Freitag, 5. Dezember 2025

Buchrezension: Clare Mackintosh - Die Toten der anderen (Ein Fall für Ffion Morgan, Band 3)

Inhalt:

"The Hill" in Cheshire ist der Ort, an dem jeder leben möchte, der es sich leisten kann: luxuriös, exklusiv – und sicher. Doch neuerdings wird systematisch in eine der protzigen Villen nach der anderen eingebrochen. DS Leo Brady ist überzeugt, dass da jemand etwas oder jemanden ganz Bestimmtes sucht. Nur was oder wen?
Auf der anderen Seite der Grenze in Wales wird auf dem Mirror Lake eine Leiche gefunden: Eine Immobilienmaklerin liegt tot in ihrem umgestürzten Kajak. Ein Unfall? DC Ffion Morgan erkennt schnell, dass sie es mit Mord zu tun hat. Ffion ist selbst kein Fan von Immobilienmaklern – aber womit hat diese Frau sich so unbeliebt gemacht, dass sie dafür sterben musste?
Als ihre Fälle sich unerwartet verzahnen, müssen Ffion und Leo feststellen, dass Menschen einen hohen Preis zahlen, wenn sie ihre Geheimnisse hinter verschlossenen Türen bewahren wollen.

Rezension: 

In der luxuriösen Wohngegend "The Hill" ereignen sich hintereinander mehrere Einbrüche, wobei nicht alle Wertsachen entwendet werden. DS Leo Brady, der die Ermittlungen übernimmt, geht bald davon aus, dass in den Villen gezielt nach etwas gesucht wird und es möglicherweise einen Zusammenhang mit einem ungelösten Mordfall gibt, der sich vor zehn Jahren in dem Viertel ereignet hat und der derzeit durch einen True-Crime-Podcast wieder in aller Munde ist. 
Parallel dazu leitet Leos Lebensgefährtin DC Ffion Morgan die Ermittlungen zum Tod einer Immobilienmaklerin, deren Leiche nach einer feuchtfröhlichen Party mit ihren Kollegen in einem Fluss im walisischen Grenzgebiet aufgefunden wurde. 

"Die Toten der anderen" ist nach "Die letzte Party" und "Spiel der Lügner" Band 3 der Krimireihe "Ein Fall für Ffion Morgan". 
Der Roman wird aus wechselnden Perspektiven von Ffion, Leo und Leos Exfrau Allie erzählt, wobei neben den beiden Kriminalfällen, in denen Ffion und Leo unabhängig voneinander ermitteln, auch der True-Crime-Podcast "Without Conviction" um das ermordete Ehepaar Carmichael sowie das Privatleben von Ffion und Morgan und Allies Versuche, sich in "The Hill" beliebt zu machen, Teil der Handlung sind. 

Obschon zu ahnen ist, dass die beiden Kriminalfälle in einem Zusammenhang stehen müssen, ist es aufgrund der großen Anzahl an Nebencharakteren und den wenig vertrauenerweckenden Bewohnern in "The Hill" lange nicht zu durchschauen, wer am Ende der oder die Täter sind. 

Die Geschichte ist abwechslungsreich und unterhaltsam, was gerade an den vielfältigen Nebenschauplätzen liegt, die neben den eigentlichen Kriminalfällen eröffnet werden. Die Ermittlungen geraten damit schon einmal in den Hintergrund, insbesondere durch Allies Perspektive, die sich bei den Schönen und Reichen anbiedert und deren Verhalten oftmals zum Fremdschämen ist. 
Für Unterhaltung sorgen zudem Ffions und Leos private Beziehung, in der Ffion vor einer engeren Bindung zurückschreckt, ihre erfolglose Haussuche und Ffions Hund Dave, der nur schwer in die Schranken zu weisen ist. 

Die Verbrechensaufklärung ist am Ende schlüssig und lässt durch gezielte Rückblenden keine Fragen offen. Das Leben von Ffion und Leo scheint sich weiter zu verkomplizieren und lässt gebannt auf weitere Teile der Reihe warten. 

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Buchrezension: Karen Swan - Winterträume im Schnee

Inhalt:

Der Snowboarder Kit Foley ist für seine Skandale ebenso bekannt wie für seine spektakulären Siege. Doch über den verheerenden Unfall, in den er und ein Rivale verwickelt waren, spricht er niemals. Die preisgekrönte Regisseurin Clover Phillips ist fest entschlossen, in ihrem neusten Film die Wahrheit ans Licht zu bringen. Sie folgt Kit in die tief verschneiten österreichischen Alpen und quartiert sich kurzerhand in seinem Chalet ein. Clover ist überzeugt, dass Kit etwas zu verbergen hat. Aber je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto mehr fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Ist er wirklich so kühl und unnahbar, wie er sich gibt? 

