Montag, 20. April 2026

Buchrezension: Carley Fortune - Der Sommer unseres Lebens (Die Barry’s-Bay-Reihe, Band 2)

Inhalt:

Frische Luft. Endloser Himmel. Glitzerndes Wasser. Fünfzehn Jahre liegt Alice’ erster Sommer in Barry’s Bay zurück. Als ihre Grandma einen Unfall hat, weiß sie sofort, dass die malerische Landschaft am See der perfekte Ort für eine Auszeit ist. Kaum sind sie angekommen, trifft Alice auf ihren Nachbarn – und traut ihren Augen nicht: Vor ihr steht Charlie Florek. Sie waren Jugendliche, als sie zufällig das Foto von ihm machte, mit dem ihre Karriere als Fotografin begann. Heute versteckt sich Alice die meiste Zeit hinter der Kamera und hält das Leben auf Abstand. Charlie hingegen ist unbeschwert, selbstbewusst und charmant. Nach und nach reißt er Alice‘ Mauern ein, und schnell ist er mehr als nur ein Sommerflirt. Doch immer, wenn es um die Zukunft geht, blockt er ab. Und Alice muss sich fragen, ob ihre Grandma recht hatte und am See wirklich immer nur gute Dinge geschehen. 

Rezension: 

Mit siebzehn Jahren hat Alice zusammen mit ihrer Großmutter Nan und ihren jüngeren Geschwistern einen Sommer am See in Barry's Bay verbracht. Dort hat sie ein Foto von einem Schnellboot mit Teenagern geschossen und beschlossen, Fotografin zu werden.
Als Nan nach einem Unfall Unterstützung benötigt und deprimiert ist, nimmt Alice sie mit dem nostalgischen Wunsch mit nach Barry's Bay, dort fünfzehn Jahre später wieder einen magischen Sommer zu erleben.
Am See trifft sie auf Charlie, einen der Teenager von damals, der heftig mit ihr flirtet und ihre Großmutter wieder zum Lächeln bringt. Auch Alice wird es nach einer schlimmen Trennung wieder leichter ums Herz, aber Charlie, der als Frauenheld gilt, hält sie auf Abstand. Sie einigen sich auf eine Sommerromanze, bis Gefühle dazwischenfunken.

"Der Sommer unseres Lebens” ist der Nachfolgeroman von "Fünf Sommer mit dir”, kann jedoch unabhängig davon gelesen werden, denn das immer noch frisch verliebte Pärchen Percy und Sam hat lediglich einen Gastauftritt und spielt für die Handlung keine wesentliche Rolle. Im Vordergrund stehen Alice Everly und Sams älterer Bruder Charlie, die sich als Teenager in Barry’s Bay begegnet sind und nun als Erwachsene auf einander treffen.

Das Setting in den Sommermonaten am See verbreitet erneut stimmungsvolle Summervibes, die Geschichte selbst plätschert wie der See aber nur dahin. Zwischen Alice und Charlie sprühen zwar sofort die Funken, wobei Charlies anfängliches sehr eifriges Flirten nicht im Einklang mit seiner späteren Abwehrhaltung gegenüber Alice ist. Im Folgenden wirkt auch die Betonung auf eine "Friends with Benefits"-Beziehung anstrengend aufgesetzt.
Ihr Geplänkel wird deshalb auf die Dauer langweilig und auch Alices Hadern mit ihrer Karriere oder die Sorge um ihre Großmutter sind inhaltlich wenig ergiebig. Charlies Grund, um Alice von sich fernzuhalten, erscheint einfach nur konstruiert, um überhaupt für ein bisschen Dramatik zu sorgen. Sein verletzendes Verhalten passt dabei so gar nicht zu dem Traum-Schwiegerenkel, der die Oma zum See trägt, Gurken einlegt, ein Baumhaus für die ungeborene Nichte baut und so viel Fürsorge und Empathie zeigt. Seine Selbstsabotage ist haarsträubend und lassen die männliche Hauptfigur ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

"Der Sommer unseres Lebens" klingt euphorisch, die Geschichte ist es allerdings nicht. Die Slow Burn-Romanze ist vorhersehbar, die Handlung darüber hinaus sehr dünn. Die Charaktere sind ohne wesentliche Kenntnisse über ihre Vergangenheit nur oberflächlich beschrieben. Zudem fehlen echte Konflikte, die der Geschichte Spannung und Dynamik hätten verleihen können.

