Samstag, 1. August 2026

Buchrezension: Freida McFadden - Die Psychiaterin: Wurde ihr der Job zum Verhängnis?

Inhalt:

Die beiden frisch vermählten Tricia und Ethan sind auf dem Weg zur Besichtigung eines abgelegenen Anwesens, das bald ihr Zuhause sein könnte. Während Ethan voller Begeisterung ist, spürt Tricia, dass etwas nicht stimmt. Bis vor drei Jahren lebte hier noch die Psychiaterin Dr. Adrienne Hale. Ihr plötzliches Verschwinden damals ging durch die Presse. Weil ein Schneesturm die Straßen unbefahrbar macht, muss das junge Paar die Nacht im Haus verbringen. Dabei entdeckt Tricia ein verborgenes Zimmer voller Kassetten – Aufnahmen von Adriennes Patientensitzungen. Mit jeder Kassette, die sie sich anhört, wird ihr klarer, wie es zu Adriennes Verschwinden kam und dass sie selbst in tödlicher Gefahr schwebt. Denn manche Stimmen schweigen nie. 

Rezension: 

Tricia und Ethan sind auf der Suche nach ihrem Traumhaus und möchten ein abgelegenes Herrenhaus besichtigen. Als sie dort ankommen, ist die Maklerin nicht vor Ort, aber wegen eines Schneesturms verschaffen sich die beiden eigenmächtig Zugang in das Haus. Sie finden heraus, dass die letzte Eigentümerin des Hauses Dr. Adrienne Hale war, eine renommierte Psychiaterin, die vor drei Jahren spurlos verschwand. 
Tricia hat ein beklemmendes Gefühl, aber aufgrund der Wetterverhältnisse müssen sie erst einmal in dem Haus bleiben. Auf der Suche nach Ablenkung stößt sie auf ein Geheimzimmer mit Tonaufnahmen von Dr. Hales Therapiesitzungen. Während sie anhand der Aufzeichnungen mehr über die Psychiaterin und ihre bedrohlichen Patienten erfährt, kommt sie immer mehr zu der Überzeugung, dass noch jemand in dem Haus ist. Aber Ethan glaubt ihr nicht... 

"Die Psychiaterin" ist ein kurzweiliger und leicht zu lesender Thriller. Die Spannung baut sich durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gemächlich, aber stetig auf. Tricia schildert aus der Ich-Perspektive ihr Unbehagen im Haus der Psychiaterin, während man über Rückblenden erfährt, was sich im Leben von Dr. Hale wenige Wochen vor ihrem Verschwinden ereignet hat. Für erzählerische Abwechslung sorgen die Tonbandaufzeichnungen einzelner Therapiesitzungen, wobei die Identität der Patienten nicht immer ganz klar ist und Spielraum für Spekulationen in der Gegenwart lässt. 

Die "Meisterin der Plottwists" überrascht auch in diesem Roman mit einer Wendung, die zwar überrascht, aber wenig raffiniert ist und einzig auf der Unzuverlässigkeit der Erzählerin beruht.  Nahezu alle Details, die in der Gegenwart für Ungereimtheiten sorgen und Ängste ob der Sicherheit Tricias schüren, stellen sich im Nachhinein als fragwürdig, mitunter komplett unlogisch, heraus. 
Selbst wenn man in Betracht zieht, dass die Geschichte im Umfeld einer Psychiaterin handelt, wimmelt es hier nur so von Psychopathen, die die ach so erfolgreiche Dr. Hale mehr schlecht als recht therapiert hat. 

"Die Psychiaterin" ist unterhaltsam und herrlich böse, führt die/ den LeserIn aber einfach nur an der Nase statt mit eine überraschenden Wende zu verblüffen. 

Freitag, 31. Juli 2026

Buchrezension: Brigitte Glaser - Sonnenberg

Inhalt:

Mitte der Siebzigerjahre ist Johanna die erste in ihrer Familie, die an die Uni geht. Mit ihrer Freundin Luzie zieht sie in eine WG nach Freiburg und genießt neue Freiheiten. Als wenig später ihr Vater stirbt, muss sie jedoch zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Eltern übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie den Hof am Kaiserstuhl. In einer Welt, in der weibliche Arbeitskräfte nur die Hälfte zählen, müssen die Frauen sich behaupten. Erst recht, als Johanna ein Kind bekommt und sich entschließt, es ohne Vater großzuziehen. Erst recht, als sie sich dem Widerstand der Winzer und Bauern, der Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk anschließt. Auch Luzie, die gerade von einer langen Marokkoreise zurück ist, ist an ihrer Seite. Und plötzlich sieht es so aus, als könne man zusammen etwas erreichen. 

