Mittwoch, 24. Juni 2026

Buchrezension: Chevy Stevens - Halt niemals an

Inhalt:

Alice und Tom freuen sich nach einem Schicksalsschlag auf ihre Reise im Campermobil durch die Weite Kanadas. ​Doch dann lernen sie ein junges Anhalter-Pärchen kennen und bieten ihnen eine Mitfahrgelegenheit an. Aber Jenny und Simon sind nicht das, was sie vorgeben – sie haben eine Spur aus Blut und Zerstörung hinterlassen. Alice und Tom werden Geiseln in einem tödlichen Spiel, aus dem es kein Entkommen gibt. 

Rezension: 

Im Sommer 1976 sind Alice und Tom in ihrem Wohnmobil durch Kanada unterwegs, um die Olympischen Spiele zu besuchen. Nach einem Schicksalsschlag möchten sie die gemeinsame Zeit nutzen, um wieder zu einander zu finden. 
Unterwegs lernen sie ein Pärchen kennen und bieten ihnen eine Mitfahrgelegenheit bis zur nächsten Stadt an. Doch Jenny und Simon, die sich zunächst als Hippies Blue und Ocean vorgestellt hatten, werden wegen Doppelmordes gesucht. Sie entführen Alice und Tom auf ihrer Flucht und gehen dabei weder zimperlich mit ihnen, noch mit denen, denen sie begegnen, um. 

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Frauen Alice und Jenny geschildert. Nachdem Tom von Simon schwer verletzt wurde, ist es Alice, die den Camper steuert und von Simon massiv unter Druck gesetzt wird. 
Jenny hat eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich und ist froh in Simon einen Mann gefunden zu haben, der zu ihr hält und sie beschützt, weshalb sie Hemmungen hat, Simons skrupelloses Handeln zu unterbinden.  
Dieser befindet sich in einem unkontrollierten Gewaltrausch ohne Rücksicht auf Verluste, weshalb ihm auf der weiteren Wegstrecke alles zuzutrauen ist. Toms Rolle ist rein passiver Natur.  
Sowohl Alices Ängste als auch Jennys Zweifel und innere Zerrissenheit sind spürbar, wobei sie ergänzend zur nervenaufreibenden Flucht von ihren Erinnerungen an ihr Zuhause heimgesucht wird. Details dazu werden erst am Ende enthüllt, was zwar die Dramatik hervorhebt, aber als lose Rückblende unbeholfen an die alptraumhafte Odyssee final platziert wird. 

"Halt niemals an" ist ein lebensgefährlicher Roadtrip mit einer Spur aus Tränen, Blut und Zerstörung. Nach einem spannenden Einstieg mit der Entführung eines traumatisierten, unschuldigen Paares der Roman jedoch bald auf der Stelle, da sich Szenen mit (leeren) Drohungen, Raubüberfällen und sinnloser Gewalt an Unschuldigen ähnlich gelagert wiederholen. 
Darüber hinaus fehlt es dem Roman an Atmosphäre. Dass sich die Handlung Mitte der 1970er in Kanada ereignet, bietet Potenzial für einen nostalgischen und spannenden Plot, das jedoch weitgehend ungenutzt bleibt. 

Montag, 22. Juni 2026

Buchrezension: Claire Daverley - People in Love

Inhalt:

An einem kalten Februartag, an Noras Lieblingsplatz am Fluss, macht ihr Freund Robin ihr unerwartet einen Antrag. Eigentlich wollten sie nie heiraten – aber nach zehn Jahren voller Insiderwitze, spontaner Tanzeinlagen in der Küche und Frühstück im Bett sagt Nora Ja. Warum auch nicht? Die Antwort steht bald vor ihrer Tür: Bren. Seit ein lebensverändernder Moment sie einst auseinandertrieb, hat Nora ihre Jugendliebe nicht mehr gesehen. Doch nun spürt sie, dass die Sehnsucht nach Bren all die Jahre in ihr geschlummert hat – und ihre sicher geglaubte Zukunft gerät ins Wanken. 

