Freitag, 12. Juni 2026

Buchrezension: Cassandra Brunstedt - Zwischen Himmel und hier

Inhalt:

Majlis will nicht sterben. Sie liebt ihr ruhiges Leben mit ihrem alten Kater Gulliver und ihrer besten Freundin Siv ganz im Norden von Schweden. Und sie wünscht sich nichts mehr, als ihr Enkelkind im Arm zu halten und aufwachsen zu sehen. Dennoch hat sie einen Termin in einer Schweizer Klinik vereinbart, denn sie weiß, dass ihr Körper sie bald Stück für Stück im Stich lassen wird.
Doch Tochter Ronja macht ihr einen Strich durch die Rechnung, als sie Majlis anfleht, nach Stockholm zu kommen und ihr mit dem Baby zu helfen. Majlis' Entschluss akzeptiert sie nicht: Gesunde Ernährung und allerlei andere Regeln sollen das Leben der Mutter verlängern, eine Reise soll besondere Erinnerungen schaffen. Erst als die Frauen gemeinsam nach Norrland in Majlis' Zuhause zurückkehren, erkennen sie, was das Leben wirklich lebenswert macht. 

Rezension: 

Majlis hatte sich bereits auf ihren nahenden Tod aufgrund einer schweren Erkrankung vorbereitet, ist in den Ruhestand eingetreten und hat einen Termin für ihren Sterbetag im kommenden Mai in der Schweiz. 
Als sie eine Nachricht ihrer Tochter Ronja erhält, die gerade zum ersten Mal entbunden hat, beschließt sie, zu ihr nach Stockholm zu fahren und ihr mit dem Baby zu helfen. Ronja weiß allerdings noch nichts von ihrer Krankheit und dem Entschluss, ihr Leben auf eigenen Wunsch zu beenden. Lange kann Majlis die Symptome nicht verbergen und muss sich offenbaren. Ronja, die noch nicht bereit ist, ein Ende zu akzeptieren, versucht ihre Mutter gesundheitsfördernden Maßnahmen zu unterziehen, bis sie erkennt, dass sie die gemeinsame Zeit besser nutzen könnten.  

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Mutter und Tochter geschildert, was tiefe Einblicke in ihre Emotionen und Gedanken ermöglicht. Beide stehen vor großen Veränderungen, mit denen sie umgehen müssen. 
Sowohl Majlis als auch Ronja sind authentisch gezeichnet und glaubwürdige, lebendige Charaktere, in deren Alltag man problemlos eintaucht. Während Ronjas Leben in Stockholm Turbulenzen erfährt und sie zwischen dem lang ersehnten Mutterglück und der Verzweiflung über ihre Ehe steht, ist Majlis schon an einem Punkt angelangt, wo sie mit sich und ihrem nahenden Lebensende im Reinen ist. 

"Zwischen Himmel und hier" ist einfühlsam und warmherzig beschrieben und kommt trotz der schweren Themen ohne übertriebene Dramatik aus. So ist die Geschichte auch weniger traurig als erwartet, denn Majlis Krankheit und der Tod stehen trotz des unausweichlichen Schicksals zunächst gar nicht so sehr im Vordergrund. Dafür sorgen neben der bis dato unkomplizierten und innigen Mutter-Tochter-Beziehung auch die Nebencharaktere, die eine mitreißende positive Ausstrahlung haben und die Prämisse, nicht gegen das Unausweichliche zu kämpfen, sondern das beste aus der verbleibenden Zeit zu machen, ohne eine gekünstelte Bucketlist zu erstellen. 

Es ist ein berührendes, hoffnungsvolles Buch über das Abschied nehmen, auch wenn es schwerfällt, loszulassen. Neben dem Tod und dem Ausblick auf ein Leben danach "zwischen Himmel und hier" ist es eine liebevolle Geschichte über Liebe, Freundschaft, familiäre Beziehungen und insbesondere über die Komplexität des Lebens und die Entwicklungen, die wir nicht beeinflussen können. 
Aktive Sterbehilfe, die auch in Schweden verboten ist, und das Recht auf Selbstbestimmung über das eigene Lebensende, werden dabei unaufdringlich und wertfrei mit der Geschichte verbunden. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen