Mittwoch, 6. Juni 2018

Buchrezension: Suzanne Roy - Ich muss verliebt gewesen sein

Inhalt:

Seit ihr vor Jahren das Herz gebrochen wurde, glaubt Jennifer nicht mehr an die große Liebe. Und erst recht nicht an Hochzeitsversprechen. Doch dann steht plötzlich Bruno wieder vor ihrer Tür - und verlangt die Scheidung. Für Jennifer ein großer Schock. Zehn Jahre hat sie versucht, Bruno zu vergessen. Ihn und sein Weingut im Norden Spaniens und ihre überstürzte Hochzeit am Strand. Sofort ist die alte Wut auf seine bestimmende Art wieder da. Aber auch dieses Kribbeln im Bauch, das sie schon so lange nicht mehr gespürt hat.

Rezension: 

Nach acht Jahren ohne Kontakt kommt Bruno unerwartet zu Jennifer nach Montreal und möchte die Scheidung, da er die neue Frau in seinem Leben, Emma, heiraten möchte. Jennifer fühlt sich überrumpelt und möchte Bruno diesen Gefallen nicht so einfach tun, obwohl sie selbst als Mitinhaberin einer erfolgreichen Werbeagentur und mit einem aufmerksamen Freund, glücklich und unabhängig von ihrem Noch-Ehemann ist. 
Bruno bleibt jedoch hartnäckig und kann Jennifer mit dem Versprechen lebenslanger Weinlieferungen von seinem Weingut in Katalonien dazu überreden, mit ihm nach Spanien zu reisen, um vor einem Friedensrichter vorstellig zu werden, um die Scheidungspapiere zu unterschreiben. In Spanien ist die Ehe noch "heilig", weshalb der Schlichter trotz der acht Trennungsjahre darauf besteht, dass die beiden eine Woche miteinander verbringen. So werden Wut und Verletzungen von damals plötzlich von ganz anderen Gefühlen verdrängt...

Von dem Roman hatte ich mir keine tiefgründige Literatur, sondern eine charmante, romantische Unterhaltung erwartet. Leider war die Handlung nicht nur von Anbeginn sehr vorhersehbar, sondern auch noch äußerst flach. Vor allem Protagonisten Jennifer war durch ihr übertrieben beleidigtes und rachsüchtiges Verhalten unsympathisch, Bruno dagegen ein einfältiger Kerl mit Machoallüren. 
In Katalonien angekommen, sind Bruno und Jennifer weitgehend unter sich, da Jennifer selbstverständlich auf seiner Domaine übernachtet, wohingegen Emma überraschenderweise überhaupt nicht zugegen ist. Stattdessen zeigt sich Jennifer im dünnen Nachthemdchen und schwelgt mit Bruno in gemeinsamen Erinnerungen, die er durch Fotos und aufgehobene Erinnerungsstücke von damals wachruft. Im Nachhinein hatten sie dann doch eine glückliche Zeit miteinander und vor allem eine sehr leidenschaftliche Beziehung. 
Statt einer endgültigen Trennung forciert gerade Bruno eine Verbindung auf beruflicher Ebene, indem er vorschlägt, dass Jennifer in Kanada Werbung für seine Weine machen könnte, die er dorthin exportieren wird. 

Mir waren weder die Motive für die Hals über Kopf geschlossene Ehe, die dann nur zwei Monate hielt, noch warum keiner von beiden für eine Aussprache sorgte, obwohl sowohl Jennifer als auch Bruno unter der Trennung litten, noch die Einstellung des Kontakts über acht Jahre hinweg, nachvollziehbar. Die Handlung wirkte deshalb sehr konstruiert, die Charaktere - von der zunächst intriganten Schwiegermutter bis zur lieben, aber langweiligen Verlobten - stereotyp und unglaubwürdig. 
Geradezu ärgerlich waren plumpe Dialoge wie die Frage von Bruno, ob er Jennifer küssen dürfe, um herauszufinden, was er noch für sie empfindet oder die selbstverständliche Vertrautheit, die sich zwischen den beiden in Spanien einstellte. Die beabsichtigte endgültige Trennung geriet dank anzüglicher Bemerkungen und aufgrund nackter Tatsachen viel zu schnell in den Hintergrund. 
Romantische Gefühle und den Humor einer amüsanten "Was sich liebt, das neckt sich"-Geschichte suchte ich vergebens, stattdessen erhielt ich eine sehr flache, unrealistische und allzu vorhersehbare Geschichte.  


