Freitag, 24. Juli 2026

Buchrezension: Camilla Sten - Bachelorette Party

Inhalt:

Laue Sommerabende, Yoga am Strand und Quality Time mit den besten Freundinnen: Annelieses Junggesellinnenabschied auf einer abgelegenen schwedischen Schäreninsel verspricht ein traumhaftes Wochenende. Nur Journalistin Tessa läuft schon bei der Ankunft eine Gänsehaut über den Rücken, denn die Insel erinnert sie an einen Cold Case: Vier Frauen verschwanden dort vor zehn Jahren spurlos. Als das zuvor sicher vertäute Boot im offenen Meer treibt und die Gruppe somit auf der Insel gefangen ist, suchen sich lang verborgene Geheimnisse und Feindseligkeiten ihren gefährlichen Weg ans Licht. Dann wird eine der Teilnehmerinnen tot aufgefunden, und Tessa weiß: Jemand ist hier, um Rache zu üben. 

Rezension: 

Vier Freundinnen, die sich seit ihrer Kindheit kennen, treffen sich seit elf Jahren im Mai auf der "Isle Blind" vor der schwedischen Küste um ihre Freundschaft zu feiern und die Last des Alltags hinter sich zu lassen. 2012 kommen sie von ihrem Ausflug nicht zurück. Die Polizei geht von einem Unfall auf dem Meer aus, aber ihre Leichen werden nicht gefunden. 
Der Cold Case lässt die True-Crime-Podcasterin Tessa nicht los. Zehn Jahre nach dem Unglück ist sie zu einem Junggesellinnenabschied in ein Yoga-Retreat auf einer abgelegenen Insel eingeladen, wobei es sich bei der Inhaberin um die ältere Schwester eines der vermissten Mädchen handelt. Tessa möchte die Chance nutzen, den Fall endlich zu lösen, obwohl sie mit ihrem Podcast gescheitert ist und den Shitstorm noch lange nicht verarbeitet hat.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen, wobei der Prolog vorwegnimmt, was sich im Mai 2012 auf Isle Blind ereignet hat und damit Ängste schürt, was dort zehn Jahre später passieren könnte. Der Fokus liegt jedoch auf der Gegenwart und die kurzen Kapitel tragen zur entsprechenden Dynamik bei.

Die einzelnen Charaktere bleiben blass und übernehmen lediglich Rollen als Freundin, Trauzeugin, Schwester, Gastgeberin. Nur Tessa, aus deren Ich-Perspektive die Geschehnisse in der Gegenwart erzählt werden, scheint nahbarer. Weshalb ihr Podcast negativ viral gegangen ist, bleibt hingegen lange im Dunkeln, belastet jedoch sie und die Beziehungen zu ihren Freundinnen. Von einem entspannten Junggesellinnenabschied kann keine Rede sein, auch da sich Tessa vorgenommen hat, den Fall um die verschwundenen Frauen zu lösen und Morde dahinter vermutet - eine Erklärung dafür gibt es jedoch nicht. 

Als eine Freundin der Braut in der Gegenwart verschwindet und ihr Rettungsboot auf dem offenen Meer treibt, scheint das ungute Gefühl, das Tessa seit der Ankunft in dem Retreat verspürt, nicht unbegründet. Die anschließende Handlung ist mehr von Dramatik und Hysterie als echter Spannung geprägt. 

Die Ausgangslage der "Bachelorette Party" ist wenig originell: Ein Locked-Room-Szenario, eine abgelegene Insel, eine übersichtliche Anzahl von Personen, keine Möglichkeit, Hilfe zu holen und unter ihnen ein Mörder... Dennoch fiebert man einer Erklärung für die Ereignisse in der Vergangenheit und eine mögliche Wiederholung in der Gegenwart entgegen. 
Die Auflösung kann allerdings auf beiden Zeitebenen aufgrund des unnötigen Gewaltexzesses nicht überzeugen. Die Motive und Verdächtigungen kommen im Vergleich zur Beschreibung von verletzten Körperteilen zu kurz. Zudem wirkt der Plot nicht ganz rund, wenn am Ende grundsätzliche Fragen übrig bleiben, wie warum die Polizei 2012 so stümperhaft ermittelt hat und was sich Tessa zehn Jahre später erhofft hat für Beweise zu finden. 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Buchrezension: Katie Bernet - Beth is dead

