Mittwoch, 12. August 2026

Buchrezension: Ilona Bannister - FIVE: Das Ticken der Zeit

Inhalt:

Noch fünf Minuten, bis jemand stirbt: Ist es Emma, die unter der Last des Mutterseins fast zerbricht? Ihr Sohn Gideon, dessen kindliche Unbezähmbarkeit zur gefährlichen Falle wird? Der Geschäftsmann Liam, der in einen Streit mit Emma gerät? Die störrische Wissenschaftlerin Mrs Worth, die endlich ihre Enkel wiedersehen will? Oder der hilfsbereite junge Sonny, der kurz davor ist, sein Leben zu verspielen?
Sie alle warten an einem Londoner Bahnsteig auf den Zug. Einer von ihnen wird dessen Ankunft nicht überleben. Sie alle haben Schicksale. Manche von ihnen haben Geheimnisse. Wir werden alles über sie erfahren, während wir mit ihnen auf den Zug warten. Während der Streit eskaliert. Während Panik ausbricht. Während die Uhr gnadenlos heruntertickt. 

Rezension: 

Fünf Personen treffen morgens auf einem Bahnsteig in London auf einander. Es sind noch fünf Minuten bis der nächste Zug Richtung Victoria-Station eintrifft - und einen von ihnen töten wird.
Als LeserIn wird man von einem allwissenden Erzähler geleitet, der das tödliche Ende ankündigt und spekulieren lässt, um wen es sich bei dem Opfer handelt und ob diese Person den Tod verdient hat. Nahezu alle Personen werden als unsympathische Charaktere eingeführt. Durch Rückblenden lernt man jeden von ihnen besser kennen und beginnt zu begreifen, wie sie zu diesen Menschen geworden sind. 

Beide Erzählebenen sind gleichermaßen spannend. Während sich dramatische Szenen auf dem Bahnsteig abspielen, die Zeit abläuft und der Zug immer näher kommt, werden in längeren Kapiteln die Schicksale der fünf potentiellen Opfer enthüllt. Dabei geht es um traumatische Kindheiten, Verlust und Trauer, um ADHS, Spielsucht, Überforderung und Kränkungen.

Die Charaktere sind vielschichtig, so dass man die vorgefasste Meinung über sie revidiert. Sie alle sind fehlerbehaftet, aber oftmals Opfer der Umstände, die sie geprägt haben. Hat deshalb einer von ihnen den Tod verdient? Oder hat jemand gar die Absicht zu sterben?

Die Geschichte ist stark charakterorientiert und auch wenn das Buch als Roman deklariert ist, fühlt es sich wie ein Thriller an, der die/ den LeserIn durch die direkte Ansprache eng involviert und als Richter oder explizit Gott benutzen möchte. Diese Art der Erzählweise ist raffiniert und erfrischend anders. Es wird an das Gewissen und die Moral appelliert, denn unwillkürlich trifft man eine Entscheidung, wer es am wenigsten verdient hat, weiterzuleben.


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