Montag, 26. Oktober 2026

Buchrezension: Emily Stone - Ein Fest nur für uns beide

Inhalt:

Seit einem halben Jahr versucht Mel über die gescheiterte Beziehung mit Finn hinwegzukommen. Doch nun steht er vor ihrer Tür – mitten im tiefsten Winter, kurz vor Weihnachten mit einer Bitte, die alles verändert: Für eine Woche soll sie so tun, als wären sie wieder zusammen. In einem traumhaften Cottage in den schottischen Highlands, umgeben von seinen Verwandten, verschneiten Hügeln und knisternden Kaminfeuern, ein letztes Mal. Während Finns funkelnde graugrüne Augen, seine Lebenslust und die Vertrautheit mit seiner Familie in Mel alte Erinnerungen wecken und ihr Widerstand ihm gegenüber immer weiter bröckelt, muss sie sich fragen, ob diese Feiertage wirklich nur eine zweite Chance zum Abschied sind. 

Rezension: 

Mel lebt in London und ist beruflich als Schmuckdesignerin mit einem eigenen Label erfolgreich. Doch kurz vor Weihnachten ist sie einsam. Ihr Freund Finn hat sich vor einem halben Jahr überraschend von ihr getrennt, ihre beste Freundin ist für ein Jahr in Australien und ihre Eltern gönnen sich zum ersten Mal in ihrem Leben eine Fernreise.
Als Finn nun vor ihrer Tür steht und sie bittet, einen Weihnachtsurlaub mit seiner Familie in einem Cottage in den schottischen Highlands zu verbringen und dabei so zu tun, als wären sie wieder ein Paar, willigt Mel unter der Bedingung ein, sich anschließend von ihm zu trennen, um ihm die Demütigung heimzuzahlen. Zudem liebt sie seine Familie und möchte sich in der Woche von ihr verabschieden.
Doch Mel hat nach wie vor Gefühle für ihn, was weder den Aufenthalt noch den Racheplan einfach macht.

Zugegebenermaßen wirkt das Szenario etwas weit hergeholt: Mel wurde abserviert und erfüllt Finn trotzdem seinen Gefallen? Finn hat sich vor seiner gesamten Familie von ihr getrennt und macht die Trennung nur für ein harmonisches Weihnachtsfest rückgängig? Aber... give it a chance.

Der Roman wird in der Gegenwart in den 14 Tagen vor Weihnachten aus der Perspektive von Mel geschildert. Daneben gibt es Rückblenden aus Finns Sicht, die in aller Kürze von den drei Jahren bis zur Trennung vor einem halben Jahr handeln.
Es ist eine Mischung aus Fake Dating, Second Chance, Enemies-to-Lovers und Found Family, die mit dem verschneiten Setting in Schottland, Glühwein und knisterndem Kaminfeuer sowie gemeinsamen familiären Erlebnissen für eine weihnachtliche Stimmung sorgt. 

Es ist zu spüren, dass sich Mel und Finn immer noch lieben. Beide haben viele Gemeinsamkeiten, sind kreativ und handwerklich begabt - und voller Selbstzweifel. Lange bleibt im Dunkeln, warum es überhaupt zur Trennung kam und ob sie ihre Differenzen überwinden können. Daneben haben die Nebenfiguren mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, wovon jedoch nichts ausführlicher thematisiert wird.  

Die Geschichte sorgt für (vor-)weihnachtliche Atmosphäre, inhaltlich fehlt es ihr jedoch an Originalität, Dramatik und Romantik und ist im Vergleich zu den anderen Winterromanen von Emily Stone weit weniger tiefgängig und emotional. Die Botschaft für mehr Selbstfürsorge, den Mut, neu anzufangen und die eigenen Träume zu leben statt die Erwartungen anderer zu erfüllen, erfolgt, bezogen auf nahezu alle Personen, inflationär. 

Freitag, 23. Oktober 2026

Buchrezension: Michael Robotham - Bruderherz

Inhalt:

Nach zwölf Jahren hinter Gittern kehrt Arlo Hackett in seine australische Heimatstadt Yulara zurück – ein Ort, dessen Bewohner ihn einst verurteilten und verstießen. Damals wurde er der Beihilfe zu einem schweren Verbrechen beschuldigt, das sein Bruder Luke begangen haben soll. Doch Arlo hat nie an Lukes Schuld geglaubt und will nun herausfinden, was wirklich passiert ist. Aber die Menschen in Yulara begegnen ihm mit Misstrauen und Feindseligkeit. Wer lügt, wer verschweigt etwas – und wem kann Arlo überhaupt noch trauen? Während er sich seinen schmerzhaften Erinnerungen stellt und der Wahrheit immer näherkommt, gerät sein Leben erneut aus den Fugen. Zwischen Verrat und Schuld muss er sich die Frage stellen, ob Vergebung möglich ist – oder ob sie alles zerstört, was ihm noch geblieben ist. 

Rezension: 

Arlo Hackett wird nach zwölf Jahre Haft aus dem Gefängnis entlassen und kehrt in seinen Heimatort Yulara zurück, wo er nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird. Die Menschen begegnen ihm feindselig und beschimpfen ihn als Pädophilen. Sein jüngerer Bruder Luke wurde damals wegen Vergewaltigung und Mordes einer 17-jährigen Schülerin beschuldigt und kam während der Vernehmungen ums Leben, bevor ihm der Prozess gemacht werden konnte. Arlo wurde wegen Beihilfe verurteilt.
Arlo hat nie an die Schuld seines Bruders geglaubt, der wegen Komplikationen bei der Geburt von klein auf geistig beeinträchtigt war. Diese Hilflosigkeit und Einfalt wurde ihm offenbar zum Verhängnis. Ein Brief, den Arlo in seinem Elternhaus findet, lässt weitere Zweifel in ihm aufkommen, dass es sich bei Luke um den Täter handelt. Trotz der Ablehnung der Kleinstadt beginnt er zu recherchieren und hat dabei Rückhalt von seiner Freundin Helen, die ihm Hunderte Briefe während seiner Haft geschrieben hat und seiner Anwältin Camille.

