Montag, 4. Mai 2026

Buchrezension: Annabel Monaghan - Summer Romance

Inhalt:

Ali Morris ist ein wahres Organisationstalent - nur mit dem eigenen Leben kommt sie seit dem Tod ihrer Mutter und dem Ende ihrer Ehe nicht mehr klar. Drei Kinder, die Herausforderungen des Alltags und ein kaputtes Herz lassen kaum Raum für Leichtigkeit. Doch dann begegnet ihr Ethan. Charmant, aufmerksam, witzig - und auch noch ziemlich gut im Umgang mit ihrem chaotischen Hund. Zwischen Herzklopfen und kleinen Rückschlägen spürt Ali, dass es manchmal gar nicht darum geht, perfekt zu sein. Sondern mutig. Und wer sagt, dass eine Sommerliebe nicht mehr sein kann als nur ein kurzer Flirt? 

Rezension:

Ali arbeitet als Ordnungscoach und liebt es, das Chaos ihrer Kunden zu beseitigen. In ihrem eigenen Leben sieht es nach dem Tod ihrer Mutter und der Trennung von ihrem Ehemann aber alles andere als aufgeräumt aus. Am Tag, als ihren Ehering abnimmt und endlich wieder eine ordentliche Hose anzieht, trifft sie im Hundepark auf Ethan, dem es nicht ausmacht, von ihrem Hund Ferris markiert zu werden. Was Ali zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß, ist dass Ethan der jüngere Bruder ihrer Freundin Frannie ist, der über den Sommer in Beechwood ist und schon als Teenager ein Auge auf Ali geworfen hatte. 
Ethan ist der erste Mann, von dem sich Ali seit Langem wahrgenommen fühlt und genießt die gemeinsame heimliche Zeit mit ihm. Es soll eine leichte Sommerliebe sein, aber das Vorhaben ist nicht so einfach mit ihren Gefühlen zu vereinbaren. 

"Summer Romance" ist ein Roman voller Herz und Humor, der so lebensecht und ehrlich geschrieben ist. Es fällt leicht, sich in Ali und ihre Lebenssituation hineinzuversetzen, die noch voller Trauer um ihre Mutter ist und die Trennung von Ehemann Pete verarbeiten muss, die sich weit weniger schmerzhaft anfühlt. Als sie versucht, ihr Leben als Mutter dreier Kinder wieder auf die Reihe zu kriegen, begegnet sie Ethan, der für Chaos in ihrem Herzen sorgt. 

Die Geschichte vereinbart mühelos leichte und ernste Themen. Die Dialoge und Charaktere sind so lebendig gestaltet, dass man die Chemie zwischen den Figuren spüren kann. Die Geschichte ist voller Summervibes, Empathie und Herzenswärme, aber auch von einer schmerzlichen Tiefe geprägt. Sowohl Ali als auch Ethan haben Schwierigkeiten, die nachvollziehbar sind, was die Charaktere nahbar macht. Ali muss lernen, mehr für sich selbst einzustehen und das unliebsame Hausfrauen-Image abzulegen, das sie sich übergestülpt hat und Ethan muss sich von seinem Image als unzuverlässiger Junggeselle befreien, das er in Devon zwar abgestreift hat, ihm in seiner Heimat Beechwood aber immer noch nachhängt. 

Die Liebesgeschichte entwickelt sich zart und respektvoll. Es ist keine stürmische Sommerliebe, auch wenn die Funken sprühen. Sie ist emotional und berührend, weshalb man unweigerlich mitfiebert, ob und wie Ali und Ethan ihre Liebe in ihren Alltag integrieren und eine gemeinsame Basis schaffen können. 
Neben der romantischen Liebe ist "Summer Romance" ein Roman über Selbstliebe und Selfcare, der, wie es das Cover verspricht, voller "Herz, Witz und Sehnsucht" ist. Die Entwicklung der Charaktere ist authentisch, die die Notwendigkeit erkennen, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen und dass es nie zu spät für einen Neuanfang ist. 


