Samstag, 22. August 2026

Buchrezension: Jenny Jackson - Liebe unter Freunden

Inhalt:

Caroline Lash wagt einen Neuanfang: Für ein renommiertes Schreibstipendium zieht die 28-Jährige New Yorkerin in den idyllischen Küstenort Greenhead, Massachusetts. Kaum ist sie angekommen, wird aus dem Plan, sich ganz dem Schreiben zu widmen, etwas völlig anderes – denn Caroline verliebt sich Hals über Kopf in Van Whittaker. 
Van ist ruhig, aufmerksam und ungekünstelt – ein Kajakfahrer in Fleecejacke, der Caroline mit seiner Wärme sofort für sich gewinnt. Doch zu Van gehört mehr als nur seine Zuneigung: Er ist Teil einer eingeschworenen Clique, deren Bande tief reichen. Bailey, charismatisch und beliebt. Augusta, traditionsbewusst, kontrolliert und geprägt von dem Wunsch nach Stabilität um jeden Preis. Und Fran, direkt, klug und von einem Leben zwischen Verantwortung und Eigenständigkeit geformt. In ihre Welt einzutreten, bedeutet für Caroline mehr als nur Akzeptanz – es bedeutet, sich selbst neu zu verorten.
Was als überwältigende Liebesgeschichte beginnt, wird bald auf die Probe gestellt. Als Van Caroline ein unerwartetes Geständnis macht, gerät nicht nur ihre Beziehung ins Wanken, sondern das fragile Gleichgewicht der ganzen Gruppe. Plötzlich steht Caroline am Rand – und trifft aus Verletztheit eine Entscheidung, die alles verändern wird. 

Rezension: 

Nach Jahren in der New Yorker Verlagsbranche wagt Caroline den mutigen Schritt und zieht für ein Schreibstipendium nach Greenhead, einen Küstenort in Massachusetts. Schon auf der Fahrt dorthin lernt sie Van kennen und verliebt sich Hals über Kopf in den unkomplizierten Umweltwissenschaftler und Naturburschen.
Van ist Teil einer Clique, einer verschworenen Gemeinschaft, die sich seit ihrer Kindheit kennt und inzwischen Familien gegründet haben. Caroline muss sich notgedrungen darin einfinden, fühlt sich jedoch wenig willkommen. Problematisch ist das Verhältnis zu Bailey, Vans On-Off-Freundin, aber auch zu Augusta, die lieber Bailey und Van als Paar sehen würde.
Während sie Stunden am Strand, beim Sport oder auf Sommerpartys verbringen, sehen sie sich mit unterschiedlichen Schwierigkeiten konfrontiert, die das Erwachsenenleben als Ehefrauen, Mütter, Töchter und Freundinnen mit sich bringen. Bailey muss ihre Gefühle zu Van neu sortieren, Augusta hat den Verdacht, dass ihr Ehemann sie betrügt und Fran hat es satt, immer für alle verantwortlich zu sein, ohne selbst einmal an ihre eigenen Bedürfnisse zu denken. Und dann ist es ausgerechnet Caroline, die als Ausgeschlossene die Leben der anderen ins Wanken bringt.

Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der vier weiblichen Hauptfiguren geschildert. Während Caroline mit ihrem Umzug nach Greenhead vor einem beruflichen und privaten Neuanfang steht und auch für Bailey ein neuer Lebensabschnitt beginnt, sind Augusta und Fran in festen Beziehungen, haben Kinder und stellen sich den Herausforderungen des Familienalltags.

Durch die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Lebenserfahrungen entwickelt sich die Geschichte kurzweilig und interessant, auch wenn es zunächst Alltagsszenen über Liebe, Freundschaft, Beziehungen und Familie sind. Doch je tiefer man in die Geschichte eintaucht und je mehr die Charaktere selbst über sich preisgeben, desto stärker ist zu spüren, dass in allen Leben etwas im Argen liegt und dass in der Freundesclique versucht wird, den Schein zu wahren, dass nach außen hin alles in Ordnung ist.

Die Charaktere wirken häufig jünger als Mittdreißiger und scheinen krampfhaft an einem sorgenlosen, chaotischem Leben von Jugendlichen festhalten zu wollen. Trotz der Verantwortung für Kinder kommt es zu Alkoholexzessen und zu einer Verharmlosung des Konsums pflanzlicher Drogen. Mit ihrer Überforderung und ihren Fehlern wirken die Charaktere jedoch menschlich und nahbar.

Was als Sommerroman beginnt, entwickelt sich zu keinem leichten Beachread. Es werden Entscheidungen getroffen, die verheerende Auswirkungen haben und über Jahrzehnte gepflegte Freundschaften und Beziehungen in Frage stellen lassen.

Die Geschichte ist stark charaktergesteuert, bis ein Ereignis für Spannung und Dramatik sorgt, indem jede Beziehung auf den Prüfstand gestellt wird. Es ist eine Dynamik, die für Unordnung sorgt, aber letztlich reinigend wirkt.

"Liebe unter Freunden" handelt von Geheimnissen, Verrat und Demütigung, aber auch von Vertrauen, Loyalität und Versöhnung. In den knapp zwei Jahren, in denen die Geschichte mit scharfsinniger Beobachtungsgabe und trockenem Humor erzählt wird, macht jedes Mitglied der Clique eine sichtbare und glaubwürdige Entwicklung durch. Trotz ihrer Sehnsucht nach dem Lebensgefühl der Zwanziger erscheinen sie nun endlich bereit, erwachsen werden zu wollen. 


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