"Bruderherz" ist, anders als angenommen, kein Thriller, sondern ein Kleinstadtdrama über Ungerechtigkeit, Schuld und die Suche nach Wahrheit mit einem stetigen Spannungsaufbau.

Der Roman ist atmosphärisch geschildert. Die Enge der Kleinstadt ist spürbar und wirkt sowohl beklemmend als auch bedrohlich. In kurzen Kapiteln aus der Sicht von Arlo erzählt, erfolgt ein stetiger Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Während Arlo sich wieder an ein Leben auf freiem Fuß gewöhnen muss und statt einer zweiten Chance mit Schikanen der Bewohner Yulara konfrontiert wird, erinnert er sich an die Zeit vor deiner Inhaftierung und insbesondere an die Monate vor Saxons Tod. 
Auf diese Weise offenbaren sich nach einem langen Vorlauf allmählich Details über die Tatnacht und die Involvierung Lukes und Arlos, was bei eingefleischten Thriller-Lesern Geduld erfordert. 

Bei diesem Kriminalfall stehen die Emotionen stark im Vordergrund. Die Schilderungen von Polizeiwillkür und Polizeigewalt, von Missbrauch und Drohungen, Ausgrenzung und Vorverurteilung rufen Wut und Verzweiflung hervor. Daneben bewegen Arlos Schuldgefühle, der sich vorwirft, seinen kleinen Bruder und die jüngere Saxon nicht geschützt zu haben. 
Die Suche nach Wahrheit und Gewissheit ist spannend, auch wenn ein Twist ausbleibt.  


Mittwoch, 21. Oktober 2026

Buchrezension: John Green - Hollywood, Ending

Inhalt:

Kai und Juniper sind Anfang zwanzig, als ihr Traum wahr wird. Beide bekommen eine Rolle im groß angekündigten Hollywood-Film über Andy Warhol, den Vater des modernen Persönlichkeitskults. In der berauschenden Atmosphäre des Sets wachsen sie zusammen, verlieben sich vielleicht sogar. Als der Riesenerfolg beide mit einem Schlag berühmt macht, wird ihr Leben Teil der sozialen Medien – auf überwältigende, aber auch beängstigende Weise. Denn wie hoch ist der Preis des Ruhms? Und was geschieht mit uns, wenn das Private öffentlich wird? 

Rezension: 

Juniper Castillo, ein ehemaliger Kinderstar, und der Jungschauspieler Kai Laramie haben neben dem Hollywood-Star Matthew Malone die beiden Hauptrollen in dem Biopic über den Künstler Andy Warhol. Der Film wird zu dem ersehnten Kassenschlager und Juniper und Kai gelangt damit der große Durchbruch in Hollywood.
Im Film werden Juniper und Kai ein Liebespaar und auch am Set sind sie sich vertrauensvoll näher gekommen. Doch während der Promotionstour für den Film lernen sie die Schattenseiten des Erfolgs kennen, was nicht nur ihre junge Beziehung vor eine große Herausforderung stellt.

Der Roman wird in längeren Abschnitten aus beiden Perspektiven geschildert - vom Kennenlernen am ersten Drehtag, über die Pressearbeit nach Drehschluss bis zur Filmpremiere und den ersten Reaktionen darauf.

Juniper und Kai haben unterschiedliche Erfahrungen in der Filmbranche und verkörpern unterschiedliche Persönlichkeiten. Juniper wurde von klein auf zu Erfolg getrimmt, ist arbeitsam und ehrgeizig, während Kai unsicher und zurückhaltend ist und nicht das Licht der Öffentlichkeit sucht. Beide sind jedoch sensibel und auf unterschiedliche Art von ihrer Vergangenheit belastet. Und genau diese persönlichen Traumata werden insbesondere Kai zum Verhängnis, denn die auf Erfolg und Kommerz bedachte Filmindustrie ist skrupellos.

Obschon es sich bei "Hollywood, Ending" um den ersten Erwachsenenroman von John Green handelt, mutet das Buch wie eine Coming-of-Age-Geschichte an, denn die beiden Hauptfiguren sind erst Anfang 20 und fühlen sich selbst wie Teenager.

Der Roman wirft einen interessanten Blick hinter die Kulissen Hollywoods. Neben den Abläufen zum Dreh und Vermarktung eines Films geht es im Wesentlichen um das Spannungsfeld von Privatleben und Öffentlichkeit: Berühmtheit, Bewunderung und finanzielle Freiheit vs. Übergriffe, Erfolgsdruck, Ängste und Manipulation.

Die Darstellung der Hollywood-Maschinerie wirkt dabei äußerst realistisch, die Liebesgeschichte hingegen wirkt unentschlossen und holprig. Juniper und Kai funktionieren als Filmpaar und erscheinen als perfektes Team und vertrauensvolle Freunde, von Romantik ist allerdings wenig zu spüren - vielleicht oder gerade weil der Satz "ich liebe dich" so inflationär verwendet wird.

"Hollywood, Ending" ist keine mitreißende Lovestory, aber eine unterhaltsame und einfühlsame Geschichte über große Träume, den Preis des Ruhms und zwei Charaktere, die ein Selbstbewusstsein entwickeln und lernen, für sich selbst einzustehen.