Freitag, 16. Oktober 2026

Buchrezension: Miriam Covi - Firefly Island: Hinter dem Horizont (Die Firefly-Island-Reihe, Band 3)

Inhalt:

Rosalie Fischer ist vor Kurzem mit ihrer zweijährigen Tochter zu ihrer Großmutter nach Firefly Island gezogen, wo sie gemeinsam mit ihren beiden Schwestern der kanadischen Insel durch das Ausrichten von Hochzeiten zu neuem Glanz verhilft. Wenn nicht Hubschrauberpilot Mark McAllister wäre, der die Bewohnerinnen der Firefly Lodge immer wieder mit seinen lauten Starts und Landungen nervt. Rosalie hat jedoch noch ein zweites Problem: Sie benötigt dringend noch ein paar heiße Liebesszenen für ihren Roman, sonst wird das Buch womöglich nicht veröffentlicht. Nur leider fehlt ihr dafür die Inspiration – bis sie ausgerechnet Mark näherkommt und zwischen den beiden die Funken sprühen. Aber was, wenn er mitbekommt, dass sie ihn für ihren Roman benutzt? Dann droht auch noch ein Sturm die nächste Inselhochzeit zu verwüsten. 

Rezension: 

Rosalie ist vor Kurzem aus Berlin zusammen mit ihrer zweijährigen Tochter Chloe als Alleinerziehende an den Ort ihrer Kindheitssommer zurückgekehrt: nach Firefly Island. Dort unterstützt die Fotografin ihre beiden jüngeren Halbschwestern Holly und Ivy, die das Anwesen der Großmutter als Hochzeitslocation nutzen möchten.
Auf der anderen Seite der Insel wohnt Mark McAllister, der dort zum Leidwesen aller einen hässlichen Wohnklotz errichtet hat, den er mit seinem Hubschrauber erreicht. Die ersten Begegnungen mit "Mr. Darcy" waren beiderseits mehr als unterkühlt und doch verspürt Rosalie eine Sehnsucht zu dem attraktiven Mann, nachdem ihre beiden Schwestern überglücklich frisch verliebt sind. Zudem könnte sie ein wenig Inspiration für ihren ersten Roman gebrauchen, denn der Verlag verlangt nach mehr Spice in ihrer Liebesgeschichte.

"Hinter dem Horizont" ist der abschließende dritte Band der "Firefly Island"-Reihe um die drei deutsch-kanadischen Schwestern. Es empfiehlt sich, Teil 1 und 2 gelesen zu haben, um die Hintergründe der Charaktere zu kennen und die Dynamik zwischen den Schwestern zu verstehen. Teil 3 widmet sich der ältesten Schwester Rosalie, die als Tochter einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen ist und nun selbst alleinerziehend ist. Durch geschickte Einschübe werden gerade zu Beginn alle Haupt- und Nebenfiguren in Erinnerung gebracht, so dass man sich sofort wieder an den Schauplatz der kleinen Privatinsel zurückversetzt fühlt, wo die Geschichte nahtlos fortgesetzt wird.

Analog zu den beiden Bänden zuvor wird auch diese Liebesgeschichte aus der Sicht der weiblichen und der männlichen Hauptfigur erzählt, wobei Rosalies Leben und Gefühle mehr Raum einnehmen.
Schon den ganzen Sommer über kam es zu Begegnungen zwischen Rosalie und Mark, die abschätzig und feindselig waren, bis die quirlige zweijährige Chloe und Marks gutmütiger Labrador Arthur zu Eisenbrechern wurden. Obschon der Herbst aufzieht und die Firefly-Season vorbei ist, sprühen die Funken heftig, wobei eine Distanz bleibt. Sowohl Rosalie als auch Mark wurden von der Liebe enttäuscht und haben Angst vor ihren Gefühlen. Insbesondere Rosalie glaubt nicht an ein Happy End wie in einem Liebesroman und zieht sich immer wieder zurück. Missverständnisse sind vorprogrammiert, währenddessen sich beide ihrem Glück ein wenig selbst im Wege stehen.

Die Geschichte entwickelt sich in ihrem Kern nicht überraschend, aber glaubwürdig, ist lebendig, unterhaltsam und voller wortwitziger Dialoge geschildert. Die Gefühle beider Hauptfiguren sind nachvollziehbar, wobei sich vor allem Rosalie mit ihrer Verunsicherung wiederholt ruppig zeigt - im Gegensatz zu Mark, der statt grumpy eine absolute green flag ist, der nicht nur seinen Hund abgöttisch liebt, sondern auch für Chloe offene Arme hat. 

