Samstag, 28. März 2026

Buchrezension: Anika Landsteiner - Träume aus Salz

Inhalt:

Eigentlich ist Flo glücklich. Zusammen mit ihrem Freund Matty verbringt sie eine Woche auf einer kleinen griechischen Insel. Das Wasser lockt azurblau, die Nächte schimmern im Mondlicht. Und trotzdem findet Flo keine Ruhe. Denn da ist etwas, das sie Matty nicht sagt. Nicht sagen kann. Als sie der mysteriösen Sofia begegnet und sich von ihr die Karten legen lässt, gerät Flo in einen Strudel aus Erinnerungen, die sie drängen, einen Weg zur Wahrheit zu finden. 

Rezension:

Flo und Matty haben sich über eine Dating-App kennengelernt, sind nach acht Monaten immer noch frisch verliebt und verbringen ihren ersten gemeinsamen Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel. Während sie die Tage in der Hitze der Natur genießen, hat Flo nachts unruhige Träume.
In einer Taverne begegnen sie Sofia, die auf der Insel für ihre hellseherischen Fähigkeiten berüchtigt ist und auf Flo eine Faszination ausübt. Sie lässt sich von ihr die Tarotkarten legen und erhofft sich, die quälenden Erinnerungen an die Vergangenheit und den Zusammenbruch ihrer Familie loszulassen. Gleichzeitig quält sie die Tatsache, dass sie etwas vor Matty verheimlicht, der ersten Person, zu der sie seit Langem wieder Vertrauen gefasst hat.

Mit der Geschichte wird man bildhaft auf eine typische griechische Insel mit türkisfarbenem Meer, Olivenbäumen, lauschigen Tavernen und lauen Sommernächten versetzt. Auch die junge und noch frische Liebe von Flo und Matty passt zur Urlaubsatmosphäre. Das Paar genießt seine Freiheit und Zweisamkeit. Zum ersten Mal verbringen die beiden so viel Zeit gemeinsam und haben die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen. Doch Flo schließt Matty von einem Teil ihres Lebens aus und das Geheimnis, das sie vor ihm hat, stört die Harmonie.

Durch die Begegnung mit der Griechin Sofia rückt der Fokus weg von dem Paar. Gab es bisher nur Kapitel aus der Sicht von Flo, erhält auch Sofia ihre eigene Perspektive. Sie hat die Gabe ihrer Großmutter geerbt, hellsichtig zu sein und gilt damit als wichtigste Person der Insel. Sofia setzt die Fähigkeit unter Druck und hält sie auf der Insel gefangen.

Rückblenden in Flos Vergangenheit, die mit Tarotkarten überschrieben sind und damit mit der Gegenwart und Sofias Gabe verknüpft werden, zeugen vom Zusammenbruch einer Familie und einem schmerzhaften Verlust, womit Flo in ihren Träumen konfrontiert wird.

Der Roman entwickelt einen Sog durch das Ungesagte, das zwischen den Figuren steht und ihre innere Zerrissenheit, die zu fühlen ist. Die Liebe zwischen Flo und Matty ist spürbar, aber auch, dass sie sich noch in der Phase der Euphorie bewegen und der Zusammenhalt deshalb fragil ist. Spannung erzeugt, ob Flos Vergangenheit zwischen ihnen steht, ob Sofia mit ihrer magischen Gabe hilfreich sein kann oder ob sie eine eigene Agenda verfolgt und der Beziehung schaden könnte.

Der gemächliche Spannungsaufbau weckt Erwartungen, die die Geschichte am Ende nicht erfüllen kann. Eine Offenbarung bleibt aus und die Spannung verpufft ernüchternd.
"Träume aus Salz" ist eine emotionale Geschichte, die trotz Urlaubatmosphäre viel Düsternis und Traurigkeit enthält und zeigt, wie groß die Auswirkungen vergangener Traumata sind und dass es den richtigen Anstupser und Moment braucht, um sich den Geistern der Vergangenheit zu stellen. 

