Mittwoch, 15. Juli 2026

Buchrezension: Miriam Covi - Firefly Island: Zurück zu dir (Die Firefly-Island-Reihe, Band 2)

Inhalt:

Ivy Huntington Parker ist froh, auf Firefly Island etwas Abstand zu ihrem untreuen Ehemann in Hongkong zu bekommen. Das Wiedersehen mit ihren zwei Schwestern und die Aufregung um die erste Inselhochzeit haben sie von ihren Problemen daheim abgelenkt. Nun kündigt sich die nächste Hochzeitsfeier an, und während Ivys Jugendliebe, Schreiner Noah, vorher einiges rund um die Firefly Lodge reparieren muss, flammen die alten Gefühle wieder auf. Doch dann kommen erst Ivys Tochter und schließlich ihr Noch-Ehemann auf der Insel an. Kann sich Ivy für einen Neuanfang auf Firefly Island entscheiden, ohne ihre Tochter zu verlieren? 

Rezension:

Ivy ist seit fünf Wochen auf Firefly Island und überlegt, dauerhaft an den Ort zurückzukehren, wo sie zusammen mit ihren beiden Schwestern die Sommer bei ihrer Großmutter verbracht hat. Sie möchte sich endgültig von ihrem Ehemann Lance trennen, der ihr seit Jahren untreu ist, hatte bisher allerdings Skrupel wegen ihrer Tochter Olivia, die nichts von den Affären ihres Vaters weiß. 
Ivys Jugendliebe Noah wohnt noch immer in Mahone Bay und führt derzeit die notwendigen Reparaturarbeiten an der Firefly Lodge aus, die zukünftig als Hochzeitslocation dienen soll. Die beiden fühlen sich noch immer voneinander angezogen und können kaum die Finger voneinander lassen. Doch Noah wurde schon mehrfach von Ivy enttäuscht, die immer wieder zu Lance zurückgekehrt ist und Ivy hat Angst, ihre Tochter zu verlieren, wenn sie sich für ein Leben in Kanada entscheidet. 

"Zurück zu dir" ist nach "Gegen die Vernunft" der zweite Band der Firefly Island-Reihe. Nach dem charmanten Start der Reihe konnte mich Band 2, in dem nach Holly ihre ältere Schwester Ivy in den Vordergrund rückt, weniger überzeugen. 
Auch wenn das Setting in der kanadischen Provinz Nova Scotia wieder bildhaft schön beschrieben ist und sich wie ein Zuhause für die drei Schwestern anfühlt, ist der Kern der Geschichte, die Romanze von Ivy und ihrer Jugendliebe Noah leider einfallslos und trivial. 
Über weite Teile der Handlung steht rein der körperliche Aspekt ihrer Beziehung im Vordergrund. Ermüdend schmachtet Ivy Noahs Muskeln an, während Noah damit beschäftigt ist, sich zu fragen, ob Ivy einen BH trägt... Es folgen spicy Szenen mit den üblichen Floskeln aus wimmern stöhnen, fluchen. 

Obgleich nachvollziehbar ist, dass Ivy und Noah aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vergangenheit ein Geheimnis aus ihrer Liebe machen, um ihre Kinder zu schützen, wirkt die Affäre, die sich an dem überschaubaren Ort schlicht nicht verbergen lässt, alberner je länger sie dauert. Ein stärkerer Fokus auf eine Problemlösung wäre erwachsener und glaubwürdiger gewesen, denn Scheidungen sind selbst in den Augen der Kinder nicht verwerflich. 

Trotz der eintönigen Liebesgeschichte hat der Roman schöne Szenen mit den Schwestern, die sich nicht unbedingt ähnlich sind, aber fest zusammenhalten. Alle drei hoffen, in Mahone Bay neu anfangen zu können und was bei Holly beruflich und privat geklappt hat, zeichnet sich auch bei Ivy ab, die nicht nur bereit für eine Trennung von ihrem Ehemann ist, sondern auch nicht mehr nur Mutter und Diplomatengattin sein möchte. Das Ende stimmt nach den ganzen Bedenken, Hadern und Zögern versöhnlich und mutet realistisch an. 

Band 3 erscheint im Oktober 2026 und widmet sich der ältesten Schwester Rosalie und dem "grumpy" Hubschrauberpiloten, was wiederum explizite Szenen erwarten lässt. 

