Montag, 31. Oktober 2016

Buchrezension: Jan Costin Wagner - Im Winter der Löwen

Inhalt:

Wie jedes Jahr seit dem Tod seiner Frau rüstet sich Kommissar Kimmo Joentaa für die Einsamkeit der finnischen Weihnachtstage mit einem Glas Milch und einer Flasche Wodka. Aber seine Ruhe wird gestört. Zuerst wird ein Gerichtsmediziner erstochen aufgefunden. Kurz darauf entgeht der bekannteste Talkmoderator des Landes, Kai-Petteri Hämäläinen, nur knapp einem Mordanschlag. Joentaas Team stößt rasch auf eine Verbindung – das Mordopfer war wenige Wochen vor seinem Tod zu Gast in Hämäläinens TV-Show...

Rezension:

Es ist Heiligabend und Kommissar Kimmo Joentaa arbeitet freiwillig, um sich vor der Einsamkeit zu schützen, seit seine Ehefrau Sanna vor drei Jahren an Krebs gestorben ist.
Joentaa wird allerdings keine ruhigen Feuertage in Turku verbringen, da der Gerichtsmediziner, den er auch persönlich kannte, beim Skifahren tot aufgefunden wurde. Er wurde brutal mit mehreren scheinbar wahllosen Messerstichen ermordet. Hinweise auf Täter oder Motiv gibt es keine.
Einen Tag später wird ein Puppenbauer in Helsinki ebenfalls durch Messerstiche getötet. Ermittlungen zum Tathergang und -werkzeug ergeben, dass es sich um denselben Täter handeln muss.
Die Gemeinsamkeit beider Opfer besteht in einem Fernsehauftritt bei dem bekannten Talkmaster Hämälainen. Offenbar muss die Fernsehsendung, in welcher als Laichen präparierte Puppen gezeigt wurden, etwas in dem Täter ausgelöst haben, dass ihn zum zweifachen Mörder hat werden lassen.

"Im Winter der Löwen" ist der dritte Band der Krimireihe um den finnischen Kommissar Joentaa und der erste, den ich gelesen habe. Joentaa ist ein melancholischer Charakter, der in Ruhe ermittelt, ohne sich in den Mittelpunkt zu drängen.
Den Tod seiner Frau hat er offensichtlich noch nicht verkraftet, da er sich an den für ihn traurigen Weihnachtstagen auf eine Liaison mit einer geheimnisvollen Prostituierten, die sich ihm nur als "Larissa" vorstellt und die kommt und geht, wie es ihr gefällt, einlässt.

Der Krimi überzeugt mehr durch den schwermütigen Kommissar und die düstere, atmosphärische Winterstimmung in Finnland, die durch die sprachlich knappe, unblutige Erzählweise hervorgehoben werden. Der Kriminalfall ist im Gegensatz dazu schwach bis langweilig, so dass bei der Tätersuche bei mir wenig Spannung aufkommen mochte und eher die Kritik an den Medien - was im Fernsehen gezeigt werden darf und was besser nicht - in den Mittelpunkt rückte.

Für den Hintergrund zu Joentaa und dem Verständnis für die Handlung um sein Privatleben fehlten mir die beiden vorangegangenen Bände der "Kimmo-Joentaa-Romane".



Samstag, 29. Oktober 2016

Buchrezension: Cheryl Strayed - Wildblumen im Schnee

Inhalt:

Auch wenn das Verhältnis zu ihrer Mutter nicht immer einfach war, so freut sich die 20-jährige College-Studentin Claire Wood auf den Besuch bei ihrer Familie, die in einer ländlichen Gegend Minnesotas wohnt. Was Claire dann aber zu Hause erfährt, zieht ihr den Boden unter den Füßen weg: Ihre Mom Teresa ist unheilbar an Krebs erkrankt – mit nur 38 Jahren. Für die Woods beginnt eine Zeit der Angst und Verzweiflung. Während ihr Stiefvater Bruce beinahe am Leid seiner Frau zerbricht und ihr jüngerer Bruder Josh sich ganz zurückzieht, versucht Claire, die Familie zusammenzuhalten. Denn sie erkennt: Auch im größten Kummer entsteht Hoffnung, wenn man füreinander da ist...

Rezension:

Teresa ist 38 Jahre alt als sie erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. Um ihren beiden erwachsenen Kindern die traurige Nachricht mitzuteilen, bittet sie ihre Tochter Claire, die wegen ihres Studiums nach Minneapolis gezogen ist, nach Midden zu kommen. Als es Teresa sehr schnell schlechter geht und sie auf eine Palliativstation verlegt wird, pausiert Claire ihr Studium und verbringt den ganzen Tag im Krankenhaus ihrer Mutter. Ihr Stiefvater Bruce weicht in den Nächten nicht von der Seite seiner geliebten Frau. In Gedanken plant er bereits seinen Selbstmord, wenn Teresa nicht mehr bei ihm ist. Der 17-jährige Sohn Joshua verkraftet es nicht seine Mutter im Krankenhaus zu besuchen. Er schwänzt die Schule, betäubt sich mit Marihuana und beginnt damit, Drogen zu dealen. Claire flüchtet sich in eine Affäre mit einem älteren Mann, dessen Frau auch im Sterben liegt. Ihre Beziehung zu ihrem Freund Daniel zerbricht an dem Seitensprung.

