Freitag, 6. Juli 2018

Buchrezension: Eithne Shortall - Liebe in Reihe 27

Inhalt:

Cora hat den Glauben an die Liebe aufgegeben. Zumindest was sie selbst betrifft. Deshalb versüßt sie sich ihren Job am Check-in-Schalter des Londoner Flughafens damit, Singles hoch über den Wolken zu verkuppeln. Mithilfe der glamourösen Flugbegleiterin Nancy macht Cora die Reihe 27 zu einem Liebeslabor. Dort findet sich bei jedem Flug ein Passagier ganz unverhofft neben seinem potenziellen Traummann oder seiner Traumfrau wieder. Die Verwicklungen sind vorprogrammiert, auch mit Vielflieger Aidan, der nicht so durchschaubar ist, wie er scheint. Wird Cora selbst irgendwann wieder auf Wolke (2)7 schweben?

Rezension:

Cora arbeitet am Check-in-Schalter in London-Heathrow und hat es sich dort zur Aufgabe gemacht, Single-Passagiere mit anderen Reisenden zu verkuppeln. Die potenziellen Pärchen platziert sie stets in Reihe 27, wo diese von Flugbegleiterin Nancy exklusiv mit Getränken versorgt werden. 
Cora selbst trauert noch ihrer Liebe Friedrich hinterher, ein Mann, wegen dem sie Berlin verlassen hat und zurück in ihre Heimat England gezogen ist. Für Verkupplungsversuche Nancys mit dem Kollege Charlie ist sie deshalb nicht offen. Neben dem Scheitern der Beziehung mit Friedrich belasten Cora zusätzlich die Sorgen um ihre Mutter Sheila, die an Alzheimer erkrankt ist und sichtlich abbaut. 

Der Roman ist überwiegend aus der Perspektive von Cora geschrieben, bei der ich allerdings nicht nachvollziehen konnte, weshalb sie so auf ihren deutschen Exfreund Friedrich fixiert ist. Er hatte sie in Berlin finanziell ausgenutzt und sie auch als seine Freundin nicht gerade liebevoll behandelt. Das alles realisiert sie, liebt ihn aber immer noch. 
Die Szenen mit ihrer Mutter dagegen sind berührend, passen aber nicht in den Gesamtkontext des Romans um das Suchen und Finden der Liebe. 

Weitere Szenen handeln während der Flüge der Aer Lingus, wodurch man Einblicke in die Entwicklung von Coras Verkupplungsmanöver erhält. Die Episoden beschränken sich allerdings auf die Unterhaltungen der potenziellen Pärchen, die oft über reinen Smalltalk nicht hinausgehen. 
Stewardess Nancy spioniert die Paare dabei aus, um Cora von den möglichen Erfolgsaussichten zu berichten. Nancy ist davon abgesehen sehr auf sich selbst und ihre Karriere fixiert. Sie träumt davon, mit 28 Jahren zur Chefstewardess befördert zu werden. 

Der Roman ist anders als gedacht keine humorvolle, romantische Liebesgeschichte, sondern mutet durch die melancholische und schon fast bemitleidenswerte Protagonistin Cora eher schwermütig an. Sie verhält sich wie ein Stalker, indem sie die Passagierlisten checkt und über ihre Kandidaten im Internet recherchiert. Fanatisch befasst sie sich mit dem Leben völlig fremder Menschen, um sich von ihrem eigenen Leben abzulenken. Ihr Job am Check-in-Schalter macht für sie nur Sinn, wenn sie andere Menschen zu ihrem Liebesglück verhelfen kann. Aber ebenso wenig wie Cora kann man auch als Leser nur munkeln, wie es mit den Passagieren zukünftig weitergeht. 