Rezension:

Die Dokumentarfilmerin Clover Philips hat zuletzt einen BAFTA für ihren Film über den Surfer Cory Allbright gewonnen, der vor vier Jahren schwer verunglückt und seitdem psychisch und physisch schwer gezeichnet ist. Sein ehemaliger Freund und Konkurrent Kit Foley wird wegen seines rücksichtlosen Verhaltens für den Unfall verantwortlich gemacht und ist gleichzeitig Clovers neues Projekt. Sie hat sich während der Dreharbeiten mit Corys Familie angefreundet und möchte herausfinden, was bei den Weltmeisterschaften tatsächlich passiert ist. Unterstützt wird der Film von Kits Sponsor, während Kit sich weiterhin weigert, über den Vorfall zu sprechen. Er hat sich inzwischen vom Surfsport abgewandt und möchte seine nächsten Erfolge als Snowboarder feiern. Clover begibt sich deshalb mit ihrem Team in die österreichischen Alpen nach Zell am See, wo Kit trainiert. Untergebracht im selben Chalet ist es selbst durch die erzwungene Nähe schwer für Clover, an Kit heranzukommen, der in der Presse als Monster dargestellt wird.

Das Cover und der Titel suggerieren eine romantische, winterliche (Liebes-)geschichte, die ein heimeliges Gefühl hinterlässt. Die Geschichte ist allerdings frostig, die Stimmung feindselig und die Charaktere von gegenseitigem Misstrauen geprägt.

Nach Clovers Erfolg und einem tragischen Unglück entwickelt sich die Geschichte in Österreich nur schleppend. Clover gibt Kit zu verstehen, dass sie ihn nicht leiden kann, Kit reagiert abweisend und hat keinerlei Interesse an einem klärenden Interview oder einem Film über seine Person. Das Verhalten der beiden Hauptfiguren ist in Bezug auf den Erfolg des Films, den beide aus unterschiedlichen Gründen notwendig haben, kontraproduktiv und deshalb nur schwer nachzuvollziehen. Die ganze Geschichte wirkt damit konstruiert und widersinnig und tritt lange Zeit auf der Stelle.
Die körperliche Anziehung, die zwischen Clover und Kit entsteht, sorgt für Knistern, aber nicht für Romantik oder Emotionen. Interessant wird die Geschichte erst nach 500 Seiten, wenn sich endlich bemüht wird, eine Erklärung für Kits Verhalten zu finden.

Gewalt, Todesfälle, Lügen, zerrüttete Familien, Verrat und böses Blut prägen den Roman und verhindern unbeschwerte Winterträume. Die Geschichte entwickelt sich durch die sturen Hauptfiguren nur schwerfällig und zögert die Aufdeckung von Kits Geheimnis künstlich in die Länge. Seine Märtyrerrolle ist diesbezüglich bis zum Schluss völlig unglaubwürdig. Romantik, Liebe und ein stimmungsvolles Setting zur Vorweihnachtszeit erwartet man vergebens. 

Montag, 1. Dezember 2025

Buchrezension: Anders de la Motte - Rostiges Grab (Leo Asker, Band 3)

Inhalt:

Leo Asker steht eine Beförderung in Aussicht, und damit die Hoffnung, die Abteilung für verlorene Seelen bald hinter sich zu lassen. Doch dann wird ihr ein Cold Case zugespielt, der ihr zum Verhängnis werden könnte.
Zehn Jahre zuvor wurde eine Frau unter mysteriösen Umständen ermordet und in einer verlassenen Torffabrik abgelegt. Das Opfer weist verblüffende Ähnlichkeiten mit dem "Graumädchen" auf, einer zweitausend Jahre alten Moorleiche aus derselben Gegend. Als nun – ähnlich mysteriös und wie aus dem Nichts – der abgetrennte, nie gefundene Finger der ermordeten Frau auftaucht, gerät nicht nur der Fall wieder in den Fokus, sondern auch der Ort: der mythenumwobene und vor Schauergeschichten strotzende Wald "Rostskogen", der seit jeher, so munkelt man, Tod und Unheil über die Menschen bringt.
Erneut bittet Leo Asker den Lost-Place-Experten Martin Hill um Hilfe. Zusammen setzen sie alles daran, das Rätsel um die tote Frau zu lösen und die düsteren Geheimnisse des Waldes und der dort ansässigen Bewohner zu lüften. 