"Wildblumen im Schnee" ist ein trauriger und auf mich trostlos wirkender Roman. Er beginnt mit der niederschmetternden Diagnose der unheilbaren Krebserkrankung und dem daran anschließenden Krankenhausaufenthalt von Teresa, die aufgrund der Einnahme schwerer Schmerzmittel bald nicht mehr klar bei Bewusstsein ist. Für die Familie ist der frühe Tod von Teresa ein Verlust, mit dem sie nicht umgehen können. Jeder trauert für sich allein auf seine eigene Weise, gegenseitig sind sie sich keine Unterstützung. Josh verstrickt sich in einem Sumpf aus Drogen und Lügen und versteckt sich regelrecht vor seiner Familie und seiner Freundin Lisa. Claire nimmt ihr Studium nicht wieder auf, arbeitet als Kellnerin und versucht den Schmerz und die Trauer durch den Sex mit Bill zu übertünchen.

Beide Kinder sind entsetzt, als ihr Stiefvater, den sie wie einen leiblichen Vater geliebt haben, ihnen zwei Monate nach dem Tod von Teresa berichtet, eine Nachbarin geheiratet zu haben.

Ich empfinde den Klappentext als missverständlich, da ich nicht den Eindruck hatte, dass Claire sich um einen Zusammenhalt der Familie bemüht hat oder dass der Roman Hoffnung vermittelt. Ich empfand neben dem Tod der Mutter vor allem den Trauerprozess der Hinterbliebenen als deprimierend, hoffnungs- und perspektivlos. Es hatte fast den Anschein, als sei mit Teresas Tod auch das Leben von Bruce, Claire und Josh vorbei und jede Aussicht auf ein Fünkchen Glück verwehrt.

"Wildblumen im Schnee" ist insofern eine sehr emotionale, authentisch und eindringlich beschriebene Geschichte über eine Familie, die am Tod eines Angehörigen zerbricht.
Mir persönlich war der Roman in seiner Länge zu deprimierend, auch wenn es ganz am Ende doch noch einen Lichtblick gab.


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Buchrezension: Julia Hanel - Liebe, Zimt und Zucker

Inhalt:
Wenn das Leben dir nur schwarzen Kaffee gibt, frag nach Zimt und Zucker!

Marit zieht für ihre große Liebe extra von Hamburg in die Kleinstadt. Doch dann verlässt Tobias sie von einen Tag auf den anderen und Marit steht vor dem nichts. Spontan nimmt sie einen Job im Coffeeshop an, was eigentlich so gar nicht ihr Ding ist. Und während sie sich mit ihrem dauerentspannten Kollegen Moritz und den anderen skurrilen Kleinstadtbewohnern herumschlägt, tritt plötzlich ein ganz neuer Mann in ihr Leben. Als sie im Coffeeshop einen USB-Stick findet, macht sie sich auf die Suche nach dessen Besitzer. Mit Julian hat sie zunächst nur per E-Mail Kontakt, doch Marit merkt, dass sie mehr möchte. Von Julian, vom Leben.

Rezension:

Marit zieht der Liebe wegen nach Beendigung ihres Studiums von Hamburg ins ländliche Altberg und wird dort prompt von ihrer großen Liebe Toby, dem "Würstchenköng", abserviert. In der Hoffnung, dass es sich Toby doch noch anders überlegen könnte, bleibt sie in der Kleinstadt, wo sie schon fast familiär aufgenommen wird. Enttäuscht und desillusioniert zieht sie in eine kleine Kellerwohnung und nimmt einen Job in einem Coffeeshop an. Ihre Schichten teilt sie sich mit Moritz, der das "Fischköpfchen" für spießig hält und der scheinbar jedes Wochenende eine andere Affäre hat.

Als Marit im Café einen USB-Stick findet, nimmt sie Kontakt zu dem Besitzer auf und steht mit ihm in einem fortlaufenden E-Mail-Kontakt, der sich zu einem unterhaltsamen Flirt mit dem charmanten Julian aus Berlin entwickelt.

Marit taut mit der Zeit auf, geht aus sich heraus und knüpft erste Freundschaften in Altberg. Zu spät merkt sie, dass die liebenswürdige Tessa, die ihr sogar einen Job bei der örtlichen Zeitung besorgt, die Verlobte ihres Exfreundes ist...