Montag, 13. Juli 2026

Buchrezension: Maria Nikolai - Little Germany: Der Geschmack von Freiheit (Die Bäckerinnen von Manhattan, Band 2)

Inhalt:

Little Germany, Manhattan, 1904: Eine verheerende Katastrophe hat das deutsche Viertel in Schockstarre versetzt. Trotz des schweren Schicksalsschlags, der auch sie getroffen hat, kämpfen Lissi und Julia weiter für ihre Bäckerei und ihr persönliches Glück. Doch bald schon zeichnet sich ab, dass Little Germany nie mehr die Heimat sein wird, zu der es für sie geworden war. Noch einmal müssen die beiden jungen Frauen von vorn beginnen – und eröffnen "Lissi's Kleine Konditorei" auf der 86th Street in Yorkville. Wie ein aufstrebender Stern am German Broadway erobert die schwäbische Confiserie schnell die Herzen aller. Währenddessen müssen sich Julia und Lissi ihrer Vergangenheit stellen, denn zwei Männer aus ihrem alten Leben treiben sie nicht nur in ein Gefühlschaos, sondern stellen auch ihre Zukunft infrage. Zur selben Zeit beginnt der Prozess gegen die Verantwortlichen der Tragödie auf dem East River. 

Rezension: 

Nach dem verheeren Schiffsunglück der "General Slocum", dem Ausflugsdampfer, auf dem viele Bewohner von Little Germany an Bord waren und die Mehrheit von ihnen ums Leben gekommen sind, steht das deutsche Viertel in New York unter Schock und trauert um die Toten. Auch Julia und Lissi sind persönlich betroffen und spüren nicht nur die emotionale Last der Katastrophe, sondern auch die finanziellen Folgen für ihre Bäckerei. Sie entscheiden sich für einen Neuanfang in Yorkville, wo sich viele Deutsche inzwischen niedergelassen haben und verändern den Schwerpunkt ihrer Backerzeugnisse hin zu Konditorware. Schon wie die schwäbischen Brezeln finden auch die süßen Köstlichkeiten zahlreiche Abnehmer in der Neuen Welt.
Während wirtschaftlich alle Zeichen auf Neuanfang stehen, müssen Julia und Lissi auch in Bezug auf ihre Herzensangelegenheiten Entscheidungen treffen.

"Little Germany - Der Geschmack von Freiheit" ist nach "Little Germany - Der Duft der Neuen Welt" der abschließende zweite Band der Dilogie "Die Bäckerinnen von Manhattan". Er schließt nahtlos an die Ereignisse des ersten Bands im Sommer 1904 an und setzt die Geschichte um die beiden mutigen jungen Frauen Julia von Varell und Lissi Steiner fort, die 1901 mutig ein neues Leben fernab ihrer Heimat Deutschland begonnen hatten.

Wie schon Band 1 ist auch die Fortsetzung lebendig geschrieben und stellt ein authentisches Abbild der damaligen Zeit dar. Dafür sorgt die mühelose Verbindung historischer Wahrheit mit fiktiver Geschichte, die von einer akribischen Recherche zeugt. Im Anhang des Romans kann man sich vergegenwärtigen, was sich tatsächlich ereignet hat und welche Charaktere historisch verbürgte Persönlichkeiten sind.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei Ort und Zeit jeweils am Kapitelanfang angegeben sind, was die Orientierung erleichtert. Schauplatz ist New York, was als quirliger Ort bildhaft beschrieben ist, aber auch das Rittergut Eckerde, wo es zu spannenden Reibereien kommt.
Die Nebenfiguren, die eine Stimme erhalten, gestalten die Geschichte in Ergänzung zu Julias und Lissis Lebensgeschichten noch facettenreicher.

Der Roman handelt von Freundschaft, Solidarität und Zusammenhalt, von Aufbruch und neuen Chancen, aber auch von Verlust und Abschieden. Über die fünf Jahre hinweg machen Julia und Lissi eine nachvollziehbare Entwicklung durch und sind eindrückliche Rollenvorbilder für moderne, eigenständige Frauen, die mit ihrem Mut, ihren Träumen und Ideen sehr gut in die Neue Welt passen. Umso spannender wird dann auch, ob Julia trotz allem ihrem Herzen folgen wird. 
Auch der zweite Band ist eine lebendige Zeitreise mit Liebe, Abenteuer, Drama und Backkunst, der mit einem Bezug zum ersten Band mit dem Beginn der Reise von Julia und Lissi einen runden Abschluss erhält. 

