Montag, 30. März 2026

Buchrezension: Karina May - Keeping it casual

Inhalt:

Bei Maxine läuft es alles andere als rund: Erst erhält sie eine beunruhigende Diagnose, dann entdeckt sie, dass ihr Freund sie betrügt. Ihre beste Freundin Alice findet, Max braucht dringend Ablenkung - und meldet sie kurzerhand bei Tinder an. So lernt Max Johnny kennen: charmant, witzig und überraschend vertraut. Gemeinsam kochen sie sich per Chat durch das Familienkochbuch von Max’ Ex - ohne sich je zu begegnen, denn beide wollen nichts Ernstes. Doch aus dem harmlosen Spiel wird mehr, als Max vor einer entscheidenden Operation steht und alles, was sie bisher für wichtig hielt, hinterfragt. Aber hat sie den Mut, für das Leben - und die Liebe - einzustehen, die sie sich wirklich wünscht? 

Rezension: 

Maxine hat erfahren, dass sie einen Hirntumor hat und steht kurz vor der OP, als sie ihren Freund bei einer Affäre erwischt. Sie verkriecht sich daraufhin bei ihrer Freundin Alice, die sie bei Tinder anmeldet, wo sie auf Johnny trifft. Aus einem Chat entwickelt sich eine kulinarische Challenge, bei der beide getrennt voneinander Gerichte aus dem Kochbuch der französischstämmigen Familie ihres Exfreunds Scott kochen. Für Max sind die Kochabende mehr als nur eine Abwechslung und dennoch bricht sie den Chat vor der OP ab, ohne Johnny den wahren Grund zu nennen.
Erst eine heilsame Reise nach Frankreich ermutigt Max, erneut den Kontakt zu Johnny zu suchen. 


Der Roman startet mit einer originellen Idee und einem kulinarischen Tinder-Wettbewerb, aus dem sich ein unterhaltsamer Schlagabtausch zwischen Maxine und Johnny ergibt. Mit der Gehirnoperation enden die Chats und rücken Maxines Genesungsweg in den Vordergrund, der sie wieder in die Nähe ihre Ex-Freundes und seiner anstrengenden Familie bringt. 
Durch Rückblenden wird mehr über ihre Beziehung und das Beziehungsaus offenbart, so dass sich Scott immer mehr als "Red Flag" beweist. 

Umso gespannter ist man auf ein mögliches Wiedersehen mit Johnny, das sich durch einen Paris-Urlaub, der sich zu einem Selbstfindungstrip Maxines entwickelt, weiter hinauszögert. Die Leidenschaft für die französische Küche, das "Mutterschiff" IKEA als Wohlfühlort für inspirierende Ideen sowie das "Nest" bei Alice ebnen Max' Weg, was lebendig und unterhaltsam ist, aber Romantik und die tiefergehende Auseinandersetzung mit Problemen kommen im Vergleich dazu zu kurz oder treten ganz in den Hintergrund. Selbst die Diagnose Hirntumor wirkt damit wenig bedrohlich, auch oder gerade weil es am Ende noch eine unlogische Wendung gibt. 
Der Liebesgeschichte mit Johnny fehlt der nötige Raum zur Entwicklung und eine Reihe von Zeitsprüngen verhindert darüber hinaus, dass ihre Liebe fühlbar wird.  

"Keeping it casual" ist eine kulinarik-lastige Selbstfindungsreise mit einer Prise Liebe, die jedoch so lückenhaft erzählt ist, dass die Handlung nicht ganz authentisch wirkt, auch wenn die Geschichte sprachlich durchaus mit Wortwitz überzeugen kann. 

Samstag, 28. März 2026

Buchrezension: Anika Landsteiner - Träume aus Salz

Inhalt:

Eigentlich ist Flo glücklich. Zusammen mit ihrem Freund Matty verbringt sie eine Woche auf einer kleinen griechischen Insel. Das Wasser lockt azurblau, die Nächte schimmern im Mondlicht. Und trotzdem findet Flo keine Ruhe. Denn da ist etwas, das sie Matty nicht sagt. Nicht sagen kann. Als sie der mysteriösen Sofia begegnet und sich von ihr die Karten legen lässt, gerät Flo in einen Strudel aus Erinnerungen, die sie drängen, einen Weg zur Wahrheit zu finden. 