Freitag, 17. April 2026

Buchrezension: Ken Jaworowski - What about the bodies

Inhalt:

In einer amerikanischen Kleinstadt kreuzen sich die Wege von drei Menschen mit ungewöhnlichen Problemen. Carla steht kurz davor, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, als ihr Sohn etwas gesteht, das alles auf den Kopf stellt. Reed, ein junger Mann mit Autismus, begibt sich auf eine nervenaufreibende Reise, um den letzten Wunsch seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen. Und die erfolglose Musikerin Liz sucht nach einem Weg, ihre Schulden bei einem brutalen Kriminellen zurückzuzahlen. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie wollen die Kontrolle über ihr Leben zurück. 

Rezension: 

Carla steht kurz vor der Eröffnung ihres Restaurants, als ihr Sohn ihr ein Geständnis macht, das ihren Lebenstraum gefährden könnte. Auch um ihren Sohn vor den Konsequenzen seiner Tat zu schützen, beschließt sie alles zu tun, um sein Geheimnis zu bewahren.
Nach dem Tod seiner Mutter fällt Reed ein Versprechen ein, das er ihr einst gegeben hat. Da der autistische Reed alles wortwörtlich nimmt, ist er fest entschlossen es einzulösen, auch wenn das Ärger mit seinem älteren Bruder bedeutet.
Liz hat endlich den ersehnten Anruf einer Musikproduzentin erhalten und steht kurz vor ihrem Karrieredurchbruch, als ihr kaputtes Auto ihr einen Strich durch die Rechnung macht. Um doch noch nach Nashville zu gelangen, sieht sie sich gezwungen, die Hilfe eines dubiosen Ex-Häftlings in Anspruch zu nehmen, was ihre Schulden nur noch weiter erhöht.
Während bei jedem von ihnen die Situation zu eskalieren droht, kreuzen sich die Wege der Bewohner der trostlosen Kleinstadt Locksburg, die sich bisher nur flüchtig kannten. 


"What about the bodies" ist kein klassischer Kriminalroman, da er nicht von der Aufklärung eines Verbrechens handelt und auch kein Kommissar eine wesentliche Rolle spielt. Im Fokus stehen drei Charaktere, die vom Pech verfolgt erscheinen und Entscheidungen treffen, die sie nur noch mehr in Schwierigkeiten bringen. Sie erhoffen sich eine bessere Zukunft, werden jedoch in kriminelle Machenschaften verwickelt, die ihre Träume gefährden. 

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Carla, Reed und Liz erzählt. Es sind kurze Kapitel mit schnellen Szenenwechseln, die für Dynamik sorgen. Zudem ereignet sich ein wesentlicher Teil der Handlung innerhalb von wenigen Stunden. 
Man wird förmlich in die Geschichte hineingezogen, die sich abenteuerlich entwickelt und schmerzhaft über das Verhalten einzelner Figuren wundern lässt. Man spürt, dass die Situation zu eskalieren droht und am Ende alles nur noch schlimmer aussehen könnte. 

Die drei Handlungsstränge entwickeln sich zunächst unabhängig von einander und haben nur den Wohnort, die unglückliche ehemalige Bergbaustadt Locksburg, gemein - sowie das Problem mit drei Leichen. 
Die Geschichte besticht durch ihren schwarzen Humor und anhaltende Spannung. Trotz aller Eigenheiten und Absonderlichkeiten werden alle Handlungsstränge schlüssig zusammengeführt, wobei Wendungen nicht ausbleiben, die die Charaktere in einem anderen Licht dastehen lassen und dem Roman eine unerwartete Tiefe verleihen. 