Julian ist zwar ein hervorragender Online-Flirtpartner, in der Realität verspürt Marit aber nicht das nötige Herzklopfen, auch wenn sie mit Toby inzwischen abgeschlossen hat und über die enttäuschende Trennung hinweg ist. Zudem scheint Julian auch mehr als nur der E-Mail-Kontakt zu Marit mit Altberg zu verbinden...

Mit Moritz gehen die Kabbeleien und verbalen Gefechte im Coffeeshop weiter bis es zu den ersten Annäherungsversuchen nach Feierabend kommt und Marit überhaupt nicht mehr weiß, woran die mit dem dann wieder betont coolen und sehr abweisenden Moritz ist.

"Liebe, Zimt und Zucker" ist ein Roman, wie ich schon einige gelesen habe: Eine junge Frau wird von der Liebe enttäuscht und steht an einem Neuanfang, bei dem ihr ein Mann begegnet, der eigentlich so gar nicht zu ihr passt.
Julia Hanel hat diese Geschichte aber so humorvoll und mit viel Wortwitz aufgelockert, dass die Seiten beim Lesen nur so dahinfliegen. Der Roman enthält Details, die über eine reine Liebesgeschichte hinausgehen, überraschende Wendungen und überzeugt darüber hinaus durch sympathische Charaktere, mit denen man als Leser gerne mitfiebert und mitfühlt. 

"Liebe, Zimt und Zucker" ist für mich nicht nur eine süße und amüsante Lovestory, sondern ein überraschend spritziger Roman, der mich bis zum Schluss sehr gut unterhalten hat und bei dem ich regelrecht enttäuscht war, dass der am Ende fast zu schnell vorbei war. Nicht nur zu einer Tasse Cappuccino-Tiramisu ein Liebesschmöker für den tristen Herbst!


Montag, 24. Oktober 2016

Buchrezension: Zoran Drvenkar - Still

Inhalt:

Wenn es Winter wird und Schnee und Eis alle Spuren verwischen, erwacht in den einsamen Wäldern Brandenburgs das Böse. Über Nacht verschwinden auf mysteriöse Weise Kinder. Nur ein einziges Mädchen taucht unerwartet und verstört wieder auf, ihre Lippen sind seitdem verschlossen. Ein verzweifelter Vater beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Doch damit dreht sich die Spirale des Bösen nur noch schneller.

Rezension:

Jahrelang verschwinden im Raum Berlin/ Brandenburg jeden Winter Kinder. Die ermittelnden Behörden konnten bisher weder belegen, dass die Taten in einem Zusammenhang stehen noch den oder die Täter dingfest machen.
Mika Stellar, der dem Leser nur unter seiner neuen Identität bekannt gemacht wird, hat den Glauben an die Polizei verloren und ermittelt auf eigene Faust, um das Verschwinden seiner Tochter aufzuklären. Er geht davon aus, dass seine Tochter von einer Bande Pädophiler entführt wurde und begibt sich selbst in dieses Milieu.

Während seiner Suche trifft er auf Lucia, ein Mädchen, das vor sechs Jahren entführt worden ist, als einzige der verschwundenen Kinder jedoch entkommen konnte. Seit diesem Zeitpunkt schweigt sie und lebt wie erstarrt in einem Pflegeheim. Mika versucht ihr zu helfen, um ihr Schweigen zu brechen, in der Hoffnung, etwas über die Täter und den Verbleib seiner Tochter zu erfahren.

Der Thriller ist raffiniert aufgebaut und wird aus den Perspektiven ICH, DU, SIE erzählt. Zu Beginn tappt man als Leser im Dunkeln, wodurch von Anfang an Spannung aufgebaut wird, die sich bis zum Ende durchzieht. Nach und nach stellt sich heraus, wer sich dahinter verbirgt und welche grausame Geschichte sie erzählen.
"Still" ist so kalt wie die Jahreszeit, in der er spielt: Kälte, Schnee und Eis prägen das Landschaftsbild in den Wäldern Brandenburgs.

Zoran Drvenkar stellt die Brutalität der Verbrechen grausam subtil dar, was besonders beklemmend wirkt, da es sich bei den Opfern um Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren handelt, die mitunter selbst völlig verstört als Täter missbraucht werden.
So entwickelt sich ein spannendes Katz- und Mausspiel von Jägern und Gejagten, die den Gegebenheiten der Natur unerbittlich trotzen müssen.
Rachegelüste und der Wunsch nach Vergeltung prägen darüber hinaus das Verhalten von Mika, "ICH", der nichts mehr zu verlieren hat.

"Hass ist, was bleibt, wenn dir alles genommen wurde."

"Still" ist ein hochspannender, stilistisch außergewöhnlich geschriebener Thriller über den Abschaum der Gesellschaft, der zwar brutal ist, aber auf reißerische, quälende Details verzichtet.


