Mittwoch, 31. Dezember 2025

Buchrezension: Linnea Holmström - Weihnachten am Siljansee

Inhalt:

Der Schnee knirscht unter den Stiefeln, und in den langen Nächten funkeln die Sterne. Wie verzaubert scheint die winterliche Welt am Siljansee mit den festlich geschmückten und hell erleuchteten Häusern. Doch Per aus der hektischen Großstadt hat für all das keinen Sinn. Er will das geerbte Kinderheim so schnell wie möglich wieder loswerden. Allerdings hat er nicht mit der ebenso hübschen wie engagierten Inger gerechnet, die das Kinderheim leitet. 

Rezension: 

Inger und ihre Schwester Malena führen gemeinsam das Kinderheim "Villa Pusteblume" in einem Dorf in der Nähe von Leksand und kümmern sich liebevoll um ihre fünf ganz unterschiedlichen Schützlinge. Nachdem die Inhaberin des Gebäudes gestorben ist, die den beiden jungen Frauen finanziell unter die Arme griffen hat, steht das Kinderheim Ende des Jahres vor dem Aus. Inger und Malena sind im Rückstand mit der Miete und der Neffe Per, der das Haus geerbt hat, zeigt sich bei seiner Ankunft am Siljansee abweisen und unbarmherzig und droht mit der Zwangsräumung. 
Können Inger und die Kinder das Herz des Geschäftsmannes aus der Großstadt in der Vorweihnachtszeit erweichen? 

Der Roman bietet trotz der dramatischen Eingangssituation eine heimelige Atmosphäre. Der kleine Ort, in dem jeder sich kennt, ist winterlich kalt und schneebedeckt. Der erste Advent steht bevor und Inger und Malena sind mit den Vorbereitungen auf Weihnachten beschäftigt. Eine feierliche Stimmung will jedoch nicht aufkommen, denn nach einigen Reparaturen und weiteren laufenden Kosten stehen die beiden Schwestern mit dem Kinderheim vor dem finanziellen Ruin. 

Per ist als Antagonist der klischeehafte Geschäftsmann aus Stockholm, der weder Interesse und Empathie für das Kinderheim zeigt, noch um seine verstorbene Tante trauert. Offensichtlich ist jedoch, dass mehr im Argen liegt und im stillen Kämmerlein zeigt er sein gutes Herz, wenn er sich einem verletzten Hund, eines unterkühlten Kindes oder einer dementen älteren Dame annimmt. 

Dass es zu einem Happy End kommen wird, steht außer Frage, interessant ist vielmehr, wie die harte Schale Pers geknackt werden kann, um das Kinderheim zu retten. Eine Liebesgeschichte darf in einem Weihnachtsroman nicht fehlen, kommt in der Handlung jedoch arg kurz, da selbst 30 Seiten vor Schluss noch reine Abneigung zwischen Inger und Per herrscht. Liebeserklärungen ohne ein wirkliches Kennenlernen der beiden erscheinen dann nur wirklichkeitsfremd. Wenig realistisch ist auch, dass die beiden Schwestern trotz ihrer andauernden Sorgen keine Überlegungen anstellen, wie sie aus der Misere herauskommen möchten. 

Dennoch: Winterliches Flair, Dramatik, Gemeinschaft, Hoffnung und Nächstenliebe machen das Buch zu einer herzerwärmenden Geschichte. Gerade zur Weihnachtszeit darf man noch an Wunder glauben, weshalb nicht jeder Konflikt eine tiefgreifende Lösung erfordert. 

Montag, 29. Dezember 2025

Buchrezension: Daniel Alvarenga - Ruf der Leere

Inhalt:

Seit Wochen fiebert Felix dem Wochenende mit Ben und Laura in der Waldhütte entgegen und ist nicht begeistert, dass seine Freunde ungebeten weitere Gäste mitbringen. Die Stimmung ist spürbar angespannt. Als ein alter Mann vor der Tür steht und die Gruppe auffordert, bis zum Abend eine Person auszuwählen, die es verdient, weiterzuleben, während alle anderen sterben, gerät die Gruppendynamik aus den Fugen und offenbart, wer sich am Ende selbst der Nächste ist. 
Während sich die Situation im Wald immer weiter zuspitzt, beginnt Felix‘ Vater sich um seinen Sohn zu sorgen. Sie haben kein besonders inniges Verhältnis zueinander, doch Felix‘ plötzliches Verschwinden bewegt ihn dazu, sich mit dessen Leben auseinanderzusetzen. Dabei eröffnet sich ihm ein Bild, das ihn zutiefst beunruhigt. 

Rezension: 

Felix hat anlässlich der Rückkehr seines Freundes Ben aus Australien ein gemeinsames Wochenende in der Jagdhütte seines Vaters geplant und dazu auch seine Studienkollegin Laura eingeladen. Da seine Freunde zu seinem Missfallen noch weitere Personen zum Treffpunkt mitbringen, sind sie ungeplant zu siebt im Wald. Als die Stimmung ohnehin angespannt ist, klopft ein weiterer ungebetener Gast an die Tür und behauptet, "der Tod" zu sein. Er fordert sie auf, bis Mitternacht eine(n) von ihnen zu benennen, die/ der weiterleben darf. Obwohl die Freunde den Mann für geisteskrank halten, stellen sie Überlegungen an, wer es von ihnen verdient, am Leben zu bleiben. Die Frage gerät durch untereinander schwelende Konflikte fast in Vergessenheit, bis der alte Mann zurück ist und eine Antwort verlangt.