Freitag, 27. März 2026

Buchrezension: Abby Jimenez - The Night We Met: Richtiger Ort. Richtiger Mann. Falsche Entscheidung? (Say You'll Remember Me, Band 2)

Inhalt:

Larissa hatte keine Ahnung, dass sie in dieser Nacht den Mann ihres Lebens kennenlernen würde. Sie und Chris sind perfekt füreinander, teilen den gleichen Humor und er ist für sie da, wenn sie ihn am meisten braucht.
Das Problem: Larissa ist nicht mit Chris, sondern mit dessen bestem Freund Mike zusammen.
Denn Larissa selbst hatte die Wahl, welcher der beiden Männer sie an dem Abend nach Hause fahren würde. Sie entschied sich gegen Chris und für Mike und wenige Wochen später sind Larissa und Mike ein Paar. Aber irgendetwas scheint mit Mike nicht zu stimmen – er lässt Larissa immer wieder im Stich und stattdessen ist es Chris, auf den sie sich stets verlassen kann. Je mehr Zeit Larissa und Chris miteinander verbringen, umso klarer wird, dass sie damals den Falschen gewählt hat.
Zwischen ihnen entwickeln sich tiefe Gefühle, jedoch könnten sie Mike niemals derart hintergehen.
Larissa muss sich erneut entscheiden: Bricht sie Mikes Herz oder ihr eigenes? 

Rezension: 

Nach einem Konzert steht Larissa vor der Entscheidung, mit wem sie nach Hause fährt und entscheidet sich für den charismatischen Mike statt den zurückhaltenderen Chris. Larissa und Mike werden ein Paar, aber mit Chris teilt Larissa nicht nur einen Hund, sondern auch mehr Gemeinsamkeiten. Dazu kommt, dass Mike Larissa öfter versetzt und auch in kritischen Situationen im Stich lässt, weshalb Chris immer wieder für seinen besten Freund in die Bresche springen muss.
Chris macht dies gerne, denn er mag Larissa - mehr als er eigentlich sollte und Larissa kommen Zweifel, dass sie sich an einem Abend für den falschen Mann entschieden hat. Doch Mike zu verletzen, kommt für beide nicht in Frage...

Der Roman ist als Band 2 von "Say you'll remember me" deklariert, was für ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren sorgt. Zum Verständnis der verzwickten Dreiecksgeschichte sind aber keine Vorkenntnisse nötig.

Typischerweise im Wechsel aus der Perspektive beider Hauptfiguren geschrieben, erhält man Einblicke in die Leben von Larissa und Chris und insbesondere in ihr Gefühlschaos.
Schon früh ist klar, dass Larissa sich den falschen Freund ausgesucht hat und der logische Schritt die Trennung wäre. Tatsächlich ist die Situation aufgrund der Hintergründe und Erfahrungen der Figuren schwieriger, als gedacht.  

Mike ist verliebt in Larissa, aber verbirgt hinter einer starken Fassade Probleme, so dass er ihr nicht der Partner sein kann, den sie benötigt.
Chris ist auch nicht ohne Sorgen, hat jedoch sein Leben im Griff. Er entwickelt immer mehr Gefühle für Larissa, gleicht Mikes Fehler aus und steht seinem besten Freund trotz allem zur Seite.
Larissa brennt nicht für Mike, sieht in ihm aber zunächst einen soliden Freund. Mehr Gemeinsamkeiten hat sie allerdings mit Chris und als sie Mike richtig kennenlernt, bereut sie ihre Entscheidung.

Durch die empathische Schreibweise und den nachvollziehbaren Loyalitätskonflikt kann man sich sehr gut in die Charaktere und ihre Vermeidungstaktik hineinversetzen. Gleichzeitig möchte man sie einfach nur schütteln und sie vor ihrer Loyalität bis zur Selbstaufgabe schützen. 
Die Emotionen, die die Autorin dadurch weckt sowie die Darstellung der innigen Freundschaften, sind die Stärken des Romans, der zumal etwas auf der Stelle tritt. Auch gelingt es ihr durch humorvolle Szenen und lebendige Dialoge der durch die problembehafteten Figuren ernsten Geschichte Leichtigkeit zu verleihen. Dennoch bestimmen die Schwierigkeiten von Mike, Chris und Larissa wie Trauer, Armut, Depression und Alkoholprobleme die Handlung und geben ihr durch die feinfühlige Auseinandersetzung Tiefe.
Die Frage, ob und wie das Dilemma, in dem sich Chris und Larissa befinden, gelöst werden wird, bleibt spannend bis zum Schluss. 
Insbesondere da auch die liebevoll gemeinten, aber dennoch übergriffigen, überfürsorglichen Aktionen Chris' Zweifel wecken, ob überhaupt einer der beiden für eine Beziehung mit Larissa geeignet ist.

Normalerweise schafft es die Autorin auch ihre tierischen Nebenfiguren liebevoll in die Geschichte zu integrieren. Hier ist Yorkshire Terrier Wufferine allerdings kein Sympathieträger. Geradezu irritierend sind die wiederholten Szenen, in denen andere Tiere massakriert werden oder sich der Hund anderweitig abstoßend benimmt. 

Mittwoch, 25. März 2026

Buchrezension: M. L. Stedman - Ein weites Leben

Inhalt:

Ein Lastwagen, drei Männer, ein Moment der Unachtsamkeit – von einer Sekunde auf die andere ist das Leben der MacBrides ein anderes. Einzig Sohn Matthew übersteht das Unglück mit schweren Beeinträchtigungen. Und doch findet er zielstrebig zurück nach Meredith Downs, zurück zu Mutter und Schwester, als das Schicksal ein zweites Mal zuschlägt. Und plötzlich steht nicht nur sein Leben auf dem Spiel, sondern seine Seele – und zwar auf eine Weise, die kaum jemand vorhersehen, geschweige denn hätte überleben können. 

Rezension: 

Die MacBrides betreiben seit Generationen eine Schaffarm im Westen Australiens. Sie trotzen dem Klima und der Abgeschiedenheit in der Weite des Landes. Der älteste Sohn Warren soll die Farm perspektivisch übernehmen, doch dazu kommt es nicht. Im Januar 1958 ereignet sich ein Unfall, bei dem Vater Phil und Warren sterben, während der jüngere Sohn Matthew schwer verletzt überlebt. Die Auswirkungen sind nicht nur aufgrund der beiden Todesfälle belastend für die Familie. Tochter Rose quält sich mit schweren Schuldgefühlen und trifft eine folgenschwere Entscheidung, die ihr zum Verhängnis wird und auch die nachfolgende Generation beschäftigen wird.

"Ein weites Leben" ist eine Familiengeschichte, die im Wesentlichen in den Jahren 1958 und 1969 handelt, sich insgesamt jedoch über 40 Jahre erstreckt.

Ausdrucksstark vermittelt die Autorin einen eindringlichen Einblick in die Lebensverhältnisse auf einer Schaffarm im Westen Australiens zur damaligen Zeit. Die weiten Entfernungen sind beeindruckend und machen das Leben und Überleben nicht einfach. Dazu kommt, dass die Familie MacBride mit mehreren Tragödien konfrontiert wird, die die Hauptfiguren und ihre Entscheidungen nachdrücklich prägen.

Der Roman handelt von Schuldgefühlen und Geheimnissen, die zerstörerisch sind. Das Leid ist bewegend, aber die Charaktere bleiben distanziert, so dass es mitunter nicht einfach ist, ihr Handeln nachzuvollziehen. Auch die willkürlichen Zeitsprünge und Perspektivwechsel stören den Lesefluss. Spannung erzeugen unvermittelt die Nebenfiguren, die auf Ungereimtheiten stoßen, deren Schicksale aber nur zeitweise eine Rolle spielen und letztlich wieder in Vergessenheit geraten. 
Nach einem spannenden und dramatischen Einstieg dreht sich die Geschichte in den folgenden Jahren im Kreis und ist von einer elendigen Selbstgeißelung geprägt, die ein Verzeihen und zukünftiges Glück ausschließen.  

Es geht um das Erinnern und das Vergessen und wie viel man bereit ist zu tun, um seine Geheimnisse und seine Lieben zu schützen. Insgesamt ist es jedoch sehr deprimierend zu verkraften, wie sich die Charaktere selbst im Weg stehen und dass nicht alle Handlungsstränge zu einem befriedigenden Ende geführt werden. Die Botschaft des Romans hat sich mir damit nicht erschlossen.