Inhalt:

Als Beth March tot aufgefunden wird, ist für die Polizei sofort klar: Es war Mord. Schnell geraten ihre Schwestern unter Verdacht: Jo ist eine aufstrebende Autorin mit vielen Followern. Hat sie ihre Schwester für eine reißerische Geschichte umgebracht? Amy möchte unbedingt in Europa Kunst studieren, aber sie braucht Geld von ihrer Tante – Geld, das für Beth bestimmt war. Und Meg würde nicht im Traum daran denken, ihre Schwester zu verletzen, aber ihr Freund könnte es getan haben, und ihn würde sie um jeden Preis schützen.
Und der Kreis der Verdächtigen ist noch größer, denn vor Monaten wurden die Schwestern unfreiwillig ins Rampenlicht gezerrt, als ihr Vater einen umstrittenen Bestseller über seine Töchter veröffentlichte. 

Rezension: 

Am Neujahrsmorgen wird die zweitjüngste der March-Schwestern, Beth, tot aufgefunden. Ihre Verletzungen lassen auf keinen natürlichen Tod schließen.
Während die Polizei ermittelt, versuchen die drei verbliebenen Schwestern Meg, Jo und Amy selbst den Mörder oder die Mörderin zu entlarven. Dabei kommt auf, dass jede von ihnen Geheimnisse vor den anderen hatte, die sie oder ihre engsten Freunde verdächtig erscheinen lassen.
Zeitgleich ist ihr Vater nicht erreichbar, der sich angeblich in die Wildnis nach Kanada zurückgezogen hat, um seine Familie zu schützen. Er hatte eine Neuinterpretation des Romans "Little Women" geschrieben, der zu einem Bestseller lancierte, mit seinem tragischen Ende allerdings die Kritik auf sich zog und seine Töchter, insbesondere Beth, der Öffentlichkeit preisgegeben hatte.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und wird aus den Perspektiven der vier Schwestern erzählt. Die älteste Meg ist die Kluge, studiert in Harvard Medizin und wirkt mit ihrer Orientierung an die Reichen etwas oberflächlich. Jo möchte ich Schriftstellerin werden und schreibt bereits an einem Roman. Sie ist impulsiv und steht ihrem Vater am nächsten. Beth gilt als unsicher und schüchtern. Sie hat von den Schwestern das größte Herz und möchte Pianistin werden. Die jüngste Amy ist die Rebellin und bringt sich gerne in Schwierigkeiten. Sie kämpft ehrgeizig für ihren Traum, Künstlerin zu werden. 

Die Rollen der Schwestern mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und Talenten sind eng an den Klassiker "Little Women" angelehnt, ist aber keine Nacherzählung der Geschichte.
Beth ist tot und aus den verschiedenen Blickwinkeln ergeben sich im Wechsel zwischen "Vorher" und "Heute" unterschiedliche Verdächtige. Geschickt werden Vergangenheit und Gegenwart inhaltlich eng miteinander verknüpft. Neue Erkenntnisse im Mordfall erklären sich häufig aus den Rückblenden in die Vergangenheit. Durch die Aufdeckung von Lügen und Geheimnissen wird stetig Misstrauen gegen Personen aus Beths Umfeld geschürt.

Es geht um Neid und Eifersucht, um die erste Liebe und Schwestern, die sich lieben, aber auch in Konkurrenz zueinander stehen. Trotz des jugendlichen Alters der Hauptfiguren hat man nicht das Gefühl einen Young Adult-Roman zu lesen. Es vielmehr ein All-Age-Roman mit Whodunit- und Thrillerelementen, der als Familiendrama berührt. 