Im letzten Drittel des Romans macht Cora einen Wandel durch und sieht Vielflieger Aiden, einen Arzt, den sie bisher nicht erfolgreich mit einer Passagierin verkuppeln konnte, weil dieser noch zu sehr an seiner Exfrau hing, mit anderen Augen. Nach wie vor hat sie allerdings Probleme, anderen Menschen zu vertrauen und steht sich und ihrem Glück damit selbst im Wege. 
Die interessante Idee des Romans ist für mich nur unzulänglich umgesetzt. Bis auf Cora bleibt die Vielzahl der Charaktere blass und die Episoden um die möglichen Pärchen-Konstellationen nur oberflächlich, so dass die Geschichte am Ende etwas unausgereift und unbefriedigend auf mich wirkte. Der Roman konnte mich deshalb nicht fesseln und war insbesondere im Mittelteil etwas zäh zu lesen. Er enthält einfach zu viele Einzelschicksale - neben Cora und ihrer Mutter sowie der zu verkuppelnden Fluggäste, ihre Kollegen Nancy, Joan, Ray und Charlie - die jeder für sich eine Geschichte wert gewesen wären, so dass alle am Ende etwas kurz gekommen sind und keine Geschichte vertieft werden konnte. 



Mittwoch, 4. Juli 2018

Buchrezension: Jenny Colgan - Die kleine Sommerküche am Meer (Floras Küche, Band 1)


Inhalt:

Vom quirligen London zur entlegenen Insel Mure? Nein – nur widerwillig kehrt die junge Flora in ihre schottische Heimat zurück. Weder die unberührte Landschaft noch das glitzernde Meer können sie aufmuntern, während sie ihren geschwächten Vater und ihre Brüder versorgt. Doch dann entdeckt sie das alte Kochbuch ihrer verstorbenen Mutter, und als sie ein Rezept nach dem anderen ausprobiert, öffnet sich ihr Herz: für die Sinnlichkeit des Essens, für die Schönheit der Natur und für einen neuen Anfang...

Rezension:

Flora ist Mitte 20 und arbeitet als Rechtsanwaltsgehilfin in einer Kanzlei in London. Heimlich schwärmt sie für ihren Chef, den unnahbaren Amerikaner Joel. Ihre Heimat, der schottischen Insel Mure, hat Flora mangels Zukunftsperspektiven schon länger den Rücken gekehrt. Zum letzten Mal war sie vor drei Jahren zur Beerdigung ihrer Mutter auf der Insel. 
Als die Kanzlei vom Milliardär Colton Rogers beauftragt wird, ihn bei einem Projekt zu unterstützen, ist es Flora, die erstmalig von ihrem Chef wahrgenommen wird, da Rogers ausdrücklich jemanden mit schottischen Wurzeln sucht. Wie der Zufall es so will, baut Rogers ausgerechnet auf Mure ein Hotel, in dessen unmittelbare Nachbarschaft ein Windpark gebaut werden soll. Flora soll die Menschen auf der Insel dazu bewegen, für eine Verlagerung der Windkraftanlagen zu plädieren. 
Floras Weggehen stieß bei der Inselbevölkerung und vor allem bei ihrem Vater und ihren drei Brüdern auf Unverständnis, weshalb sie selbst erst einmal neues Vertrauen aufbauen muss. 

Mit einer Imagekampagne für Rogers und kulinarischem Geschick versucht Flora das Wohlwollen der Bewohner Mures zu gewinnen und merkt dabei, dass sie sich auf der Insel wohler fühlt, als gedacht. Und auch Joel beginnt bei seinen Aufenthalten auf der Insel aufzutauen und Flora mit einem anderen Blick zu betrachten. 

"Die kleine Sommerküche am Meer" ist der Auftakt der neuen Bücherreihe von Jenny Colgan, die durch "Die kleine Bäckerei am Strandweg" bekannt geworden ist. Schauplatz ist die abgelegene, fiktive schottische Insel Mure mit ihren eigenbrötlerischen Bewohnern, dem unberechenbaren Wetter und den mythischen Erzählungen und gälischen Sagen. 

