finger von diesem Fall zu lassen.  

Nachdem Nemez den Präsident des BKA nach einem Selbstmordversuch auffindet und sich die Indizien verdichten, dass die gemeinsame Vergangenheit der BKA-Beamten vor zwanzig Jahren als verdeckte Ermittler der "Gruppe 6" bei der Zerschlagung eines Drogenrings mit den Suiziden im Zusammenhang stehen könnten, verschwindet Nemez während der Ermittlungen spurlos. Sneijder ergreift daraufhin auf unkonventionelle Art die Initiative, um die Verbrechen aufzuklären. 

Der zweite Erzählstrang handelt von dem ehemaligen Drogendealer Thomas "Hardy" Hardkovsky, der nach 20-jähriger Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen wurde. Neben Drogenhandels wurde er wegen Mordes an seiner Ehefrau und seinen Kindern verurteilt und möchte nun seine Unschuld beweisen. 

Der Prolog des Romans packte mich, war voller Adrenalin und spannend geschrieben. Leider flachte die Spannung anschließend sukzessive ab. 
"Todesreigen" ist mit fast 600 Seiten ein umfangreiche Thriller, weist aber auch seien Längen auf. Zudem wird dem Leser mit "Hardy" so deutlich ein Verbrecher präsentiert, dass man als gewiefter Krimileser nicht an seine Schuld im aktuellen Fall glauben kann, sondern ziemlich bald von einem Sumpf aus Vertuschung innerhalb der Polizeistrukturen ausgehen kann. 

So ist allein spannend zu erfahren, wie die Selbstmorde letztlich aufgeklärt werden und inwieweit Sneijder selbst in diese Todesserie eingebunden sein könnte und wie er trotz seiner Suspendierung aktiv in die Ermittlungen eingreifen kann, um seine ehemalige Kollegin zu unterstützen. 

Sneijder ist ein hochintelligenter Profiler, der sich in die Psyche von Verbrechern hineinversetzen kann, menschlich ist er allerdings ein unsympathischer, kiffender Misanthrop. Die eigenwillige Persönlichkeit von Sneijder spielt mir im Vergleich zu der Aufklärung der Verbrechen eine zu große Rolle und so manche Wortwiederholung ("Leichenhallenlächeln", Sneijder: "vervloekt", Nemez: "Kuhscheiße") zunehmend nervig. 

Von der hoch gelobten Krimireihe um Sneijder/ Nemez hatte ich mir mehr Spannung und insbesondere auch mehr Raffinesse erwartet.