Montag, 4. Juni 2018

Buchrezension: Tracy Chevalier - Zwei bemerkenswerte Frauen


Inhalt: 

Elizabeth Philpot ist eine junge Frau aus besseren Kreisen, deren Familienerbe nicht zu einem standesgemäßen Leben in London reicht. Daher zieht sie 1830 in den kleinen südenglischen Küstenort Lyme Regis. Was ihr zunächst wie eine Verbannung vorkommt, erweist sich schon bald als glückliche Fügung, denn am Strand nehmen seltsame Steine sie völlig gefangen: Fossilien. Sie begegnet Mary, einem Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, das die Familie mit dem Verkauf von Fossilien über Wasser hält und dabei spektakuläre Versteinerungen findet. Die beiden ungleichen Frauen freunden sich an. Doch dann verlieben sich beide in denselben Mann.

Rezension:

Elizabeth Philpot zieht mit ihren beiden Schwestern Mary und Margaret notgedrungen von London an die englische Küste nach Lyme Regis, da ihr Bruder finanziell nicht für die ganze Familie in London sorgen kann. Die Schwestern bedauern es, dass sie, obwohl sie aus gutem Hause sind, aufgrund ihrer Armut keine standesgemäße Partie finden werden. Elizabeth findet ihre Erfüllung im Suchen und Finden von Fischfossilien und lernt dabei die fast 20 Jahre jüngere Mary Anning kennen. Diese stammt aus einer einfachen Handwerkerfamilie und sammelt Fossilien, um sie zu verkaufen. Sie ist schon aufgrund des Überlebens eines Blitzschlags etwas Besonderes in dem kleinen Ort und wird bei ihrer Suche nach den Fossilien, die vor allem die Aufmerksamkeit von männlichen Sammlern erregt, kritisch beäugt. Für eine Frau ziemt es sich Anfang des 19. Jahrhunderts nicht, derart selbstbewusst aufzutreten. Auch sie vermutet deshalb, als "alte Jungfer" zu enden, wird aber durch ihren Erfolg bei der Fossiliensuche entlohnt. Zu Elizabeth verbindet sie gegenseitiger Respekt und eine Freundschaft, aber auch Konkurrenz, da sie sich beide für denselben Mann interessieren. Als die Freundschaft daran zu zerbrechen droht, ist es Elizabeth, die sich für die Reputation von Mary einsetzt, die die erste sein wird, die das Skelett eines Ichthyosaurus und später das eines Plesiosaurus entdecken wird. 

"Zwei bemerkenswerte Frauen" ist die Nacherzählung der Leben von Elizabeth Philpot und Mary Anning, zwei Pionierinnen der Paläontologie. Tracy Chevalier verknüpft historische Fakten mit fiktiven Elementen und setzt beiden Frauen damit ein Denkmal in Romanform. 

Man taucht tief in die Gefühlswelt beider Frauen ein und kann nachvollziehen, wie schwierig ihre Leidenschaft aufgrund ihres Geschlechts auszuleben war und für ihren Erfolg Anerkennung zu finden. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Gesellschaft noch nicht offen für alleinstehende, selbstständige Frauen und auch der Glaube an die Unfehlbarkeit Gottes legte ihnen als "Fossilienjägerinnen" massive Steine in den Weg. 

Die Freundschaft der Frauen und auch das Interesse für Oberstlieutenant Birch nimmt in dem Roman nur eine sehr untergeordnete Rolle ein. Stattdessen steht die Fossiliensuche, Versteinerungen, Knochen und Wirbel ausgestorbener und bisher unentdeckter Reptilien im Vordergrund. Der Roman ist dabei mit vielen Fachbegriffen der Paläontologie und einer Reihe an lateinischen Wörtern - Ammoniten, Belemniten,... - gespickt, das einen das Gefühl ereilen könnte, ein Sachbuch zu lesen. 

Aufgrund des Klappentextes hatte ich einen anderen Schwerpunkt des Buches erwartet. Ich habe zwar viel über Fossilien gelernt, fand die Suche nach Knöchelchen und Steinchen aber zu langatmig, da ich mich nicht mit derselben Leidenschaft wie die beiden Frauen für Fossilien zu begeistern wusste. 



