Mittwoch, 30. Januar 2019

Buchrezension: Jojo Moyes - Nächte, in denen Sturm aufzieht

Inhalt:

Liza McCullen weiß, dass sie ihrer Vergangenheit nicht entfliehen kann. Doch in dem kleinen beschaulichen Örtchen Silver Bay an der Küste Australiens hat sie ein Zuhause gefunden für sich und ihre Tochter Hannah. Die unberührten Strände, der Zusammenhalt in der kleinen Gemeinde und die majestätischen Wale, die in der Bucht leben, bedeuten ihr alles. Täglich fährt sie mit ihrem Boot raus aufs Meer und bietet Walbeobachtungstouren an für die wenigen Touristen, die sich nach Silver Bay verirren. Als der Engländer Mike Dormer anreist und sich in der Pension von Lizas Tante einquartiert, gerät das beschauliche Leben in Gefahr. Der gutaussehende Fremde in den zu schicken Klamotten passt nicht nach Silver Bay, und niemand ahnt, dass er Pläne schmiedet, die den kleinen Fischerort für immer verändern könnten. 

Rezension:

Die Engländerin Liza ist 32 Jahre alt und wohnt seit sechs Jahren zusammen mit ihrer elfjährigen Tochter Hannah bei ihrer Tante Kathleen in dem Küstenort Silver Bay, wo diese ein kleines Hotel führt. In den kleinen Ort, drei Stunden von Sydney entfernt, verschlägt es nur wenige Touristen, insbesondere die, die die Einsamkeit suchen oder mit den Walfängern aufs Meer fahren möchten, um Wale und Delfine zu beobachten. Auch Liza arbeitet dort als Skipper und hat eine besondere Intuition dafür, wann Wale in die Nähe der Küste kommen. 

Der Engländer Mike Dormer reist nach Silver Bay, aber nicht als Tourist, sondern aus geschäftlichen Gründen. Er soll sich den Ort ansehen, um das Projekt für einen Hotelbau voranzutreiben. Als er die einfachen Menschen in dem beschaulichen Fischerort und insbesondere die Frauen der Frühstückspension näher kennenlernt sowie selbst die Begeisterung spürt, wenn sich die Wale zeigen, deren Lebensraum zunehmend bedroht wird, bekommt er Skrupel. 

"Nächte, in denen Sturm aufzieht" ist ein Roman, den die Bestseller-Autorin Jojo Moyes bereits 2007 veröffentlicht hat und der erst jetzt in Deutschland erschienen ist. 
Es ist ein eher ruhiger Roman mit einer melancholischen Grundstimmung, die von Anbeginn spürbar ist, die aber perfekt zu dem verschlafenen Fischerort Silver Bay passt, an dem die Zeit ein bisschen still zu stehen scheint. Durch die Beschreibung des einfachen, aber zufriedenen Lebens der Einwohner, die sich ganz dem Meer und seinen Bewohnern verschrieben haben, fühlt man sich bildlich an diesen Rand der Welt zurückversetzt. 

Die Verknüpfung der Themen Ökologie, Tier- und Umweltschutz mit den Schicksalen der Frauen, vor allem des Lebens von Liza, deren Vergangenheit gemächlich aufgedeckt wird, ist sehr gut gelungen. 

Alle Charaktere - vom kauzigen Walbeobachter, über die gute Seele Kathleen bis zum zunächst etwas steifen Finanzexperten Mike - sind individuell, aber dabei sehr authentisch gezeichnet. 
Es ist interessant zu lesen, wie sich jeder einzelne im Verlauf des Romans weiterentwickelt und wie sich die ganz unterschiedlichen Figuren einander annähern. 

Auch wenn die Romane, die Jojo Moyes vor "Ein ganzes halbes Jahr" geschrieben hat, oft kritisiert werden, hat mir diese ruhige Geschichte um Liza, die sich wegen eines Schicksalsschlags nach Australien, an einen Ort, an dem sie gleichzeitig befreit, aber dennoch gefangen ist, zurückgezogen hat, wieder gut gefallen. Ich mochte die melancholische Atmosphäre von Silver Bay und den ambitionierten Kampf für das Wohlergehen der Tiere. 
Die Rolle von Mike ist zwar sehr vorhersehbar, aber dennoch bleibt es durch zahlreiche Wendungen spannend, wie sich die Situation vor Ort in Australien letztlich entwickelt, so dass mich "Nächte, in denen Sturm aufzieht" bis zum Schluss fesseln konnte. 



Montag, 28. Januar 2019

Buchrezension: Kristin Hannah - Die andere Schwester

Inhalt:

Seit Jahren haben die Schwestern Claire und Meghann kaum Kontakt. Dann möchte Claire einen Mann heiraten, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt hat. Davor will sie die ältere Meg unbedingt bewahren – ist sie doch selbst zu oft enttäuscht worden, als dass sie noch an Liebe glauben könnte. Ausgerechnet jetzt lernt Meg jemanden kennen, der es wert wäre, ihre Angst vor Nähe zu überwinden. Doch dann droht den Schwestern ein erneuter Verlust, und sie werden gezwungen, sich ihrer schwierigen Vergangenheit zu stellen.

Rezension: 

Früher hat Meghann auf ihre jüngere Halbschwester Claire aufgepasst, doch als Erwachsene sind sie sich inzwischen fremd. Meghann ist Scheidungsanwältin und arbeitet in Seattle. Sie ist kinderlos und geschieden und unglücklich mit ihrem einsamen Leben, was sie sich allerdings nicht eingestehen kann. Sie ist in therapeutischer Behandlung, sträubt sich gegen die Ratschläge der Ärztin und flüchtet sich lieber in anonymen Sex mit jüngeren Männern. 
Als Claire Meghann mitteilt, dass sie vorhabe zu heiraten, ist Meghann entsetzt darüber, dass die alleinerziehende Claire ihren Verlobten nur wenige Wochen kennt und möchte sie zur Vernunft bringen. Da sie in der Anwaltskanzlei ohnehin aufgefordert wurde, sich eine Auszeit zu nehmen, fährt sie zu ihrer Schwester in den Trailerpark, wo Konflikte vorprogrammiert sind. 

"Die andere Schwester" ist eine Neuauflage des schon zehn Jahre zuvor unter dem Titel "Wer zu lieben wagt" erschienen Buches. Der Roman ist abwechselnd aus der Perspektive von Claire, Meghann und Joe geschrieben, wobei man als Leser erst im Verlauf des Romans erfährt, in welchem Verhältnis dieser zu den beiden Schwestern steht. 

Die beiden Halbschwestern waren sich in ihrer Kindheit nahe, wurden jedoch von der Mutter verlassen und dadurch entzweit, dass Claire bei ihrem Vater Sam aufgewachsen ist. Ab diesem Zeitpunkt haben die Schwestern sich entfremdet und nur noch einen sehr oberflächlichen Kontakt zueinander. 
Meghann ist Juristin, die auf den Leser kaltherzig und frustriert wirkt, keinen Menschen näher an sich heranlässt und scheinbar nur für Geld und Karriere lebt. Berufsbedingt hat sie nur mit gescheiterten Liebesbeziehungen zutun. Claire ist dagegen offenherziger, in ihrem Freundeskreis beliebt und glaubt im Gegensatz zu Meghann noch an die Liebe. Zweifel kommen ihr erst, als Meghann sie von ihrer geplanten Hochzeit abbringen möchte.
Beide Frauen leiden nach all den Jahren immer noch an den Folgen ihrer trostlosen Kindheit und unter einer Mutter Eliana, die ihre Prominenz als Schauspielerin genießt und weder Zeit noch Emotionen für ihre Töchter übrig hat. Ihre ignorante, selbstsüchtige Art und ihr übertrieben Diva-haftes Auftreten waren vor allem am Ende sehr überzogen dargestellt. 

Meghann und Claire beginnen sich zaghaft sich wieder anzunähern, müssen allerdings erst die Vergangenheit ins Reine bringen, um an die Zukunft zu glauben. Abseits der Stadt und ihrer Tätigkeit als Scheidungsanwältin, könnte es für Meghann doch noch die Chance auf eine Liebe geben und Claire muss das Vertrauen aufbringen, an ein Happy End zu glauben. 

