Freitag, 31. Oktober 2025

Buchrezension: Ruth Ware - Hinter diesen Türen

Inhalt:

Rowan Caine nimmt eine Stelle als Kindermädchen in einem einsam gelegenen Haus in Schottland an, bei einer scheinbar perfekten Familie mit vier Töchtern. Doch ihr Traumjob wird für Rowan zum Albtraum. Die Atmosphäre im Haus ist extrem unheimlich. Sie fühlt sich ständig beobachtet – nicht nur von den Überwachungskameras, die in jedem Zimmer hängen. Dann findet sie die ominöse Warnung eines früheren Kindermädchens an die unbekannte Nachfolgerin Und es geschehen immer mehr beängstigende, unerklärliche Dinge. Auch das Verhalten der Kinder wird immer seltsamer – bis es schließlich einen tragischen Todesfall gibt. Und Rowan gerät unter Mordverdacht. Um ihre Unschuld zu beweisen, greift sie zu einem verzweifelten Mittel. 

Rezension: 

Rowan Caine ergattert einen Traumjob als Kindermädchen in einem viktorianischen Haus in den schottischen Highlands einer Familie mit vier Kindern. Während die älteste Tochter auf ein Internat geht, ist Rowan für zwei Mädchen im Grundschulalter und ein Baby verantwortlich.  Schon an ihrem zweiten Arbeitstag ist Rowan auf sich allein gestellt, da die Eltern kurzfristig auf Geschäftsreise müssen. Ganz allein ist jedoch nicht, denn alle Räumen in dem Smart Home werden von Kameras überwacht, auf die die Eltern Zugriff haben und der hilfsbereite Gärtner Jack wohnt gleich nebenan. 
Rowan hat sowohl mit der Technik des Hauses als auch mit den aufmüpfigen Kindern zu kämpfen, die sie offensichtlich ablehnen. Schon vier Nannys zuvor hatten Heatherbrae House schnell wieder verlassen. Rowan lockte die lukrative Bezahlung und so hatte sie alle Warnungen ignoriert. Nun fürchtet sie sich nachts von den Geräuschen im Haus und ist verängstigt von den Schauermärchen, die über das Haus erzählt werden, in dem bereits ein Kind gestorben ist. 

Das Ende des Romans wird gleich zu Beginn vorweggenommen. Das Kindermädchen ist inhaftiert, da sie für den Tod eines der Töchter der Elincourts verantwortlich gemacht wird. Sie erzählt rückblickend in einem Brief an einen Strafverteidiger, von dem sie sich Hilfe erhofft, ihre Geschichte. Sie beteuert darin ihre Unschuld, auch wenn sie zugibt, Fehler gemacht zu haben. 

Die Atmosphäre in dem Haus, das aufgrund seines Alters eine eigene Geschichte mit düsterer Vergangenheit hat und gleichzeitig ein hochmodernes Smarthome ist, in dem nahezu alles technisch gesteuert ist, ist beklemmend. Dazu kommen des Nachts schlürfende Geräusche, die vermuten lassen, dass sich noch jemand im Haus aufhält, Gegenstände, die verschwinden und woanders wieder auftauchen, und die Erzählungen über ein Kind, das in dem Haus vergiftet wurde. 

Auch wenn die Geschichte einem bekannten Konzept aus Horrorhaus und locked-room-Szenario folgt und im Wesentlichen nur Alltagsszenen eines überforderten Kindermädchens geschildert werden, ist die Geschichte spannend und abwechslungsreich, durch die Geheimnisse, die allmählich offenbart werden - über das Haus, über die Familie und über Rowan selbst. 

"Hinter diesen Türen" ist ein atmosphärischer Psychothriller, der in ruhigem Tempo erzählt wird und durch den subtilen Grusel und interessante Wendungen fesselt. Am Ende geht es allerdings ein wenig schnell und auch wenn alle Fragen geklärt werden ist die Auflösung in Form eines Briefes enttäuschend profan.   

