Freitag, 21. August 2026

Buchrezension: Sara Goodman Confino - Mrs. Diamond träumt von morgen

Inhalt:

Als Beverly Diamond ihren Mann Larry in einer kompromittierenden Situation mit seiner Sekretärin erwischt, bricht ihre Welt zusammen. Was soll eine Vorstadtfrau aus Washington D.C. mit zwei kleinen Kindern und ohne Abschluss oder finanzielle Unterstützung im Jahr 1962 tun? Den Mistkerl mit seinen eigenen Waffen schlagen, natürlich. Bev schließt sich dem Wahlkampteam von Larrys Gegner an. Sie und Wahlkampfleiter Michael bilden ein gutes Gespann. Vielleicht in mehr als einer Hinsicht. Wenn Bev Michael nur davon überzeugen könnte, sich mehr um Frauenfragen zu kümmern. Dann könnte sie Larry zeigen, wie sehr er sie während ihrer gesamten Ehe unterschätzt hat – und dabei ihre eigenen Träume verwirklichen. 

Rezension:

Beverly Diamond hat ihren Ehemann Larry als Hausfrau und Mutter der beiden gemeinsamen Kinder stets unterstützt und den Rücken frei gehalten. Zum Dank betrügt er sie mit seiner Sekretärin und zeigt keine Spur von Reue. Beverly lässt sich davon nicht unterkriegen, setzt ihren Mann vor die Tür und nimmt ihr Leben selbst in die Hand, selbst wenn sie befürchten muss, als geschiedene Ehefrau im Jahr 1962 an den Rand der Gesellschaft zu rücken.
Beverly sucht sich Arbeit und überzeugt Michael Landau, den Gegenkandidaten und Außenseiter im Wahlkampf für den Senatorposten in Maryland, sie in sein Team aufzunehmen. Als Tochter eines ehemaligen Kongressabgeordneten kennt sie sich mit Politik aus und ist sich sicher, die richtigen Akzente zu setzen. Beverly möchte damit nicht nur Michael unterstützen. Für sie wird der Wahlkampf auch zu ihrem persönlichen Rachefeldzug gegen Larry, den Wahlkampfleiter des amtierenden Senators.

"Hinter jedem guten Mann steht eine noch bessere Frau". Der Meinung ist nicht nur Beverlys resolute Mutter, die Aussage dominiert die Geschichte über schlagfertige Frauen, die nicht mehr nur im Hintergrund die Strippen ziehen möchten.

Der Roman ist eine lebendige und unterhaltsame Zeitreise in die 1960er-Jahre. Vor dem Hintergrund des Wahlkampfes um den Sitz im Senat im Jahr 1962 entspannt sich eine Geschichte über Politik und Gesellschaft zur damaligen Zeit, die Rolle der Frau und ihrem Wunsch nach Respekt und Unabhängigkeit. Die Geschichte wirft einen Blick hinter die Kulissen der Politik, wo Geld im Machtkampf regiert und auch mit unfairen Mitteln gekämpft wird. Sie demonstriert die Dominanz der Upper Class in ihren Country Clubs und das Wirken von Vitamin B, wobei gerade Beverly Fingerspitzengefühl beweist. Daneben zeigt sie das traditionelle Familienleben in einer von Männern dominierten Gesellschaft.

Beverly ist eine starke und authentische Figur, die als Mutter alles für ihre Kinder gibt und aus der Not eine Tugend macht und sich im Scheidungskampf Arbeit sucht, die sie aufblühen lässt.

Die Geschichte bedient so einige Klischees, verliert damit aber nicht ihre Glaubwürdigkeit, sondern ist humorvoll und charmant. Und auch wenn man vermutlich nicht überrascht sein wird, wer der nächste Senator wird und wer im Rosenkrieg den kürzeren ziehen wird, ist die Geschichte spannend und wendungsreich, denn hier ist der Weg das Ziel und der ist sowohl für Michael als auch für Beverly steinig und mit schmutzigen Intrigen gepflastert.

Nach "Sommer fängt mit Freiheit an" ist "Mrs. Diamond träumt von morgen" erneut ein historischer, humorvoller Roman über die Kämpfe, die Frauen ausfechten, wenn sie sich über gesellschaftliche Normen hinwegsetzen und mutig ihren Weg gehen. Neben all dem politischen Spektakel ist es auch eine Geschichte über Frauensolidarität, das starke Band der Familie und die Liebe. 