"Die andere Schwester" ist ein sehr emotionaler Roman über das schwierige Verhältnis zweier Schwestern, die im Verhältnis miteinander einen Neuanfang wagen. Es geht um eine zerrüttete Familie, um Vergangenheitsbewältigung und um Vergebung - sich selbst und geliebten Menschen gegenüber. Während Meghann ein Charakter ist, der aneckt und eine Frau ist, die auf den ersten Blick wenig sympathisch ist, bleibt Claire als Figur lange unscheinbar und dem Leser fremd. Auch Joe wirkte als Charakter zunächst ein wenig zu geheimnisvoll, da die Dämonen seiner Vergangenheit nur vage geschildert werden. 

Im letzten Viertel des Romans nahm die Geschichte unerwartet an Dramatik zu und wirkte beinahe wie eine ganz neue Geschichte innerhalb des Romans. Den Verlauf dieses Abschnitts empfand ich nicht immer als realistisch und hätte sich eher für eine Fortsetzung geeignet, um Joes Geschichte zu vertiefen. 

Der Roman ist im Mittelteil etwas langatmig geschrieben, indem insbesondere das Geplänkel zwischen den Schwestern hätte etwas straffer gefasst werden können. Den letzten Teil des Romans empfand ich etwas deplatziert und für die Annäherung der beiden Schwestern als unnötig. Insbesondere Meghanns Charakterveränderung, aber auch Joes Sinneswandel hätten meiner Meinung nach stärker vertieft werden sollen, als am Ende eine ganz andere Handlung anzufügen. 




Samstag, 26. Januar 2019

Buchrezension: Judith Pinnow - Versprich mir, dass es großartig wird

Inhalt:

Franzi und Lena sind mit Anfang zwanzig nach New York gegangen, den Traum vom großen Ruhm als Schauspielerin im Gepäck. Eine großartige Zeit bricht an, voller hochfliegender Pläne und neuer Abenteuer. Hinter jeder Ecke wartet ein neues Versprechen. 
Doch dann trennen sich ihre Wege. Unterschiedliche Lebensentwürfe und unterschwelliger Neid zerstören die Freundschaft. Erst nach dreizehn Jahren Funkstille sehen sie sich wieder. Es ist Zeit, ihre Geschichte noch mal umzuschreiben.

Rezension: 

Franzi und Lena haben sich in New York mit Anfang 20 kennengelernt, wo sie gemeinsam am Lee Strasberg Theatre and Film Institute Schauspiel studiert haben. Während Lenas Karriere als Schauspielerin anlief, hatte Franzi nach Castings nur Absagen erhalten. Sie heiratete, wurde Muter zweier Kinder und unterstützt ihren Mann als "rechte Hand" in seiner eigenen kleinen Firma. Der Kontakt zu Lena schlief nach der Taufe von Franzis erstem Kind Mia, bei der Lena sogar als Taufpatin fungierte, ein. 

Als sich Lena nun dreizehn Jahre später bei Franzi meldet und diese zu einem Interview bittet, holen Franzi ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in New York ein. Sie erinnert sich an ihre innige Freundschaft und an die Träume, die sie beide hatten und vergleicht, was jetzt aus ihnen geworden ist. 

Der Roman ist aus der Perspektive Franzis geschrieben, deren Leben durch die Kontaktaufnahme ihrer ehemals besten Freundin durcheinander gewirbelt wird. Neidisch blickt sie auf Lenas freies Leben und deren Fernsehrollen, hat aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen ihren Kindern und ihren Mann gegenüber, wenn sie den Gedanken hegt, was ohne sie hätte sein können. Vor allem ist sie unglücklich mit ihrer Teilzeittätigkeit in der Firma ihres Mannes, wo sie Dichtungsringe bestellt und Mädchen für alles ist. 

In Rückblenden, die nahtlos mit der Gegenwart verknüpft sind, erfährt man, wie sich Franzi und Lena kennengelernt haben und was sie gemeinsam in New York erlebt haben. Freiheit, Leichtigkeit und Begeisterung möchte Franzi wieder in ihrem Leben haben, traut sich aber von allein nicht, ihrem Leben eine neue Perspektive zu geben, ohne ihren Mann zu verletzen oder ihre Kinder zu vernachlässigen. Mit Hilfe von Lena, aber auch ihrer Freundin Jo lernt Franzi, dass sie trotz Familie ein Recht auf ein eigenes Leben hat und ihre Herzenswünsche nicht aufgeben darf, um selbst glücklich zu werden. 

Ich mag den ungekünstelten und warmherzigen Schreibstil von Judith Pinnow sehr, von der ich bereits ihre zuletzt erschienen Romane "Die Phantasie der Schildkröte" und "Die Prophezeiung der Giraffe" gelesen habe. 
"Versprich mir, dass es großartig wird" ist ein Roman über Familie und Freundschaft, aber auch über Jugendträume, Erwartungen, Lebensziele und die Suche nach dem Glück, der lebendig, herzerfrischend komisch, aber gleichzeitig auch tiefgründig geschrieben ist und nachdenklich stimmt. 
Die Charaktere, vor allem Franzi, in deren Leben und Gedankenwelt man buchstäblich eintaucht, sind authentisch geschildert. Auch in anderer Lebenssituation kann man sich sehr gut mit Franzi identifizieren, da die Geschichte so ehrlich und aus dem Leben gegriffen wirkt. 



Freitag, 25. Januar 2019

Buchrezension: Katy Mahood - Die Wege, die wir kreuzen

Inhalt: 

Zwei Paare, drei Jahrzehnte: Immer wieder kreuzen sich in diesem Roman von Katy Mahood die Lebenswege von John und Stella mit denen von Charlie und Beth in den Straßen Londons, wo der Puls der Welt schlägt. Obwohl sie es nicht wissen, sich nicht einmal kennen, werden diese Begegnungen nicht ohne Folgen bleiben. Während manche Pläne gelingen und andere scheitern, während die Liebe sich wandelt, schwindet oder um so stärker zurückkehrt, zieht das Leben seine Kreise um die vier und ihre Kinder.
Und immer bleibt die Frage, wie wir wurden, wer wir sind – und wie selbst scheinbar unbedeutende zufällige Begegnungen unser Leben und unsere Beziehungen beeinflussen.


Rezension: 

Der Roman beginnt im Jahr 1977 und schildert darin bis 2006 die Leben zweier Paare. 

Stella hatte mit 22 Jahren noch Ambitionen, wollte wie John eine Karriere als Akademikerin machen, wurde dann jedoch schwanger. Frisch verliebt heiraten die beiden und Stella fügt sich bereitwillig in die Rolle als Hausfrau und Mutter ein, da sie für Töchterchen Hope nur das Beste möchte. Sehnsüchtig blickt sie dennoch immer wieder auf John, der als Forscher für Quantenphysik erfolgreich ist und sich wenig Zeit für die Familie nimmt. Als er eine seltene Viruserkrankung erleidet, gerät das Leben der kleinen Familie ins Wanken. 

Beth wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind, aber nach einer Fehlgeburt dauer es lange, bis sie wieder schwanger wird. Zu dem Zeitpunkt hat die Ehe mit Charlie schon sehr unter dem psychischen Druck der Kinderlosigkeit gelitten und Beth hat sich von Charlie, der sie betrogen und ein massives Alkoholproblem hat, getrennt. Dieser gelobt jedoch Besserung und mit der Geburt von Effie kann er dem Alkohol entsagen, so dass sich Beth und Charlie als Paar wieder zusammenraufen. 

Die beiden Paare begegnen sich wenige Male in London ohne miteinander in direkten Kontakt zu treten. Es handelt sich vielmehr um flüchtige Augenblicke bis sich erst in den 2000er-Jahren über die beiden erwachsenen Töchter die Wege der Paare kreuzen. 

