Montag, 27. Juli 2026

Buchrezension: Meike Werkmeister - Über dem Meer tanzt das Licht

Inhalt:

Maria hat die halbe Welt bereist und nie ein Abenteuer ausgelassen. Dass sie ausgerechnet auf einer kleinen Nordseeinsel ihr Glück finden würde, wäre ihr im Traum nicht eingefallen. Doch sie liebt ihr Leben auf Norderney, ihr kleines Strandcafé und vor allem ihre Familie: ihren Freund Simon und die Töchter Morlen und Hannah. Ihr Leben ist randvoll, für Probleme bleibt da keine Zeit. Bis Simon aus dem gemeinsamen Alltag ausbricht und mit Hannah verreist. Plötzlich hat Maria wieder Zeit für sich selbst. Und mit der Zeit kommen die Fragen. Steckt in ihr noch die alte Abenteurerin? Ist sie eine andere geworden? Und wo gehört sie wirklich hin? 

Rezension: 

Maria ist als junge Frau durch die Welt gereist und hätte sich nie vorstellen können, dass sie einmal sesshaft wird. Durch die Erkrankung ihrer Mutter kam sie zurück nach Norderney, wo sie sich mit einem kleinen Café am Strand selbstständig gemacht hat und Mutter zweier Töchter ist. Von Morlens Vater lebt sie getrennt und ist seit drei Jahren mit dem Surflehrer Simon zusammen, mit dem sie die gemeinsame Tochter Hannah hat. Maria ist glücklich und liebt ihre Patchworkfamilie.
Doch im Sommer häufen sich die Probleme, als die ältere Tochter immer schwieriger wird, kostspielige Reparaturen an ihrem Café notwendig sind und Maria entscheiden müsste, was sie mit dem Haus ihrer inzwischen verstorbenen Mutter machen soll. Ausgerechnet dann eröffnet ihr Simon, dass er eine Auszeit braucht und vier Wochen Elternzeit zusammen mit Hannah unterwegs im Camper verbringen möchte.
Während Maria die freie Zeit nutzt, um das Haus ihrer Mutter zu entrümpeln, vermisst sie nicht nur Simon und Hannah schmerzhaft, sondern findet auch noch Aufzeichnungen ihrer Mutter, wodurch sie mehr über ihren Vater erfährt, über den Iris so beharrlich geschwiegen hatte.

Der Roman wird aus der Ich-Perspektive von Maria geschildert, die als Nebenfigur aus "Sterne sieht man nur im Dunkeln" bekannt ist und nun in den Mittelpunkt rückt. 

In dem Sommer hat Maria mit großen Herausforderungen zu kämpfen, mit dem Alltagschaos, den Sorgen um die Existenzgrundlage, aber auch mit den Geistern der Vergangenheit. Trotz der vielfältigen Probleme ist die Geschichte ein schwereloser Sommerroman mit rauem Inselfeeling, bei dem man den Wind in den Haaren und den Sand unter den Füßen spüren kann. Gerade das Leben auf einer überschaubaren Insel vermittelt ein enges Gemeinschaftsgefühl. Familie, Freundschaft und Nachbarschaft sorgen für gegenseitige Unterstützung und Verlässlichkeit. 

Die Geschichte ist vielseitig und unterhaltsam, voller Lebensfreude und weckt Abenteuerlust. Maria hat ein sonniges Gemüt und ein einnehmendes Wesen, mit dem sie die Menschen für sich gewinnt. Sie ist jedoch auch unkonventionell, impulsiv und wählt nicht immer den einfachsten Weg. 

Der Roman handelt vom Wunsch nach Freiheit, von Sehnsucht nach Weite und Meer und der Herausforderung, diesen Drang nach Freiheit mit dem Alltag aus Familie und Arbeit in Einklang zu bringen. Es geht um Lebensträume, Loslassen können, Liebe und Vertrauen - emotionale und ernste Themen, die realitätsnah und empathisch dargestellt werden und mit dem Inselsetting auf Norderney einen passenden atmosphärischen, sommerlichen Rahmen erhalten. 

