Montag, 27. Oktober 2025

Buchrezension: Ella Berman - Before we were innocent

Inhalt:

Bess ist überrascht, als ihre Freundin Joni plötzlich vor ihrer Tür steht. Seit sie vor zehn Jahren von jeglicher Mittäterschaft am Tod ihrer Freundin Evangeline freigesprochen wurden, haben sie sich nicht mehr gesehen. Nun bitte Joni Bess um einen Gefallen. Sie braucht ein Alibi. Bess hat keine andere Wahl, als Ja zu sagen. Denn sie ist Joni noch etwas schuldig. Und sie beginnt sich zu fragen, ob damals wirklich alles so war, wie sie immer glaubte. 

Rezension: 

Vor zehn Jahren haben die drei Freundinnen Bess, Joni und Evangeline nach dem Highschool-Abschluss einen Sommer auf dem Anwesen von Evangelines Familie auf der griechischen Insel Tinos verbracht, der tragisch endete. Nur Bess und Joni kehrten wieder nach Kalifornien zurück. Auch wenn sie von einer Schuld am Tod Evs freigesprochen worden waren, haftete den Teenagern das durch die Medienberichterstattung verursachte negative Image an, die sich auf die privilegierten Mädchen stürzten und sie als gefühlskalt, rücksichtslos und verdorben darstellten.  
Während Joni als Motivationsrednerin Berühmtheit erlangt und ein Buch geschrieben hat, hat sich Bess zurückgezogen und ein Leben in der Öffentlichkeit vermieden. Als Joni unerwartet vor ihrer Tür steht und sie um ein Alibi bittet, als ihre Lebensgefährtin spurlos verschwunden ist, kommen Erinnerungen in Bess hoch, die Joni noch etwas schuldet. Auch die Medien sehen Parallelen in dem Fall um die vermisste junge Frau. 
 
Der Roman wird aus der Perspektive von Bess erzählt, wobei zwischen der Vergangenheit im Jahr 2008 und der Gegenwart im Jahr 2018 gewechselt wird. Aufgrund der eingeschränkten Sicht ist ungewiss, ob es sich bei Bess um eine unzuverlässige Erzählerin handeln könnte. 
Die Geschichte wird spannend aufgebaut, denn die Umstände des Todes der dritten Freundin Ev werden erst im weiteren Verlauf der Handlung offenbart. Zudem ist unklar, ob Joni etwas mit dem Verschwinden ihrer Lebensgefährtin zu tun hat, denn sie ist die einzige, die sich nicht um sie sorgt. Auf beiden Zeitebenen droht die Situation zu eskalieren, was die Spannung und Dramatik steigert. Unterstützt wird dies durch die andauernden Schuldgefühle und Gewissensbisse von Bess. 
 
Eifersucht, Misstrauen und der Hang zu gegenteiligen Verletzungen prägen den Sommerurlaub auf Tinos, der eigentlich ein unbeschwerter letzter Girlstrip vor dem Collegebeginn werden sollte. Die Allianzen der drei wechseln mehrfach, während zwischen Langeweile und Trinkgelagen häufig gestritten wird. 
Der vermeintliche Unfalltod verändert alles, macht alle Zukunftspläne zunichte und belastet Bess auch noch zehn Jahre später. Im Glauben, immer noch in Jonis Schuld zu stehen, lässt sie sich überreden, ihr ein falsches Alibi zum Zeitpunkt des Verschwindens ihrer Freundin zu geben. 
 
Der Roman handelt von fragilen, toxischen Freundschaften, von Manipulation und verhängnisvollen Entscheidungen. Offensichtlich ist, dass die Mädchen sich nach Wochen der Langeweile an einem entlegenen Urlaubsort nicht gut getan haben, weshalb man sich die Frage stellen muss, wie viel Schuld sie am Tod von Ev haben - direkt oder indirekt. Spannend ist die Parallele in der Gegenwart, als sich die Geschichte in Teilen zu wiederholen scheint und sich eine Schuldfrage erneut stellt. Eindrücklich ist dabei die Rolle der Medien dargestellt, die eine Hetzjagd eröffnen und Unsicherheit schüren. Auch wenn der Roman etwas langatmig beginnt, entwickelt er sich zunehmend zu einer fesselnden Mischung aus True Crime, Drama und Thriller über die Dynamik und Vertrauensbasis von Freundschaften sowie die Konsequenzen unserer Handlungen.

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