Rezension: 

Kriminalkommissarin Leonore Asker leitet noch immer die Abteilung für verlorene Seelen, steht jedoch vor einer Beförderung, die sie direkt an die Seite des Polizeidirektors versetzen würde. Ihr beruflicher Konkurrent Jonas Hellman vermittelt ihrer Abteilung allerdings einen Kriminalfall, in der Absicht, sie zum Scheitern zu bringen und weiterhin in die Reserveabteilung im Keller zu verdammen.
Zwei Urban Explorer hatten eine still gelegte Torffabrik erkundet, in der vor Jahren eine ermordete Frau aufgefunden wurde. Vor Ort wurden sie von einer Bekannten der Toten überrascht, die ihnen einen Finger der Toten präsentierte, der bei den Ermittlungen zu dem Fall nicht aufgefunden worden war. Als Täter wurde der Ehemann vermutet, der jedoch spurlos verschwinden konnte.
Leo deckt sogleich einige Ungereimtheiten und schlampige Polizeiarbeit in dem Fall auf. Trotz Gefährdung ihrer Karriere nimmt sie sich zusammen mit den "verlorenen Seelen" dem Fall an, um für Gerechtigkeit für das Opfer zu sorgen und den Täter aufzuspüren. An ihrer Seite ist erneut ihr Jugendfreund Martin Hill, denn es gibt mysteriöse Verbindungen zu einer alten Moorleiche und den Gruselgeschichten rund um den Rostskogen.

"Rostiges Grab" ist der dritte Band der Nordic-Noir-Krimireihe um die strafversetzte Leo Asker. Wieder geht es um einen Cold Case und dunkle Machenschaften, die vertuscht werden sollen. Zudem handelt der Kriminalfall erneut an atmosphärischen, abgelegenen und düsteren Schauplätzen, die den Urban Explorer Martin Hill mit ins Boot holen.

Der Roman wird in kurzen Kapiteln abwechselnd aus der Perspektive von Asker und Hill erzählt, wobei es auch Einblicke in ihre gemeinsame Vergangenheit gibt, die Bezug auf die vorherigen Romane und Leos schwierige Kindheit bei Prepper-Per nehmen. Darüber hinaus kommt das Graumädchen zu Wort, was noch mehr Fragen in dem Cold Case aufwirft.

Leo handelt gewohnt unerschrocken und muss sich wieder gegen Intrigen und Manipulation innerhalb des Polizeidezernats in Malmö durchsetzen.
Fraglich ist dabei nicht nur, warum die Tote sterben musste und ob der richtige Täter ermittelt wurde, sondern auch warum ihr abgetrennter Finger so viele Jahre später auftaucht und warum sich die Polizei damals so wenig Mühe mit der Aufklärung des Falls gegeben hat. Eine mystische Komponente erhält der Fall durch die Erzählungen um das Graumädchen, die Moorleiche, die vor 50 Jahren in Rostskogen entdeckt worden war und die Rituale, die Jahre später durchgeführt wurden.

Durch nur wenige Spuren gestalten sich die Ermittlungen schleppend. Zudem scheint kaum jemand gewillt an der Fallaufklärung mitzuwirken, weder Angehörige des Opfers, noch Zeugen oder Kollegen, die früher mit dem Fall betraut waren. Die Mauern, auf die Leo stößt sind ermüdend bis die Fallaufklärung auf den letzten hundert Seiten dynamischer wird und Wendungen für weitere Spannung sorgen. 
Die Buchreihe bleibt ihrem Aufbau treu. Askers unerschütterlicher Kampfgeist, Hills mutige Unterstützung sowie ein actionreicher Showdown ähneln den Teilen davor. Zudem geht es erneut um die Herstellung von Gerechtigkeit und einen Kampf gegen Machtmissbrauch, Bestechlichkeit und Erpressung, wobei sich Leo mit hochrangingen Persönlichkeiten von Polizei und Justiz anlegen muss. 
Der Epilog deutet bereits einen vierten Band an, in dem Prepper-Per wieder in den Fokus rücken und Leo das Leben schwer machen wird...