Samstag, 2. Juni 2018

Buchrezension: Katrine Nørregaard - Die Mittsommerlüge

Inhalt: 

Zwanzig Jahre war Kristian spurlos verschwunden. Seine Tochter Louise verzeiht ihm nie, dass er die Familie ohne Erklärung verlassen hat. Und auch ihre Mutter versteht Louise nicht. Wieso hat sie ihr Schicksal klaglos ertragen? Doch als Kristians stirbt, können Mutter und Tochter nicht mehr schweigen. Denn er hinterlässt ihnen nicht nur viele Fragen, sondern auch ein idyllisches Sommerhaus am Limfjord – von dem niemand etwas wusste. Zusammen mit Louises Tochter Ida verbringen die Frauen eine Woche in dem Haus. Was hat Kristian dort so viele Jahre getan? Welches Geheimnis hütete er?

Rezension:

Kristian hatte seine Frau Karen und seine neunjährige Tochter von einem Tag auf den anderen verlassen. Er war Autor, weshalb Karen ihre Tochter Louise damit vertröstet hat, dass er sich zum Schreiben eines Buches eine Auszeit nahm. Als Louise älter wurde, konnte sie immer weniger nachvollziehen, dass ihr Vater sie nie von ihr verabschiedet hatte und dass ihre Mutter Verständnis für sein Verhalten aufbrachte. 
Nach 20 Jahren Abwesenheit kehrte Kristian zurück und wurde von Karen ohne Weiteres wieder mit offenen Armen empfangen. Louise blieb allerdings unversöhnlich und hat nur ihrer Tochter Ida zuliebe den Kontakt zu ihren Eltern nicht ganz abgebrochen. 

Als Kristian an einem Gehirntumor stirbt, hinterlässt er das Sommerhaus "Lykkebo" am Limfjord. Karen möchte sich der Vergangenheit stellen und überredet Louise, eine Woche in dem Sommerhaus zu verbringen. Zusammen mit Louises Tochter Ida, ihrem Lebensgefährten Michael und Cockerspaniel Buller begeben sie sich auf Spurensuche. 

Die Atmosphäre in dem Sommerhaus ist angespannt. Michael kümmert sich wenig um die Familiengeschichte, dafür umso mehr um einen Notfall bei seine Arbeit.
Ida trauert um ihren Großvater und kann nicht verstehen, warum ihre Mutter so abweisend zu ihrer Großmutter ist. Sie scheint es in dem Haus kaum auszuhalten und geht lieber nach draußen, wo sie die beiden Zwillingsbrüder Peder und William kennenlernt, die zurückgezogen in einem Haus am Waldrand leben. 
Louise befindet sich in einem Gefühlschaos aus Trauer und Wut und ist darüber hinaus auch noch ungewollt schwanger. 
Karen bemüht sich um gute Stimmung, möchte dass ihre Tochter Kristian verzeiht und selbst herausfinden, was Kristian in dem Sommerhaus all die Jahre gemacht hat. Blauäugig war sie davon ausgegangen, dass Kristian hier allein gewohnt und sich ganz seinen Gedichten gewidmet hat. 

Die Geschichte wird aus der Sicht der drei Frauen erzählt, die nicht nur verschiedenen Generationen angehören, sondern auch ganz unterschiedliche Charaktere sind und einen ganz eigenen Blick auf die Vergangenheit haben. 
Zunächst gibt es nicht viele Hinweise auf die Zeit, die Kristian hier verbracht hat. Mit Hilfe seiner Aufzeichnungen und durch den Kontakt zu den Zwillingsbrüdern werden nach und nach Geheimnisse offenbart, so das auch Karen gezwungen ist, sich den Geistern der Vergangenheit zu stellen, die sie erfolgreich verdrängt hatte. Erst wenn die ganze Wahrheit ans Licht kommt, kann es den Frauen möglich sein, zu trauern und letztlich auch wieder zueinander zu finden. 

Es ist ein melancholischer Roman, in welchem sich die Charaktere schwer tun, sich zu öffnen und ihre Probleme lieber mit sich selbst ausmachen. Auch wenn man im Sommerhaus angekommen bald erahnen kann, wie Kristians Neuanfang ausgesehen hatte und was der Auslöser dafür gewesen ist, geht es darum, zu erfahren, wie die Frauen mit der Wahrheit umgehen werden. 

"Die Mittsommerlüge" ist eine emotionale Familiengeschichte über Vergangenheitsbewältigung, unterdrückte Konflikte und unausgesprochene Wahrheiten, die nach dem Tod von Kristian zutage treten und bewältigt werden müssen, um einander offen und ehrlich zu begegnen und verzeihen zu können.