Rezension:

Flo und Matty haben sich über eine Dating-App kennengelernt, sind nach acht Monaten immer noch frisch verliebt und verbringen ihren ersten gemeinsamen Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel. Während sie die Tage in der Hitze der Natur genießen, hat Flo nachts unruhige Träume.
In einer Taverne begegnen sie Sofia, die auf der Insel für ihre hellseherischen Fähigkeiten berüchtigt ist und auf Flo eine Faszination ausübt. Sie lässt sich von ihr die Tarotkarten legen und erhofft sich, die quälenden Erinnerungen an die Vergangenheit und den Zusammenbruch ihrer Familie loszulassen. Gleichzeitig quält sie die Tatsache, dass sie etwas vor Matty verheimlicht, der ersten Person, zu der sie seit Langem wieder Vertrauen gefasst hat.

Mit der Geschichte wird man bildhaft auf eine typische griechische Insel mit türkisfarbenem Meer, Olivenbäumen, lauschigen Tavernen und lauen Sommernächten versetzt. Auch die junge und noch frische Liebe von Flo und Matty passt zur Urlaubsatmosphäre. Das Paar genießt seine Freiheit und Zweisamkeit. Zum ersten Mal verbringen die beiden so viel Zeit gemeinsam und haben die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen. Doch Flo schließt Matty von einem Teil ihres Lebens aus und das Geheimnis, das sie vor ihm hat, stört die Harmonie.

Durch die Begegnung mit der Griechin Sofia rückt der Fokus weg von dem Paar. Gab es bisher nur Kapitel aus der Sicht von Flo, erhält auch Sofia ihre eigene Perspektive. Sie hat die Gabe ihrer Großmutter geerbt, hellsichtig zu sein und gilt damit als wichtigste Person der Insel. Sofia setzt die Fähigkeit unter Druck und hält sie auf der Insel gefangen.

Rückblenden in Flos Vergangenheit, die mit Tarotkarten überschrieben sind und damit mit der Gegenwart und Sofias Gabe verknüpft werden, zeugen vom Zusammenbruch einer Familie und einem schmerzhaften Verlust, womit Flo in ihren Träumen konfrontiert wird.

Der Roman entwickelt einen Sog durch das Ungesagte, das zwischen den Figuren steht und ihre innere Zerrissenheit, die zu fühlen ist. Die Liebe zwischen Flo und Matty ist spürbar, aber auch, dass sie sich noch in der Phase der Euphorie bewegen und der Zusammenhalt deshalb fragil ist. Spannung erzeugt, ob Flos Vergangenheit zwischen ihnen steht, ob Sofia mit ihrer magischen Gabe hilfreich sein kann oder ob sie eine eigene Agenda verfolgt und der Beziehung schaden könnte.

Der gemächliche Spannungsaufbau weckt Erwartungen, die die Geschichte am Ende nicht erfüllen kann. Eine Offenbarung bleibt aus und die Spannung verpufft ernüchternd.
"Träume aus Salz" ist eine emotionale Geschichte, die trotz Urlaubatmosphäre viel Düsternis und Traurigkeit enthält und zeigt, wie groß die Auswirkungen vergangener Traumata sind und dass es den richtigen Anstupser und Moment braucht, um sich den Geistern der Vergangenheit zu stellen. 

Freitag, 27. März 2026

Buchrezension: Abby Jimenez - The Night We Met: Richtiger Ort. Richtiger Mann. Falsche Entscheidung? (Say You'll Remember Me, Band 2)

Inhalt:

Larissa hatte keine Ahnung, dass sie in dieser Nacht den Mann ihres Lebens kennenlernen würde. Sie und Chris sind perfekt füreinander, teilen den gleichen Humor und er ist für sie da, wenn sie ihn am meisten braucht.
Das Problem: Larissa ist nicht mit Chris, sondern mit dessen bestem Freund Mike zusammen.
Denn Larissa selbst hatte die Wahl, welcher der beiden Männer sie an dem Abend nach Hause fahren würde. Sie entschied sich gegen Chris und für Mike und wenige Wochen später sind Larissa und Mike ein Paar. Aber irgendetwas scheint mit Mike nicht zu stimmen – er lässt Larissa immer wieder im Stich und stattdessen ist es Chris, auf den sie sich stets verlassen kann. Je mehr Zeit Larissa und Chris miteinander verbringen, umso klarer wird, dass sie damals den Falschen gewählt hat.
Zwischen ihnen entwickeln sich tiefe Gefühle, jedoch könnten sie Mike niemals derart hintergehen.
Larissa muss sich erneut entscheiden: Bricht sie Mikes Herz oder ihr eigenes? 