Sonntag, 3. Mai 2026

Buchrezension: Christoph Peters - Entzug

Inhalt:

„Entzug“ beginnt mit einer Wodkaflasche auf dem Küchentisch einer dreiköpfigen Familie an einem Montagmittag – und der Frage, wie sie da hingekommen ist. Hat der Erzähler sie allen Ernstes dort vergessen, während Frau und Kind auf dem Spielplatz waren? Am Anfang des Romans steht ein Schriftsteller, der trinkt, um schreiben, denken, fühlen zu können. Der irgendwann nur noch trinkt, um zu trinken, bis zu dem Punkt, an dem die Frage lautet: Trinken und sterben oder aufhören und leben? Er beschließt, sich in eine Klinik einweisen zu lassen. „Entzug“ ist ein schonungslos ehrlicher Roman, er handelt von der komplizierten Logistik der Abhängigkeit, vom Betrug an den Menschen, die einem am wichtigsten sind, vom Betrug an sich selbst. Und er erzählt voller Hoffnung vom Weg heraus aus der Hölle der Sucht, zurück in ein Leben, das auch nüchtern wert ist, gelebt zu werden. 

Rezension: 

In seinem autobiografischen Werk beschreibt Peters im ersten Teil eindrucksvoll seinen „Alltag“ als Schriftsteller, der dem Schreiben aber infolge seiner starken Alkoholabhängigkeit nicht mehr nachkommen kann. Als Spiegeltrinker drehen sich seine Gedanken permanent um das Trinken, das „offene“ und gemeinsame Trinken in Gegenwart von Frau und Freunden und das „heimliche“ Trinken von harten Alkoholika. Elementar sind für ihn der nächste Schluck und wo er diesen her bekommt, um mit dem Druck, dem er sich als Schriftsteller ausgesetzt sieht, umgehen zu können. Längst stellt er sich hier schon die Frage, ob er „nüchtern nur einen einzigen Satz zustande bringen würde“ und wie sich „die Leere an meinem Schreibtisch und in meinem Kopf ohne Alkohol überhaupt aushalten lasse.“ Der Autor rechtfertigt seinen Alkoholkonsum mit seiner Tätigkeit, alle Schriftsteller und Künstler seien abhängig gewesen, um kreativ sein und „nie gesehene Verbindungen zwischen Gott und der Welt, Kunst und Leben, Liebe und Tod“ erkennen zu können.

Diese Verknüpfung von Schreiben und Trinken gilt für den Autor aber schon längst nicht mehr; er trinkt, weil er trinken muss. Weil er glaubt, nur noch betrunken funktionieren zu können, als Schriftsteller, als Ehemann und als Vater seiner kleinen Tochter. Eindrucksvoll beschreibt Peters, wie er längst die Kontrolle über sich und das Trinken verloren hat, bis er an den Wendepunkt kommt, an dem er entscheiden muss, ob er so weitermachen will und daran zugrunde gehen wird oder ob er dagegen ankämpft. Er entscheidet sich für das Weiterleben, offen bekennt er sich dazu, Alkoholiker zu sein und Hilfe in Form eines Entzugs zu benötigen, den er dann auch schnell antreten kann.

Ohne den regelmäßigen Konsum von hartem Alkohol ändert sich das Leben des Autors in der Entzugsklinik drastisch. Die Zuflucht, die er im Trinken gesucht und bekommen hat, gibt es nun nicht mehr. Er muss sich der Realität und insbesondere seinem körperlichen, gesundheitlich lebensbedrohlichen Verfall infolge seines jahrzehntelangen Alkoholkonsums stellen. Er zittert, er hat Angst, er wird von anderen als Alkoholiker wahrgenommen. Die Klinik beschreibt er als „Irrenanstalt, die ein Schutzraum ist, hier wundert sich niemand über meinen Zustand, alle sind am Ende, zerrüttete Schatten ihrer Selbst, Wracks, selbst wenn sie Mandalas malen“. Von den anderen Patienten und den Ärzten erfährt er, dass dem ersten Entzug noch weitere folgen, da die Rückfallquote enorm sei. Der Autor erkennt, dass die Entscheidung gegen den Alkohol und für das Leben eine Entscheidung ist, die er nicht nur einmal, sondern jeden Tag aufs Neue zu treffen hat.