Freitag, 10. Juli 2026

Buchrezension: Cora Wucherer - All die Farben, all das Licht

Inhalt:

Seit sie denken können, teilen sich Juna und Martha ein Zimmer in ihrer engen Familienwohnung in München-Giesing. Doch das ist auch schon alles, was die beiden Schwestern gemeinsam haben. Juna, außergewöhnlich begabt und bedroht von einer seltenen Krankheit, erfährt, dass ihr wohl nur noch wenige Monate bleiben, bis sie ihr Sehvermögen verliert. Ihr Traum, einmal eine ebenso bedeutende Künstlerin zu werden wie ihr großes Vorbild Lotte Laserstein, scheint zu zerbrechen. Ihre jüngere Schwester Martha hingegen kämpft darum, überhaupt gesehen zu werden. Mit Junas Ausweis in der Tasche ergattert sie sich einen Nebenjob in einem Kino – und damit eine völlig neue Unabhängigkeit. Als Juna unbedingt ihr Lieblingsgemälde von Lotte Laserstein in Malmö sehen will, ergreift Martha ihre Chance und organisiert eine heimliche Reise für die beiden. Was als Abenteuer beginnt, wird zu einer ungeahnten Herausforderung – und die Schwestern geraten an die Grenzen dessen, was sie voneinander zu wissen glaubten. 

Rezension: 

Die beiden Schwestern Juna und Martha leben zusammen mit ihrem Vater in München, während ihre Mutter schon früh gestorben ist. Die beiden müssen sich ein Zimmer teilen, verbringen jedoch trotzdem nur wenig gemeinsame Zeit.
Juna ist dreieinhalb Jahre älter als Martha und leidet an einer Erbkrankheit, die ihr Hör- und Sehvermögen betrifft. Sie ist künstlerisch begabt und träumt davon, Kunst zu studieren und Malerin zu werden, als sie in den Sommerferien die Nachricht erhält, dass sie in den nächsten Monaten erblinden wird.
Die 13-jährige Martha genießt hingegen die schulfreie Zeit und ist stolz auf sich, durch einen Trick einen Ferienjob in einem kleinen Kino ergattert zu haben. 
Als sie von der ärztlichen Prognose erfährt und dass Juna den Wunsch hat, eine Ausstellung ihres großen Vorbilds Lotte Laserstein zu besuchen, verwendet Martha ihre Ersparnisse und fährt mit Juna heimlich nach Malmö.

Der Roman wird abwechselnd aus den Ich-Perspektiven der beiden Schwestern geschildert. Nicht nur der Altersunterschied, auch ihre ungleichen Persönlichkeiten sind durch die Erzählstimmen klar zu unterscheiden. Beide wirken nahbar und authentisch. Junas Wut und Angst über den Verlauf der Krankheit und das Ende ihrer Träume sind nur allzu verständlich. Auch wie eingeschränkt ihr Alltag schon bisher ist, wie gestresst sie von fremden Umgebungen, lauten Geräuschen und zu vielen Menschen ist, kann gut nachvollzogen werden.
Martha wirkt offensichtlich unerschrockener und unbeschwerter, hat aber ihrerseits damit zu kämpfen, dass sie im Schatten ihrer kranken, aber schönen, begabten Schwester steht. Zudem vermisst sie eine Mutter, die sie nie kennenlernen durfte und leidet unter dem Schweigen in ihrer Familie.

Mit der Fahrt nach Malmö machen die Schwestern erstmals wieder etwas gemeinsam, wobei sich neue Spannungen ergeben.

Trotz des jungen Alters der Hauptfiguren ließt sich das Buch nicht wie ein Jugendroman, da weniger Teenager-Probleme, sondern ganz universelle Themen in den Vordergrund rücken. Neben dem Erwachsenwerden und erster Liebe handelt "All die Farben, all das Licht" von Verlust, geplatzten Träumen, Freundschaft, Selbstentfaltung und Mut. Die Geschichte ist lebendig und empathisch geschildert, zeigt die besondere, nicht immer einfache, Verbindung von Geschwistern und dass man die Herausforderungen des Lebens annehmen muss, um neue Perspektiven zu sehen und neue Wege zu gehen.