Montag, 7. Januar 2019

Buchrezension: Celeste Ng - Kleine Feuer überall


Inhalt:

Es brennt! In jedem der Schlafzimmer hat jemand Feuer gelegt. Fassungslos steht Elena Richardson im Bademantel und den Tennisschuhen ihres Sohnes draußen auf dem Rasen und starrt in die Flammen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Erfahrung gemacht, "dass Leidenschaft so gefährlich ist wie Feuer". Deshalb passte sie so gut nach Shaker Heights, den wohlhabenden Vorort von Cleveland, Ohio, in dem der Außenanstrich der Häuser ebenso geregelt ist wie das Alltagsleben seiner Bewohner. Ihr Mann ist Partner einer Anwaltskanzlei, sie selbst schreibt Kolumnen für die Lokalzeitung, die vier halbwüchsigen Kinder sind bis auf das jüngste, Isabel, wohlgeraten. Doch es brennt. Elenas scheinbar unanfechtbares Idyll – alles Asche und Rauch? 

Rezension: 

Der Roman beginnt mit der Katastrophe. Das Haus der Familie Richardson steht in Flammen. Es handelt sich um Brandstiftung, denn in jedem Schlafzimmer waren kleine Feuer gelegt worden. Die drei Geschwister Trip, Lexie und Moody verdächtigen ihre jüngste Schwester Izzy, die sich schon immer merkwürdig und aufmüpfig benommen hat und verschwunden ist. 

Sodann springt der Roman sechs Monate zurück in die Vergangenheit in das Jahr 1996 und erzählt, wie die mittellose Künstlerin Mia Warren mit ihrer Tochter Pearl in das Vorzeigestädtchen Shaker Heights gezogen ist, von den Richardsons eine günstige Wohnung erhielt und für sie als Haushaltshilfe arbeitete und wie ein befreundetes Ehepaar der Richardsons sich um die Adoption eines ausgesetzten chinesischen Babys bemühten. 

Shaker Heights ist ein künstlich angelegter Ort, in dem alles gesittet und geordnet zugeht. Die Bewohner sind angepasst und weichen nicht von der Norm ab. Diese Geradlinigkeit wird vorbildlich von Elena Richardson verkörpert, nur deren jüngste Tochter Izzy, das schwarze Schaf der Familie hat schon von Kleinauf gegen die Befolgung von Regeln rebelliert. Elena ist ein Mensch, der sich um andere kümmert und die ihren Wohlstand uneigennützig mit anderen teilt. Als Mia in die Idylle zieht, die als freie Künstlerin ein ganz anderer Typ Mensch ist, ist Izzy fasziniert von ihr. 
Elena kommt durch einen Zufall einem Geheimnis Mias auf die Schliche und beginnt in ihrer Eigenschaft als Journalistin zu recherchieren. Sie ahnt nicht, was sie mit dem Wühlen in deren Vergangenheit auslösen wird. 

"Kleine Feuer überall" blickt hinter die Fassade einer Vorstadtidylle. Der Roman handelt von mehreren Familien, die ganz unterschiedlich zusammengesetzt sind. Interessant sind dabei vor allem die Mutter-Kind- und insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehungen. Hier werden Fragen aufgeworfen, was eine Familie und eine gute Mutter ausmachen, indem problematische oder gesellschaftlich umstrittene Aspekte wie Abtreibung, Leihmutterschaft, Adoption und Rassismus erörtert werden. 

Nachdem das Buch mit einem Paukenschlag beginnt, wird das Leben der Richardsons und die Entwicklung der Verbindung zu Mia und die Freundschaften der Richardson-Kinder zu Pearl erzählt, bis der Roman durch die Aufdeckung von Mias Geheimnis und eine umstrittene Adoption zunehmend an Dynamik gewinnt. Faszinierend ist auch die Weiterentwicklung der Charaktere, die alle individuell beschrieben sind, so dass trotz der Vielzahl der Figuren der Überblick nie verloren geht und jeder auf den Leser lebendig wirkt. 

"Kleine Feuer überall" ist ein sehr gut konstruiertes Drama, eine Geschichte über unterschiedliche Familien, über die Rolle der Frau und Mutterschaft, Erwachsenwerden, Rassismus im Alltag und die unbedingte Einhaltung der Norm, um den Traum einer perfekten Harmonie durchzusetzen. Besonders gut gefallen hat mir die Vielzahl der Charaktere, in die man eintaucht und die ganz und gar nicht schwarz-weiß gezeichnet sind. Unter ihnen gibt es kein eindeutiges Gut oder Böse, so dass die Handlung nicht abflacht oder vorhersehbar wäre und eine spannende Faszination entfacht. 



Kommentare:

  1. Hallo Lena,

    deine Rezi liest sich gut und macht Lust auf das Buch.
    Die Themenvielfalt sorgt sicherlich für interessante Lesezeit, so unterhalten Bücher am besten.

    Liebe Grüße
    Barbara

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    1. Liebe Barbara,

      ich kann dir das Buch wärmstens an Herz legen. Ich finde, wir haben einen ganz ähnlichen Büchergeschmack, weshalb es dir sicher auch gut gefallen würde. Du hast recht - gerade die Themenvielfalt macht den Roman so reizvoll.

      Liebe Grüße
      Lena

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