Rezension: 

Überraschend macht ihr langjähriger Freund Robin Nora einen Heiratsantrag - und sie nimmt an, obwohl sie eigentlich nie vorgehabt hatte, zu heiraten. Zur spontanen Verlobungsfeier lädt sie ihren besten Freund Bren an, der als Weltreisender gerade in Neuseeland ist. Unerwartet kommt er nach zwölf Jahren Abwesenheit zurück nach London und Nora kommen Zweifel an ihrem Eheversprechen.

Der Roman wird aus den Perspektiven der drei Hauptfiguren geschildert, wodurch sie nahbar wirken und ihre widerstreitenden Gefühle sehr gut nachvollziehbar sind. Dabei sorgt die unterschiedliche Erzählweise aus auktorialer Sicht und Du-Erzähler dafür, dass Nora und Bren die äußere Rahmenhandlung dominieren, während Robin auf einen inneren Monolog beschränkt bleibt.

Sehr deutlich werden die Unterschiede zwischen den männlichen Charakteren. Robin steht als empathischer, verlässlicher Partner für eine stabile, vertrauensvolle Beziehung. Bren hingegen entscheidet aus dem Bauch heraus, ist impulsiv und verkörpert Freiheitsdrang und Abenteuer, ist jedoch auch belastet von einer Familientragödie. Beide manifestieren Lebenskonzepte, die kaum gegensätzlicher sein könnten. 

Die Geschichte handelt von einem Liebesdreieck, integriert neben der Achterbahn der Gefühle aber noch weitere emotionale Themen. Es geht um familiäre Konflikte, um unverarbeitete Traumata, um unterdrückte Gefühle - Liebe und Wut - sowie um verpasste Chancen und die Frage: Was wäre, wenn? 
Nicht nur durch die Hauptfiguren, auch durch ihre Mütter, wird deutlich, dass es ganz unterschiedliche Arten zu leben und zu lieben gibt, was der Geschichte noch mehr Gehalt gibt. Überhaupt darf man trotz des farbenfrohen Covers und des unbedarften Titels keine unbeschwerte Romanze erwarten. 
Ohne eine Handlung auf zwei Zeitebenen oder Rückblenden in die Vergangenheit ist es eine erwachsene Liebesgeschichte, die sich auf den Moment fokussiert. 

Die innere Zerrissenheit der Hauptfiguren ist spürbar, auch die verletzten Gefühle und Missverständnisse, die zwischen ihnen stehen. Die Charaktere brauchen Zeit, bis sie ihre Gefühle sortiert haben und ihre Entscheidungen treffen und so bleibt bis zum Schuss eine spannende Unsicherheit, wie der Roman enden wird. 
"People in Love" ist eine sehnsuchtsvolle Geschichte mit unverfälscht unperfekten Charakteren, echten Emotionen und einem stimmigen Ende für alle Beteiligten. 

Donnerstag, 18. Juni 2026

Buchrezension: Kathryn Stockett - Der Club der Unbeugsamen

Inhalt:

Oxford, Mississippi, 1933. Während die Wirtschaftskrise die Welt in Atem hält, kreuzen sich in einer kleinen Stadt die Wege dreier ungewöhnlicher Frauen. Sie erkennen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können, vielleicht sogar die Regeln ihrer Zeit verändern. Um ihre Ziele zu erreichen, gehen erstaunliche Risiken ein. Denn sie haben eines gemeinsam: Sie haben wenig zu verlieren.
Die elfjährige Meg, deren Mutter einst an Weihnachten verschwand, hat auf die harte Tour gelernt, sich auf niemanden zu verlassen. Nun zählt sie zu den "großen Mädchen" im Waisenhaus und kämpft jeden Tag um ihre Würde. Birdie Calhoun, unverheiratet und unverblümt, ist nach Oxford gekommen, um ihre wohlhabende Schwester um etwas Geld zu bitten. Doch sie merkt schnell: Das High-Society-Leben ist nichts als ein Geflecht aus Lügen. Dann begegnet Birdie Charlie, einer Frau, die mit dem Rücken zur Wand steht. Als sich die Schicksale der drei kreuzen, schmieden sie einen kühnen Plan, um einzufordern, was ihnen zusteht. Doch in einer heuchlerischen Zeit, in der die Freiheit von Frauen zerbrechlich ist, kann selbst der kleinste Akt des Widerstands gefährliche Folgen haben. 