Aufgrund des Buchtitels (im Original "Entanglement" - "Verstrickung") hatte ich mir unter der Geschichte etwas anderes vorgestellt. Ich bin davon ausgegangen, dass sich die Paare in jungen Jahren kennenlernen und dass sie durch äußere Umstände immer wieder zusammengeführt werden. So erweckte der Roman auf mich jedoch den Eindruck, dass zwei unterschiedliche Geschichten parallel nebeneinander erzählt werden, ohne dass es tatsächlich eine Gemeinsamkeit gibt. Die flüchtigen Begegnungen hatten meiner Meinung nach keinen Einfluss auf ihr Weiterleben. Ich bin deshalb etwas irritiert und konnte offenbar die Intention der Autorin nicht erfassen, die die Theorie der Quantenphysik, dass zwei verschränkte Teilchen den Quantenzustand des anderen beeinflussen können, auch wenn sie weit voneinander entfernt sind, als Grundlage für den Roman gewählt hat. Mir war diese Vorstellung und die Übertragung auf das Leben der beiden Paare zu abstrakt. 

Gleichwohl fand ich die episodenartig geschilderten Leben von Stella und John sowie Beth und Charlie mit all ihren Höhen und Tiefen interessant und sie hatten für mich so viel Entwicklungspotenzial, dass man auch zwei Romane daraus hätte machen können. So waren die vier Charaktere mit ihren jeweiligen Paarproblemen und Ehekrisen für mich etwas künstlich in einen Roman gequetscht. 

Trotz des nüchternen Bezugs auf die Theorie der Quantenphysik ist der Roman über Liebe, Vergebung und Hoffnung emotional geschildert und überzeugt vor allem durch die starken Rollen der beiden Frauen Stella und Beth. 



Mittwoch, 23. Januar 2019

Buchrezension: Janna Solinger - Romy und das Glück

Inhalt:

Romy hat ein besonderes Händchen für die Liebe. Denn wann immer sie zwei Singles zusammenbringt, entsteht daraus das ganz große Glück. Die Glücksfee selbst hält das jedoch für Quatsch, alles skurrile Zufälle. Wie sonst ist zu erklären, dass ausgerechnet sie ihren Mr. Right noch nicht gefunden hat? Bis David auftaucht und auch Romy sich endlich verliebt. Doch damit scheint der Zauber gebrochen: Eine Beziehung nach der anderen zerbricht. Aber wie kann sich Romy zwischen ihrem Glück und dem ihrer Freunde entscheiden? 

Rezension:

Romy wohnt in Köln und hat sich nach jahrelanger Tätigkeit bei einer Versicherung gerade als Personal Coach selbstständig gemacht. Schon im privaten Bereich hatte sie Freunde und Bekannte unterstützen und auf den richtigen Weg verhelfen können, so dass sie ihr Talent nun auch beruflich nutzen möchte. 

Romy hat einen großen Freundeskreis, mit dem sie sich jeden Sonntag im "Schröder's" trifft. Aus einigen Freunden sind inzwischen Paare geworden, wofür Romy als Glücksfee verantwortlich gemacht wird. Chris und Lennard, Mona und Sergej sowie ihre besten Freundin Thea und Lars planen bereits ihre Hochzeiten, während Romy bisher weniger Glück in der Liebe hatte. 

Da begegnet sie David und ist zum ersten Mal seit Langem selbst verliebt. Als sich ihre Beziehung mit David weiterentwickelt, machen ihr dann überraschend die Beziehungen ihrer Freunde Sorgen, die nacheinander zu kriseln beginnen. Ist es nur die Panik vor den anstehenden Hochzeiten oder liegt auf Romy tatsächlich ein Fluch, dass entweder nur ihr oder ihren Freunden das Liebesglück zuteil kommen kann, wie es angeblich schon bei ihrer Urgroßmutter Anita der Fall war?

"Romy und das Glück" ist ein Roman über Freundschaft und Liebe, der erfrischend unterhaltsam geschrieben ist. Trotz der Vielzahl der Charaktere und Paarkonstellationen verliert man nicht den Überblick. Es sind alles Figuren mit Ecken und Kanten, wobei schade ist, dass man bis auf Romy selbst keiner Person nahe kommt und eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Charakter stattfinden kann. 
Es geht darum, Risiken einzugehen, einerseits im Hinblick auf Romys berufliche Weiterentwicklung und die Anfangsschwierigkeiten der Selbstständigkeit, andererseits aber auch um ihr Privatleben, wofür sie die Liebe erst zulassen muss. 
Ob es den Fluch nun gibt oder nicht, bleibt letztlich offen oder der Fantasie des Lesers überlassen. So behält die Geschichte einen gewissen Zauber ohne den Bezug zur Realität zu verlieren. 

Es ist ein Wohlfühlbuch, das sehr schnell zu lesen ist, ein reiner Unterhaltungsroman für gemütliche Lesestunden. Große Emotionen oder eine komplexe Handlung mit Tiefgang darf man sich trotz Romys magischer Gabe nicht erwarten. 
Punkten konnte Romy jedoch noch mit ihren intelligenten Postkartensprüchen, die kleine Weisheiten fürs Leben sind, wie "Alles, was deinen inneren Frieden kostet, ist zu teuer." 



Montag, 21. Januar 2019

Buchrezension: Mirjam Oldenhave - Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende

Inhalt: 

Eigentlich wollte Julia nach der Trennung von ihrem untreuen Mann nur eine neue Wohnung – stattdessen bekommt sie ein Traumhaus. Gratis. Der Haken: Sie muss nicht nur die Pflege der im Koma liegenden Besitzerin Frau Smit übernehmen, sondern auch die Verantwortung für eine Gruppe skurriler Außenseiter, die dort ein und aus gehen: ein misshandeltes Mädchen aus der Nachbarschaft, ein depressiver Gärtner, eine Friseurin, die einen illegalen Frisiersalon im Haus betreibt, der Dealer, der Frau Smit immer die besondere Zutat für ihren "Beruhigungstee" vor dem Schlafengehen besorgt hat. Das führt natürlich zu einigen Turbulenzen. Doch als die alte Dame in Schwierigkeiten gerät, müssen Julia und ihre bunte neue Familie plötzlich zusammenhalten. 

Rezension: 

Nach dem ihr Ehemann sie zum wiederholten Mal betrogen hat, packt Julia ihre Koffer, findet aber so schnell keine eigene Wohnung. In ihrer Verzweiflung nimmt sie ein eher dubioses Angebot an: Gegen Housekeeping und die Pflege einer im Koma liegenden älteren Dame, darf sie mietfrei in einer Villa wohnen. Der reiche Neffe wartet eigentlich nur auf das Ableben seiner Tante, möchte sich aber nicht selbst um sie kümmern. Was er und auch Julia nicht ahnen, ist, dass die Besitzerin der Villa, Frau Smit, sich einiger Menschen angenommen hat und den Außenseitern bei sich eine Zuflucht gegeben hat. 
Fortan hat Julia weniger mit der Pflege der komatösen Patienten, sondern vielmehr mit den Sorgen und Problemen um den anderen Besuchern zu tun. Insbesondere das siebenjährige Mädchen Veronique zu tun. 

"Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende" ist ein herzerwärmender Roman, der innerhalb kürzester Zeit zu lesen ist. Im Vordergrund steht die Künstlerin Julia, die es endlich schafft, sich von ihrem untreuen Ehemann zu trennen und durch ihren Umzug unfreiwillig die Verantwortung für Menschen übernimmt, die in der Villa von Frau Smit Zuflucht gefunden haben. Frau Smit hat bis sie ins Koma gefallen ist, ehrenamtlich in einem Hospiz gearbeitet und sich selbstlos um andere arme Seelen gekümmert. 
Leider erfährt man sonst wenig über Frau Smit und auch die anderen Charaktere bleiben bis auf Julia und die kleine Veronique unscheinbar im Hintergrund. 

Die Geschichte ist vor allem aufgrund ihrer Botschaft um Freundschaft und Nächstenliebe, gegenseitige Anteilnahme und gegen das Wegschauen schön zu lesen. Verschiedenste gesellschaftliche Probleme werden angesprochen, aber letztlich - wie die Mehrzahl der Protagonisten - nur oberflächlich behandelt. Hier hat der Roman an Potenzial verschenkt und wäre vor allem im Hinblick auf die geringe Seitenzahl ausbaufähiger gewesen, um konkrete Lösungen für die Probleme der Gäste des Hauses zu finden und der Geschichte mehr Tiefgang zu verleihen. 


