Mittwoch, 11. März 2020

Buchrezension: Harriet Evans - Die Zeit der Wildblumen

Inhalt: 

Dorset, 1972: Cordelia Wildes Leben ist glamourös und voller Luxus – einfach perfekt. Als Kind der Schauspieler Anthony und Althea Wilde wächst sie unbekümmert auf. Doch als die siebenjährige Madeleine in ihr Leben tritt, verändert sich alles. Das elternlose Kind stößt unabsichtlich auf verheimlichte Wahrheiten und plötzlich tun sich Abgründe auf. Ist Cordelias Familie gar nicht so perfekt, wie es scheint? Die haarsträubenden Geheimnisse und intriganten Machenschaften lassen Cordelias Welt zerfallen. Wird sie es schaffen, unverzeihliche Dinge zu verzeihen und mit der Vergangenheit abzuschließen?

Rezension: 

Cordelia und Benedick Wilde sind die Kinder des Schauspieler-Ehepaares Anthony und Althea Wilde. Zusammen mit ihren Eltern verbringen sie die Sommer in den 1970er-Jahren in ihrem Strandhaus in Dorset, wo sich sich nach anfänglicher Abneigung mit dem Nachbarskind Madeleine anfreunden. Für die fast gleichalte Madeleine, die für Tony schwärmt, wird das Strandhaus der Wildes ihr Zuhause, da die Halbwaise von ihrem eigenen Vater sträflich vernachlässigt wird. Sie beobachtet die Wildes und registriert dabei auch die Heimlichkeiten, die in der Familie vorherrschen und die Beziehungen untereinander prägen. Ihre Eindrücke hält sie in einem Tagebuch fest, das sie unter der Veranda des Strandhauses versteckt und das Cord Jahre später findet, als Tony bereits tot ist und ihre Mutter im Sterben liegt. 

Der Roman handelt auf drei Zeitebenen, schildert in erster Linie die Geschichte der Wildes im Zeitraum 1975 bis Anfang der 1990er-Jahre, gibt aber auch Einblicke in die Kindheit von Tony zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und die Gegenwart im Jahr 2014, als Cord die Chance erhält, die Vergangenheit aufzuarbeiten. 

Tony wurde nach dem Tod seiner Eltern 1940 von seiner Großtante Dinah aufgenommen, die seinetwegen aus Bagdad zurück nach England gekommen ist. Er ist traumatisiert, fühlt sich bei Dinah im Strandhaus in Dorset wohl, das sie ihm letztlich vermacht. Tony entdeckt sein Talent als Theaterschauspieler, reift heran und wird zu einem gefeierten Star, was ihm enormes Selbstbewusstsein verleiht und sein Verhältnis zu Frauen prägt. Auch gegenüber seiner späteren Ehefrau Althea, die jung und unerfahren ist, als er sie heiratet, verhält er sich entsprechend überheblich, scheint ihre Leistungen als Schauspielerin nie wirklich anzuerkennen. 
Die Kinder vergöttern ihren Vater, beobachten mit zunehmendem Alter aber auch eine zerstörerische Seite an ihm, die Althea scheinbar gleichgültig hinzunehmen scheint. Die exzentrischen Schauspieler merken dabei nicht, wie sie ihre Kinder verletzen und dass sowohl Ben als auch Cord die Geheimnisse ihres Vaters für sich entdecken. Diese sind jedoch so schockierend, dass weder Ben noch Cord darüber sprechen können, auch aus Angst, die Familie damit endgültig zu zerstören. 

"Die Zeit der Wildblumen" erzählt eine tragische Familiengeschichte, die überwiegend im Strandhaus "Bosky" in der Ferienregion Dorset handelt, wo sich all die schrecklichen Ereignisse zutragen, die dazu führen, dass Cord nie wieder nach Dorset zurückkehren wollte. 
Es ist eine Geschichte voller Leidenschaft über schwerwiegende Geheimnisse, die die Familie und vor allem die Entwicklung der Kinder prägen. Die Charaktere sind vielschichtig und lebendig gezeichnet, darunter traurige und bemitleidenswerte Gestalten, Egomanen und undurchsichtige, fast schon gruselige Personen. 

Der Wechsel der Zeitebenen mag am Anfang etwas verwirrend sein, sorgt jedoch für Spannung, da sich dadurch die Charaktere erst peu à peu entfalten und man nur so ein tieferes Verständnis für ihre späteren Taten erhält. 
Es ist ein epischer, komplexer Roman, der dem Leser am Ende die Möglichkeit gibt, die Geschichte der Familie Wilde zu durchdringen und die Handlungen und Eigenarten der Charaktere nachzuvollziehen. Er zeigt auf faszinierende Weise eine dysfunktionale Familie und wie stark die Vergangenheit ganze Generationen prägen kann. 



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