New York, 1982. Verbrechen sind an der Tagesordnung, und Batter Gray, frischgebackener College-Absolvent mit einem "feinen Ohr" für Poesie, blickt sorgenvoll in die Zukunft. Doch als Batter einen Traumjob bei Peck & Peck ergattert, der geheimnisvollsten, dysfunktionalsten und doch renommiertesten Lyrikzeitschrift der Welt, scheint sich das Blatt zu wenden. Schon bald steckt er mitten in dem heimlichen Krieg zwischen den beiden Herausgebern, den berühmten Peck-Brüdern, und ist eingeweiht in die Privatangelegenheiten der 39 Lektoren, die nur ein einziges Ziel vereint: Originalität finden. Kreativität fördern. Den Rest verbrennen.
Rezension:
Batter Gray, benannt nach dem heldenhaften Hund seiner Mutter, ist alles andere als ein Held. Schon als Kind träumte er davon, Dichter zu werden, auch wenn Eltern, Lehrer und Berufsberatung ihn vor einer brotlosen Kunst warnten. Er navigiert sich durchs College und landet nach dem Abschluss als T-Shirt-Falter bei Gap und Kellner bei "Just Okay" in New York.
Doch Batter gibt die Poesie nicht auf und bewirbt sich als Lektor bei dem renommierten Lyrik-Verlag Peck & Peck - und erhält eine Zusage. Anders als gedacht, landet er jedoch als Kopierer in den Katakomben des Verlagshauses, was Batter jedoch nicht davon abhält, sich gegen Narzissmus und Obrigkeitsdenken und für Kreativität und Originalität einzusetzen.
"Peck & Peck" handelt nach der Kindheit und Jugend Batters, der 1957 geboren ist, überwiegend in den 1980er-Jahren in New York City. Ausgehend von der Hauptfigur, ist es ein Roman über die Liebe zur Poesie, wobei Batter als Erwachsener erkennt, dass er kein begabter Dichter ist und Gedichte als solche im Roman nicht abgedruckt sind. Man muss insofern kein Lyrik-Faible haben, um sich auf die Geschichte einzulassen.
Batters Faszination für die Poesie ist vielmehr ein Symbol dafür, an sich selbst zu glauben und für seine Träume einzustehen, auch wenn Ratgeber oder Vernunft etwas anderes empfehlen.
Mit Herz und Humor und allerlei originellen Figuren ist die Geschichte abwechslungsreich und kreativ gestaltet. Es wird ein fiktiver Verlag zum Leben erweckt, der seit Gründung von Zwillingen geleitet wurde und nach einem Konkurs nur noch von einem Peck angeführt wird, der keinen Respekt vor Lyrik hat und für den Gewinnmaximierung mit allen Mitteln im Vordergrund steht.
Batter, der zunächst unterschätzt wird, lernt über seine Kopiertätigkeit, die auch Persönliches über die Mitarbeitenden verrät, seine Kolleginnen und Kollegen kennen und kann sich das Wissen über sie zunutze machen. Auch wenn er Rückschläge erlebt, kann Batter sich, motiviert von Familie und Freunden, hocharbeiten und im stillen Kämmerlein gegen die eigenartigen Regeln im Verlag rebellieren. Er ist das kleinste Licht und wird gleichzeitig zur einzigen Person, die im Vergleich zu den langjährigen Lektoren Gegenwehr leistet.
"Peck & Peck" handelt von einem liebenswerten Verlierer und unglücklichen Hochstapler, der nicht aufgibt. Sein Vorname Batter ist dabei Belastung und Ansporn zugleich, ist doch Promenadenmischung Batter für so einige abenteuerliche Heldentaten bekannt. Die Anekdoten über ihn muten fantastisch an und sind eine kreative Abwechslung zu der zunächst recht perspektivlosen Arbeit Batters.
Der Roman ist umfangreich und kommt nicht ohne Längen aus. Im Gegensatz dazu ist das Ende wie in einem Zeitraffer unglücklich gehetzt und überfrachtet mit erklärenden Informationen. Zudem ist insbesondere der cholerische Herausgeber des Lyrik-Magazins gnadenlos überzeichnet und die daraus resultierende Entwicklung mit Intrigen, Machtspielen, Manipulation und Sabotage im Verlag grotesk.
Dennoch ist es ein herzerwärmendes, unterhaltsames und geistreiches Buch über die Wertschätzung von Kunst, Poesie und überhaupt geistigen Eigentums, aber auch ein Plädoyer für Menschlichkeit, Freundschaft, Selbstvertrauen und den Mut seine Träume zu leben.