Samstag, 19. Januar 2019

Buchrezension: Anna Simons - Verborgen

Inhalt:

Neuer Job, neue Stadt – Eva hofft, die Schatten ihrer Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Aber noch vor ihrem ersten Arbeitstag als Gefängnisärztin in einer Münchner Haftanstalt wird sie in einen Kriminalfall verwickelt: Die Frau eines Inhaftierten bittet sie verzweifelt um Hilfe. Eva weist sie zurück, doch am nächsten Tag ist die Frau spurlos verschwunden. Eva macht sich Vorwürfe: Was hatte sie ihr sagen wollen? Wovor hatte sie Angst? Auf eigene Faust versucht Eva, der Wahrheit auf die Spur zu kommen – ohne zu ahnen, dass der Täter sie längst im Blick hat und ihr schon ganz nahe ist. Gefährlich nah. 

Rezension:

Eva Korell ist Allgemeinmedizinerin und gerade von Berlin nach München gezogen. Statt in einer Klinik arbeitet sie nun in der JVA Wiesheim als Gefängnisärztin. Schon während ihrer ersten Arbeitswoche trifft sie zufällig auf eine verstörte Frau, der sie Erste Hilfe leistet und die sich später als die Ehefrau eines Insassen der JVA herausstellt. Die Frau, Nicole Arendt, wendet sich hilfesuchend an Eva, die sie jedoch zurückweist, um Privates nicht mit Beruflichem zu vermischen. Ihr Mann, Robert Arendt, hat seine Haftstrafe fast verbüßt und steht kurz vor der Entlassung. Er ist als gewalttätig bekannt und hat seine Frau in der Vergangenheit regelmäßig geschlagen. Als diese nach einem Wohnungsbrand verschwunden ist, ist unklar, ob sie aus Angst vor der Entlassung ihres Mannes untergetaucht ist, obwohl dieser sich einsichtig gezeigt hat un nun voller Sorge um seine Frau ist und ob sie durch die Brandstiftung versuchen wollte, etwas zu vertuschen. 
Der Fall lässt Eva nicht los. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie die verzweifelte Frau nicht angehört hat. Durch ihre Einmischungen und Parteinahme für die Inhaftierten macht sie sich in ihrem neuen Kollegenkreis dagegen zunehmend unbeliebter. Dabei entwickelt sie ein Interesse für den leitenden Ermittler Lars Brüggemann, hat jedoch mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen. 

"Verborgen" ist der erste Band einer neunen Reihe um die junge Gefängnisärztin Eva Korell. Eva ist eine etwas undurchsichtige, aber nicht unsympathische Protagonistin, deren Vergangenheit wie ein Schatten auf ihr liegt. Die Beziehung zu ihrem letzten Freund in Berlin ist zerbrochen, was sie allerdings nicht sonderlich mitgenommen hat. Sie hat offensichtlich Bindungsängste, auch wenn sie äußerlich einen toughen, selbstbewussten Eindruck auf andere macht. 

Das Buch ist aus der Perspektive sowohl von Eva als auch von Nicole geschrieben, wobei der Schwerpunkt auf Evas Sichtweise liegt. Ich fand es interessant, einen Kriminalroman aus Sicht einer Gefängnisärztin zu lesen, das für mich im Vergleich zu den üblichen Romanen um oft problembehaftete Kriminalkommissare erfrischend anders war. Eva hat mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Auf der einen Seite steht die Gesundheit und die Heilung ihrer Patienten für sie im Vordergrund, auf der anderen Seite handelt es sich um (Schwer-)verbrecher, die das Vertauen der noch unerfahrenen Gefängnisärztin ausnutzen könnten. 

Der Kriminalfall entwickelt sich gemächlich, bleibt aber durch Wendungen und die unterschwelligen, subtilen Drohungen, die Eva erreichen, bis zum Ende spannend. Zu keinem Zeitpunkt übertrieben, wirkt der Fall authentisch und macht neugierig auf weitere Bände um die Gefängnisärztin, von denen ich mir mehr Einblicke in den Gefängnisalltag wünsche. 




Freitag, 18. Januar 2019

Buchrezension: Noa C. Walker - Die Farben meines Herzens

Inhalt: 

Die Landschaft um Meran am Fuße der Südtiroler Berge könnte als Kulisse für eine junge Liebe nicht romantischer sein. Der Forstwirt Mika, voller Tatendrang und Lebensmut, begegnet der sanften und liebenswerten Filomena, die zurückgezogen an einem einsamen, paradiesischen Ort lebt. Wie zwei Farben eines Aquarells beginnen sich die Leben der beiden zu berühren und ineinander zu fließen.

Doch es liegen dunkle Schatten auf Filomenas verletzter Seele, die die Liebe der beiden zu verhindern drohen. Welches Geheimnis zwingt Filomena in den Schutz der Einsamkeit, und wie kann Mika helfen, dass aus Filomena wieder die selbstbewusste und fröhliche Frau wird, die sie früher gewesen ist?


Rezension: 

Filomena ist Künstlerin und lebt zurückgezogen neben einer Kapelle am Rande des Jakobswegs in den Alpen bei Meran. Kontakte hat sie nur zu einer benachbarten Familie, insbesondere zu den Kindern Dana und Nico und zu deren Großmutter Margarita sowie zu einem Mönch, Bruder Ruben. 
Als nach Windbruch Forstarbeiten auf ihrem Grundstück zu erledigen sind, erscheint nicht der ihr bereits bekannte Handwerker, sondern dessen befreundeter Kollege. Mika ist irritiert von dern jungen Frau, die ein so einsames Leben führt, offensichtlich unter Angstzuständen leidet und ihn nicht einmal zum Händewaschen in ihre eigenen Vier Wände bitten kann. Gleichzeitig wird sein Beschützerinstinkt geweckt, er fühlt sich von ihr angezogen und ist neugierig darauf, was sich hintern ihrem sonderbaren Verhalten verbergen mag. Behutsam versucht er sich ihr anzunähern. 

"Die Farben meines Herzens" ist ein Roman, der bildhaft und sehr empathisch geschrieben ist. Die Ängste Filomenas vor anderen Menschen und ihr Wunsch, sich geschützt in die Einsamkeit der Berge zurückzuziehen, sind eindringlich und sehr ausführlich dargestellt. Ich fand allerdings, dass der Leser zu lange im Umklaren darüber gelassen wird, was Filomena in der Vergangenheit erlebt haben muss, das sie derart traumatisiert hat und ihr Leben so stark beeinträchtigt. Bis sie mit Mika darüber spricht, verliert man sich unweigerlich in Spekulationen, während die Handlung des Romans auf der Stelle tritt. Hier hätte ich mir - gerade durch ihre Albträume - mehr Andeutungen oder Flashbacks gewünscht, um schon während der beschriebenen Panikattacken mehr über Filomenas Vergangenheit zu erfahren. 

Nach Filomenas Offenbarung wird aber auch der Roman lebendiger. Mit Mikas Hilfe versucht sie aktiv, gegen ihre Ängste anzugehen. Zehn Jahre hatte sich Filomena auf den Berg zurückgezogen und genauso langsam sind ihre Fortschritte. Auch wenn psychische Erkrankungen individuell verschieden sind und jeder Mensch anders auf bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen reagiert, empfand ich Filomenas Angstattacken als Reaktion auf ihre negativen Erlebnisse mit ihren Mitmenschen überzogen und für mich nicht ganz schlüssig.

Interessant fand ich wiederum, dass parallel dazu Margarita in den Fokus der Handlung gerückt wird. Sie setzt sich ihrerseits mit der Vergangenheit auseinander und sodann wird klar, weshalb sie sich all die Jahre um Filomena gekümmert hat und sie ihr zu einem Leben ohne Ängste und Sozialphobien verhelfen wollte. 
Gerade diese Verknüpfung ihrer beider Leben und die Vielschichtigkeit der Charaktere haben mir gut gefallen. 