Mittwoch, 15. April 2026

Buchrezension: Lucy Foley - Sommernacht

Inhalt:

Eine abgelegene Insel vor der wilden Küste Irlands: An einem Sommertag versammeln sich Familie und alte Freunde, um die Hochzeit von Julia und Will zu feiern. Alles ist bis ins kleinste Detail geplant, es soll ein rauschendes Fest werden – doch der Wind dreht, und ein heftiger Sturm schneidet die Insel von der Außenwelt ab. Bald macht das Gerücht die Runde, dass dieser Ort ein schreckliches Geheimnis verbirgt. Und auch unter den Gästen dringen immer unaufhaltsamer alte Feindseligkeiten und lang begrabene Geheimnisse ans Licht. Dann wird einer der Feiernden tot draußen im Moor gefunden. Und die Situation auf der Insel eskaliert. 

Rezension:

Jules und Will sind als Herausgeberin eines Lifestyle-Magazins und Hauptfigur eines Survival-Fernsehformats beruflich erfolgreich und ein glamouröses IT-Pärchen. Für ihre Hochzeit haben sie sich für eine verlassene irische Insel entschieden, auf der ihre Hochzeitsplanerin ein Anwesen hat. Zahlreiche Gäste sind eingeladen, wobei die engsten Freunde und Verwandte bereits einen Tag vorher anreisen. Darunter ist Jules bester Freund und Trauzeuge Charlie, der mit seiner Ehefrau Hannah anreist. Ihr sind seine Freunde unangenehm und sie ist sich unsicher, ob Charlie der Braut nicht zu nahe steht. Jules Schwester Olivia fungiert als Brautjungfer, wirkt aber alles andere als zufrieden mit ihrer Rolle und wird von einem Geheimnis schier erdrückt. Will hat seine Schulfreunde aus Internatszeiten eingeladen, von denen ausgerechnet der unzuverlässige Johnno sein Treuzeuge ist. 
Während der Alkohol in Strömen fließt, zieht ein Sturm auf und nach dem Anschnitt der Hochzeitstorte behauptet eine panische Kellnerin, eine Leiche gesehen zu haben. 

Der Roman handelt in der Gegenwart von der Hochzeitsnacht, die von einer schockierenden Bluttat überschattet wird. Im Vordergrund der Handlung stehen allerdings die Rückblenden in die Stunden zuvor, die aus der Sicht der Braut, der Hochzeitsplanerin und mehrerer Gäste geschildert werden. Dabei zeigen sich nicht nur der Narzissmus und die Verunsicherung einzelner Charaktere, es offenbaren sich allmählich auch die Geheimnisse, die die Personen bergen und welche vergangenen Ereignisse sie untereinander verbinden. 

Die Handlung folgt einem typischen Locked-Room-Szenario auf einer unbewohnten Insel mit widrigem Wetter, Abgeschiedenheit und Stromausfall. Zudem birgt auch die Insel selbst ihre Geheimnisse und wirkt mit ihren Geisterschichten und der gefährlichen Moorlandschaft alles andere als passend für eine sorglose Hochzeitsfeier. 

Von Anbeginn ist bekannt, dass die Feier aus dem Ruder laufen und die Situation eskalieren wird. Für Spannung sorgt deshalb nicht, dass es einen Todesfall geben wird, sondern um wen es sich handelt und welche Abgründe der Anwesenden dazu geführt haben könnten. 

Die kurzen Kapitel, unterschiedlichen Sichtweisen und Wechsel zwischen "Jetzt" und den vorangegangenen Stunden sorgen für Dynamik und anhaltende Spannung. Allmählich offenbaren sich immer mehr Geheimnisse, die einen Wunsch nach Vergeltung erklären und sogar in Bezug auf mehrere Charaktere ein Mordmotiv darstellen könnten. Dabei bleibt bis zum Schluss unklar, wer zur Tat schreiten wird, aber sich so nachvollziehbar erklärt, dass für das Opfer wenig Mitleid übrig bleibt.