Samstag, 20. Juli 2019

Buchrezension: Mary Jayne Baker - Ein Fahrrad für zwei

Inhalt: 

Lana Donati liebt ihre kleine Heimatstadt in Yorkshire – und das charmante Restaurant, das sie zusammen mit ihrem Bruder führt. Doch leider bleiben die Gäste aus, immer seltener verirren sich Touristen in die idyllische Gegend. Ein Plan muss her! Als Lana erfährt, dass die Route der diesjährigen Tour de France in der Nähe vorbeiführen könnte, macht sie sich voller Tatendrang daran, ihr kleines Städtchen so attraktiv wie möglich zu gestalten. Dabei kann Lana sich nicht nur auf ihre lustigen, leicht schrägen Freunde verlassen – auch Stewart, der ziemlich heiße Exprofiradler, bietet sein Hilfe an und schleicht sich schon bald immer öfter in Lanas Gedanken. 

Rezension:

Lana Donati wohnt in der Kleinstadt Egglethwaite in Yorkshire, wo sie zusammen mit ihrem Bruder Tom das mittelalterliche Themenrestaurant "Here be Flagons" ihres Vaters weiterführt. Eigentlich wollte sie Astronomie studieren, aber als ihr Vater vor sieben Jahren an Krebs erkrankte, entschloss sie sich, vor Ort zu bleiben. 

Als ihr Vater seiner Krankheit erliegt und das Restaurant nicht mehr so floriert, muss ein Plan her, um Gäste anzulocken. Da trifft es sich gut, dass die Tour de France im nächsten Jahren eine Etappe des Grand Départ nach Yorkshire verlegt. Lana möchte sich dafür einsetzen, dass die Route durch Egglethwaite führt, einen Ort, der ein altes Viadukt und eine malerische Aussicht zu bieten hat. Die ganze Gemeinschaft von Egglethwaite schließt sich zusammen, um die Entscheidungsträger zu überzeugen und dem Ort damit zu wirtschaftlichem Aufschwung zu verhelfen. 
Unterstützung erfahren sie durch Stewart McLean, einen ehemaligen Radprofi, mit dem Lana ein einmaliges Date hatte und der kürzlich einen Fahrradladen im Ort eröffnet hat. 
Lana wollte den Abend mit Stewart aus ihrem Gedächtnis streichen, nachdem sich dieser nicht mehr bei gemeldet hatte. Sie hat immer noch Gefühle für ihn, kann aber aus verletztem Stolz nicht über ihren Schatten springen. 

"Ein Fahrrad für zwei" ist eine lebendige Geschichte voller skurriler Charaktere und so manch absurd-witziger Szene. Die Bewohner des Städtchens in Yorkshire sind zumal egozentrisch, bissig und absolut schräg und bilden damit die Grundlage für diese heitere Liebesgeschichte und den gemeinschaftlichen Plan, die Tour de France nach Egglethwaite zu holen. Um diesen umzusetzen, müssen die Einwohner vollen Einsatz zeigen und denken sich eine Reihe von kuriosen Ideen aus. So wird man als Leser nicht nur mit unvergleichlichen Charakteren, sondern auch mit Mopsfledermäusen, mittelalterlichen Schankmädchen, Posaunenspielerinnen mit üppiger Oberweite und nackten Tatsachen für einen Kalender konfrontiert. 
In dieser Fülle wird die Geschichte damit sehr überspitzt und gewollt komisch dargestellt. Die Liebesgeschichte bietet mit dem ewigen Hin und Herr zwischen Lana und Stewart, verletztem Stolz und der mangelnden Kommunikationsfähigkeit dagegen nicht viel Neues. 

Der Schreibstil ist einfach und auffallend dialoglastig. Wer auf der Suche nach einer leichten romantischen Komödie ist und dabei weniger Wert auf tiefgehende Emotionen legt und lieber auf eine turbulente Unterhaltung setzt, ist mit diesem Roman gut beraten. 
Für meinen Geschmack waren die Protagonisten und die Ideen der Bewohner zwar liebenswert, aber zu übertrieben ausgefallen dargestellt. Zudem hätten die Aktionen um Egglethwaite ins beste Licht zu rücken an mancher Stelle gestrafft werden können, um Längen zu vermeiden. 