Samstag, 22. Oktober 2016

Buchrezension: Charlotte Lucas - Dein perfektes Jahr

Inhalt:

Ein hinreißend schöner Roman über einen Mann, eine Frau und die wirklich wichtigen Fragen im Leben.
Was ist der Sinn deines Lebens? Falls Jonathan Grief jemals die Antwort auf diese Frage wusste, hat er sie schon lange vergessen.
Was ist der Sinn deines Lebens? Für Hannah Marx ist die Sache klar. Das Gute sehen. Die Zeit voll auskosten. Das Hier und Jetzt genießen. Und vielleicht auch so spontane Dinge tun, wie barfuß über eine Blumenwiese zu laufen.
Doch manchmal stellt das Schicksal alles infrage, woran du glaubst ...
Charlotte Lucas ist das Pseudonym der Bestsellerautorin Wiebke Lorenz. Ihr neuer Roman Dein perfektes Jahr wird Fans von klugen Liebesromanen verzaubern.

Rezension:


Jonathan N. Grief ist Anfang 40 und lebt ein sehr monotones Leben ohne Highlights. Seitdem sein Vater an Demenz erkrankt ist, hat er in Familientradition die Führung des Verlags "Griefson & Books" übernommen, überlässt die Geschäftsführung aber anderen. Seinen Alltag verbringt er mit joggen, Zeitung lesen und dem Verfassen von Beschwerdemails und -briefen.

Sein Leben ändert sich, als er bei seiner morgendlichen Joggingrunde an der Alster ein Filofax findet. Das Besondere an dem Jahresplaner ist, dass er bereits für das neu angefangene Jahr komplett ausgefüllt ist. Die Einträge beginnen jeweils mit einem Sinnspruch und bieten dann Anregungen, um ein unbeschwerteres Leben zu führen oder vereinbarte Termine des Besitzers.

Jonathan ist bemüht, den Besitzer des Filofaxes zu finden und fühlt sich dem Kalender bald so verbunden, dass er ihn nicht einfach in einem anonymen Fundbüro abgeben möchte. Jeden Morgen widmet er sich dem Eintrag für den jeweiligen Tag und nimmt die eingetragenen Termine wahr, um den Besitzer doch noch ausfindig machen zu können.

Durch die Anregungen in dem Kalender krempelt Jonathan sein eintöniges Leben um. Er hinterfragt die Dinge, die er bisher aus Pflichtbewusstsein und Gewohnheit gemacht hat und nimmt viel aktiver am Leben teil.

Hannah ist Ende 20, lebt auch in Hamburg und sieht im Gegensatz zu Griesgram Jonathan immer nur das Positive im Leben. Sie hat sich gerade zusammen mit ihrer Freundin Lisa selbstständig gemacht und ist stolze Inhaberin der Kinder-Event-Tagesstätte "Rasselbande". Als ihr Freund Simon, von dem sie nur noch auf einen Heiratsantrag gewartet hatte, schwer erkrankt und sich aufgibt, versucht Hannah alles daran zu setzen, Simon wieder neuen Lebensmut zu verleihen und ihm "sein perfektes Jahr" zu gestalten.

Die beiden Handlungsstränge verlaufen zunächst parallel und zeitversetzt nebeneinander, bevor sie miteinander verknüpft werden.

Charlotte Lucas ist das Pseudonym der Autorin Wiebke Lorenz, die durch Psychothriller wie "Bald ruhest du auch" bekannt ist.

"Dein perfektes Jahr" gehört einem komplett anderen Genre an und ist ein ganz zauberhaftes Buch. Die Geschichte der beiden völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten Jonathan und Hannah ist berührend - einerseits traurig und nachdenklich machend, andererseits aber auch leichtfüßig und mit Witz geschrieben.

Die Charaktere sind authentisch und jeder auf seine Weise sympathisch. Trotz der vordergründig ernsten Themen wie Trauer, Einsamkeit, Abschied und der Frage nach dem Sinn des Lebens, ist der Roman nicht bedrückend, sondern hinterlässt den Leser mit einer positiven Sicht auf das Leben und vertrauen in das Schicksal zu haben. Er ermutigt dazu, das Leben, das sich von einem Tag auf den anderen ändern kann, zu genießen und all die Dinge zu hinterfragen, die man nur noch automatisch macht, aber nicht gerne tut.
Alle Verpflichtungen können selbstverständlich nicht wegfallen, aber vielleicht sollte man einfach nur mehr von den Dingen tun, "für die man brennt" (S. 269).


Mittwoch, 19. Oktober 2016

Buchrezension: Petra Durst-Benning - Das Weihnachtsdorf

Inhalt:

Es ist Anfang Dezember im malerischen Allgäu. Maierhofen liegt friedlich im Schnee, Kerzenlicht funkelt in den Häusern. Der Trubel des Sommers ist längst vorbei, das große Kräuter-der-Provinz-Festival nur noch eine schöne Erinnerung. Langweilig wird es im Genießerdorf jedoch lange nicht, denn der erste Weihnachtsmarkt steht bevor. Wenn es nach Werbefrau Greta geht, haben dort Plastik-Nikoläuse und billiger Glühwein nichts verloren. Wird es aber den Maierhofenern gelingen, das Wahre und Gute in den Winter hinüberzuretten? Therese freut sich auf Feiertage in trauter Zweisamkeit, doch jemand will ihre Pläne durchkreuzen. Und während es Christine vor ihrem ersten Fest alleine graut, werden Roswitha und Edy auf die Probe gestellt. Junges Liebesglück, neue Sehnsüchte und zerschlagene Hoffnungen brauen sich zusammen wie Winterstürme. Wie viele kleine Wunder braucht es für das große Glück?