Neben der gegenwärtigen Handlung in der Hütte, die einem Countdown gleicht und aus verschiedenen Perspektiven der Feiernden geschildert ist, die sich mehr oder minder gut kennen und sich nicht alle wohlgesonnen sind, gibt es Rückblenden in die Monate davor, die primär erzählen, wie sich Felix und Laura bei ihrem Medizinethik-Studium angenähert haben.
Die Rückblenden geben Aufschluss über die Charaktere und offenbaren, wie die Sympathien in der Hütte verteilt sind. Felix' eigentliche Intention der Party bleibt dabei zunächst verborgen, doch auch er weiß nicht alles über seine Freunde - im Gegensatz zu dem alten Mann.

In Erwartung einer Eskalation ist die Atmosphäre des Romans durchweg angespannt. Mit der Aufforderung des Tods, einen Überlebenden zu benennen, wird dieser Erzählstrang eng mit den Rückblenden in die Studieninhalte von Felix und Laura verknüpft, die in einem Seminar Fragen über Ethik und Moral diskutierten.

Der Roman ist anhaltend spannend, denn es ist unvorhersehbar, ob alles nur ein absurdes Spiel oder bitterer Ernst ist und wer tatsächlich die Oberhand hat. Anders als gedacht, gibt es trotz des Dilemmas, vor dem die Gruppe steht, keine tiefgreifende Diskussion, welches Leben lebenswerter als das andere ist. Stattdessen packt die Frage nach Felix' Hintergedanken und seine offenbar von langer Hand geplante Manipulation und was der alte Mann in der Jagdhütte provozieren möchte.

In "Ruf der Leere" geht es um verletzte Gefühle, Eifersucht und Rache, wobei sich die Geschichte durch das Ausmaß am Niederträchtigkeit zu einem regelrechten Psychothriller entwickelt. Das Ende präsentiert nicht für alles eine Erklärung, sondern lässt Raum für eine eigene Interpretation eines Spiels zwischen Macht und Wahn.

Freitag, 26. Dezember 2025

Buchrezension: Alex Lake - Deadline

Inhalt:

In freudiger Erwartung besteigen Jill und ihre Kollegen nach einer Vorstandssitzung den Privatjet ihrer Firma, um nach Hause zu ihren Familien in Portland zu fliegen. Das Wetter ist gut, die Sicht klar, Turbulenzen sind nicht zu erwarten. Doch kurz nach dem Abflug meldet sich die Pilotin über die Lautsprecher. Anstatt Jill und ihre Kollegen zu begrüßen, hat sie den Jet aufs offene Meer hinausgesteuert und stellt den Passagieren ein schockierendes Ultimatum: An Bord befindet sich ein Mörder, und sie wird die Maschine erst wieder auf Kurs bringen, wenn derjenige gesteht. Der Schuldige hat dreißig Minuten Zeit, um die Wahrheit zu sagen – sonst stürzt das Flugzeug in den Atlantik. 

Rezension:

Sechs Mitarbeiter einer Firma für Lebensmittelproduktion fliegen nach einer Vorstandssitzung zusammen mit einer Krankenschwester in einem Privatjet zurück nach Portland, um Weihnachten mit ihren Familien zu verbringen. Nach dem Start fällt das WLAN aus und die Pilotin ändert offensichtlich die Route, denn das Flugzeug befindet sich über dem Meer. In einer Durchsage teilt sie ihnen mit, dass ein Mörder unter ihnen an Bord ist und dass sie ein Geständnis hören möchte, andernfalls werde sie das Flugzeug zum Absturz bringen. Das Ultimatum läuft und angeblich ist sich keiner einer Schuld bewusst...

Der Thriller handelt auf zwei Zeitebenen. Die Gegenwart schildert die Flugzeugentführung und die klaustrophobische Atmosphäre an Bord. Dabei erhält man Einblicke in die einzelnen Mitarbeiter des Lebensmittelkonzerns, wobei diese bis auf den Arbeitgeber wenig gemein haben und jeder von ihnen mit seinen eigenen Geheimnissen oder Problemen beschäftigt ist.
Rückblenden in das Jahr 2018 zeigen, was sich vier Jahre zuvor am Wohnort der Mitarbeitenden ereignet hat. Drei von vier Kindern starben vermutlich an einer Vergiftung, deren Ursache der behandelnde Arzt jedoch nicht aufklären konnte.

Schon bald ist zu ahnen, dass die namenlose Pilotin Rache für die Opfer und eine Aufklärung der Todesfälle erzwingen möchte. Der Hintergrund ist tragisch und nachvollziehbar, dass die Pilotin nichts mehr zu verlieren hat und die Passagiere an Bord in Lebensgefahr schweben.
Beide Teile des Romans sind packend. Was hat 2018 das mysteriöse Leberversagen der Kinder verursacht? Inwiefern ist das Lebensmittelunternehme darin verwickelt? Wird der angebliche Mörder gestehen und kann so der Tod weiterer Unschuldiger verhindert werden?

"Deadline" ist ein Pageturner über Selbstjustiz, Gier und Machterhalt, der nur schwer aus der Hand zu legen ist. Die Mischung aus Drama und Thriller ist perfekt gelungen. Die Angst der Reisenden ist genauso spürbar wie der Wunsch nach Vergeltung der Pilotin. Die schnellen Perspektivwechsel zwischen den Personen sorgen für Dynamik und der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart für Cliffhanger und anhaltende Spannung. Selbst als die Fakten bei der Suche nach Wahrheit geklärt scheinen, überrascht der Thriller mit Wendungen und einem unglaublichen Ausmaß an Niedertracht und Skrupellosigkeit.