Mittwoch, 26. August 2026

Buchrezension: Sasa Hanten - Talent zum Glück

Inhalt:

Charlotte Maybach und Eby Tusch kennen sich seit der Kindheit. Gemeinsam sind sie im Internat am Bodensee aufgewachsen – eine Freundschaft, die auch Jahre der Distanz überdauert hat. Mit Anfang dreißig lebt Charlotte als Notarin ein funktionierendes, angesehenes Leben, das sie nicht satt macht. Eby, der letzte Spross einer Kölner-Wiener Schaustellerfamilie, hat den Vater durch die Demenz begleitet, das Familienunternehmen übernommen und eine große Liebe verloren. Beide stehen an einem Punkt, an dem nichts mehr selbstverständlich scheint. Als sie sich wieder begegnen, geht es nicht um verpasste Chancen, sondern um offene Fragen: Wie will man leben, wenn man herausgefunden hat, wer man wirklich ist? 

Rezension: 

Eberhard "Eby" Tusch ist Nachkomme einer Kölner Schaustellerfamilie und hat die Leitung des Betriebs mit Sitz in Wien von seinem an Demenz erkrankten Vater übernommen. Gerade hat er ihn am Friedhof Melaten beerdigt und trauert um den charismatischen Playboy. Gleichzeitig leidet er unter der Trennung von Georg, der ihm zwar nie viel versprochen, aber doch überraschend die Beziehung beendet hat. Eby sehnt sich nun nach seiner besten Freundin Charlotte und lädt sie spontan nach Zürich zu einer Kur ein.
Charlotte Maybach und er sind gemeinsam in einem Internat am Bodensee aufgewachsen. Charlotte ist Tochter einer Bäckerei- und Feinkostdynastie und als Notarin mit eigener Kanzlei tätig. Im Gegensatz zu Eby hatte sie nie ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern, insbesondere zu ihrer Mutter, die sie als kaltherzig empfunden hat. Nach einer längeren Zeit ohne Kontakt freut auch sie sich auf ihren Gefährten aus dem Internat. 


Zunächst steht die Freundschaft gar nicht so sehr im Vordergrund des Romans, denn der jeweils andere spielt im eigenen Leben zu dem Zeitpunkt mit Mitte Dreißig keine wesentliche Rolle. Erzählt wird in längeren Abschnitten abwechselnd aus beiden Perspektiven, wodurch man die Persönlichkeiten, ihre gegenwärtig Lebenssituation, aber auch ihre (gemeinsame) Vergangenheit kennenlernt. Dabei wird deutlich, wie viel sie schon als Kinder von einander gehalten haben und wie eng ihr Verhältnis und ihre zumal experimentelle Freundschaft im Internat wurde. 

Beide stammen aus privilegierten Verhältnissen und sind ohne Geldsorgen groß geworden. Im Internat teilten sie denselben Humor und wurden von anderen aufgrund ihrer Ironie und Wortgewandtheit oftmals für arrogant gehalten. Sie haben Verluste erlitten und sind trotz ihres beruflichen Erfolgs und einem guten Standing in der Gesellschaft einsam. Die Voraussetzungen für Glück sind da, aber greifen oder festhalten können sie es nicht. Ihr Wiedersehen in Zürich wirkt auf beide belebend, während sie in ihrer Kommunikation in alte, bewährte Muster zurückfallen. 

Der Roman lebt weder von großer Dramatik noch von einschneidenden Ereignissen, sondern vielmehr von einer geistreichen Fabulierkunst und einem bunten Reigen aus charmanten Haupt- und Nebenfiguren, die die Geschichte bereichern. Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt, den Mut anzuecken und die Freiheit, eigene Wege zu gehen. 

Die Geschichte wechselt zwischen Gegenwart und Erinnerungen an die Vergangenheit. Oftmals wird weit ausschweifend erzählt, was zu Längen führt und sich zumal etwas sprunghaft anfühlt. Trotz vieler witziger Momente voller lebenskluger Aussagen, lebendiger Anekdoten und kölscher Mentalität hat mich die Geschichte am Ende verloren. Die Dialoge von Eby und Charlotte mit einer Aneinanderreihung von Zitaten empfand ich als zunehmend ermüdend - wie ein Außenstehender, der Insiderwitze nicht versteht. Zudem schien mir die "Hungerklinik" als Schauplatz des Wiedersehens mit Charlottes Essstörung als unglücklich gewählt. Wurde nicht auch gewarnt, während einer Fastenkur keine wesentlichen Entscheidungen zu treffen? So unpassend ist dann auch der Schluss, insbesondere da ich den Stimmungswechsel der beiden nicht nachvollziehen und noch weniger fühlen konnte. 

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