Annie MacLeod hat schon immer gespürt, dass sie anders ist. Ihre Kindheit verbringt sie hauptsächlich auf einem Segelboot vor der Westküste Kanadas, denn ihre Mutter erträgt es nicht, längere Zeit vom Meer getrennt zu sein. Doch in Hale’s Landing wartet Evan auf Annie, und als die beiden erwachsen werden, wird aus der Kindheitsfreundschaft etwas Tieferes.
Eines Tages bleibt Annie zum ersten Mal allein bei Evan, während ihre Eltern segeln gehen. In dieser Nacht zerstört ein Tsunami ihre ganze Welt. Annie ist an Land gestrandet, ihre Eltern kehren nicht zurück. Am Strand rettet Annie einen jungen Mann aus den Fluten. Walker scheint stumm zu sein, trotzdem spürt sie sofort eine seltsame Verbindung. Als würde etwas in ihm zu etwas in ihr sprechen, das ihr selbst verborgen ist.
Dann soll Hale’s Landing evakuiert werden, und Annie muss entscheiden, wohin ihr Herz gehört.
Rezension:
Annie wächst bei ihren Eltern auf einem Segelboot im Pazifik vor der Westküste Kanadas auf. Ihre Mutter Mara hat eine innige Verbindung zum Meer und seinen Bewohnern, die sie an ihre Tochter weitervererbt hat. Auch Annie schwimmt am liebsten im Meer und fühlt sich an Land fremd. Sie kann deshalb nicht zur Schule gehen, freundet sich aber mit dem gleichaltrigen Evan an, der sich seinem Vater, einem trauernden Witwer, und seinem Unternehmen in Hale`s Landing verpflichtet fühlt. Als sie älter werden, verlieben sie sich ineinander, aber Annies Anziehung zum Meer bleibt ein Hemmnis.
Ausgerechnet ein Tsunami lässt Annies Welt aus den Fugen geraten, denn ihre Eltern kehren von ihrer Fahrt auf See nicht zurück. Annie kann einen fremden Mann, den sie Walker nennt, retten, der ihre Gefühle verwirrt. Als Hale's Landing nach der Zerstörung evakuiert werden soll, ist Annie hin- und hergerissen zwischen der Beständigkeit Evans und der Mystik, die Walker umgibt.
Das Buch vermittelt eine enge, sehnsuchtsvolle Verbindung zum Meer, die übernatürlich wirkt. Schon Mara wurde als Sonderling argwöhnisch betrachtet und Annie musste sich als Kind dem Spott anderer aussetzen. Sie taucht deshalb wortwörtlich am liebsten unter, bis ihr Freund, das Meer, sie bitter enttäuscht und fortan Ängste in ihr auslöst.
Halt findet sie bei ihrem einzigen Freund Evan. Sie liebt ihn, aber als sie Walker begegnet, spürt sie eine ganz eigene Verbindung zu ihm. Walker wirkt selbst wie ein Wesen aus dem Meer und hat deshalb etwas Unwirkliches an sich. Annie steht zwischen zwei Männern und zwei möglichen Leben, bis ihr die Entscheidung vom Meer abgenommen wird.
Sechs Jahre später führt sie ein Leben, das vernünftig ist, aber nicht zu ihr passt. Die Sehnsucht zum Meer bleibt und zieht sie trotz ihrer Erfahrung dorthin zurück.
"Das Jahr der Wale" ist eine Geschichte der leisen Töne, die sanft, empathisch und ein wenig geheimnisvoll geschrieben ist. Die äußere Rahmenhandlung ist jedoch wenig ereignisreich. Der Roman setzt mehr auf die Atmosphäre, die melancholisch und übersinnlich ist, ohne in die Welt der Mythen und Sagen abzudriften. So wirkt die Geschichte zumal wie ein Fiebertraum mit Raum für eigene Interpretationen.