Während die Romanze die Handlung bestimmt, erfährt man nebenher, wie Hollys und Ivys Lebenswege weitergehen und wie die Lodge als Hochzeitslocation weiter Gestalt annimmt.
Empathisch, romantisch und am Ende mit spannender Dramatik ist "Hinter dem Horizont" nicht nur ein warmherziges Wiedersehen mit bekannten sympathischen Charakteren, sondern auch ein rundum gelungener Abschluss der Trilogie um die drei Firefly Island-Schwestern, die alle einen privaten und beruflichen Neuanfang wagen, mit dem sie vor dem Sommer nicht gerechnet haben.  


Mittwoch, 14. Oktober 2026

Buchrezension: Sarah Harman - All The Other Mothers Hate Me

Inhalt:

Florence, Ex-Partygirl, wählt stets den leichtesten Weg. Nach dem ernüchternden Ende ihrer Girlband-Karriere lebt sie pleite und alleinerziehend in London. Ihr Sohn Dylan ist der einzige Grund, aus dem Bett zu kommen. Doch dann verschwindet Alfie – Bully ihres Sohns und Erbe eines Tiefkühlimperiums –, und Dylan wird zum Hauptverdächtigen. Flo steht vor einer Aufgabe, der sie ausnahmsweise nicht ausweichen kann: Sie muss den Namen ihres Sohnes reinwaschen, um ihn nicht zu verlieren. Das Problem? Ihr Verdacht, dass Dylan vielleicht doch nicht so unschuldig ist, wie sie gerne glauben würde. 

Rezension: 

Florence hat es als Sängerin einer Girlgroup fast zu Berühmtheit gebracht und lebt mit Anfang 30 als alleinerziehende Mutter in London. Antriebslos und ohne großen finanziellen Spielraum laviert sie sich durch den Alltag und ist aufgrund eines Fauxpas aus dem Kreis der anderen Mütter ausgeschlossen. Ihr zehnjähriger Sohn Dylan eckt in der Schule an und legt sich dabei immer wieder mit Alfie Risby, dem Spross reicher Eltern, an. Als dieser bei einem Schulausflug spurlos verschwindet, kann Florence nicht ausschließen, dass ihr Sohn etwas damit zu tun hat. Sie muss schneller sein als die Polizei und beginnt selbst zu ermitteln und nach Alfie zu suchen.

Florence lernt man zunächst als oberflächliche Verliererin kennen, die einsam und leicht depressiv ist und ihre Zeit am liebsten vor dem Fernseher oder im Nagelstudio verbringt. Als der Widersacher ihres Sohnes verschwindet, rafft sie sich auf und ist zu allem bereit, um Dylan aus der Schusslinie zu bringen. Dabei trifft sie einige fragwürdige Entscheidungen.

"All the other mothers hate me" ist ein spannender Mix aus Gesellschaftssatire und Kriminalroman. Aus der Ich-Perspektive von Florence geschildert, kann man sich köstlich über ihre bissigen Bemerkungen und zutreffenden Beobachtungen der britischen Upperclass amüsieren. Florence ist fehlerbehaftet, handelt impulsiv und unüberlegt und bringt sich öfter in Schwierigkeiten. Das Wichtigste in ihrem Leben ist ihr Sohn und für diesen würde sie alles tun. In dem Kampf einer Löwenmutter wächst sie über sich hinaus, und entwickelt sich glaubhaft weiter.

Neben den vielen schwarzhumorigen Szenen um Klassenunterschiede, Übermütter, Konkurrenzgebaren, Außenseitertum und Einsamkeit, ist der Roman aufgrund des ungewissen Schicksals Alfies und der undurchsichtigen Rolle Dylans anhaltend spannend. Aufkommende Lügen und Intrigen sorgen für Wendungen, die der Geschichte bei der Suche nach Wahrheit gerade am Schluss regelrechte Thrillerelemente verleihen. Dazu kommen die moralisch grauen Charaktere beziehungsweise die Wege, die sie wählen, um vermeintlich Gutes zu erreichen. 