Donnerstag, 18. Juli 2019

Buchrezension: S. K. Vaughn - Die Astronautin - In der Dunkelheit wird deine Stimme mich retten

Inhalt:

Weihnachten 2067: Auf der Krankenstation eines halb zerstörten Raumschiffs erwacht May Knox aus der Bewusstlosigkeit. Sie scheint die letzte Überlebende einer hoffnungsvollen Mission zu sein und hat doch keine Erinnerungen an einen möglichen Unfall. Bald kämpft sie gegen eine Vielzahl von Gefahren ums Überleben. Ihre einzige Rettung ist die Funkverbindung zur NASA, vor allem zu dem Wissenschaftler Stephen, der Schiff und Auftrag kennt wie kein Zweiter. Doch Stephen ist auch Mays Ex-Mann, dessen Herz sie brach und der ihr und der NASA den Rücken kehrte. Jetzt ist seine Stimme alles, was ihr noch Hoffnung geben könnte in der Schwärze des Alls. 

Rezension:

May erwacht am Zweiten Weihnachtsfeiertag 2067 auf der Krankenstation der Hawking II. Sie ist die letzte Überlebende des Raumschiffes, das unter ihrer Leitung als Commander auf dem Weg vom Planeten Europa zur Erde ist. Unterstützung erfährt sie zunächst nur von der KI, die sie Eve nennt, bis sie die Richtung des Raumschiffes soweit ändern kann, um wieder eine Funkverbindung zur NASA herzustellen. 
May leider unter retrograder Amnesie und kann sich an die Wochen vor dem Unfall auf dem Raumschiff und unmittelbar davor nicht erinnern. Sie weiß nicht, wie und warum die gesamte Besatzung ihr Leben lassen musste, deren Leichen sie im Hangar findet. Genauso wenig weiß, sie weshalb sie die Scheidung von ihrem Ehemann eingereicht hat. Dr. Stephen Knox ist Wissenschaftler bei der NASA und versucht mit dem gesamten Team, May zu helfen, wieder auf die Erde zu gelangen. Stephens Videobotschaften verstärken Mays Heimweh, schenken ihr gleichzeitig aber auch Hoffnung und Kraft, nicht zu resignieren und weiterzumachen. 

Der Roman handelt überwiegend im Dezember 2067 nach der Katastrophe auf der Hawking II, während man in Rückblenden zurück in das Jahr 2054, den Beginn der Europa-Mission, sowie das Jahr 2066 versetzt wird, als sich May und Stephen im Februar kennen und lieben lernten und die Vorbereitung der Mission in die finale Phase trat. 
Durch wechselnde Perspektiven erfährt man, wie es May auf der Hawking II ergeht und was parallel auf der Erde passiert. 

Die Gegebenheiten auf dem Raumschiff und die zahlreichen Probleme, denen sich May unaufhörlich stellen muss, sind sehr anschaulich und lebendig dargestellt. Trotz aller technischer Details wird der Leser nicht überfordert. Die Handlung bleibt verständlich und zielt stark auf die Gefühlswelt von May ab, so dass man sich sehr gut in ihre Situation hineinversetzen kann. May ist als ausgebildete Astronautin und Commander eines Raumschiffes eine starke Persönlichkeit. Es ist kaum vorstellbar, wie sie - bis auf die KI auf sich allein gestellt - fernab der Zivilisation nicht verzweifelt und trotz der schier ausweglosen Lage nicht aufgibt, tapfer kämpft und den Lebensmut nicht verliert. 

Der Roman zieht den Leser in den Bann und entwickelt sich zu einem spannenden Thriller, bei dem man um das Überleben von May und eine mögliche Rückkehr auf die Erde bangt. 

"Die Astronautin" ist ein sehr vielschichtiger Roman mit einem klassischen Ende Gut gegen Böse. 
Er bietet Emotionen und eine komplizierte Liebesgeschichte, einen Ausblick in die Zukunft und interessante Details über die Raumfahrt, ein unterhaltsames Abenteuer und packende Spannung und damit die perfekte Mischung aus Science Fiction-Abenteuer und Liebesgeschichte. Noch runder wäre die Geschichte für mich geworden, wenn die politischen Hintergründe und die Ansätze einer Kriminalgeschichte noch weiter ausgebaut worden wären. 