Die Liebesgeschichte und dass sich Filomena durch den Kontakt mit Mika aus ihrem Schneckenhaus wagen wird, damit ihr Leben wieder bunter wird, ist vorhersehbar. Mehr gestört hat mich allerdings, dass es wie so häufig die Liebe bzw. ein starker Mann ist, der die arme verängstigte Frau zurück ins Leben führt. 
"Die Farben meines Herzens" empfehle ich deshalb besonders Romantikerinnen. 
Dennoch ist der Roman, der am Anfang etwas zäh ist, ab der zweiten Hälfte tiefgründiger als gedacht und aufschlussreich konstruiert. Es ist ein Roman über Vertrauen und Freundschaft, über die Überwindung von Ängsten und die Hoffnung auf einen innerlich befreiteren Neuanfang. 



Mittwoch, 16. Januar 2019

Buchrezension: Daniel Speck - Bella Germania

Inhalt: 

München, 2014: Die Modedesignerin Julia ist kurz vor dem ganz großen Durchbruch. Als plötzlich ein Mann namens Vincent vor ihr steht, der behauptet, er sei ihr Großvater, gerät ihre Welt aus den Fugen.
Mailand, 1954: Der junge Vincent fährt von München über den Brenner nach Mailand, um dort für seine Firma zu arbeiten. Er verfällt dem Charme Italiens, und er begegnet Giulietta. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch sie ist einem anderen versprochen.
Eine tragische Liebe nimmt ihren Lauf, die auch Jahrzehnte später noch das Leben von Julia völlig verändern wird.


Rezension:

Julia ist Modedesignerin mit einem eigenen Label in München. Bei einer Modenschau in Mailand, die zukunftsweisend für ihr kleines Unternehmen sein soll, das kurz vor der Insolvenz steht, spricht sie ein älterer Mann aus Deutschland an, der behauptet, ihr Großvater väterlicherseits zu sein. Julia hat ihren Vater nie kennengelernt und ist bisher davon ausgegangen, dass dieser Italiener und bereits verstorben ist. Sie ist deshalb zunächst misstrauisch und weist Vincent zurück. Zurück in München nimmt sie Kontakt zu dem älteren Herren auf und erfährt seine Lebensgeschichte. Schließlich muss auch ihre Mutter einräumen, dass sie Julia belogen hatte und die Erzählungen von Vincent vermutlich wahr sind. Vincent selbst hat keinen Kontakt zu seinem Sohn und die Hoffnung, dass er sich mit Hilfe von Julia mit ihm versöhnen kann, bevor es zu spät ist. 

"Bella Germania" ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen handelt, wobei der Großteil der Geschichte in der Vergangenheit spielt, was ich besonders interessant fand. Sehr detailreich, aber keinesfalls überfrachtet oder gar ermüdend geschrieben, wird das Zeitgeschehen der 50er-/ 60er-Jahre lebendig eingefangen - egal ob schwärmerisch von Autos, Mode oder von Gerichten wie Toast Hawaii, der für den "Feingeschmack" mit Fondor gewürzt wird, die Rede ist. Aber auch die ernüchternde Wirklichkeit, wenn sich die italienischen Gastarbeiter in Deutschland alles andere als wie Gäste behandelt fühlen und von den strengen Regeln der Deutschen, ihrer Kinderfeindlichkeit und abschätzigen Art irritiert sind. Amüsant dagegen ist, wie die 1968er-Studenten sich mit der unterdrückten Klasse der Arbeiter solidarisch zeigen und die Einwanderern als Untermieter aufnehmen. 

Erzählt wird die Geschichte einer großen deutsch-italienischen Liebe, die aber aufgrund nationaler Grenzen, Familientradition und Angst vor der eigenen Courage keine glückliche Zukunft hatte. Es geht um die italienische Familie Marconi, die von Sizilien nach Norditalien umgesiedelt ist, um dort vom wirtschaftlichen Aufschwung der Automobilbranche zu profitieren und letztlich noch weiter nach Norden, nach Deutschland ausgewandert ist, um dort als Gastarbeiter ihr Glück zu versuchen. 

Es ist eine berührende Geschichte mit bewegenden Schicksalen, die sehr authentisch erzählt wird. Mir haben die unterschiedlichen, individuellen Protagonisten, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart gut gefallen. Unweigerlich fiebert man mit, wie sie die Herausforderungen in Italien, aber vor allem auch in Deutschland meistern und ob sie dort ihr privates und berufliches Glück finden werden. 

Der Roman handelt von den deutsch-italienischen Beziehungen - sowohl in politischer als auch zwischenmenschlicher Sicht - die von Vorurteilen geprägt waren, aber auch um Fragen der Herkunft und der eigenen Wurzeln, um Hoffnungen und große Erwartungen, die mit der Wirklichkeit nicht mithalten konnten und letztlich um zerstörte Träume von Reichtum, der eine stolze Rückkehr nach Italien ermöglicht hätte. Stattdessen wurden Provisorien in Deutschland zur Normalität und die Heimatlosigkeit und Entwurzelung über die Generationen hinweg spürbar. 

"Bella Germania" ist ein spannender Familienepos, der empathisch geschrieben ist und sich über mehrere Jahre erstreckt. Der Leser erhält dabei einen sehr interessanten Einblick in die deutsch-italienische Geschichte - von der Nachkriegszeit und dem aufkommenden Wirtschaftswunder und in die Situation der italienischen Gastarbeiter, vom Erfolg und Niedergang der (italienischen) Autoindustrie bis hin zum linksextremistischen Terror in Deutschland. Auf beiden Zeitebenen, in beiden Ländern und in Bezug auf alle Generationen konnte mich der Roman trotz seines Umfangs durchweg fesseln. 



Montag, 14. Januar 2019

Buchrezension: Julia Whelan - Mein Jahr mit dir

Inhalt:

Es soll das Jahr ihres Lebens werden. Mit einem Stipendium erfüllt sich Ella endlich ihren lang ersehnten Traum von einem Auslandsjahr in Oxford. Doch gleich am ersten Tag stößt sie dort mit dem arroganten Jamie Davenport zusammen, der zu allem Übel auch noch ihren Literaturkurs leitet. Als Ella und Jamie eines Abends gemeinsam in einem Pub landen, kommen sie sich viel näher als geplant. Und obwohl sie sich dagegen wehrt, spürt Ella, dass sie sich in ihn verlieben wird. Sie ahnt nichts von Jamies tragischem Geheimnis und davon, dass diese Liebe sie vor die größte Entscheidung ihres Lebens stellen wird. 

Rezension: 

Ella Durran ist Mitte 20 und kann dank eines Stipendiums nach Europa, um in Oxford ein Auslandsstudienjahr zu absolvieren. Gleich an ihrem Ankunftstag stößt sie in einem Fish-and-Chips-Restaurant mit Jamie Davenport zusammen, der sich wenig später als der junge Professor ihres Literaturkurses herausstellt. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre miteinander, bis Ella etwas über Jamie erfährt, das ihre Beziehung in Frage stellt und sogar Auswirkungen auf Ellas berufliche Zukunft hat, der eine Karriere als Beraterin der derzeitigen Präsidentschaftskandidatin in den USA offen steht. 

Der Roman begann vielversprechend mit dem Start Ellas in Oxford, die bisher noch nie die USA verlassen hatte und von ihrer verwitweten Mutter stark in Anspruch genommen worden war. Ihr etwas holpriger Start in Oxford und der Beginn ihres Studiums dort liest sich spritzig, bis sich die Handlung auf die Beziehung zwischen Ella und Jamie reduziert. Die zunächst oberflächlich erscheinende, rein auf eine sexuelle Anziehungskraft beschränkte Affäre beeinflusste Ellas Leben kaum nachvollziehbar stark, während keine emotionale Verbindung zwischen beiden spürbar war. Ihr Studium wie auch ihre Arbeit für die Präsidentschaftskandidatin gerieten für die Romanze mit dem gut betuchten Jamie völlig in den Hintergrund. 
Ella, die zu Beginn sehr geradlinig und resolut, wenn auch als etwas zu karrierebewusste Streberin erscheint, ändert ihre Ziele für eine Beziehung mit Jamie sehr abrupt, wobei nicht ganz klar ist, ob sie persönlich so zurückgesteckt hätte, wenn die Beziehung nicht diesen tragischen Verlauf genommen hätte. 
Dabei erschien zunehmend unglaubwürdiger, dass es sich bei Ella um die Inhaberin eines Rhodes-Stipendiums, eines der prestigeträchtigsten Stipendien der Welt, handeln sollte. 
Das Potential des Romans, in dem es um Auslandserfahrung, Abnabelung von der Mutter, neue Freundschaften und politische Ambitionen hätte gehen können, wurde für den Fokus auf eine wenig tiefgründige Liebe, bei Weitem nicht ausgeschöpft. Auch die anderen Charaktere blieben blass und Ellas Beziehung zu ihnen rein oberflächlich. 
Der eigentlich interessante und vielversprechende Plot war sprachlich gut, inhaltlich aber zu lieblos, langweilig und klischeehaft umgesetzt. 






Samstag, 12. Januar 2019

Buchrezension: Norbert Pautner - Chalkboard. Das große Lettering & Doodle Buch

Inhalt: 

Buchstaben, Banner und Verzierungen: Das inspirierende Vorlagenbuch für angehende Kreidekünstler hält viele Ideen bereit für Speise- oder Tischkarten, aber auch für eine liebevolle Notiz oder ein motivierendes Tagesmotto. Zusätzlich bietet es reichlich Platz zum kreativen Experimentieren mit Kreidestift oder Tafelkreide. Wer mag, kann die gestalteten Seiten problemlos herauslösen.

Rezension: 

"Chalkboard" ist wie ein Malbuch gestaltet. Es enthält mehrer Doppelseiten zu bestimmten Themengebieten wie Banner, Tischkarten, Speisen (italienische, asiatische Küche), auf denen genügend Platz ist, um selbst kreativ zu werden oder die Vorlagen nachzuzeichnen. 

Das Büchlein besteht aus festen schwarzen Tonpapierseiten, auf denen man mit Kreidestiften, behelfsmäßig auch mit hellen Buntstiften, zeichnen kann. 

Anders als bei anderen Handlettering-Büchern oder-Broschüren liegt in "Chalkboard" der Schwerpunkt nicht allein auf Buchstaben und Schriftarten, sondern (auch) auf Illustrationen z.B. zur Gestaltung von Speisekarten, Einladungen oder Fotoalben. 

Gerade für Menschen aus dem Gastronomiebetrieb, die auf Tafeln ihre Speisen und Gerichte anbieten, dürfte dieses "Chalkboard" auf großes Interesse stoßen, um die kulinarischen Angebote noch ansprechender und kreativ liebevoll selbst gestaltet in Szene zu setzen. 

Ich hätte mir noch mehr Tipps zum Üben gewünscht und war etwas enttäuscht, dass es bis auf einzelne Buchstaben keine Vorlagen zu unterschiedlichen Schriftarten enthält. Für Anfänger, die sich insbesondere mit dem Lettering beschäftigen möchten, ist dieses Buch deshalb nur bedingt geeignet. Ich vermisste darin Schritt-für-Schritt-Anleitungen, um das kreative Schreiben zu erlernen oder Tipps, welche Pinsel und Stifte sich alternativ zu Tafelkreide und Kreidestiften für diese Vorlagen verwenden lassen. Als "großes" Lettering und Doodle-Buch würde ich "Chalkboard" deshalb nicht bezeichnen wollen. 

Darüber hinaus fühlte ich mich mit den nachzumalenden Symbolen etwas allein gelassen. Hier gab es wiederum keine Tipps wie man sie arrangiert bzw. wie man sie zur Gestaltung von Karten verwenden soll. Die Zeichnungen für sich sind nichts Neues, dazu findet man bessere Vorlagen im Internet. 

Neugierig bin ich deshalb schon auf "Kalligrafie und Lettering. Schön schreiben mit Feder, Stift und Pinsel", ein Übungsbuch des selben Autors, das im April 2019 erscheinen wird un den Schwerpunkt vermutlich auf Schriftarten und das Schreiben legen wird. 




Freitag, 11. Januar 2019

Buchrezension: Brigitte Glaser - Bühlerhöhe

Inhalt: 

Rosa Silbermann reist mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe. Sie soll Bundeskanzler Konrad Adenauer schützen. Rosa ist in den dreißiger Jahren aus Köln nach Palästina emigriert und arbeitet für den israelischen Geheimdienst. Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher, die ihre Heimatstadt Straßburg verlassen musste und für den gesellschaftlichen Aufstieg alles geben würde. Rosa und Sophie wissen, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Beide verfolgen ihre eigenen Pläne. 

Rezension:

Rosa Silbermann ist eine deutschstämmige Jüdin, die im Auftrag des israelischen Geheimdienst 1952 als Rosa Goldberg nach Deutschland reist, um ein Attentat auf Bundeskanzler Konrad Adenauer zu verhindern. Er wird zur Frischzellenkur im Luxushotel Bühlerhöhe erwartet. Rosa hat als Kind bereits Urlaube im Schwarzwald verbracht, ist als Agentin aber völlig unerfahren und fühlt sich entsprechend unwohl, vor allem da ihr vorgeblicher Ehemann Ari Goldberg, der die Mission leiten soll, auf sich warten lässt. 
Während ihres Aufenthalts wird der Araber Abdul Nourridine, ein Hotelgast, getötet. Rosa findet seine Leiche und ahnt dabei noch nicht, dass der Verdacht des Mordes auf sie gelenkt werden soll. Eine Rolle spielt dabei die neugierige Hausdame der Bühlerhöhe, Sophie Reisacher, die gerne nicht mehr nur als Angestellte in den höheren Kreisen verkehren würde. 

"Bühlerhöhe" ist ein Roman, der Fiktion mit historischen Fakten vereint. So hat Konrad Adenauer tatsächlich mehrfach Urlaub Bühlerhöhe verbracht und im Vorfeld des deutsch-israelischen Wiedergutmachungsabkommens wurden zwei Briefbomben, eine davon direkt an Adenauer adressiert, verschickt. Eine radikale jüdische Untergrundorganisation wollte damit verhinder, dass Israel "Blutgeld" aus Deutschland annimmt. 

Der Roman wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt: aus Sicht Rosa Goldbergs, aus Sicht Sophie Reisachers sowie aus der Sicht der verschüchterten Agnes, die Im Hotel Hundseck arbeitet und die noch aus der Zeit der französischen Besatzung mit einem Trauma zu kämpfen hat. Alle Frauen schwelgen in Erinnerungen an die Kriegszeit und an verlorene Lieben. 

Ich empfand den Roman als etwas zäh und hatte mir von diesem vermeintlichen Spionagethriller mehr Spannung erwartet. Die Atmosphäre im Schwarzwald und der Alltag in den Nobelhotels der 50er-Jahre ist sehr anschaulich geschildert. Die vielen Details und Personen ermüden jedoch auch, insbesondere da der interessante Bundeskanzler Konrad Adenauer keine aktive Rolle hat und während des gesamten Romans etwas eindimensional als rheinische Frohnatur mit preussischen Tugenden dargestellt wird. Die Aufklärung des geplanten Anschlags wurde durch die Nebenhandlungen um die verschiedenen Protagonisten zu sehr in den Hintergrund gerückt. Von dem eigentlichen spannenden Plot hatte ich mir mehr Krimi statt einer ausschweifenden Darstellung etwas klischeehafter weiblicher Romanfiguren erwartet. 





Mittwoch, 9. Januar 2019

Buchrezension: Astrid Ruppert - Wenn nicht jetzt, wann dann?