Montag, 20. Juli 2026

Buchrezension: Sophie White - Breakup Season

Inhalt:

Maggies Leben wirkt perfekt: ein Superstar als Ehemann, eine Villa in Hollywood, ein Stylist auf Abruf. Doch dafür hat sie ihre eigenen Träume aufgegeben. Annie versucht, schwanger zu werden - und hofft, dass ihre Beziehung dem Druck standhält. Clara glaubt, sie und Ollie seien glücklich, bis eine SMS ihr Vertrauen in ihn erschüttert. Sie alle hoffen, bei einem gemeinsam Urlaub in Cape Cod Abstand zu gewinnen: Strand, Drinks, lange Abende. Bis die Gespräche kippen, Geheimnisse ans Licht kommen und jemand sagt: "Es ist vorbei." 
Drei Paare glauben, ihr Leben im Griff zu haben - doch dann zeigt sich, wie brüchig Zukunftspläne wirklich sind.

Rezension: 

Maggie lebt ein Leben, von dem viele träumen. Ihr Mann ist ein begehrter Filmstar, sie wohnen in einer Villa in Hollywood, haben zwei gesunde Kinder und Personal, das sie umsorgt. Doch Maggie ist nicht glücklich und hat zunehmend Probleme, nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Sie hofft, dass der gemeinsame Urlaub mit zwei befreundeten Paaren auch wieder mehr Nähe zu Fionn schafft.
Annie und Connor sind seit zwei Jahrzehnten zusammen, aber nicht verheiratet. Mit Anfang vierzig versuchen sie bisher vergeblich schwanger zu werden - ein Druck, dem beide nicht mehr gewachsen sind.
Clara und Ollie haben drei Kinder, die sie lieben, doch der Alltag mit ihnen ist chaotisch. Clara fühlt sich von Ollie häufig allein gelassen und hegt den Verdacht, dass er sie betrügen könnte.
Der gemeinsame Urlaub in Provincetown, der mit einer Luxusyacht, Champagner und Promiparty für Entspannung und Ablenkung sorgen sollte, wird für alle drei Paare zu einer Zerreißprobe.

Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen geschildert und konzentriert sich damit auf die weibliche Sicht auf Beziehungsfragen und die Entwicklung langjähriger Freundschaften.
Alle drei Paare haben ihre eigenen Probleme, die sie im Alltag verdrängt haben und die unter der Sonne Cape Cods förmlich explodieren. Die Stimmung ist aufgeladen, es fallen hässliche Worte, Beziehungen gelangen an einen Scheidepunkt und selbst die jahrzehntelange Freundschaft der Clique droht an Neid und sich verschiebenden Loyalitäten zu zerbrechen.

Die Charaktere sind mitunter herrlich schräg, haben aber dennoch viel Identifikationspotenzial und sind nicht so überzeichnet, als dass man ihre Probleme nicht ernst nehmen könnte.
Ihre Leben sind in Schieflage geraten und sie reagieren entsprechend emotional darauf. Gerade ihre Fehler, ihr verletzendes und unfaires Verhalten, wirken ungeschönt und lebensecht.
Dazu kommt, dass es alltägliche Probleme sind, mit denen sich Frauen und Paare mit Anfang 40 konfrontiert sehen. Es geht um den aufreibenden Familienalltag, die Organisation der Kinderbetreuung, Unzufriedenheit im Job, mangelnden Selbstwert, Bodyshaming, die Aufgabe von Träumen und unterschiedliche Erwartungen.

Fesselnd und emotional erschütternd zeigt "Breakup Season" wie Beziehungen an der Last des Alltags zerbrechen können. Die Dialoge und Szenen zeugen von einer scharfsinnigen Beobachtungsgabe, sind geistreich und modern und halten dabei die Balance aus Witz und Traurigkeit. 
Zudem schafft es die Autorin durch die vielschichtigen Figuren und ihre feinfühlig geschilderten inneren Konflikte trotz der Themenvielfalt den Problemen empathisch gerecht zu werden. Insbesondere der Umgang mit mentaler Gesundheit und verzerrter Körperwahrnehmung, verbunden mit dem Druck, gefallen zu wollen, ist sensibel, aber drastisch und ungeschönt dargestellt. 

"Breakup Season" ist ein dramatisches Buch mit schwarzhumorigen Zwischentönen, das ein schonungslos ehrliches Bild moderner Beziehungen zeichnet, dabei aufwühlt und zutiefst bewegt.