Montag, 15. Juli 2019

Buchrezension: Jill Santopolo - Mehr als Worte sagen können

Inhalt:

Nina Gregory war schon immer eine gute Tochter und eine gute Freundin. Doch als ihr Vater plötzlich erkrankt und kurze Zeit später verstirbt, muss sie seinen Platz im Familienunternehmen übernehmen. Womit Nina jedoch nicht gerechnet hat, sind die tief vergrabenen Geheimnisse ihres Vaters, die nach und nach ans Licht kommen. Ninas Überzeugungen werden in ihren Grundfesten erschüttert, und zum ersten Mal muss sie sich fragen, wer ihr Vater eigentlich war. Aber vor allem muss sie sich fragen, wer sie sein möchte. Und wen sie lieben kann. 

Rezension:

Nina Gregory ist 33 Jahre alt, als ihr Vater an Krebs verstirbt und sie sein Erbe als Leiterin des Familienunternehmens antreten muss. Seit jeher stand sie unter großem Druck, denn die Erwartungshaltung ihres Vaters Joseph an seine einzige Tochter ist groß. Die Gregory Corporation, bestehend aus einer Hotelkette mit Restaurants und Bars sowie einer reichen Kunstsammlung wurde von Ninas Großvater gegründet und steht für Erfolg und Luxus, Eleganz und Kunst und ist der ganze Stolz von Joseph Gregory. 
Nina ist studierte Betriebswirtschafterin, arbeitete bis zum Tod ihres Vaters allerdings im Wahlkampfbüro von Rafael O'Connor-Ruiz, einem der aussichtsreichsten Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in New York City. Sie ist seine Redenschreiberin und hat ein sehr enges, freundschaftliches Verhältnis zu ihm entwickelt. 
Als Ninas Vater stirbt, gerät ihre Welt ins Wanken. Sie fühlt sich der Leitung der Gregory Hotels nicht gewachsen, gerät ins Grübeln, ob der Lebenstraum ihres Vaters überhaupt ihrer ist und findet zudem Dinge über ihren Vater heraus, die sie seine angeblich so integere Persönlichkeit in Frage stellen lassen. Sie bricht aus ihrer Rolle der folgsamen Gregory-Tochter heraus, erfindet sich neu und stößt damit ihren Partner Tim vor den Kopf. Dieser war bis vor wenigen Wochen noch ihrer bester Freund, bevor sie ein Paar wurden. Sie weiß nicht mehr, ob sie ihn wirklich liebt oder nur mit ihm zusammen ist, weil er in den Augen Josephs der ideale Partner war. Stattdessen fühlt sie sich zunehmend zu ihrem charismatischem und einfühlsamen Chef hingezogen. 

Durch den warmherzigen Erzählstil kann man sich als Leser sehr gut in die Situation der Alleinerbin Nina hineinversetzen. Ihre Mutter hat sie früh durch einen Unfalltod verloren, weshalb sie zu ihrem Vater ein besonders enges Verhältnis hat und zu ihm aufsieht. 
Der Beginn des Romans ist melancholisch und bedrückend, da Nina täglich mit dem Tod ihres Vaters rechnen muss. Sein Vermächtnis wird damit zunehmend zu einer Belastung für die junge Frau. Nach seinem Tod ist Nina voller Trauer, gleichzeitig wirkt sie aber auch befreit und probiert sich aus, was auch den Roman lebendiger werden lässt. 

Die Charaktere wirken authentisch, Ninas dramatische Familiengeschichte glaubwürdig. Allerdings ist Ninas Luxusleben mit Villen in New York und den Hamptons und eigenem Fahrer von der Lebenswelt der geneigten Leserin sehr weit weg, so dass Nina durch weniger Protz noch nahbarer wäre.

"Mehr als Worte sagen können" ist ein Roman über Selbstfindung und die Entscheidung darüber, welches Leben man führen möchte. Darüber hinaus wird eine romantische Liebesgeschichte erzählt, bei der die Entscheidung zwischen zwei Männern im Vordergrund steht.