Mittwoch, 19. August 2026

Buchrezension: S. K. Tremayne - Die Klippe: Ort ohne Wiederkehr (The Roseland, Band 1)

Inhalt:

Chamäleon Otto hilft ihr bei Entscheidungen und ihre Oma ist ihr Tor zur Welt: Die forensische Psychologin Karenza Bray lebt zurückgezogen an der einsamen Küste Cornwalls, seit ihre kleine Tochter auf tragische Weise ums Leben kam.
Als ihr Ex-Mann, Staatsanwalt in Truro, sie um Unterstützung bei einem Fall bittet, will Karenza erst ablehnen. Doch es geht um traumatisierte Kinder, die ihre Hilfe brauchen. Die Mutter der beiden wurde tot an der Steilküste gefunden – jetzt beschuldigen sich der fünfjährige Solomon und die zehnjährige Grace gegenseitig des Mordes.
Bald zieht der rätselhafte Fall Karenza immer tiefer in seinen Bann. Im prächtigen Gutshaus der Familie haben die Schatten Geheimnisse, Solomon spricht mit Geistern und Grace führt eindeutig irgendetwas im Schilde. Karenza vertraut fest auf die Wissenschaft. Ein haunted house, nicht euer Ernst?! Doch dann sieht und hört sie Dinge, die nicht da sein können. 

Rezension:

Karenza Bray lebt nach dem Tod ihrer kleinen Tochter und der Scheidung von ihrem Ehemann zurückgezogen mit Chamäleon und Katze in Cornwall. Sie ist forensische Psychologin und hat früher mit schweren Straftätern gearbeitet. Nun betreut sie ambulant Patienten, aber die Aufträge sind rar, weshalb sie den Fall zweier traumatisierter Kinder annimmt. Deren Mutter ist vor einem Jahr unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen und der Vater ist mit der Situation zu Hause überfordert. Die Kinder leiden unter Halluzinationen und beschuldigen sich gegenseitig, Schuld am Tod ihrer Mutter zu sein. 
Vor Ort in einem jahrhundertealten Gutshaus mit dunklen Geheimnissen fällt es selbst Karenza schwer, die Lage einzuschätzen. Sind die Bewohner dem Wahn verfallen oder spukt es tatsächlich in dem Haus? 

"Die Klippe" ist der erste Band einer neuen Thrillerreihe von S.K. Tremayne, die in Cornwall angesiedelt ist.
Im Mittelpunkt steht die forensische, neurodivergente Psychologin Karenza Bray, die selbst unter einem Verlust leidet und sich auch gerade deshalb mit großem Engagement und Einfühlungsvermögen ihrem neuen Fall widmet, der sie an den Rand des Verstands führt.

Im trüben Novemberregen wirkt das alte Gutshaus mit den teilweise unbewohnten Zimmern, dem verschlossenen Keller und den unerklärlichen Geräuschen noch schauriger. Dazu kommen die Visionen und Halluzinationen, die Karenza nicht nur beobachtet, sondern schon bald am eigenen Leib spürt. Als Wissenschaftlerin sucht sie nach einer logischen Erklärung für den Spuk und die Geister, die die Familie heimsuchen.

Aus der Ich-Perspektive von Karenza geschildert, taucht man tief in die Szenerie und Geschichte ein und möchte das Rätsel um den Klippensturz der Mutter von Karenzas Patienten lösen als auch eine Erklärung für die unheimlichen Vorgänge auf dem Anwesen der alteingesessenen Familie Cornwalls finden.

Die Geschichte entwickelt mit ihrer düsteren Atmosphäre einen Sog und ist mit seinem feinen Grusel spannend bis zum Schluss. Es ist ein Mysterythriller, der trotz paranormaler Elemente nie ins Abstruse abrutscht und mit authentischen Figuren überzeugt. Die Mischung aus detektivischen Gespür, feinfühliger Psychologie und wissenschaftlichen Erklärungsansätzen gestaltet die Geschichte vielschichtig und komplex und die besonderen Eigenheiten der Hauptfigur geben ihr einen einzigartigen Charme, die neugierig auf weitere Teile der Reihe macht. 