Das Buch hat mich sehr bewegt, weil es einen schonungslosen Einblick in die Sichtweise eines Abhängigen gibt und die Abwärtsspirale, in die er durch die Droge Alkohol gerät, beschreibt. Alkohol ist gesellschaftlich akzeptiert und oft muss man sich rechtfertigen, wenn man keinen Alkohol trinken möchte. Auch hier geht Peters darauf ein, wenn er seine Herkunft und die Gepflogenheiten dort beschreibt. Aus gelegentlichem Konsum kann moderater Konsum werden und je nach Veränderung der Lebenssituation auch übermäßiger Konsum. Die Kontrolle zu behalten ist hier schwer, Peters hat sie verloren. 
Das Buch zeigt aber ebenso eindrucksvoll auf, dass man sich diesem Verlust von Kontrolle und der Realität stellen kann, weil man es irgendwann auch muss. Es macht Hoffnung darauf, dass nach einem langen und mühsamen Weg aus der Abhängigkeit wieder ein normales und selbstkontrolliertes Leben möglich ist. 

Freitag, 1. Mai 2026

Buchrezension: J. P. Pomare - Seventeen Years Later

Inhalt:

Die gewaltsame Ermordung der Familie Primrose vor 17 Jahren schockierte die Nation. Damals wurde der junge Maori Bill Kareama wegen des Mordes verurteilt. Podcasterin Sloan Abbott will für ihre Sendung den Fall noch einmal aufrollen. Gemeinsam mit dem Gefängnispsychologen TK, der sich vehement für eine Berufung einsetzte, findet Sloane Beweise, die ein neues Licht auf die Primroses werfen, und es gibt neue Verdächtige. Bills Unschuld ist damit noch lange nicht bewiesen. Können Sloane und TK die Wahrheit ans Licht bringen? Oder sind sie vielleicht schon längst selbst im Visier des Killers? 

Rezension: 

Vor 17 Jahren wurde eine wohlhabende Familie in der Kleinstadt Cambridge in Neuseeland brutal ermordet. Blutverschmiert und am Tatort gesehen, war Bill Kareama, der Privatkoch der Primroses, der prädestinierte Tatverdächtige, der wenige Stunden nach der Tat verhaftet und angeklagt wurde.
Die erfolgreiche True-Crime-Podcasterin Sloan Abbott ist überzeugt, dass Bill kein faires Ermittlungsverfahren gewährt wurde und versucht nun, die Wahrheit herauszufinden. Schon am ersten Tag vor Ort deckt sie Ungereimtheiten in dem Kriminalfall auf, die weitere Zweifel schüren, dass damals sorgfältig ermittelt wurde.

Der Roman wird in der Gegenwart aus den Perspektiven von Sloan und dem Polizeipsychologen Te Kuru geschildert, während die Vergangenheit anhand des von Bill verfassten Manuskripts "Seventeen Years Later" erzählt wird.

Sloan sieht sich einem Justizirrtum auf der Spur und befragt Zeugen und in den Kriminalfall involvierte Personen. Dabei offenbart sie Hinweise, die die Polizei übersehen hat und findet sowohl entlastende als belastende Indizien für die Täterschaft von Bill Kareama, der im Gefängnis sitzt und seine Unschuld beteuert. TK, der Bill für schuldig hält, rollt nach Sloans Kontaktaufnahme den Fall ebenfalls auf.

Für anhaltende Spannung sorgt, dass man sich zu keinem Zeitpunkt sicher sein kann, ob es sich bei Bill Kareama um den wahren Täter oder einen unschuldig Verurteilten handelt. Als Maori könnte er rassistisch vorverurteilt worden sein oder tatsächlich eine unkontrollierte Wut auf seine ehemaligen Arbeitgeber gehabt haben, die ihn falsch verdächtigt hatten, ihrer Tochter zu nahe gekommen zu sein.

Die Suche nach der Wahrheit ist durch zahlreiche falsche Fährten wendungsreich gestaltet. Glaubt man den Tathergang durchschaut zu haben, wird man wiederholt von einer neuen Enthüllung erwischt, die alles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Der Roman entwickelt sich damit von einem Cold Case-Krimi von Hobbydetektiven zu einem wendungsreichen Thriller, wobei es am Ende schon fast zu viele potentielle Täter hagelt. 
Je näher Sloan und TK der Wahrheit kommen, desto bedrohlicher wird das Szenario. Gibt es am Ende Gerechtigkeit für einen Unschuldigen oder den letzten Beweis, dass es sich bei Bill um ein Monster handelt?