Helgi Reykdal hat sich als Kommissar bei der Polizei in Reykjavík etabliert, nachdem er die Nachfolge von Hulda übernommen hat. Jetzt wird er mit einem ungewöhnlichen Fall betraut: Die 70jährige gefeierte isländische Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir ist spurlos verschwunden. Ist sie freiwillig untergetaucht oder steckt ein Verbrechen dahinter? Während Helgi in Elíns Vergangenheit nachforscht und dabei erstaunliche Ungereimtheiten entdeckt, kämpft er zugleich mit familiären Spannungen. Um sich davon abzulenken, nimmt er immer wieder Krimis seiner Lieblingsautorin Agatha Christie zur Hand und lässt sich davon inspirieren.
Rezension:
Helgi Reykdal übernimmt die Ermittlungen in dem Fall um die verschwundene Autorin Elín S. Jónsdóttir, die in Island für ihre zehnteilige Krimireihe bekannt ist und sich vor einigen Jahren zur Ruhe gesetzt hatte. Sie wurde vermisst gemeldet, nachdem sie eine etablierte regelmäßige Verabredung nicht eingehalten hatte. Nach den ersten Befragungen gibt es keine Hinweise auf ihren Verbleib. Helgi steht unter Druck, herauszufinden, was mit ihr passiert ist, bevor die Presse davon erfährt. Je tiefer Helgi, der selbst ein Faible für Kriminalromane hat, in das Leben der bekannten Schriftstellerin eintaucht, auf desto mehr Ungereimtheiten stößt er. Tatsächlich scheint ihr Leben noch rätselhafter zu sein, als die Geschichten in ihren Büchern.
Neben den schwierigen Ermittlungen hat Helgi auch mit privaten Problemen zu kämpfen, nachdem seine gewalttätige Ex-Freundin ihn nicht in Ruhe lässt.
"Stille" ist nach "Frost" Band 2 der isländischen Krimireihe um Kommissar Helgi Reykdal, der den Posten von Hulda Hermannsdóttir übernommen hat und mit der Lösung des Falls um die vermisste Autorin sein Können unter Beweis stellen möchte.
Der Roman handelt auf mehreren Erzählebenen, wobei Helgis Perspektive im November 2012, seine Ermittlungen, aber auch seine private Seite im Vordergrund stehen. Unterbrochen wird seine Sicht durch ein im Jahr 2005 geführtes Interview einer Journalistin mit Elín Jónsdóttir, das Aufschluss über ihre Persönlichkeit und ihr Wirken gibt. Daneben gibt es Rückblenden in die Jahre 1965 und 1976, einen unglücklich verlaufenen Banküberfall und die späteren Ermittlungen von Hulda.
Die Geschichte wird damit unerwartet vielschichtig, ohne den Fokus zu verlieren. Spannend ist, wie die Kriminalfälle aufgeklärt werden, aber auch, wie die einzelnen Handlungsstränge verknüpft werden. Der rätselhafte Aufbau und die kurzen Kapitel sorgen für einen anhaltenden Lesesog.
Die Stimmung ist passend zu einem Island-Krimi melancholisch und kalt. Neben der winterlichen Witterung tragen die tragischen Schicksale, Einsamkeit und Verletzlichkeit der Personen dazu bei.
Wie von Ragnar Jónasson gewohnt, wird die Geschichte unaufgeregt erzählt, erzeugt aber dennoch ihre Wirkung. Einzelne Aspekte des Plots können erahnt werden, andere werden erst am Ende verknüpft und führen zu einer schlüssigen Lösung, die im Hinblick auf den Vermisstenfall keine Fragen offenlässt, aber in Bezug auf Helgis privates Problem bereits einen dritten Band erwarten lässt.


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