Rezension: 

Nachdem das "Kräuter-der-Provinz-Fest" im Sommer im Genießerdorf so erfolgreich verlaufen ist, sind die Bewohner Maierhofens Anfang Dezember mit den Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt beschäftigt.

Alle Geschäftsinhaber sind erneut involviert und werden ihre kulinarischen Köstlichkeiten wie die vegane Vurst von Edy, Kesselchips von Roswitha und Kräutersalze von Christine anbieten.

Neben dem beruflichen Stress in der Vorweihnachtszeit haben die Maierhofener jeweils mit ihren privaten Problemen zu kämpfen. Nachdem Therese ihre Krebserkrankung überstanden hat, möchte sie Weihnachten in trauter Zweisamkeit mit ihrem Lebensgefährten Sam verbringen und ihren Gasthof bis nach Neujahr schließen. Die von ihrem Ehemann frisch verlassene Christine möchte Weihnachten erstmalig allein mit ihren erwachsenen Töchtern verbringen, denen es aber an nichts fehlen soll. Roswitha wird neben dem Hof von ihren dementen Eltern bis zur Selbstaufgabe gefordert und hat den Verdacht, dass Edy sie betrügt.
Ich habe den ersten Teil der Maierhofener-Reihe "Kräuter der Provinz" nicht gelesen, habe aber dennoch schnell in den kurzen Roman hineingefunden, auch wenn mir alle Hintergründe der zugegebenermaßen sehr vielen handelnden Personen nicht bekannt waren. Durch die lebendige Erzählweise der Autorin lernt man aber jeden individuellen und authentisch gezeichneten Charakter schnell kennen.

"Das Weihnachtsdorf" ist ein Roman perfekt für die Adventszeit bzw. um sich in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Wie in allen Familien ist auch in Maierhofen die Vorweihnachtszeit geprägt von beruflichem und emotionalen Stress und alles andere als besinnlich.
Das Buch ist mit nicht einmal 300 Seiten sehr kurz, weshalb die Handlung, aufgeteilt auf so viele Charaktere, knapp ist und oberflächlich bleibt, was ich sehr schade finde, da jede einzelne Geschichte noch Potenzial für mehr Tiefe bietet.

Eine schöne Ergänzung sind die weihnachtlichen Rezepte im Anhang, die von den Protagonisten selbst stammen und neben verschiedenen Rezepten für Glühwein oder weihnachtliches Gebäck, auch Rezepte für ein veganes Weihnachtsfest enthalten.

Für mich ist das Buch eher eine Art Adventskalenderbuch, mit dem man sich kapitelweise durch den Advent begleiten kann. Als Roman entwickelt mir "Das Weihnachtsdorf" zu wenig Handlung.
Aufgrund der Altersstruktur der Protagonist(inne)n lege ich ihn vor allem kulinarisch interessierten Frauen ab Ende 40 ans Herz.


Montag, 17. Oktober 2016

Buchrezension: Nicolas Barreau - Das Café der kleinen Wunder

Inhalt:

Eleonore Delacourt ist 25, mag alte Bücher, liebt die Langsamkeit, misstraut schönen Männern, ist heimlich in ihren Philosophieprofessor verliebt, glaubt an Zeichen und würde niemals, nie und unter keinen Umständen ein Flugzeug besteigen. Und leider ist Nelly, wie sie sich selbst nur nennt, nicht so beherzt wie die geliebte Großmutter aus dem bretonischen Finisterre, die ihr einen alten Granatring hinterlassen hat, in dem AMOR VINCIT OMNIA steht. Auf jeden Fall ist Nelly nicht der Typ, der an einem kalten Januarmorgen alle Ersparnisse abhebt, eine rote Handtasche kauft, das winterliche Paris verlässt und einfach so mit dem Zug davonfährt – nach Venedig. Aber manchmal passieren Dinge im Leben. Dinge wie ein schlimmer Husten und ein noch schlimmerer Liebeskummer. Dinge wie ein rätselhafter Satz in einem alten Buch ... Warum in Venedig dann alles ganz anders ist als erwartet, warum es durchaus einen Sinn haben kann, seine Handtasche in den Canal Grande fallen zu lassen, sich einem unverschämt gutaussehenden Venezianer anzuvertrauen und überhaupt ganz und gar den Boden unter den Füßen zu verlieren, erzählt diese entzückende Liebesgeschichte, die ihre Leser mitnimmt auf eine Reise von Nord nach Süd und geradewegs in ein kleines Café, in dem Geheimnisse warten und Wunder möglich sind.