Rezension: 

Nach einem Konzert steht Larissa vor der Entscheidung, mit wem sie nach Hause fährt und entscheidet sich für den charismatischen Mike statt den zurückhaltenderen Chris. Larissa und Mike werden ein Paar, aber mit Chris teilt Larissa nicht nur einen Hund, sondern auch mehr Gemeinsamkeiten. Dazu kommt, dass Mike Larissa öfter versetzt und auch in kritischen Situationen im Stich lässt, weshalb Chris immer wieder für seinen besten Freund in die Bresche springen muss.
Chris macht dies gerne, denn er mag Larissa - mehr als er eigentlich sollte und Larissa kommen Zweifel, dass sie sich an einem Abend für den falschen Mann entschieden hat. Doch Mike zu verletzen, kommt für beide nicht in Frage...

Der Roman ist als Band 2 von "Say you'll remember me" deklariert, was für ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren sorgt. Zum Verständnis der verzwickten Dreiecksgeschichte sind aber keine Vorkenntnisse nötig.

Typischerweise im Wechsel aus der Perspektive beider Hauptfiguren geschrieben, erhält man Einblicke in die Leben von Larissa und Chris und insbesondere in ihr Gefühlschaos.
Schon früh ist klar, dass Larissa sich den falschen Freund ausgesucht hat und der logische Schritt die Trennung wäre. Tatsächlich ist die Situation aufgrund der Hintergründe und Erfahrungen der Figuren schwieriger, als gedacht.  

Mike ist verliebt in Larissa, aber verbirgt hinter einer starken Fassade Probleme, so dass er ihr nicht der Partner sein kann, den sie benötigt.
Chris ist auch nicht ohne Sorgen, hat jedoch sein Leben im Griff. Er entwickelt immer mehr Gefühle für Larissa, gleicht Mikes Fehler aus und steht seinem besten Freund trotz allem zur Seite.
Larissa brennt nicht für Mike, sieht in ihm aber zunächst einen soliden Freund. Mehr Gemeinsamkeiten hat sie allerdings mit Chris und als sie Mike richtig kennenlernt, bereut sie ihre Entscheidung.

Durch die empathische Schreibweise und den nachvollziehbaren Loyalitätskonflikt kann man sich sehr gut in die Charaktere und ihre Vermeidungstaktik hineinversetzen. Gleichzeitig möchte man sie einfach nur schütteln und sie vor ihrer Loyalität bis zur Selbstaufgabe schützen. 
Die Emotionen, die die Autorin dadurch weckt sowie die Darstellung der innigen Freundschaften, sind die Stärken des Romans, der zumal etwas auf der Stelle tritt. Auch gelingt es ihr durch humorvolle Szenen und lebendige Dialoge der durch die problembehafteten Figuren ernsten Geschichte Leichtigkeit zu verleihen. Dennoch bestimmen die Schwierigkeiten von Mike, Chris und Larissa wie Trauer, Armut, Depression und Alkoholprobleme die Handlung und geben ihr durch die feinfühlige Auseinandersetzung Tiefe.
Die Frage, ob und wie das Dilemma, in dem sich Chris und Larissa befinden, gelöst werden wird, bleibt spannend bis zum Schluss. 
Insbesondere da auch die liebevoll gemeinten, aber dennoch übergriffigen, überfürsorglichen Aktionen Chris' Zweifel wecken, ob überhaupt einer der beiden für eine Beziehung mit Larissa geeignet ist.

Normalerweise schafft es die Autorin auch ihre tierischen Nebenfiguren liebevoll in die Geschichte zu integrieren. Hier ist Yorkshire Terrier Wufferine allerdings kein Sympathieträger. Geradezu irritierend sind die wiederholten Szenen, in denen andere Tiere massakriert werden oder sich der Hund anderweitig abstoßend benimmt.