Inhalt:

Die Hochzeitsplanerin Liz übt ihren Beruf mit nüchternem Pragmatismus aus. Sie hat gerne alles im Griff. Liebe hält sie für eine Hormonverstimmung. Herzflattern für eine Krankheit, die es im eigenen Leben unbedingt zu meiden gilt. Ihre Nachbarin Annemie ist dagegen die pure Romantikerin. Wenn auch nur in ihren Träumen. Doch ein Anruf wirbelt die Welt der beiden komplett durcheinander. Nach einem Unfall bittet Liz Annemie dringend um Hilfe. Die glamouröse Hochzeit der jungen, sehr selbstsicheren Nina Winter muss sofort geplant werden. Dadurch gerät das Leben der drei unterschiedlichen Frauen in unerwartete Turbulenzen. Und es müssen Entscheidungen getroffen werden die das Leben und die Liebe verändern können. Wenn man den Mut dazu hat...

Rezension:

Der Klappentext des Romans klingt eigentlich nach einer heiteren Liebeskomödie rund um die Hochzeitsplanerin Elizabeth Baumgarten.
Liz ereilt allerdings schon zu Beginn des Romans ein folgenschwerer Fahrradunfall, durch den sie über einen längeren Zeitraum mit einem kompliziert gebrochenen Bein im Krankenhaus bleiben muss. Ihr Aufenthalt dort wird ihr allerdings von dem geschiedenen Arzt Dr. Friedrich versüßt, der ihr morgens sogar den Kaffee ans Bett serviert.
Die Geschehnisse rund um die Hochzeitsagentur "Hochzeitsfieber" ereignen sich sodann mit der 64-jährige Annemarie Hummel. Sie ist seit mehreren Jahren Witwe, eher schüchtern und ohne Selbstbewusstsein und hat seit Jahren sehr zurückgezogen gelebt. Die Witwenrente hat sie als Bäckerin von Hochzeitstorten im Auftrag von Liz aufgebessert. Als Liz im Krankenhaus ist, springt Annemie für sie in der Agentur ein und mausert sich bald selbst zur beliebten mütterlichen Hochzeitsplanerin, die sich insbesondere um die Hochzeit der Juwelierstochter Nina Winter kümmert und dabei von deren Vater und dessen Bruder umgarnt wird.
Ich hatte mich gewundert, dass der Schwerpunkt des Romans ein ganz anderer war, als ich mir vorgestellt hatte und bin dann auf eine Buchbeschreibung gestoßen, die bis auf die Altersangabe von Annemie viel treffender ist und den Inhalt des Buches besser beschreibt:

"Annemie ist fast sechzig und hat sich viel besser gehalten, als sie selbst glaubt. Wenn sie die Handtücher nach Farben geordnet hat und die Teppichfransen parallel liegen, dann zaubert sie in ihrer kleinen Küche ausgefallene Hochzeitstorten. Sie arbeitet für Liz, die mit ihrer Agentur Hochzeiten im großen Stil ausrichtet. Ein geordnetes Leben, bis eine folgenreiche Verwechslung Annemie und den Vater einer Braut einander näherbringt. Das Chaos beginnt, und plötzlich ist alles ganz anders!"

Das Buch handelt insofern von drei unterschiedlichen Frauen: Annemie, die unglücklich verheiratet war und seit Jahren einsame Witwe ist, Liz, die von ihrem Zukünftigen betrogen wurde und sich nur noch beruflich um die Ehe schert und Nina, die ohne Mutter aufgewachsen ist und von der perfekten Hochzeit träumt.
Die einzelnen Handlungsstränge sind dabei wenig überraschend vorhersehbar und die Charaktere doch eher stereotyp gezeichnet.

Meiner Meinung nach ist der Roman eher für ältere Frauen, die sich mit Annemie identifizieren können, da der Großteil des Romans von ihr handelt, oder für romantische Frauen, die sich mit der Planung ihrer eigenen Hochzeit beschäftigen.
Mir war der Roman zu trivial und aufgrund der älteren, sehr hilflos und eingeschüchtert wirkenden, altmodischen Tortenbäckerin Annemie zu bieder.



Montag, 7. Januar 2019

Buchrezension: Celeste Ng - Kleine Feuer überall


Inhalt:

Es brennt! In jedem der Schlafzimmer hat jemand Feuer gelegt. Fassungslos steht Elena Richardson im Bademantel und den Tennisschuhen ihres Sohnes draußen auf dem Rasen und starrt in die Flammen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Erfahrung gemacht, "dass Leidenschaft so gefährlich ist wie Feuer". Deshalb passte sie so gut nach Shaker Heights, den wohlhabenden Vorort von Cleveland, Ohio, in dem der Außenanstrich der Häuser ebenso geregelt ist wie das Alltagsleben seiner Bewohner. Ihr Mann ist Partner einer Anwaltskanzlei, sie selbst schreibt Kolumnen für die Lokalzeitung, die vier halbwüchsigen Kinder sind bis auf das jüngste, Isabel, wohlgeraten. Doch es brennt. Elenas scheinbar unanfechtbares Idyll – alles Asche und Rauch? 

Rezension: 

Der Roman beginnt mit der Katastrophe. Das Haus der Familie Richardson steht in Flammen. Es handelt sich um Brandstiftung, denn in jedem Schlafzimmer waren kleine Feuer gelegt worden. Die drei Geschwister Trip, Lexie und Moody verdächtigen ihre jüngste Schwester Izzy, die sich schon immer merkwürdig und aufmüpfig benommen hat und verschwunden ist. 

Sodann springt der Roman sechs Monate zurück in die Vergangenheit in das Jahr 1996 und erzählt, wie die mittellose Künstlerin Mia Warren mit ihrer Tochter Pearl in das Vorzeigestädtchen Shaker Heights gezogen ist, von den Richardsons eine günstige Wohnung erhielt und für sie als Haushaltshilfe arbeitete und wie ein befreundetes Ehepaar der Richardsons sich um die Adoption eines ausgesetzten chinesischen Babys bemühten. 

Shaker Heights ist ein künstlich angelegter Ort, in dem alles gesittet und geordnet zugeht. Die Bewohner sind angepasst und weichen nicht von der Norm ab. Diese Geradlinigkeit wird vorbildlich von Elena Richardson verkörpert, nur deren jüngste Tochter Izzy, das schwarze Schaf der Familie hat schon von Kleinauf gegen die Befolgung von Regeln rebelliert. Elena ist ein Mensch, der sich um andere kümmert und die ihren Wohlstand uneigennützig mit anderen teilt. Als Mia in die Idylle zieht, die als freie Künstlerin ein ganz anderer Typ Mensch ist, ist Izzy fasziniert von ihr. 
Elena kommt durch einen Zufall einem Geheimnis Mias auf die Schliche und beginnt in ihrer Eigenschaft als Journalistin zu recherchieren. Sie ahnt nicht, was sie mit dem Wühlen in deren Vergangenheit auslösen wird. 

"Kleine Feuer überall" blickt hinter die Fassade einer Vorstadtidylle. Der Roman handelt von mehreren Familien, die ganz unterschiedlich zusammengesetzt sind. Interessant sind dabei vor allem die Mutter-Kind- und insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehungen. Hier werden Fragen aufgeworfen, was eine Familie und eine gute Mutter ausmachen, indem problematische oder gesellschaftlich umstrittene Aspekte wie Abtreibung, Leihmutterschaft, Adoption und Rassismus erörtert werden. 

Nachdem das Buch mit einem Paukenschlag beginnt, wird das Leben der Richardsons und die Entwicklung der Verbindung zu Mia und die Freundschaften der Richardson-Kinder zu Pearl erzählt, bis der Roman durch die Aufdeckung von Mias Geheimnis und eine umstrittene Adoption zunehmend an Dynamik gewinnt. Faszinierend ist auch die Weiterentwicklung der Charaktere, die alle individuell beschrieben sind, so dass trotz der Vielzahl der Figuren der Überblick nie verloren geht und jeder auf den Leser lebendig wirkt. 

"Kleine Feuer überall" ist ein sehr gut konstruiertes Drama, eine Geschichte über unterschiedliche Familien, über die Rolle der Frau und Mutterschaft, Erwachsenwerden, Rassismus im Alltag und die unbedingte Einhaltung der Norm, um den Traum einer perfekten Harmonie durchzusetzen. Besonders gut gefallen hat mir die Vielzahl der Charaktere, in die man eintaucht und die ganz und gar nicht schwarz-weiß gezeichnet sind. Unter ihnen gibt es kein eindeutiges Gut oder Böse, so dass die Handlung nicht abflacht oder vorhersehbar wäre und eine spannende Faszination entfacht. 