Rezension:

Eleonore Delacourt, genannt Nelly, ist 25 Jahre alt, arbeitet gerade an ihrer Masterarbeit in Philosophie und ist heimlich in ihren deutlich älteren Professor verliebt. Dieser hat aber nicht mehr als fürsorgliche Gefühle für seine zurückhaltende, fleißige und viel zu wenig lachende Assistentin übrig.

Als sich der Professor in eine Kollegin verliebt und plant, zu der hübschen Italienerin nach Bologna zu ziehen, zieht sich Nelly noch weiter in ihr Schneckenhaus zurück. In ihrer Wohnung findet sie in einer alten Bücherkiste ihrer verstorbenen Großmutter ein Buch mit einer Widmung, die identisch ist mit der Inschrift auf dem Granatring, den sie von dieser vor Jahren geschenkt bekommen hat.

Auf den Spuren ihrer Großmutter reist Nelly spontan und völlig untypisch für ihr Wesen nach Venedig, wo sie dem gutaussehenden und charmanten Valentino begegnet, der unverhohlen sein Interesse für Nelly zeigt. Diese misstraut jedoch grundsätzlich attraktiven Männern und hat ihr Herz zudem noch an den Professor verloren. Aufgrund mehrerer Zufälle - sei es der Verlust ihrer neuen Handtasche oder das Auffinden eines kleinen Cafés mit einer Bücherecke abseits des Touristenviertels - scheint kein Weg an Valentino vorbeizuführen. Darüber hinaus erfährt Nelly Details über ihre Großmutter, die in ihrer Jugend eine Zeit in Venedig verbracht hatte und eine eine tragische Liebesgeschichte.

Protagonistin Nelly ist eine ängstliche, sehr passive junge Frau, die sich und ihrem Glück am meisten selbst im Weg steht. Sie liebt die Langsamkeit, misstraut gut aussehenden Männern und verliebt sich deshalb in ihren wenig attraktiven, leicht gehbehinderten Professor. Ihre einzige Vertraute scheint ihre Cousine Jeanne zu sein, nachdem nach ihren Eltern auch ihre geliebte Großmutter verstorben ist. Darüber hinaus ist Nelly eine verträumte Romantikerin, die an Zeichen und das Schicksal glaubt. Nach ihrer abrupten Abreise aus Paris findet sie solche Zeichen in Venedig und lässt sich von ihnen leiten. Sie wird wagemutiger, legt ihre unbegründeten Ängste ab und öffnet sich selbst für die Liebe.

Ich habe bereits zwei Romane gelesen, die unter dem Pseudonym Nicolas Barreau, einem Garanten für romantische Liebesgeschichten, die in der Regel in Paris handeln, erschienen sind. "Das Café der kleinen Wunder" ist dabei das langweiligste und von der Handlung vorhersehbarste der Bücher.

In Bezug auf die Liebesgeschichte der Protagonistin wollte der Funke bei mir nicht überspringen. Die Erzählung um ihre Großmutter, das Rätsel um das Buch und das kleine Café, fand ich wenig herausragend und würde die Auflösung der Geheimnisse nicht als Wunder bezeichnen. Auch was als Schicksal formuliert ist, sind für mich vielmehr sehr sehr viele Zufälle, die sich in Venedig aneinanderreihen.

Mir haben in dem Roman die Überraschungsmomente, Irrungen und Wendungen und für einen Liebesroman die nötige Portion Leidenschaft gefehlt. Zudem fand ich die fast schon penetrant neugierig machen wollenden Beendigungen der Kapitel mit Ankündigungen für die weitere Geschichte störend und als literarisches Stilmittel holprig.

Samstag, 15. Oktober 2016

Buchrezension: Laura Tait & Jimmy Rice - Alles, was vielleicht für immer ist

Inhalt:

Rebecca und Ben ergänzen sich perfekt: Er weint manchmal, wenn er kitschige Liebesfilme sieht. Ihre Augen tränen noch nicht mal beim Zwiebelschneiden. Während sie als Architektin Karriere macht, weiß er nicht so genau, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Ihm fällt es leicht, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie hasst Small Talk. Genau aus diesen Gründen sind die beiden das perfekte Paar. Nichts kann sie auseinanderbringen. Das glauben sie zumindest.
Wenn da nur nicht diese eine Sache wäre, die Ben Rebecca eigentlich noch hätte sagen müssen und die sie schließlich selbst herausfindet. Auf einmal sind die beiden gezwungen, alles zu hinterfragen, was sie je voneinander wussten ...