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Buchrezension: Jojo Moyes - Das Haus der Wiederkehr

Inhalt:

Lottie und Celia sind in dem Küstenstädtchen Merham wie Schwestern aufgewachsen. Während Celia gegen die Enge der Kleinstadt aufbegehrt, liebt Lottie den idyllischen Ort und vor allem das Meer. Besonders fasziniert sie ein prächtiges Art-déco-Haus direkt am Strand, in dem eine bunte Gruppe von Künstlern lebt. Gemeinsam tauchen Celia und Lottie ein in eine aufregende, unkonventionelle Welt. Bis Celia eines Tages ihren Verlobten Guy mit nach Hause bringt – und vom ersten Augenblick an weiß Lottie, dass er ihre große Liebe ist …
Ein halbes Jahrhundert später erwacht das Haus am Strand wieder zum Leben - und mit ihm seine Geheimnisse. Den damaligen und heutigen Bewohnern stellt sich die Frage: Kann man die Vergangenheit je hinter sich lassen? 

Rezension: 


Lottie und Celia sind in der englischen Küstenstadt Merham wie Schwestern aufgewachsen, nachdem Lottie während des Zweiten Weltkrieges aus London zur Familie Holden gekommen war. Gerade erwachsen, fühlen sie sich von dem modernen Haus Arcadia am Meer angezogen, das von Künstlern bewohnt wird, die so ganz anders sind, als die engstirnigen Menschen in dem verschlafenen Ort.
Als Celia ihrer Familie ihren Verlobten vorstellt, den sie in London kennengelernt hat, ist es für Lottie Liebe auf den ersten Blick. Sie kann Guy nicht widerstehen, auch wenn sie gegenüber der Familie Skrupel hat, die über zehn Jahre für sie gesorgt hat.
50 Jahre später wird Innenarchitektin Daisy beauftragt, das alte Haus am Meer zu einem Hotel umzubauen. Mrs. Bernard, die sich um das Haus gekümmert hat, soll sie dabei unterstützen, sein ursprüngliches Wesen zu erhalten. Privat steht Daisy als junge, vom Vater ihres Kindes verlassene Mutter, vor einem Scherbenhaufen und auch in Merham stößt sie wegen der geplanten Eröffnung des Hotels, das für mehr Leben in dem Ort sorgen wird, auf Ablehnung einiger Bewohner.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen, die nicht kapitelweise abwechselnd dargestellt werden. Nach einem Drittel erfolgt der Wechsel von der Vergangenheit in die Gegenwart, die wiederum aus wechselnden Perspektiven der handelnden Personen erzählt wird. 
Roter Faden ist dabei das Haus Arcadia, das in beiden Zeitebenen eine Rolle spielt sowie Trennungen und unglückliche Liebesgeschichten. Die Stimmung ist deshalb vor allem in Bezug auf die dramatische Vergangenheit gedrückt und von Bitterkeit und Frustration geprägt. 

Während der Erzählstrang der Gegenwart zugänglicher ist, fällt es schwer, sich in der Vergangenheit in die Charaktere hineinzuversetzen. Weder ist eine Freundschaft zwischen Lottie und Celia zu spüren, noch ist die Liebe, die Lottie bei der ersten Begegnung mit Guy empfindet und sie alles vergessen lässt, nachzuvollziehen. Auch ihre Annäherung im weiteren Verlauf ist gefühllos und das Ende der Romanze klischeebeladen.
Die Gegenwart fühlt sich authentisch an, und auch wenn die Hauptfiguren darin mit Problemen zu kämpfen haben, ist der Teil der Geschichte nicht so sehr mit negativen Schwingungen besetzt. Allerdings entwickelt sich die Handlung kaum weiter und kann nicht mit Überraschungen oder Aufdeckung von Geheimnissen aufwarten. Wie sich die Schicksale zwischen Vergangenheit und Gegenwart verbinden, ist eher belanglos.  

"Das Haus der Wiederkehr" ist einer der ersten Romane von Jojo Moyes, der neu erschienen ist. Hierbei stand offenbar der kommerzielle Faktor im Vordergrund, die Geschichte erreicht nicht die Qualität ihrer späteren Romane. In zwei Erzählsträngen aufgeteilt, fehlt es insbesondere der Vergangenheit an dem typischen Charme und Witz der Autorin, liebenswerten Charakteren und echten Emotionen. Die plausiblere Gegenwart hat nahbare Figuren, e
ntwickelt sich zu ereignislos und hätte dementsprechend gestrafft werden können, klärt aber zumindest alle noch offenen Fragen im Hinblick auf den Verbleib der Personen aus dem Jahr 1955.   