"Über dem Meer tanzt das Licht" ist kein Teil einer klassischen Buchreihe, denn bei allen Romanen von Meike Werkmeister handelt es sich um eigenständige Geschichten. Mit den Querverbindungen können jedoch die Entwicklungen der Protagonisten nachvollzogen werden. So gibt es  in "Über den Wolken wohnen die Träume" ein Wiedersehen mit Morlen, die inzwischen 17 Jahre alt ist und als Au-pair nach Kalifornien geht. 

Freitag, 24. Juli 2026

Buchrezension: Camilla Sten - Bachelorette Party

Inhalt:

Laue Sommerabende, Yoga am Strand und Quality Time mit den besten Freundinnen: Annelieses Junggesellinnenabschied auf einer abgelegenen schwedischen Schäreninsel verspricht ein traumhaftes Wochenende. Nur Journalistin Tessa läuft schon bei der Ankunft eine Gänsehaut über den Rücken, denn die Insel erinnert sie an einen Cold Case: Vier Frauen verschwanden dort vor zehn Jahren spurlos. Als das zuvor sicher vertäute Boot im offenen Meer treibt und die Gruppe somit auf der Insel gefangen ist, suchen sich lang verborgene Geheimnisse und Feindseligkeiten ihren gefährlichen Weg ans Licht. Dann wird eine der Teilnehmerinnen tot aufgefunden, und Tessa weiß: Jemand ist hier, um Rache zu üben. 

Rezension: 

Vier Freundinnen, die sich seit ihrer Kindheit kennen, treffen sich seit elf Jahren im Mai auf der "Isle Blind" vor der schwedischen Küste um ihre Freundschaft zu feiern und die Last des Alltags hinter sich zu lassen. 2012 kommen sie von ihrem Ausflug nicht zurück. Die Polizei geht von einem Unfall auf dem Meer aus, aber ihre Leichen werden nicht gefunden. 
Der Cold Case lässt die True-Crime-Podcasterin Tessa nicht los. Zehn Jahre nach dem Unglück ist sie zu einem Junggesellinnenabschied in ein Yoga-Retreat auf einer abgelegenen Insel eingeladen, wobei es sich bei der Inhaberin um die ältere Schwester eines der vermissten Mädchen handelt. Tessa möchte die Chance nutzen, den Fall endlich zu lösen, obwohl sie mit ihrem Podcast gescheitert ist und den Shitstorm noch lange nicht verarbeitet hat.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen, wobei der Prolog vorwegnimmt, was sich im Mai 2012 auf Isle Blind ereignet hat und damit Ängste schürt, was dort zehn Jahre später passieren könnte. Der Fokus liegt jedoch auf der Gegenwart und die kurzen Kapitel tragen zur entsprechenden Dynamik bei.

Die einzelnen Charaktere bleiben blass und übernehmen lediglich Rollen als Freundin, Trauzeugin, Schwester, Gastgeberin. Nur Tessa, aus deren Ich-Perspektive die Geschehnisse in der Gegenwart erzählt werden, scheint nahbarer. Weshalb ihr Podcast negativ viral gegangen ist, bleibt hingegen lange im Dunkeln, belastet jedoch sie und die Beziehungen zu ihren Freundinnen. Von einem entspannten Junggesellinnenabschied kann keine Rede sein, auch da sich Tessa vorgenommen hat, den Fall um die verschwundenen Frauen zu lösen und Morde dahinter vermutet - eine Erklärung dafür gibt es jedoch nicht. 

Als eine Freundin der Braut in der Gegenwart verschwindet und ihr Rettungsboot auf dem offenen Meer treibt, scheint das ungute Gefühl, das Tessa seit der Ankunft in dem Retreat verspürt, nicht unbegründet. Die anschließende Handlung ist mehr von Dramatik und Hysterie als echter Spannung geprägt. 