Rezension:

Das Buch beginnt mit einem Rückblick elf Monate zuvor, das sich Ben und Rebecca kennen lernten. Rebecca ist ein wenig unnahbar und hat Schwierigkeiten damit, Gefühle zu zeigen und sich anderen gegenüber zu öffnen. Sie lebt für ihren Beruf als Architektin. Ben ist ein eher unsteter Charakter, der im Leben noch kein Ziel vor Augen hat.

In der Gegenwart machen sich beide jeweils für sich ihre Gedanken darüber, ob sie zusammenziehen sollten, trauen sich aber nicht das Thema offen anzusprechen, als würden sie mit der Ablehnung des anderen rechnen. Man spürt als Leser von Anfang an eine Unsicherheit zwischen den beiden.

Am Geburtstag von Ben kommt es zu einem heftigen Streit, als Rebecca erfährt, dass Ben mit ihrer besten Freundin Danielle geschlafen hat - am Abend, als sie sich kennen gelernt haben. Rebecca sieht dies als Vertrauensbruch, da Ben immer so getan hat, als wäre Danielle ihm egal. Dass es sich um keinen klassischen Seitensprung handelt, da Ben und Rebecca zu dem Zeitpunkt noch gar nicht zusammen waren, spielt keine Rolle. Rebecca bricht jeglichen Kontakt zu Ben ab und lässt keinen an sich heran. Sie trinkt zu viel Alkohol und vernachlässigt ihr Kino-Projekt als Architektin. Auch Ben leidet, versucht aber nicht, um Rebecca zu kämpfen oder sich um eine Aussprache zu bemühen.

Die Geschichte ist stellenweise zäh, da beide Personen auf ihrem Standpunkt beharren und die Handlung nicht weitergehen mag. Als Leser ist man vor allem von der Sturheit Rebeccas fast schon genervt und würde beiden Protagonisten aufgrund ihrer Lethargie am liebsten in den Allerwertesten treten.

Als Ben nach einem ersten Gespräch mit seinem besten Freund Jamie die Kurve kriegt, seinen Job kündigt und beschließt, sich mit Jamie, der bereits Inhaber der Bar Arch 13 ist, als Koch selbstständig zu machen und auch Rebecca nicht mehr zum Whiskey greift, sondern wieder geradlinig ihrer Arbeit nachgeht und sogar ein Date hat, wird die Geschichte deutlich lebhafter. Insbesondere Kollegin Jemma, die auf den ersten Eindruck eher einfältig wirkt, aber mit der sich Rebecca zunehmend anfreundet, bringt durch ihre flapsigen Sprüche Witz in die Handlung.

Am Ende bringt ein einschneidendes, sehr trauriges Ereignis alle Beteiligten zum Nachdenken und es scheint, als würden auch Rebecca und Ben wieder einen Weg zueinander finden. 

"Alles was vielleicht für immer ist" ist ein moderner Beziehungsroman über in junges Paar und über den hohen Stellenwert von echten Freundschaften.
Die Kapitel sind anwechselnd von Laura Tait aus der Sicht von Rebecca bzw. von Jimmy Rice aus der Perspektive von Ben geschrieben, was sich im Lesefluss allerdings nicht durch einen unterschiedlichen Schreibstil bemerkbar macht.

Der Roman hatte zwar wie beschrieben in der Mitte des Buches seine Längen, aber durch die Ereignisse und Wendungen im letzten Drittel wettgemacht wurden. Dennoch endete die Geschichte zwischen Rebecca und Ben für mich zu abrupt.
Insgesamt hat mir das gewisse Etwas gefehlt, mit dem sich der Roman von anderen des Genres abheben würde.


Mittwoch, 12. Oktober 2016

Buchrezension: Sonja Vucovic - Gegessen: Wer schön sein will, muss leiden, sagt der Schmerz...

 

Inhalt:

Ausgekotzt - Ein Leben nach Missbrauch und Bulimie
In Deutschland leiden immer mehr Mädchen und Jungen in immer jüngeren Jahren an Essstörungen. Eine davon war Sonja Vukovic, sie litt dreizehn Jahre an Anorexie und Bulimie. Bis sie sich endlich traute, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Mit ihrer eigenen Geschichte offenbart die heute Einunddreißigjährige schonungslos die Schrecken einer Essstörung, die sie fast ihr Leben gekostet hätte. Immer auf der Grenze zwischen Rausch und Krankheit führt Vukovic uns tief in ein Unheil hinein, in das jeder von uns stürzen könnte - und zeigt, wie sie es in ein gesundes und glückliches Leben schaffte.

Sonja Vukovic schreibt so fesselnd, dass man als Leser geradezu süchtig danach wird, zu erfahren, wie ihre Geschichte weitergeht. Zwischen Scheitern und Sehnen, Verzweiflung und Erwartung bricht Vukovic Tabus, macht Betroffenen Hoffnung und legt den Finger in die Wunde der Gesellschaft, die dem Rausch huldigt, Süchtige aber verachtet.

