Mittwoch, 11. März 2026

Buchrezension: Andreas Winkelmann - Moorland. Die Zwillinge (Moorland, Band 1)

Inhalt:

Die 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana wollten nur einen Ausflug ins Moor machen. Sie kehrten nie zurück. Keine Spuren. Keine Leichen. Nur eine verlassene Kamera im Sumpf. Doch dann taucht auf Janas TikTok-Kanal ein neues Video auf. Lebt sie noch? Oder spielt der Täter ein krankes Spiel?
Kommissarin Malia Gold muss nicht nur gegen die Zeit ermitteln, sondern gegen eine verschworene Dorfgemeinschaft, in der das Schweigen Tradition hat. Und das Moor gibt seine Geheimnisse nur ungern preis. 

Rezension: 

Die beiden 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana möchten Aufnahmen für ihren TikTok-Account machen und begeben sich dafür vor Anbruch der Dunkelheit im Nebel ins Moor in der Nähe ihres Wohnorts. Als sie abends nicht zurück sind, meldet der Vater seine Töchter vermisst und freiwillige Helfer suchen vergebens nach den beiden Mädchen.
Kommissarin Malia Gold hat damit ihren ersten Fall in ihrem Heimatort, in den sie nach 15 Jahren Abwesenheit zurückgekehrt ist. Sie beginnt mit den Ermittlungen, wobei sich bereits am nächsten Tag durch Aufnahmen der Kamera der Zwillinge und ein gepostetes Video auf ihrem "Moormaid"-Kanal herausstellt, dass sich ein Verbrechen ereignet haben muss.

"Moorland - Die Zwillinge" ist der erste Band einer neuen Thriller-Reihe des Bestseller-Autors Andreas Winkelmann. Das Setting rund um das "Namenlose Moor" und die Samtgemeinde Riedberg, in der so manches im Verborgenen liegt, ist geheimnisvoll und düster.

Der Roman handelt an nur wenigen Tagen und ist aus verschiedenen Perspektiven geschildert. Im Zentrum steht Malia, die die Leitung der Ermittlungen übernimmt und privat ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Ruth hat, die als "Fährtenleserin" im Ort bekannt ist und sich wie keine andere im Moor auskennt.

"Moorland" ist eine gelungene Mischung aus Kriminalroman und Thriller. Die Ermittlungen zwischen digitalen Spuren und den Spuren im Moor sind authentisch und zugleich lauert etwas Böses im Moor, das für ein anhaltendes Gefühl der Gefahr sorgt. Die bildhaften Beschreibungen der einsamen Gegend und verfallener Gebäude unterstreicht die düstere, bedrohliche Atmosphäre. Dazu kommen Charaktere, die so undurchsichtig sind, wie der Nebel über dem Moor, und zu wechselnden Verdächtigen führen.

Die Geschichte ist temporeich und fesselnd. Malia und ihre Kollegen kämpfen gegen die Zeit und einen brutalen Täter, der durch grausame Videos Botschaften auf TikTok hinterlässt.
Neben den Ermittlungen beschäftigt Malia zudem die Beziehung zu ihrer Familie und der ungelöste Konflikt mit ihrer resoluten Mutter.

"Moorland" ist ein Pageturner mit dunklen Geheimnissen, einem spannenden Kriminalfall und lebensechten Figuren, der mit dem Privatleben Malias neugierig auf eine Fortsetzung mit weiteren Bänden der Reihe macht.

Montag, 9. März 2026

Buchrezension: Josie Lloyd & Emlyn Rees - You and Me: Die zweite erste Liebe

Inhalt:

Adam und Jules sind seit fast 25 Jahren verheiratet. Der Lack ist ab, die Kinder sind aus dem Haus, und das Prickeln ist dem Alltag gewichen. Doch dann findet Adam im Gartenschuppen etwas Unglaubliches: Eine Kiste alter Mixtapes, die sie sich früher aufgenommen haben.
Als er eine Kassette einlegt, passiert das Unmögliche: Die Musik katapultiert ihn zurück in die Vergangenheit. Plötzlich haben Adam und Jules die Chance, die entscheidenden Momente ihrer Beziehung noch einmal zu erleben. Können sie den Funken wieder entzünden? Und was passiert, wenn man in der Vergangenheit an kleinen Stellschrauben dreht? 

Rezension:

Jules und Adam haben sich 1989 kennen und lieben gelernt und sind inzwischen seit fast 25 Jahren verheiratet. Die beiden gemeinsamen, erwachsenen Kinder leben noch bei ihnen. Die Routinen haben sich eingefahren, aber kleinere und größere Streitereien stehen im Familienalltag an der Tagesordnung. Jules und Adam sind nicht unglücklich, aber auch nicht wirklich zufrieden mit dem Leben, das sie gemeinsam führen. 
Im Gartenschuppen, in den sich Adam regelmäßig zurückzieht, öffnet Adam eine Kiste mit Mixtapes, die er und Jules früher für einander aufgenommen haben und die Jules eigentlich entsorgen möchte. Als Adam eine der Kassetten einlegt, um in liebevollen Erinnerungen zu schwelgen, findet er sich in seinem alten Kinderzimmer wieder. 
Jules und Adam erhalten die Chance, in der Zeit zurückzureisen und entscheidende Momente ihrer Vergangenheit erneut zu erleben. Sehnsüchtig nach der jungen Liebe haben sie die Möglichkeit, ihre Zukunft zu beeinflussen, doch die Folgen sind unkontrollierbar. 