Montag, 27. Oktober 2025

Buchrezension: Ella Berman - Before we were innocent

Inhalt:

Bess ist überrascht, als ihre Freundin Joni plötzlich vor ihrer Tür steht. Seit sie vor zehn Jahren von jeglicher Mittäterschaft am Tod ihrer Freundin Evangeline freigesprochen wurden, haben sie sich nicht mehr gesehen. Nun bitte Joni Bess um einen Gefallen. Sie braucht ein Alibi. Bess hat keine andere Wahl, als Ja zu sagen. Denn sie ist Joni noch etwas schuldig. Und sie beginnt sich zu fragen, ob damals wirklich alles so war, wie sie immer glaubte. 

Rezension: 

Vor zehn Jahren haben die drei Freundinnen Bess, Joni und Evangeline nach dem Highschool-Abschluss einen Sommer auf dem Anwesen von Evangelines Familie auf der griechischen Insel Tinos verbracht, der tragisch endete. Nur Bess und Joni kehrten wieder nach Kalifornien zurück. Auch wenn sie von einer Schuld am Tod Evs freigesprochen worden waren, haftete den Teenagern das durch die Medienberichterstattung verursachte negative Image an, die sich auf die privilegierten Mädchen stürzten und sie als gefühlskalt, rücksichtslos und verdorben darstellten.  
Während Joni als Motivationsrednerin Berühmtheit erlangt und ein Buch geschrieben hat, hat sich Bess zurückgezogen und ein Leben in der Öffentlichkeit vermieden. Als Joni unerwartet vor ihrer Tür steht und sie um ein Alibi bittet, als ihre Lebensgefährtin spurlos verschwunden ist, kommen Erinnerungen in Bess hoch, die Joni noch etwas schuldet. Auch die Medien sehen Parallelen in dem Fall um die vermisste junge Frau. 
 
Der Roman wird aus der Perspektive von Bess erzählt, wobei zwischen der Vergangenheit im Jahr 2008 und der Gegenwart im Jahr 2018 gewechselt wird. Aufgrund der eingeschränkten Sicht ist ungewiss, ob es sich bei Bess um eine unzuverlässige Erzählerin handeln könnte. 
Die Geschichte wird spannend aufgebaut, denn die Umstände des Todes der dritten Freundin Ev werden erst im weiteren Verlauf der Handlung offenbart. Zudem ist unklar, ob Joni etwas mit dem Verschwinden ihrer Lebensgefährtin zu tun hat, denn sie ist die einzige, die sich nicht um sie sorgt. Auf beiden Zeitebenen droht die Situation zu eskalieren, was die Spannung und Dramatik steigert. Unterstützt wird dies durch die andauernden Schuldgefühle und Gewissensbisse von Bess. 
 
Eifersucht, Misstrauen und der Hang zu gegenteiligen Verletzungen prägen den Sommerurlaub auf Tinos, der eigentlich ein unbeschwerter letzter Girlstrip vor dem Collegebeginn werden sollte. Die Allianzen der drei wechseln mehrfach, während zwischen Langeweile und Trinkgelagen häufig gestritten wird. 
Der vermeintliche Unfalltod verändert alles, macht alle Zukunftspläne zunichte und belastet Bess auch noch zehn Jahre später. Im Glauben, immer noch in Jonis Schuld zu stehen, lässt sie sich überreden, ihr ein falsches Alibi zum Zeitpunkt des Verschwindens ihrer Freundin zu geben. 
 
Der Roman handelt von fragilen, toxischen Freundschaften, von Manipulation und verhängnisvollen Entscheidungen. Offensichtlich ist, dass die Mädchen sich nach Wochen der Langeweile an einem entlegenen Urlaubsort nicht gut getan haben, weshalb man sich die Frage stellen muss, wie viel Schuld sie am Tod von Ev haben - direkt oder indirekt. Spannend ist die Parallele in der Gegenwart, als sich die Geschichte in Teilen zu wiederholen scheint und sich eine Schuldfrage erneut stellt. Eindrücklich ist dabei die Rolle der Medien dargestellt, die eine Hetzjagd eröffnen und Unsicherheit schüren. Auch wenn der Roman etwas langatmig beginnt, entwickelt er sich zunehmend zu einer fesselnden Mischung aus True Crime, Drama und Thriller über die Dynamik und Vertrauensbasis von Freundschaften sowie die Konsequenzen unserer Handlungen.