Samstag, 13. Juni 2026

Buchrezension: Lina Bengtsdotter - Waldnacht (Sakka-Pienni-Reihe, Band 1)

Inhalt:

In einer Frühlingsnacht wird eine junge Mutter erschossen in ihrer Luxusvilla im vornehmen Vorort Djursholm aufgefunden. Kriminalinspektorin Sakka Pienni von der Polizei Stockholm, die mit dem Fall betraut wird, sieht sich einem dichten Geflecht aus Geheimnissen und Lügen gegenüber. Und je weiter die Ermittlungen sie einnehmen, desto mehr kehren auch Sakkas eigene Kindheitserinnerungen zurück. Erinnerungen an den dunklen Norden Schwedens. Während sie alles dafür tut, den Mord in Djursholm aufzuklären, wird ihre Angst, sich selbst zu verlieren, immer größer. Und dann geschieht ein weiterer Mord. 

Rezension: 

Eine junge Frau wird in ihrem Wohnhaus, einer Villa im wohlhabenden Stockholmer Stadtteil Djursholm, tot aufgefunden. Im Schlafzimmer befindet sich ihr neugeborener Sohn. 
Kriminalinspektorin Sakka Pienni der Regionalen Ermittlungsgruppe in Stockholm nimmt zusammen mit ihrem Kollegen Eddie die Ermittlungen in dem Mordfall auf. Sie versuchen ein Motiv für die Tat zu finden und stoßen dabei zunächst auf mehrere in Frage kommende Täter, die jedoch alle ein Alibi vorweisen können. 
Sakka ermittelt unermüdlich weiter, wahrend der Fall durch ein weiteres Opfer unübersichtlicher wird und wird dabei zunehmend mit dunklen Erinnerungen an ihre Kindheit in der Heimat in Norrland konfrontiert. Zudem kostet sie der Kampf gegen ihre bipolare Störung, die sie vor ihren Kollegen und selbst ihrem Partner verbirgt, Kraft. 

"Waldnacht” ist der erste Band der skandinavischen Krimireihe um Kriminalinspektorin Sakka Pienni, die einen Mord aufklären soll und zeitgleich mit einem Kindheitstrauma und einer angeschlagenen psychischen Gesundheit umgehen muss. 

Der Roman schildert in der Gegenwart die Verbrechensaufklärung, die vom Schweigen einer streng religiösen Familie und dem abgeschotteten Leben des Opfers behindert wird. Dabei sind die Ermittlungen stark von der Hauptfigur Sakka geprägt, die an ihre psychischen Grenzen gerät und gefährlich nah ab einer manischen Phase impulsiv handelt.
Daneben gibt es einzelne Kapitel aus der Vergangenheit, die von einer einsamen Teenagerin aus unsicheren Familienverhältnissen handeln, die sich einer elitären Gruppe Jugendlicher annähert . 

Das Setting auf beiden Erzählebenen ist düster, rau und melancholisch - typisch nordic noir - und verleiht der Geschichte eine beklemmende Atmosphäre. Sowohl der aktuelle undurchsichtige Fall der grausamen Hinrichtung einer jungen Mutter und die Umstände eines weiteren Todesfalls, als auch die Frage, in welchem Zusammenhang der Erzählstrang um das 14- jährige Mädchen in der Vergangenheit mit diesen Ereignissen steht, sorgen für anhaltende Spannung. 

"Waldnacht” ist ein unblutiger, ruhiger Kriminalroman, in dem nicht allein die Fallaufklärung im Vordergrund steht. Der Roman ist charaktergetrieben, setzt auf Atmosphäre, moralische Dilemma und innere Konflikte statt auf Effekthascherei und actionreiche Fallaufklärung und lässt in Bezug auf nachfolgende Bände Raum für Entwicklung der Hauptfigur, deren Erkrankung gleichzeitig Stärke und Schwäche bei der Arbeit ist. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen