Freitag, 26. Juni 2026

Buchrezension: Leila Mottley - Florida Babys

Inhalt:

Eigentlich war für die 16-jährige Adela immer klar, wie ihr Leben ablaufen soll: Die Einserschülerin und Leistungsschwimmerin will für die Olympischen Spiele trainieren und aufs College gehen. Dann aber wird sie schwanger. Bei ihrer Großmutter in Florida soll sie unbemerkt das Kind bekommen und später zu ihrem alten Leben zurückkehren. Doch dort trifft sie auf die Girls – eine Begegnung, die ihr Leben für immer verändern wird. Sie alle sind Teenie-Mütter, wohnen in einem roten Pick-up-Truck, tanzen mit ihren Babys über den Strand. Und da ist auch Chris, der Rettungsschwimmer mit dem Haifischzahnlächeln, der ihr Surfen beibringen möchte. Es gibt jedoch etwas Entscheidendes über Chris, das Adela nicht weiß. 

Rezension:

Adela ist mit sechzehn Jahren schwanger und wird von ihren Eltern schambehaftet von Indiana nach Florida zu ihrer Großmutter verbannt, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen.
In Padua Beach lernt sie Emory kennen, die ebenfalls als Teenager schwanger wurde und nun mit ihrem Neugeborenen zur Highschool geht, in der Hoffnung, trotz aller Widrigkeiten den Abschluss zu schaffen. Der Vater des Kindes ist an ihrer Seite, doch sie zeigt Jay die kalte Schulter.
Jays Schwester Simone ist Mutter von vierjährigen Zwillingen, die nicht geplant waren. Nun ist sie erneut ungewollt schwanger und möchte das Kind dieses Mal nicht behalten.

Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven von Simone, Emory und Adela erzählt. Trotz der charakterlichen Unterschiede klingen die Erzählstimmen nahezu identisch, was den Lesefluss ausbremst. Zudem wiederholen sich bestimmte Eckpunkte, denn alle drei erfahren wenig Verständnis oder Unterstützung von ihrer Familie, werden sogar verstoßen und haben ungesunde Beziehungen zu den Vätern oder Möchtegernvätern ihrer Kinder. 
Die Erzählweise ist ein Durcheinander aus gegenwärtiger Situation mit melodramatischem und hysterischem Verhalten und Erinnerungen über erste sexuelle Erfahrungen und unglückliche Freundschaften. 

Eine echte Verbindung unter den Teenmoms ist kaum zu spüren. Sie sind einfach am selben Ort und einsam in ähnlichen Situationen, wobei unklar ist, warum ausgerechnet in Padua Beach offenbar so viele junge Mütter zusammenkommen und dennoch Ausgestoßene sind. Überhaupt wirken die Einstellungen fast aller Erwachsenen ungeheuer antiquiert und nicht der heutigen Zeit angepasst - genauso wie die Tatsache, dass die nächste Gynäkologie drei Fahrtstunden von Padua entfernt ist. 

Neben der oberflächlichen Charakterzeichnung werden auch die Schwierigkeiten, mit denen sich Simone, Emory und Adela konfrontiert sehen, ohne Tiefgang entwickelt. Besonders irritierend ist die Szene einer Abtreibung, die ohne Nachklang unreflektiert geschildert wird. Darüber hinaus strapazieren die Mädchen unaufhörlich die Nerven mit ihren dummen Entscheidungen und ihrem Geheule.  

"Drei junge Frauen, die ihren Platz in der Welt einfordern – mutig, bewegend und unvergesslich." - so habe ich den Roman nicht empfunden. Simone, Emory und Adela agieren passiv und wenig unterstützend und sind keine Identifikationsfiguren. Lange fehlte es an Gedanken über die Zukunft, Freundschaft und Solidarität und selbst als diese am Ende doch noch aufkommen, wirken sie letztlich nur aufgesetzt. Das einzige, was wirklich ehrlich wirkt, ist die Liebe zu ihren Kindern. 

Mittwoch, 24. Juni 2026

Buchrezension: Chevy Stevens - Halt niemals an

Inhalt:

Alice und Tom freuen sich nach einem Schicksalsschlag auf ihre Reise im Campermobil durch die Weite Kanadas. ​Doch dann lernen sie ein junges Anhalter-Pärchen kennen und bieten ihnen eine Mitfahrgelegenheit an. Aber Jenny und Simon sind nicht das, was sie vorgeben – sie haben eine Spur aus Blut und Zerstörung hinterlassen. Alice und Tom werden Geiseln in einem tödlichen Spiel, aus dem es kein Entkommen gibt. 

Rezension: 

Im Sommer 1976 sind Alice und Tom in ihrem Wohnmobil durch Kanada unterwegs, um die Olympischen Spiele zu besuchen. Nach einem Schicksalsschlag möchten sie die gemeinsame Zeit nutzen, um wieder zu einander zu finden. 
Unterwegs lernen sie ein Pärchen kennen und bieten ihnen eine Mitfahrgelegenheit bis zur nächsten Stadt an. Doch Jenny und Simon, die sich zunächst als Hippies Blue und Ocean vorgestellt hatten, werden wegen Doppelmordes gesucht. Sie entführen Alice und Tom auf ihrer Flucht und gehen dabei weder zimperlich mit ihnen, noch mit denen, denen sie begegnen, um. 