Sonja Vukovic hat als Journalistin mit Schwerpunkt Biografie, Gesellschaftskritik und Sozialpolitik bereits für "Die Welt", "stern.de" und "Spiegel" geschrieben. Sie wurde mit dem "Grimme Online Award" und dem "Axel-Springer-Preis" ausgezeichnet. 2013 erschien ihr internationaler Bestseller "Christiane F. - Mein zweites Leben". Nach dem Aufbau der "F. Foundation" für Suchtprävention und -aufklärung schreibt sie nun an weiteren Büchern. Heute lebt Sonja Vukovic in Berlin und ist Mutter einer Tochter.


Rezension: 

Sonja Vucovic erzählt ihre eigene Geschichte, was das Buch so authentisch macht. Man spürt auf jeder Seite, dass Sonja das Erzählte selbst erlebt und durchgemacht hat. 

Die Autobiographie ist wie ein Roman geschrieben und deshalb lebhaft und flüssig zu lesen. Es beginnt mit Sonjas Aufenthalt in den USA als Au-Pair. Dort wird sie mit 16 Jahren als Bulimikerin geoutet. Die Familie in Kalifornien nimmt das wahr, was ihre leiblichen Eltern nicht gesehen haben: Sonja macht viel Sport, isst kontrolliert in Gesellschaft und stopft heimlich Kalorisches in sich hinein, um es wenig später zu erbrechen. 

Ihr Auslandsaufenthalt wird abgebrochen. Zurück in Deutschland macht Sonja verschiedene Formen der Therapie. Sie wird zunächst in eine therapeutische Wohngemeinschaft für Essgestörte aufgenommen, die von Ärzten und Psychotherapeuten begleitet wird. In der Gemeinschaft mit den Essgestörten dreht sich unter den Mädchen alles um das Thema Essen. Die Jugendlichen vergleichen sich untereinander und sind stolz darauf, wenn sie wieder ein Kilo abgenommen haben und in eine kleinere Hosengröße passen. Sonja bildet da keine Ausnahme, sie ist regelrecht froh, dass man ihr die Erkrankung ansieht. 
Als sie immer weiter abnimmt, wird sie stationär in eine Klinik aufgenommen und mit einer Magensonde ernährt. Angefüttert zurück in der WG reflektiert sie, dass sie hier nicht gesunden kann. Unter der Voraussetzung einer ambulanten Therapie darf sie in eine eigene kleine Wohnung ziehen. 

Sonja möchte als Journalistin arbeiten und erhält einen Praktikumsplatz in Berlin. Dort lernt sie Constantin kennen, der ihr zum ersten Mal das Gefühl  von Wärme und Geborgenheit in ihrem Leben vermittelt, das ihre Eltern, die selbst krank sind (der Vater Alkoholiker, die Mutter depressiv), ihr nicht geben konnten. 
Aber auch die Beziehung zu Constantin ist nicht gesund. Während er nach Ruhm und Erfolg süchtig ist, ist Sonja weiterhin süchtig nach essen und erbrechen. Ihre Sucht verlagert sich zudem, in dem sie durch Constantin in den Sumpf aus Drogen gerät

13 Jahre werden geschildert, die dem Leser offenbaren, wie jemand an Bulimie und Anorexie erkrankt und was die Auslöser dieser Suche nach Erleichterung sind. Sonja Vucovic berichtet schonungslos ehrlich und tabulos ohne Scham über ihre eigene Biographie. 

Das Buch ist nicht nur für Betroffene von Essstörungen eine Möglichkeit, das Schicksal einer Leidensgenossin zu erfahren, sondern bietet auch für Angehörige - und Co-Abhängige - einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt einer Essgestörten. 

Darüber hinaus stellt Sonja Vucovic sehr gut dar, dass Bulimie bzw. Anorexie eine Krankheit ist, die sich kein Mensch freiwillig ausgesucht hat. Leider werden Essstörungen in der Gesellschaft häufig nicht als psychische Erkrankung wahrgenommen, sondern Teenager oder jungen Frauen der Vorwurf gemacht, einem falschen Körperbild und Modelmaßen nachzueifern. Wenn man den Hintergrund von Sonja Vucovic mit dem sexuellen Missbrauch durch ihren Sporttrainer kennt, wird klar, dass sie durch ihre Ess-Brechsucht in einen Rauschzustand geflohen hat, der ihr vermutlich von ihrem Vater vorgelebt wurde. 

Für Angehörige ist diese Buch im Vergleich zu vielen anderen Büchern über Essgestörte am Ende weniger bedrückend, da Sonja Vucovic sich mit Ende 20 als gesund bezeichnet und mit 31 Jahren glücklich verheiratet und Mutter einer Tochter ist. Für sie gibt es nach einem langen Leidensweg, den zu überwinden es viel Kraft und vor allem Mitgefühl für sich selbst braucht, ein Leben nach der Essstörung. 
"Gegessen" ist insofern ein mutiges Buch, das Mut macht!