Es ist eine herzerwärmende Geschichte über eine junge Frau, die ihren Weg im Leben noch nicht gefunden hat und nach dem Tod ihrer Mutter, die unbedingt wollte, dass diese sich ein Leben in London aufbaut, in Lethargie verfallen ist. Nur durch den Auftrag für die Kanzlei kehrt sie gezwungenermaßen auf Mure zurück und hat zurecht zunächst Angst davor, da sie nicht mit offenen Armen empfangen wird. Vor allem ihre Brüder, die dort den Bauernhof der Familie mehr schlecht als recht bewirtschaften, fühlten sich von ihr im Stich gelassen und sind eifersüchtig auf ihre Unabhängigkeit und Freiheit. 

Als Leser spürt man bald nach Floras Ankunft, dass sie ein naturverbundener Familienmensch ist und damit viel besser nach Mure als in die Großstadt London passt. Auch der Umgang mit Lebensmitteln scheint ihr mehr zu liegen, als die trockene Arbeit in einem Büro.

Wie schon in "Die kleine Bäckerei am Strandweg" spielen auch in dieser Reihe ein Neuanfang, Selbstverwirklichung, Kulinarik, Natur und Tiere eine tragende Rolle. Der Roman vermittelt ein Gefühl von Heimat, eine Zugehörigkeit zur Familie und seinen Wurzeln, die man nicht verleugnen kann. 
Schön ist es zu lesen, wie sich das Wir-Gefühl auf der gesamten Insel entwickelt und wie letztlich Milliardär Rogers als auch die Inselbewohner einsehen, dass sie aufeinander angewiesen sind und nur gemeinsam das millionenschwere Projekt des Luxus-Hotels stemmen können, das wiederum Vorteile für beide Seiten bringt. 
Die "Sommerküche am Meer" dient auch der Trauerbewältigung und setzt Floras Mutter durch das Nachkochen ein kleines Denkmal auf der Insel. 

Floras Liebesleben spielt deshalb nicht die tragende Rolle in der Geschichte, entwickelt sich gemächlich und damit auch sehr authentisch, ohne dass von Vornherein klar ist, ob die Schwärmerei für Joel eine Zukunft hat oder ob Flora nicht doch besser zu dem Naturburschen Charlie passt. 

Ich mochte das Setting auf der Insel, Floras nicht ganz unproblematische Familiengeschichte, ihre persönliche Weiterentwicklung und die weiteren sympathischen Charaktere, so dass ich mich schon jetzt auf die Fortsetzung der Buchserie freue. 



Montag, 2. Juli 2018

Buchrezension: Elin Hilderbrand - Inselschwestern

Inhalt:

Die Zwillingsschwestern Harper und Tabitha sind unzertrennlich. Doch als die Eltern sich scheiden lassen, nimmt der Vater ein Mädchen mit nach Martha's Vineyard, das andere bleibt bei der Mutter auf Nantucket. Über die Entfernung leben sie sich auseinander, aus einst engsten Vertrauten werden Fremde, und schließlich bricht der Kontakt vollends ab. Doch dann stirbt der Vater, und Tabitha und Harper tauschen die Inseln – und ihren Alltag – um ihre Familien wieder zusammenzuführen. Ein einzigartiger Sommer bricht an, voller Konflikte und Feindschaften, Liebe und Freundschaften. Wird er die Schwestern versöhnen, oder sie endgültig entzweien?