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Frauen Alice und Jenny geschildert. Nachdem Tom von Simon schwer verletzt wurde, ist es Alice, die den Camper steuert und von Simon massiv unter Druck gesetzt wird. 
Jenny hat eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich und ist froh in Simon einen Mann gefunden zu haben, der zu ihr hält und sie beschützt, weshalb sie Hemmungen hat, Simons skrupelloses Handeln zu unterbinden.  
Dieser befindet sich in einem unkontrollierten Gewaltrausch ohne Rücksicht auf Verluste, weshalb ihm auf der weiteren Wegstrecke alles zuzutrauen ist. Toms Rolle ist rein passiver Natur.  
Sowohl Alices Ängste als auch Jennys Zweifel und innere Zerrissenheit sind spürbar, wobei sie ergänzend zur nervenaufreibenden Flucht von ihren Erinnerungen an ihr Zuhause heimgesucht wird. Details dazu werden erst am Ende enthüllt, was zwar die Dramatik hervorhebt, aber als lose Rückblende unbeholfen an die alptraumhafte Odyssee final platziert wird. 

"Halt niemals an" ist ein lebensgefährlicher Roadtrip mit einer Spur aus Tränen, Blut und Zerstörung. Nach einem spannenden Einstieg mit der Entführung eines traumatisierten, unschuldigen Paares der Roman jedoch bald auf der Stelle, da sich Szenen mit (leeren) Drohungen, Raubüberfällen und sinnloser Gewalt an Unschuldigen ähnlich gelagert wiederholen. 
Darüber hinaus fehlt es dem Roman an Atmosphäre. Dass sich die Handlung Mitte der 1970er in Kanada ereignet, bietet Potenzial für einen nostalgischen und spannenden Plot, das jedoch weitgehend ungenutzt bleibt. 

Montag, 22. Juni 2026

Buchrezension: Claire Daverley - People in Love

Inhalt:

An einem kalten Februartag, an Noras Lieblingsplatz am Fluss, macht ihr Freund Robin ihr unerwartet einen Antrag. Eigentlich wollten sie nie heiraten – aber nach zehn Jahren voller Insiderwitze, spontaner Tanzeinlagen in der Küche und Frühstück im Bett sagt Nora Ja. Warum auch nicht? Die Antwort steht bald vor ihrer Tür: Bren. Seit ein lebensverändernder Moment sie einst auseinandertrieb, hat Nora ihre Jugendliebe nicht mehr gesehen. Doch nun spürt sie, dass die Sehnsucht nach Bren all die Jahre in ihr geschlummert hat – und ihre sicher geglaubte Zukunft gerät ins Wanken. 

Rezension: 

Überraschend macht ihr langjähriger Freund Robin Nora einen Heiratsantrag - und sie nimmt an, obwohl sie eigentlich nie vorgehabt hatte, zu heiraten. Zur spontanen Verlobungsfeier lädt sie ihren besten Freund Bren an, der als Weltreisender gerade in Neuseeland ist. Unerwartet kommt er nach zwölf Jahren Abwesenheit zurück nach London und Nora kommen Zweifel an ihrem Eheversprechen.

Der Roman wird aus den Perspektiven der drei Hauptfiguren geschildert, wodurch sie nahbar wirken und ihre widerstreitenden Gefühle sehr gut nachvollziehbar sind. Dabei sorgt die unterschiedliche Erzählweise aus auktorialer Sicht und Du-Erzähler dafür, dass Nora und Bren die äußere Rahmenhandlung dominieren, während Robin auf einen inneren Monolog beschränkt bleibt.

Sehr deutlich werden die Unterschiede zwischen den männlichen Charakteren. Robin steht als empathischer, verlässlicher Partner für eine stabile, vertrauensvolle Beziehung. Bren hingegen entscheidet aus dem Bauch heraus, ist impulsiv und verkörpert Freiheitsdrang und Abenteuer, ist jedoch auch belastet von einer Familientragödie. Beide manifestieren Lebenskonzepte, die kaum gegensätzlicher sein könnten. 

Die Geschichte handelt von einem Liebesdreieck, integriert neben der Achterbahn der Gefühle aber noch weitere emotionale Themen. Es geht um familiäre Konflikte, um unverarbeitete Traumata, um unterdrückte Gefühle - Liebe und Wut - sowie um verpasste Chancen und die Frage: Was wäre, wenn? 
Nicht nur durch die Hauptfiguren, auch durch ihre Mütter, wird deutlich, dass es ganz unterschiedliche Arten zu leben und zu lieben gibt, was der Geschichte noch mehr Gehalt gibt. Überhaupt darf man trotz des farbenfrohen Covers und des unbedarften Titels keine unbeschwerte Romanze erwarten. 
Ohne eine Handlung auf zwei Zeitebenen oder Rückblenden in die Vergangenheit ist es eine erwachsene Liebesgeschichte, die sich auf den Moment fokussiert. 

Die innere Zerrissenheit der Hauptfiguren ist spürbar, auch die verletzten Gefühle und Missverständnisse, die zwischen ihnen stehen. Die Charaktere brauchen Zeit, bis sie ihre Gefühle sortiert haben und ihre Entscheidungen treffen und so bleibt bis zum Schuss eine spannende Unsicherheit, wie der Roman enden wird. 
"People in Love" ist eine sehnsuchtsvolle Geschichte mit unverfälscht unperfekten Charakteren, echten Emotionen und einem stimmigen Ende für alle Beteiligten.