Montag, 17. August 2026

Buchrezension: Rebekka Eder - Der geheime Apfelgarten: Getrennte Welten (Die Elbinsel-Saga, Band 1)

Inhalt:

Finkenwerder 1892: Seit dem Tod ihrer Mutter findet die junge Kea Loop nur Trost in deren altem Apfelgarten. Dort will sie den perfekten Apfel züchten. Als endlich ein vielversprechender Sämling keimt, gibt es allerdings ein Problem: Er wächst hinter der Landesgrenze, die ihre Elbinsel Finkenwerder in Hamburg und Preußen teilt – schlimmer noch: hinter der Grenze zu den Rentfelds, ihren verfeindeten Nachbarn. Als Kea dennoch hinüberschleicht, wird sie von Kristen, dem Knecht der Rentfelds, erwischt. Was Keas Apfelprojekt ein jähes Ende bereiten könnte, ist der Beginn einer großen Liebesgeschichte. Ihr Vater indessen hat andere Pläne: Er möchte den alten Streit der Familien beilegen und verlobt Kea mit Tamme Rentfeld. Gleichzeitig bricht in Hamburg die Cholera aus, und die Grenze zwischen Hamburg und Preußen wird unpassierbar. Doch Kea kann Kristen nicht vergessen. Um ihn wiederzusehen, muss sie sich selbst in Gefahr bringen, Klassen- und Landesgrenzen überwinden und ihre alte Welt in Trümmer legen. 

Rezension: 

Kea Loop lebt Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit ihrem Vater Jakob auf einem Gestüt auf der Elbinsel Finkenwerder. Ihre Mutter ist jung verstorben und den Verlust haben beide nur schwer verwunden. Keas Traum ist es, den verwilderten Apfelgarten wieder aufblühen zu lassen und den Lieblingsapfel ihrer Mutter zu züchten. Doch der Sämling dafür befindet sich hinter der Landesgrenze in Hamburg auf dem benachbarten Anwesen des Obstbauern Rentfeld, mit dem ihr Vater zerstritten ist. Kea wagt sich dennoch heimlich auf das Nachbargrundstück und begegnet dort dem Knecht Kirsten Focke, der ihr seine Unterstützung anbietet.
Nach Jahren der Sehnsucht, als Kirsten sich als Seemann verdingt, treffen sich die beiden wieder an der Grundstücksgrenze und entwickeln zarte Gefühle für einander, während sie an der Fortsetzung von Keas Herzensprojekt arbeiten.
Zeitgleich bricht die Cholera aus und macht einen Grenzübertritt zwischen Hamburg und Preußen unmöglich.

"Der geheime Apfelgarten - Getrennte Welten" ist der Auftaktband der "Elbinsel-Saga", ein historischer Roman um die unangepasste Kea Loop, die lieber auf Bäume klettert und sich die Finger im Garten schmutzig macht, statt sich wie ein Fräulein zu benehmen und sich in die feine Gesellschaft zu integrieren.

Der Roman handelt von Liebe, Freundschaft und großen Träumen und schildert bildhaft die Erschwernisse des Alltags, die Klassenunterschiede und gesellschaftlichen Hemmnisse der damaligen Zeit.
Kea ist eine liebenswerte Hauptfigur, die mit ihrem Eigensinn, ihrem Mut und ihrer Empathie authentisch wirkt. Aber auch das Verhalten der weiteren Personen, die in gesellschaftlichen Zwängen gefangen sind, können sehr gut nachvollzogen werden.

Die Geschichte fesselt durch die Dramatik der Ereignisse mit denen Kea, Kristen und Rosa konfrontiert werden und die Geheimnisse, die zwischen den verfeindeten Familien Loop und Rentfeld stehen.

Die fiktive Geschichte ist anschaulich in den historischen Kontext eingebettet, was insbesondere mit dem Ausbruch der Cholera, aber auch mit den politischen und gesellschaftlichen Grenzen und patriarchalen Strukturen zum Ausdruck gebracht wird.

Wie schon von anderen historischen Dilogien gewohnt, endet der erste Band mit einem Cliffhanger und ungewissen Schicksalen, die ungeduldig Band 2 "Der geheime Apfelgarten - Geteilte Träume" erwarten lassen, der voraussichtlich im April 2027 erscheinen wird.