Florence, Ex-Partygirl, wählt stets den leichtesten Weg. Nach dem ernüchternden Ende ihrer Girlband-Karriere lebt sie pleite und alleinerziehend in London. Ihr Sohn Dylan ist der einzige Grund, aus dem Bett zu kommen. Doch dann verschwindet Alfie – Bully ihres Sohns und Erbe eines Tiefkühlimperiums –, und Dylan wird zum Hauptverdächtigen. Flo steht vor einer Aufgabe, der sie ausnahmsweise nicht ausweichen kann: Sie muss den Namen ihres Sohnes reinwaschen, um ihn nicht zu verlieren. Das Problem? Ihr Verdacht, dass Dylan vielleicht doch nicht so unschuldig ist, wie sie gerne glauben würde.
Rezension:
Florence hat es als Sängerin einer Girlgroup fast zu Berühmtheit gebracht und lebt mit Anfang 30 als alleinerziehende Mutter in London. Antriebslos und ohne großen finanziellen Spielraum laviert sie sich durch den Alltag und ist aufgrund eines Fauxpas aus dem Kreis der anderen Mütter ausgeschlossen. Ihr zehnjähriger Sohn Dylan eckt in der Schule an und legt sich dabei immer wieder mit Alfie Risby, dem Spross reicher Eltern, an. Als dieser bei einem Schulausflug spurlos verschwindet, kann Florence nicht ausschließen, dass ihr Sohn etwas damit zu tun hat. Sie muss schneller sein als die Polizei und beginnt selbst zu ermitteln und nach Alfie zu suchen.
Florence lernt man zunächst als oberflächliche Verliererin kennen, die einsam und leicht depressiv ist und ihre Zeit am liebsten vor dem Fernseher oder im Nagelstudio verbringt. Als der Widersacher ihres Sohnes verschwindet, rafft sie sich auf und ist zu allem bereit, um Dylan aus der Schusslinie zu bringen. Dabei trifft sie einige fragwürdige Entscheidungen.
"All the other mothers hate me" ist ein spannender Mix aus Gesellschaftssatire und Kriminalroman. Aus der Ich-Perspektive von Florence geschildert, kann man sich köstlich über ihre bissigen Bemerkungen und zutreffenden Beobachtungen der britischen Upperclass amüsieren. Florence ist fehlerbehaftet, handelt impulsiv und unüberlegt und bringt sich öfter in Schwierigkeiten. Das Wichtigste in ihrem Leben ist ihr Sohn und für diesen würde sie alles tun. In dem Kampf einer Löwenmutter wächst sie über sich hinaus, und entwickelt sich glaubhaft weiter.
Neben den vielen schwarzhumorigen Szenen um Klassenunterschiede, Übermütter, Konkurrenzgebaren, Außenseitertum und Einsamkeit, ist der Roman aufgrund des ungewissen Schicksals Alfies und der undurchsichtigen Rolle Dylans anhaltend spannend. Aufkommende Lügen und Intrigen sorgen für Wendungen, die der Geschichte bei der Suche nach Wahrheit gerade am Schluss regelrechte Thrillerelemente verleihen. Dazu kommen die moralisch grauen Charaktere beziehungsweise die Wege, die sie wählen, um vermeintlich Gutes zu erreichen.


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