Rezension:

Luzie und Johanna sind beste Freundinnen, bis sich ihre Wege während des Studiums in Freiburg trennen. Abgemacht war, gemeinsam zu reisen, aber Johannas ungeplante Schwangerschaft machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Zudem musste sie den Tod ihres kürzlich verstorbenen Vaters verarbeiten. Als einziges Kind ist es nun Johanna, das die Leitung des Weinguts am Kaiserstuhl übernimmt.
Währenddessen reiste Luzie alleine nach Marokko und kehrt mit belastenden Erinnerungen zurück.
Die Freundschaft hat unter der Trennung und den unterschiedlichen Lebenswegen gelitten. Annäherung schafft das gemeinsame Engagement bei den Protesten gegen den geplanten Bau des Kernkraftwerks in Wyhl. Doch es gibt Dinge, die Luzie verschweigt und Johannas Vertrauen zu erschüttern drohen.

"Sonnenberg" handelt während der ersten vier Monate des Jahres 1975, die im Badischen, aber auch darüber hinaus, vom Widerstand der Bevölkerung gegen die Pläne der Politik zur Nutzung der Kernenergie geprägt war.
Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Johanna und Luzie geschildert, wobei die Perspektiven innerhalb der Kapitel ungekennzeichnet wechseln. Der Fokus liegt auf den gegenwärtigen Ereignissen, wobei sich die beiden Hauptfiguren wiederholt in Erinnerungen verlieren, insbesondere Luzie, die in Marokko während der Erforschung des zweiten Rifkabylen-Aufstandes nicht nur positive Erfahrungen sammeln konnte. Das Durcheinander der Erzählweise unterbricht den Lesefluss. 

Durch den Einfluss von Dialekten und den bildhaften Alltagsbeschreibungen erhält man eine klare Vorstellung von der damaligen Zeit und den örtlichen Gegebenheiten.
Im Gegensatz dazu bleiben die Figuren auf Distanz und blutleer. Johanna und Luzie sind nur schwer greifbar, was mitunter an den Geheimnissen liegt, die sie bergen. Der/ dem Leserin wird zu viel vorenthalten, was die Charaktere aber nicht interessanter gestaltet, sondern zu Unverständnis führt. Zudem dreht sich die Geschichte in Bezug auf Luzies unausgesprochene Wahrheiten anstrengend im Kreis. Die Nebencharaktere sind austauschbar, keiner sticht mit einer besonderen Rolle hervor.  

Im Vordergrund stehen die Proteste gegen das KKW Wyhl, in die Luzie und Johanna eingebunden sind, wobei ihr Engagement eher der räumlichen Nähe als echtem Protestwillen geschuldet erscheint. So ist es auch schade, dass die problematische Entwicklung ihrer Freundschaft, Johannas Übernahme des väterlichen Betriebs und ihre persönlichen Probleme als alleinerziehende Mutter und Luzies traumatische Erlebnisse als Randaspekte verbleiben. 

Trotz der interessanten Themen um die Rolle der Frau in den 1970ern, zivilen Ungehorsams, Erpressung und das Auseinanderdriften einer Freundschaft, kommt beim Lesen keine Spannung auf. Die Geschichte wirkt überladen und kann sich jedweder Schwierigkeit nur oberflächlich widmen. 

Mittwoch, 29. Juli 2026

Buchrezension: Evann Normandin - Genug für ein halbes Leben

Inhalt:

Es ist der Beginn einer großen Liebe: Auf eine zufällige Verwechslung folgt der erste Kuss, ein gefühlvolles Liebesgeständnis, die langersehnte Hochzeit. Die gemeinsame Zukunft von Rose und Landon scheint vorherbestimmt – bis ein tragisches Unglück Rose zu einer folgenschweren Entscheidung drängt: Für die Chance auf einen echten Neuanfang lässt sie mithilfe einer neuartigen Behandlung ihr bisheriges Leben und alle Erinnerungen daran hinter sich.
Doch Landon kann Rose nicht vergessen. Er macht sich auf die Suche nach ihr und lernt sie als Fremder ein zweites Mal kennen. Es dauert nicht lange, bis die alten Gefühle wieder zum Vorschein kommen. Nur ahnt Rose nicht, dass ihr Gegenüber die Last all ihrer gemeinsamen Erinnerungen mit sich trägt. 

Rezension: 

Rose und Landon haben sich als Studenten in New York kennen und lieben gelernt. Sie heiraten und träumen von einer gemeinsamen Familie, auch wenn Rose aufgrund ihrer Erfahrungen mit einem an Alzheimer erkrankten Vater und einer depressiven, abweisenden Mutter Bedenken hatte. Doch ihr Glück hält nicht ewig an, was Rose eine radikale Entscheidung treffen lässt. Sie nimmt ein neues Medikament, das alle Erinnerungen löscht. Während sie damit auch Landon aus ihrem Leben streicht und einen Neuanfang in Edinburgh wagt, kann Landon seine große Liebe nicht loslassen. Er folgt ihr nach Schottland, in der Hoffnung, sie erneut für sich zu gewinnen. Tatsächlich freundet sich Rose mit "Jamie" an, ohne zu wissen, dass sie in ihrem früheren Leben mit ihm verheiratet war.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen, in der Vergangenheit aus Roses Perspektive und in der Gegenwart aus Landons Sicht, erzählt.
Die Vergangenheit zeigt die Entwicklung ihrer Beziehung über ein gutes Jahrzehnt, Gegenwart handelt über einen Zeitraum von mehreren Wochen.
Die Geschichte mutet auf beiden Erzählebenen melancholisch an, wobei die Vergangenheit auf ein tragisches Ereignis hinsteuert, das man durch die fortschreitende Verbindung beider Handlungsstränge erahnen kann und den Grund für Roses Entscheidung offenbart, ihr bisheriges Leben vergessen zu wollen. Der emotionale Ballast, die Verzweiflung und der Wunsch, unbelastet neu anzufangen, sind nachvollziehbar. Genauso gut kann man sich in Landons Lage hineinversetzen, der seine Rose nicht aufgeben möchte.
Beide verhalten sich egoistisch und haben doch nur den Wunsch, glücklich zu sein.

Der Plot baut mit der "Vergessenspille" auf einer originellen Idee auf und auch wenn diese nur der Fantasie der Autorin entspringt, handelt es sich nicht um einen Fantasyroman, denn die Gefühle der Hauptfiguren fühlen sich authentisch an. Traurigkeit, Schmerz, Verzweiflung und Sehnsucht sind vordergründig, was den Roman nicht zu einer einfachen, aber emotionalen Lektüre macht.

Trotz eines spannenden - utopischen - Szenarios bleibt der Roman hinter seinen Erwartungen zurück. Die Geschichte ist auf beiden Erzählebenen monoton. In der Vergangenheit wird auf ein tragisches Ereignis hingesteuert, das jedoch aufgrund der Gegebenheiten in der Gegenwart früh erahnt werden kann, was ihr die Spannung nimmt. 
Die emotionalen Auswirkungen des Ereignisses werden hingegen kaum beleuchtet, obwohl gerade sie zu der lebensverändernden Entscheidung für die Pille führen. 
Die Gegenwart hat insbesondere in Bezug auf die Pille inhaltliche Schwächen und lässt Fragen zur Herkunft, Verbreitung, Wirkweise, Nebenwirkungen und Ausgestaltung eines alltagstauglichen Neustarts offen. 

Die beiden Hauptfiguren haben wenig Substanz. Rose ist allein von ihrer Trauer bestimmt, wahrend Landons Handeln nur von der Liebe zu Rose getrieben ist. Trotz des Mitgefühls, das man für sie entwickelt, bleiben sie auf Distanz. 

Das Ende der Geschichte ist hingegen konsequent und zeigt, wie tief Trauer gehen kann, wie schwierig Trauerbewältigung ist und mit welchen einsamen Entscheidungen sie einhergehen kann. Die Flucht in ein neues Leben und der Wunsch nach einem unbeschwerten Neuanfang unter der Euphorie eines Medikaments hinterlassen allerdings einen bitteren Beigeschmack.