Rezension:

Harper und Tabitha Frost sind eineiige Zwillingsschwestern. Als sie 14 Jahre alt sind, trennen sich ihre Eltern und entzweien damit auch die beiden Schwestern. Mit "Stein, Schere, Papier" handeln die Schwestern untereinander aus, wer bei welchem Elternteil verbleibt. Tabitha verliert und muss bei ihrer Mutter Eleanor in Nantucket bleiben, während Harper mit ihrem Vater auf die benachbarte Insel Martha's Vineyard ziehen darf. Tabitha hegt seitdem einen Groll auf ihre Schwester und da sie sich aufgrund der Scheidung der Eltern nicht mehr sehen, entfremden sie sich. 
Nach über zehn Jahren sehen die beiden sich 2003 wieder, als Harper nach Nantucket zurückkehrt, um ihrer Schwester, die inzwischen Mutter von zwei Kindern ist und mit ihrem Lebenspartner Wyatt zusammenwohnt, mit dem neugeborenen Sohn Julian zu helfen, der ein Frühchen ist. Diese vier Tage werden die Schwestern erneut entzweien...
Erst nach dem Tod des Vaters kommen die beiden bei der Trauerfeier wieder zusammen, gehen sich aber bewusst aus dem Weg. Als Eleanor nach der Feier angetrunken stürzt und sich die Hüfte bricht und beide Schwestern aus unterschiedlichen Gründen auf der Flucht sind, tauschen sie die Rollen. Harper zieht nach Nantucket, wo sie sich um ihre 16-jährige Nichte Ainsley und die Eleanors Luxus-Boutique kümmert, während sich Tabitha die Sanierung von Billys Haus vornimmt, um dieses gewinnbringend veräußern zu können. 

Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem so viele bösartige Frauen - in allen Generationen - aufeinanderprallen. Aufgrund eines tragischen Unglücks sind die beiden Zwillingsschwestern Tabitha und Harper tief zerstritten und sprechen kein Wort miteinander. Mutter Eleanor war stets distanziert und hat ihre Zwillinge nicht sehr mütterlich behandelt. Tabitha hat diesen Erziehungsstil übernommen und Ainsley weniger wie eine Tochter, sondern vielmehr als Gleichaltrige behandelt. Ainsley kennt keine Grenzen und nutzt dies schamlos aus. Alkohol, Drogen, üble Streiche, Suspendierung von der Schule - Tabitha guckt einfach nur weg. 
Harper bewegt sich gesellschaftlich in anderen Kreise, ist bodenständiger und wirkt weniger steif. Aber auch sie ist problembehaftet, nachdem sie mit dem verheirateten Arzt ihres Vaters eine Affäre eingegangen ist. 
Beide Schwestern sind deshalb seltsam froh, ihre jeweiligen Inseln verlassen zu können. Sie wachsen an ihren neuen, ganz anderen Aufgaben und entwickeln sich auch persönlich weiter. Sie beginnen ihre Leben zu überdenken und die Ereignisse der Vergangenheit zu verarbeiten.

Der Roman ist abwechselnd aus der Perspektive von Tabitha bzw. Harper geschrieben, so dass man beiden Schwestern nahe kommt und sich in ihre Gefühlswelten hineinversetzen kann. Man spürt den Groll, der sich all die Jahre aufgestaut hat, wie nötig es beide mit knapp 40 Jahren haben, aus ihren jeweiligen Leben auszubrechen und etwas ganz Neues zu machen. Es ist ein Sommer der Vergangenheitsbewältigung, der Gewinnung neuer Einsichten und Erkenntnisse. Beide Schwestern stellen sich letztlich ihren Konflikten auf der Insel und kommen sich mit der Unterstützung Eleanors, die sich während ihrer Genesung selbst reflektiert und merkt, wie viel sie im Umgang mit ihren Töchtern falsch gemacht hat, endlich näher. 

"Inselschwestern" ist ein turbulenter, sehr unterhaltsamer Roman über zwei Schwestern, die sich entzweit haben und nach einer Auszeit vom Alltag und einem Tapetenwechsel mit sich selbst ins Reine kommen müssen, um verzeihen zu können und das enge Band, das Zwillingsschwestern verbindet, wieder zu kitten. 
Es ist eine tiefgängige Familiengeschichte voller Emotionen, die in Bezug auf die Entwicklung der beiden Schwestern packend geschrieben ist und durch Witz und Charme, aber auch traurige Momente, bestens unterhält.