Samstag, 5. Januar 2019

Buchrezension: Monika Maifeld - Doch Liebe findet ihre Zeit

Inhalt:

Als Antonia und Julian sich mit Mitte Dreißig kennenlernen, tragen beide noch schwer an der Last einer traurigen, ja tragischen Kindheit: Antonia verlor im Alter von sechs 
Jahren bei einem Autounfall ihre Eltern und wuchs eine Zeitlang im Kinderheim auf, und Julian musste unter seinem despotischen Vater entsetzlich leiden.
Kein Wunder, dass sie zunächst mit Abwehr aufeinander reagieren, denn Julian, der erfolgsverwöhnte Künstler, wirkt arrogant und überheblich, und Antonia, die Jungunternehmerin, hat sich im Laufe der Jahre immer mehr eingeigelt und lässt niemanden an sich heran. Von Liebe also zunächst keine Spur!
Was muss passieren, damit diese beiden erkennen, dass sie füreinander die Rettung sein können?
Eine Liebesgeschichte über ein Paar, das zunächst wie Salz und Pfeffer ist!


Rezension: 

Antonia ist Inhaberin einer Verpackungsfirma in München und Kunstliebhaberin. Als sie zusammen mit ihrer Schwester Susanne bei einer Ausstellung des Künstlers Julian Markward ist, verliebt sie sich in eine seiner Skulpturen, die aus persönlichen Gründen allerdings unverkäuflich ist. Antonia möchte das nicht hinnehmen und nach einem Streitgespräch, das durch Julians Machoallüren provoziert wird, kann sie ihm einen Deal abringen: Er darf bis zu seinem Umzug in seine neues Apartment in der Einliegerwohnung in ihrer Villa wohnen und soll ihr als Gegenleistung als "Gesellschafter" dienen. Bei Vertragsbruch muss er ihr das Kunstwerk für 10.000 € überlassen. 
Antonias Plan ist es, Julian das Leben bei ihr möglichst unerträglich zu machen, so dass er freiwillig aufgibt und sie die ersehnte Skulptur erhält. 
Die beiden Streithähne stellen allerdings schon bald fest, dass der jeweils andere gar nicht so arrogant ist wie er bzw. sie vorgibt zu sein und dass sich hinter den Fassaden zwei verletzliche Seelen verbergen. 

Antonia und Julian sind beide Mitte Dreißig, wirken aber durch den etwas kindischen Deal unreifer. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das beschrieben wird und bei dem von Anbeginn vorhersehbar ist, wie die Kabbeleien zwischen den beiden enden werden. 

Der Weg dorthin ist jedoch abwechslungsreich und unterhaltsam geschrieben. Komische Szenen wechseln sich mit tiefgründigeren Episoden ab und als Leser ist spürbar, dass sowohl Antonia als auch Julian schon schlimme Dinge erlebt haben, die ihr Leben prägen und die ihre etwas eigenwilligen Verhaltensweisen erklären. 
Während bei Antonia offensichtlich ist, dass sie unter dem frühen Verlust ihrer Eltern als Sechsjährige zu leiden hatte und deshalb auch nicht gemeinsam mit ihrer Schwester aufwachsen konnte, bleibt Julians Vergangenheit und was ihn quält, länger im Verborgenen. 
Dieser Aspekt und die zu erwartende Annäherung der beiden, die anfangs schier unmöglich erscheint, sorgen für Spannung und den nötigen Reiz, weiter zu lesen. 
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, die Übergänge und Perspektivenwechsel sind fließend und lassen den Leser gleichermaßen Einblick in beide Protagonisten erhaschen. 
Etwas ungewöhnlich fand ich dabei, dass der Roman in keine Kapitel untergliedert ist. 

"Doch Liebe findet ihre Zeit" ist eine Liebesgeschichte, die unterhaltsam, stellenweise durch Antonias Spielchen etwas unglaubwürdig und albern ist und sie deshalb konstruiert wirken lässt. Ich fand ihr Verhalten für eine Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens übertrieben kindisch z.B. als sie Julian durch einen samstäglichen Einkauf im Supermarkt zu verärgern versuchte. Über diese Provokationen hinaus ist der Roman jedoch emotional und lebensnah geschrieben. Es geht um Kindheitstraumata und Ängste, die bewältigt werden müssen, um ein befreites Leben führen zu können, in dem auch die Liebe Platz hat. 
Auch die Nebenhandlung über Antonias Onkel und seine Beziehung zu dem an Parkinson erkrankten Paul, die gemeinsam in ein Seniorenheim gezogen sind und nun voneinander Abschied nehmen müssen, fand ich originell und konnte dem Roman noch mehr Tiefe verleihen. 



Freitag, 4. Januar 2019

Buchrezension: Thorsten Steffens - Klugscheißer Royale

Inhalt:

Timo Seidel ist 28 Jahre alt und führt ein Leben ohne jegliche Ambitionen. Anstatt wie seine Freunde Karriere zu machen, ist er in seinem Studentenjob hängengeblieben. Dement­sprechend uninspiriert führt er seine Arbeit aus, so dass er fristlos entlassen wird. Zu allem Überfluss hat seine Freundin Cleo beschlossen, sich von ihm zu trennen. Nun steht er also da: Ohne Freundin, ohne Job, ohne Geld und ohne Perspektive. Aus heiterem Himmel bietet sich ihm jedoch eine außergewöhnliche Offerte: Er bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag als Lehrer. Nun ist es also offiziell: Für die kommenden sechs Monate darf Timo staatlich beauftragter Klugscheißer sein. Im öffentlichen Dienst! Vom Staat angeheuert wie James Bond! Quasi 007 Klugscheißer Royale! Schnell muss er allerdings feststellen, dass der Lehrerberuf doch ein wenig schwieriger ist als ursprünglich gedacht.

Rezension:

Timo Seidel arbeitet seit dem Abitur in einem Callcenter in Köln und hatte bisher wenn Ehrgeiz, an dem Studentenjob etwas zu ändern, da auch seine Freundin Cleo sein Leben mitfinanziert hat.
Als er zurecht entlassen wird und ihn gleichzeitig seine Freundin verlässt, ist er gezwungen, endlich etwas an seinem bequemen Leben zu ändern. Mit viel Glück erhält er nach vorübergehender Arbeitslosigkeit eine befristete Anstellung als Englisch-Lehrer an einer Abendschule, da er als Halb-Amerikaner zweisprachig aufgewachsen ist.
Durch die Arbeit, die ihm überraschenderweise Spaß macht, entwickelt er sich auch charakterlich weiter und wird damit auch wieder attraktiver für Cleo.

Als "Klugscheißer Royale" bezeichnet sich Timo selbst und fühlt sich als Lehrer wie James Bond. Er ist sehr von sich überzeugt, auch wenn er objektiv in seinem Leben noch nicht viel erreicht hat.
Der Roman ist aus der Sicht Timos und erfrischend witzig geschrieben. Man kann den Klugscheißer nicht wirklich ernst nehmen, hinter dessen Schale sich doch ein sympathischer Charakter verbirgt, der Verantwortung für sich und andere übernehmen kann.
"Klugscheißer Royale" erzählt eine witzige, aber nie alberne Geschichte über einen jungen Mann, der ein unverbesserlicher Besserwisser ist, aber gleichzeitig nie wirklich erwachsen geworden ist. Im Verlauf des Romans lernt man aber noch eine andere Seite Timos kennen und er reift merklich über die wenigen Monate, die die Geschichte andauert.
Auch wenn Timos Arbeit als Lehrer als ungelernter Pädagoge erstaunlich problemlos vonstatten geht, bietet der Roman eine gute Unterhaltung, die nicht so banal ist, wie das Cover und der saloppe Klappentext vermuten lassen.
"Klugscheißer Royale" ist ein Roman, den sowohl Männer als auch Frauen lesen können und der sich auch ideal als Urlaubslektüre eignet.