Montag, 10. August 2026

Buchrezension: Nova Winter - Die Nachbarin. Lass sie nicht in dein Haus.

Inhalt:

Ein gellender Schrei. Smilla springt in den eiskalten See und zieht den kleinen Jungen aus der Tiefe. Als er die Augen aufschlägt, trifft es sie wie ein Blitzschlag: Das ist mein Sohn. Unmöglich – sie war nie schwanger.
Die Mutter des Jungen reagiert aggressiv und ist mit ihrem Sohn schnell verschwunden. Doch schon am nächsten Tag trifft Smilla die Frau wieder – sie wohnt im Haus nebenan.
Der Vater Quentin bedankt sich überschwänglich für die Rettung, aber seine Augen bleiben kalt. Und Smillas Mann wird ihr plötzlich fremd. Je mehr Smilla zu verstehen versucht, desto klarer wird: Die Menschen um sie herum lügen. Alle. 

Rezension: 

Smilla ist vor Kurzem mit ihrem Mann Jonas umgezogen, um in der Idylle des Schwarzwalds neu anzufangen. Bei einer morgendlichen Joggingrunde rettet sie einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken und wird von der herbeieilenden Mutter undankbar abgekanzelt. Noch mehr irritiert sie jedoch, dass sie zu dem Jungen eine so vertraute Verbindung verspürt, als wäre er ihr eigener Sohn.
Es stellt sich heraus, dass es sich bei den beiden um ihre Nachbarn handelt. Vater Quentin lädt Smilla und Jonas aus Dankbarkeit zum Abendessen ein, während dem die Stimmung unnatürlich angespannt ist.
Ihre Wege kreuzen sich fortan immer wieder, wobei sich Lou und Quentin in Widersprüche verstricken und offenbar ihre Geheimnisse haben. Doch auch Jonas verbirgt etwas vor Smilla. Plötzlich kann sie niemandem trauen - nicht einmal ihrer eigenen Wahrnehmung.

Der Domestic Thriller ist durch die kurzen Kapitel und schnellen Perspektivwechsel dynamisch geschildert. Die verschiedenen Sichtweisen offenbaren Geheimnisse und lassen vor allem die männlichen Hauptfiguren verdächtig erscheinen, während die beiden Frauen psychisch und/ oder physisch labil wirken, was die Undurchsichtigkeit der Handlung fördert und für anhaltende Spannung sorgt.
Einzelne Rückblenden in die Vergangenheit offenbaren mehr Details über die Hauptfiguren und ihre Geschichte, ohne dass die Zusammenhänge in der Gegenwart unmittelbar klar werden.

Die Geschichte ist von einem andauernden Unbehagen gekennzeichnet und lässt eine Tragödie hinter den mysteriösen Verhaltensweisen erahnen. In dem Thriller geht es nicht um Blutvergießen, sondern um Manipulation und Misstrauen, die die Handlung prägen. Während Wahnvorstellungen die Wirklichkeit verwässern, fesselt die Geschichte bis zur Auflösung der Motive der handelnden Personen, die zwar wahnsinnig, aber dennoch schlüssig erscheinen. 


Samstag, 8. August 2026

Buchrezension: Mhairi McFarlane - Cover Story. Sie haben eine Abmachung – Küssen gehört nicht dazu

Inhalt:

Bel hat aufgrund ihres preisgekrönten Podcasts einen Job als Journalistin bei einer von Englands größten Tageszeitungen gelandet. Im kleinen und wenig glamourösen Zweigbüro in Manchester, in das es sie verschlagen hat, sind sie jedoch nur zu dritt: Bel, ihr gnadenlos ehrgeiziger, aber unterhaltsamer Kollege Aaron, und der neue Praktikant. Als sich herausstellt, dass es sich bei Letzterem um einen über dreißigjährigen Mann namens Connor handelt, nimmt der Beginn ihrer Zusammenarbeit eine ungute Wendung. Bel ist herablassend, Connor feindselig. Der neueste Office-Klatsch: Die beiden hassen sich.
Während Bel an einer richtig großen Story dran ist, gerät Connor ihr in die Quere, und ehe sie sichs versehen, müssen sie alle überzeugen, dass sie ein Paar sind – noch dazu ein bis über beide Ohren verliebtes. Wenn sie es versauen, fliegt Bels Deckung auf und die größte Story, die sie jemals landen wird, löst sich in Luft auf. Und mit ihr jede Chance auf Gerechtigkeit für Bels Informant*innen. 

Rezension: 

Bel ist mit einem erfolgreichen Podcast bekannt geworden und arbeitet nun als Journalistin bei einer Tageszeitung, wobei sie sich das Büro in der kleinen Zweigstelle in Manchester mit ihrem Kollegen Aaron teilt, der sie anhimmelt. Als das eingespielte Team einen neuen Praktikanten erhält, wird die Stimmung frostig. Bel und der Neue, Connor, können sich nicht ausstehen. 
Connor hat sein Leben komplett umgekrempelt, um mit über 30 noch einmal umzuschulen und als Journalist zu arbeiten. Mit dem unglücklichen Start in dem kleinen Büro fühlt sich der Neustart wie die Fortsetzung seiner Pechsträhne an. 
Das Verhältnis zu Bel ändert sich, als ihr Connor ungewollt bei einer Undercover-Story in die Quere kommt. Damit Bels Tarnung nicht auffliegt, müssen sie fortan ein frisch verliebtes Pärchen mimen. Denn Bel ist an einer Enthüllungsgeschichte dran, mit der sie nicht nur ihre Karriere vorantreiben, sondern auch vielen Frauen zu Gerechtigkeit verhelfen möchte. 

Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren Bel und Connor erzählt, wobei der weibliche Part den größeren Anteil hat. Als Charaktere sind sie individuell gezeichnet und haben ihre Ecken und Kanten.
Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt voll Wortwitz, was sich vor allem in den spritzigen Dialogen zeigt.

Die Geschichte hat zwei Komponenten, die sich optimal ergänzen. Es handelt sich einerseits um eine Enemies-to-Lovers-Romanze mit Fake-Dating-Anteilen und andererseits um die Offenbarung von Gaslighting und Machtmissbrauch, um Täter zu stellen und Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen. Bel hat ihr eigenen Erfahrungen mit Stalking gesammelt, weshalb ihr ehrgeiziges Handeln aufgrund ihrer Betroffenheit glaubwürdig und nachvollziehbar ist. Connor ist eine typische Green Flag und unterstützt sie bei ihren Recherchen. Aus unbegründet feindseligen Kollegen werden schon bald Verbündete, zwischen denen es anfängt im positiven Sinne zu knistern.

Die Roman handelt von zeitgemäßen Themen im Zusammenhang mit #metoo, die der RomCom Tiefgang verleihen. Allerdings tritt die Undercover-Story nach einem spannenden Start lange auf der Stelle und hat mit investigativem Journalismus nur wenig gemeinsam, bis es zu einer heiklen Situation kommt, die der Geschichte neuen Drive gibt. 
Die Liebesgeschichte ist in ihren Grundzügen inklusive frostigem Schlagabtausch, verwirrenden Gefühlen und Missverständnissen vorhersehbar, verliert aber trotz ihrer langsamen Entwicklung nicht ihren Reiz. Je mehr Zeit die beiden Hauptfiguren miteinander verbringen, desto mehr Funken beginnen zu sprühen. 

Freitag, 7. August 2026

Buchrezension: Lisa Sarah Brandstäter - Tod in heller Sommernacht (Leena Victor ermittelt, Band 2)

Inhalt:

Eine schöne Sommernacht in der Kleinstadt Porvoo bei Helsinki endet für die junge Studentin Lina tödlich. Ein Auto drängt sie von dem sandigen Waldweg ab und überfährt sie brutal. Die Polizei in dem idyllischen Küstenort nahe Helsinki bittet Kommissarin Leena Victor um Hilfe. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf ein Geflecht aus Widersprüchen, heimlichen Affären und perfekt platzierten Lügen. Als ein zweiter Mord den kleinen Ferienort erschüttert und eine junge Frau spurlos verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, und Leena Victor versucht, das Mosaik Stück für Stück zusammenzusetzen. Denn unter der gleißenden finnischen Mitternachtssonne lauert ein Täter, dessen Rachedurst noch lange nicht gestillt ist. 

Rezension: 

Anfang Juli kommt die Studentin Lina, die über die Semesterferien zu Hause bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter ist, bei einem Verkehrsunfall in dem Ferienort Porvoo ums Leben. Die Spuren lassen darauf schließen, dass Lina absichtlich brutal von einem SUV überfahren wurde. Leena Victor und ihr Partner Sebastian Nyberg von der Mordkommission Helsinki übernehmen den Fall.
Bei ihren Ermittlungen vor Ort stoßen sie auf eine Mauer aus Schweigen und lüften prekäre Geheimnisse. Als ein zweiter Toter aufgefunden wird und der Fall um die getötete junge Studentin gelöst scheint, sind für Leena die Ermittlungen noch lange nicht beendet und ihr Instinkt gibt ihr recht...

"Tod in heller Sommernacht" ist nach "Mord in eiskalter Nacht" der zweite Band um die finnische Kriminaloberkommissarin Leena Victor. Es ist ein klassischer Kriminalroman mit einem abgeschlossenen Fall, weshalb Vorwissen aus Band 1 nicht zwingend notwendig ist, jedoch im Hinblick auf die private Entwicklung Leenas von Vorteil ist.

Der Mordfall wird in kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven geschildert. Neben den Ermittlern, allen voran Leena, gibt es Szenen aus Täter- und Opfersicht, ohne zu viel zu verraten.
Obgleich Leena und Sebastian früh auf Lügen und Affären in dem idyllischen Küstenstädtchen stoßen, bleibt der Fall um die getötete Studentin lange undurchsichtig. Dies sorgt für anhaltende Spannung und Raum für eigene Spekulationen, wie die einzelnen Puzzleteile zusammengehören. Als LeserIn fühlt man sich unmittelbar in die Ermittlungen einbezogen und kann jeden Schritt nachvollziehen.

Neben der authentisch geschilderten Polizeiarbeit besticht der Roman mit finnischem Lokalkolorit in den Schären, falunroten Holzhäusern und der besonderen Atmosphäre der hellen Sommernächte, die die Ermittler um den Schlaf bringen.
Leena agiert instinktgesteuert und kann wie schon im ersten Band ihr Fachwissen in Bezug auf Sexualdelikte anbringen, denn erneut spielen übergriffiges Verhalten von Männern, häusliche Gewalt und Gaslighting eine Rolle.

Leena und Sebastian sind glaubwürdige Hauptfiguren, die sympathisch sind und für ihren Beruf brennen. Mit den Einblicken in ihre Privatleben wirken sie noch menschlicher und bieten Potenzial für weitere Fortsetzungen. Band 3 „Tod im kalten Abendlicht“ wird voraussichtlich im Herbst 2027 erscheinen.