"You and Me - Die zweite erste Liebe" ist der Roman eines Autorenduos, das selbst verheiratet ist und diese Erfahrungen sind auf jeder Seite zu spüren. Trotz des Science-Fiction-Aspekts der Zeitreisen wirkt die Geschichte damit authentisch und die Protagonisten lebensecht und mit ihren Gefühlen nachvollziehbar. 

Durch die Mixtapes, die einen Sprung in der Zeit ermöglichen, erleben Jules und Adam nicht nur erneut ihre erste Anfangsverliebtheit, sondern die Geschichte geht noch viel weiter. Wie sie es aus Zeitreisefilmen à la "Zurück in die Zukunft" kennen, haben beide Respekt davor, die Vergangenheit so zu verändern, dass es Auswirkungen auf die Zukunft hat, die sie gar nicht abschätzen können. Die Neugier und der Wunsch nach Selbstoptimierung und Verbesserung ihres Ehealltags ist jedoch größer, was beide in Versuchung führt. 

Durch die beiden Perspektiven aus weiblicher und männlicher Sicht sowie die steten Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit, beginnend im Jahr 1989, ist die Geschichte abwechslungsreich und unterhaltsam. Mit dem Wissen aus der Zukunft manipulieren Jules und Adam ihre gemeinsame Geschichte in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Gegenwart. 
Was wäre wenn, sie in einem Punkt anders abgebogen wären - in materieller oder emotionaler Hinsicht? Und ist dieses vermeintlich bessere Leben wirklich besser oder ergeben sich daraus nur wieder neue Probleme? 

Es ist eine erwachsene Liebesgeschichte, die aufzeigt, wie schwierig es ist, sich als Paar im Alltag nicht zu verlieren. Gleichzeitig zeigt der Wunsch nach Verbesserung, dass die Liebe nicht verloren ist, sondern Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen und Kommunikation braucht. 
Auch wenn die Botschaft des Romans, dankbar zu sein, für das, was man hat, sehr schnell deutlich wird, entwickelt sich die Liebesgeschichte durch die Manipulationen und die ausufernde Einflussnahme auf eine perfekte Zukunft mit einem bangen Gefühl spannender als gedacht. 

Die Spotify-Playlist, auf die zu Beginn des Romans hingewiesen wird, ist ein stimmiges Gimmick, um sich selbst auf eine musikalische Zeitreise zu begeben. 

Samstag, 7. März 2026

Buchrezension: Thomas Knüwer - Giftiger Grund

Inhalt:

Mitten in der Nacht treffen an einer verlassenen Tankstelle drei Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und doch durch das Schicksal verbunden werden:
Joran: Frisch aus dem Jugendknast, kehrt an den Ort seines Verbrechens zurück, um seine alte Beute zu holen.
Charu: Eine Fotografin, die an diesem "Lost Place" nach dem perfekten morbiden Motiv sucht.
Edda: Ein kleines Mädchen im Schlafanzug, das eigentlich im Bett liegen sollte.
Doch statt der Beute findet Joran im Kanalschacht die Leiche seines ehemaligen Komplizen.
Die verfallene Tankstelle wird zur Bühne für einen hochspannenden, psychologischen Thriller über Schuld, Sühne und die Frage: Wohin flieht man, wenn man kein Zuhause mehr hat? 

Rezension:

Joran ist nach knapp sieben Jahren Haft wegen eines bewaffneten Raubüberfalls wieder auf freiem Fuß kehrt an den Tatort zurück, um nach dem dort versteckten Diebesgut zu suchen. Doch mitten in der Nacht findet er die Leiche seines ehemaligen besten Freundes und ist zudem nicht allein an der stillgelegten Tankstelle. Charu dreht an dem lost place Aufnahmen für ihren Social Media-Kanal und wird selbst von einem jungen Mädchen im Schlafanzug überrascht, das dort Zuflucht sucht.
Während Charu herauszufinden versucht, was es mit dem Mädchen auf sich hat, bekommt Joran zu spüren, wie schwer es ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich als ehemaliger Häftling zu resozialisieren.

"Giftiger Grund" ist kein Kriminalroman im klassischen Sinn, denn trotz des Funds einer Leiche zu Beginn des Romans handelt er nicht von den Ermittlungen zur Aufklärung der Tat. Im Vordergrund stehen stattdessen die Schicksale von drei ganz unterschiedlichen Personen, die auf ihre Art verloren erscheinen und an einem "lost place" zufällig auf einander treffen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den drei Perspektiven der Hauptfiguren geschildert, wobei ihre schwierigen, gar ausweglosen Situationen, die sie verzweifeln lassen und wütend machen, realitätsnah wirken. Geprägt von ihren Erfahrungen begegnen sie einander misstrauisch, bis sie zu einer Schicksalsgemeinschaft werden.

Die Handlung ist aufreibend und entwickelt durch den Druck, der auf den Figuren lastet, einen Lesesog. Alle drei sehen sich ihrem jeweiligen Peiniger ausgesetzt und werden erpresst. Die Gewalt eskaliert und es entwickelt sich ein Kampf ums Überleben, der in einer Täter-Opfer-Umkehr mündet.
Die Stimmung ist durchgehend düster und die derbe Sprache ist passend zur Situation und dem Milieu, in dem sich die Charaktere befinden.
Es geht um Schuld und Sühne, Vorurteile und zweite Chancen. Die Geschichte ist kurzweilig und dynamisch, berührt durch menschliche Abgründe und Ungerechtigkeit, entfaltet aber mit dem Fokus auf den dramatischen Schicksalen nicht die Spannung, die man von einem Kriminalroman erwartet.