Rezension:

Meg lebt in dem Waisenhaus von Lafayette County in Oxford, seitdem ihre Mutter sie vor zwei Jahren ohne ein Wort verlassen hatte. Sie zählt inzwischen zu den großen Mädchen und hat kaum eine Perspektive adoptiert zu werden. Neben der Ungewissheit über den Verbleib ihrer Mutter leidet sie unter der Drangsalierung durch die Leiterin Garnett, die sie als verdorben erachtet.
Die ledige Birdie lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter im Mississippi-Delta. In ihrer wirtschaftlichen Not sieht sie sich gezwungen, zu ihrer jüngeren Schwester Frances nach Oxford zu fahren, die reich geheiratet hat, und um Unterstützung zu bitten. Da sich Frances als Freiwillige in dem Waisenhaus engagiert, ist auch Birdie bereit, dort bei der Buchhaltung auszuhelfen und lernt die ausgegrenzte Meg kennen, derer sie sich annimmt.
In Oxford muss Birdie feststellen, dass das Leben der Schönen und Reichen eine Scheinwelt voller Heuchelei ist. Als alles droht den Bach herunterzugehen, begegnet sie der verzweifelten Charlie, die ihr Ungeheuerliches berichtet. Die Frauen müssen sich zusammenschließen, um für ihre Freiheit und Rechte einzustehen.

Der Roman handelt zur Zeit der Wirtschaftskrise in Amerika im Jahr 1933 und wird abwechselnd in jeweils längeren Abschnitten aus den Perspektiven von Birdie und Meg geschildert, was die Geschichte abwechslungsreich gestaltet. Meg verkörpert passend zu einer Elfjährigen eine naive Kindersicht, wobei sie clever und neugierig ist und mehr wahrnimmt, als die Erwachsenen ahnen, auch wen sie längst nicht alles durchschauen kann.
Birdies Sicht einer erwachsenen Frau mit Mitte 20 zeigt einen reflektierteren Blick auf die Gesellschaft und die Schwierigkeiten, mit denen sich vor allem Frauen konfrontiert sehen.

Die Hauptfiguren sind eigenwillig, aber haben ihr Herz auf dem rechten Fleck. Dazu kommen weitere Nebencharaktere von Arm bis Reich, die lebensecht und facettenreich gezeichnet sind. Auch die Lebenswirklichkeit zur damaligen Zeit wird lebendig und authentisch beschrieben, so dass man sich leicht in die amerikanischen Südstaaten ins Jahr 1933 versetzen lassen kann.
Die detaillierten Beschreibungen ermöglichen einen umfassenden Einblick in den Alltag und die Herausforderungen aller Schichten. Zentrales Thema ist die Wirtschaftskrise und die Auswirkungen auf die Hauptfiguren und ihre Familien. Neben den Geldsorgen spielen Chauvinismus, Rassismus, Eugenik und Alkoholismus zur Zeit der Prohibition eine Rolle.

Im Verlauf der Erzählung treffen ganz unterschiedliche Frauen aufeinander, die sich zusammenschließen, Probleme gemeinsam angehen und dabei unkonventionelle Wege gehen. Kämpferisch und mutig setzen sie sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr und geben auch bei Rückschlägen nicht auf. Freundschaft und Frauensolidarität sowie der Wunsch nach Selbstbestimmung in einem patriarchalischen System bestimmen die Handlung und zeigen eindrücklich, wie viel trotz gesellschaftlicher und gesetzlicher Grenzen gemeinsam möglich ist. 

"Der Club der Unbeugsamen" ist ein mitreißender Roman voller Herzlichkeit und Charme, der zu einer beschwerlichen Zeit wirtschaftlicher Not handelt, in der Frauen leidenschaftlich für ihre Ziele kämpfen und solidarisch zusammenhalten. Der Blick auf die damalige Zeit ist bildhaft und unterhaltsam und trotz der auftretenden Probleme, Intrigen und Ungerechtigkeiten ist die Geschichte nie ohne Humor und Hoffnung.