Montag, 12. Oktober 2026

Buchrezension: Jana Crämer - Jede Seite an dir

Inhalt:

Romy liebt die Stille ihrer Buchhandlung – und die Sicherheit, die sie hinter hohen Regalen findet. Doch als ihr Mietvertrag gekündigt wird, bricht ihre Welt zusammen. Die einzige Rettung ist ein Deal, der gegen alles geht, wofür Romy steht: Max, ein charismatischer Social-Media-Star, braucht ihren Laden als Kulisse für seine neueste, groß inszenierte Kampagne.
Für Max sind Bücher nur hübsche Requisiten für das perfekte Video; für Romy sind sie das Leben. Während die Kamera läuft, prallen Welten aufeinander: sein glitzerndes Rampenlicht gegen ihre vertraute Gemütlichkeit. Doch zwischen dem Geruch von Papier und dem Blitzlichtgewitter spüren beide, dass die Funken zwischen ihnen alles andere als inszeniert sind.
Als die Schatten von Romys Vergangenheit sie einholen, muss sie sich entscheiden: Versteckt sie sich weiterhin zwischen den Seiten ihrer Bücher oder wagt sie mit Max den Schritt in ein Leben, das schöner ist als jeder Liebesroman? 

Rezension: 

Romy führt gemeinsam mit ihrem Großvater Fritz eine Buchhandlung in einer Kleinstadt. Doch als selbst in der Vorweihnachtszeit die Umsätze hinter den Erwartungen bleiben, stehen die beiden vor dem finanziellen Aus. Als fast zeitgleich ein erfolgreicher Social-Media-Star, der gerade dabei ist, seinen ersten Roman zu veröffentlichen, ihren Laden betritt und ihn als Kulisse für seinen Content nutzen möchte, geht Romy, die im echten Leben lieber unsichtbar bleiben möchte, einen Deal mit Max ein. Sie begleitet Max auf seiner Promotionstour, wo er sich mit seinem persönlichen Charme inszeniert, während Romy ihm mit ihrer Expertise als Buchhändlerin zur Seite steht.
Bei einer rein geschäftlichen Vereinbarung bleibt es nicht.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Romy geschildert, die ihre Buchhandlung, ihren Opa und geordnete Strukturen liebt. Sie ist von einer traumatischen Vergangenheit geprägt, was schon allein aus dem Prolog hervorgeht, und bleibt deshalb lieber im Hintergrund. Max steht hingegen in der Öffentlichkeit und muss sich jeden Tag aufs Neue produzieren.

Der Plot verspricht eine zeitgemäße Liebesgeschichte in gemütlicher Atmosphäre einer Buchhandlung, wirkt jedoch von Beginn an konstruiert und lückenhaft. Es ist unklar, wofür Max eigentlich bekannt ist oder ob er als Nachwuchs vom Promistatus seiner Mutter profitiert. Darüber hinaus kann nicht nachvollzogen werden, warum sich Max ausgerechnet die unsichere Romy als Begleitung für seine Tour auswählt, noch wofür sie überhaupt benötigt wird. Geradezu absurd, dass Romy in fremden Buchhandlungen für Max' Content Buchempfehlungen gibt und nicht die Inhaberinnen selbst. Geschickt bringt die Autorin dabei Werbung für eines ihrer eigenen Bücher unter. 

Gemeinsam unterwegs, kommen sich Romy und Max rasant näher und werden intim. Vor dem Hintergrund von Romys Persönlichkeit erscheint dies übereilt. Dazu kommt die Diskrepanz aus "Fuckboy" und Jungfrau, was so manche Szene äußerst fragwürdig aussehen lässt.
Die ruinöse Buchhandlung tritt mit der Verlagerung auf das Private in den Hintergrund und lässt eine Strategie zur Rettung vermissen.

Romys Vergangenheit beweist, dass die Autorin sehr persönliche Erfahrungen in die Geschichte integriert, die an ihr Sachbuch "Jana, 39, ungeküsst" erinnern lassen. 
Neben dem Sterben von lokalen Buchhandlung handelt der Roman von (Cyber-)mobbing, Essstörung, den Schattenseiten von Social Media und Präsenz, aber auch Selbstfürsorge und Selbstliebe. 
Der Roman enthält damit gewichtige Themen, schöpft das Potential für eine berührende, romantische Geschichte jedoch nicht aus. Die Probleme der Buchhandlung wirkten am Ende als leere Kulisse für den Start einer sehr körperlichen Liebesbeziehung von Romy und Max, die sich plump und zu schnell entwickelte. Der Plot um Max als Social Media-Helden war unausgereift und in Bezug auf sein Buch sehr weit hergeholt, auch wenn dieses Detail der Geschichte einen runden, optimistischen Abschluss gab.