Die Ausgangslage der "Bachelorette Party" ist wenig originell: Ein Locked-Room-Szenario, eine abgelegene Insel, eine übersichtliche Anzahl von Personen, keine Möglichkeit, Hilfe zu holen und unter ihnen ein Mörder... Dennoch fiebert man einer Erklärung für die Ereignisse in der Vergangenheit und eine mögliche Wiederholung in der Gegenwart entgegen. 
Die Auflösung kann allerdings auf beiden Zeitebenen aufgrund des unnötigen Gewaltexzesses nicht überzeugen. Die Motive und Verdächtigungen kommen im Vergleich zur Beschreibung von verletzten Körperteilen zu kurz. Zudem wirkt der Plot nicht ganz rund, wenn am Ende grundsätzliche Fragen übrig bleiben, wie warum die Polizei 2012 so stümperhaft ermittelt hat und was sich Tessa zehn Jahre später erhofft hat für Beweise zu finden. 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Buchrezension: Katie Bernet - Beth is dead

Inhalt:

Als Beth March tot aufgefunden wird, ist für die Polizei sofort klar: Es war Mord. Schnell geraten ihre Schwestern unter Verdacht: Jo ist eine aufstrebende Autorin mit vielen Followern. Hat sie ihre Schwester für eine reißerische Geschichte umgebracht? Amy möchte unbedingt in Europa Kunst studieren, aber sie braucht Geld von ihrer Tante – Geld, das für Beth bestimmt war. Und Meg würde nicht im Traum daran denken, ihre Schwester zu verletzen, aber ihr Freund könnte es getan haben, und ihn würde sie um jeden Preis schützen.
Und der Kreis der Verdächtigen ist noch größer, denn vor Monaten wurden die Schwestern unfreiwillig ins Rampenlicht gezerrt, als ihr Vater einen umstrittenen Bestseller über seine Töchter veröffentlichte. 

Rezension: 

Am Neujahrsmorgen wird die zweitjüngste der March-Schwestern, Beth, tot aufgefunden. Ihre Verletzungen lassen auf keinen natürlichen Tod schließen.
Während die Polizei ermittelt, versuchen die drei verbliebenen Schwestern Meg, Jo und Amy selbst den Mörder oder die Mörderin zu entlarven. Dabei kommt auf, dass jede von ihnen Geheimnisse vor den anderen hatte, die sie oder ihre engsten Freunde verdächtig erscheinen lassen.
Zeitgleich ist ihr Vater nicht erreichbar, der sich angeblich in die Wildnis nach Kanada zurückgezogen hat, um seine Familie zu schützen. Er hatte eine Neuinterpretation des Romans "Little Women" geschrieben, der zu einem Bestseller lancierte, mit seinem tragischen Ende allerdings die Kritik auf sich zog und seine Töchter, insbesondere Beth, der Öffentlichkeit preisgegeben hatte.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und wird aus den Perspektiven der vier Schwestern erzählt. Die älteste Meg ist die Kluge, studiert in Harvard Medizin und wirkt mit ihrer Orientierung an die Reichen etwas oberflächlich. Jo möchte ich Schriftstellerin werden und schreibt bereits an einem Roman. Sie ist impulsiv und steht ihrem Vater am nächsten. Beth gilt als unsicher und schüchtern. Sie hat von den Schwestern das größte Herz und möchte Pianistin werden. Die jüngste Amy ist die Rebellin und bringt sich gerne in Schwierigkeiten. Sie kämpft ehrgeizig für ihren Traum, Künstlerin zu werden. 

Die Rollen der Schwestern mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und Talenten sind eng an den Klassiker "Little Women" angelehnt, ist aber keine Nacherzählung der Geschichte.
Beth ist tot und aus den verschiedenen Blickwinkeln ergeben sich im Wechsel zwischen "Vorher" und "Heute" unterschiedliche Verdächtige. Geschickt werden Vergangenheit und Gegenwart inhaltlich eng miteinander verknüpft. Neue Erkenntnisse im Mordfall erklären sich häufig aus den Rückblenden in die Vergangenheit. Durch die Aufdeckung von Lügen und Geheimnissen wird stetig Misstrauen gegen Personen aus Beths Umfeld geschürt.

Es geht um Neid und Eifersucht, um die erste Liebe und Schwestern, die sich lieben, aber auch in Konkurrenz zueinander stehen. Trotz des jugendlichen Alters der Hauptfiguren hat man nicht das Gefühl einen Young Adult-Roman zu lesen. Es vielmehr ein All-Age-Roman mit Whodunit- und Thrillerelementen, der als Familiendrama berührt.