L.A., Venice Beach: Im International Hostel bleibt vom Glamour der Strandpromenade wenig übrig. In der heruntergekommenen Absteige treffen Backpacker aus verschiedenen Nationen aufeinander. Viele sind auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit – und manche von ihnen hüten ein dunkles Geheimnis. Tommy, den seine eigenen düsteren Erinnerungen hierhergetrieben haben, jobbt im Hostel und kennt seine zwielichtigen Gäste. Wie Savannah, die aus gutem Grund einen Revolver unter ihrem Kopfkissen versteckt, oder der undurchsichtige Krankenpfleger Eric. Tommy ahnt, dass Eric vor nichts zurückschreckt und dass jedem Gefahr droht, der ihm zu nahe kommt.
Rezension:
In einem heruntergekommenen Hostel in Venice Beach kommen acht Reisende zusammen, die nicht wegen eines klassischen Urlaubs in Los Angeles sind. Sie alle laufen vor etwas weg oder hoffen, etwas Neues zu finden.
Mit der Vergangenheit im Rücken haben sie Geheimnisse, die sie mit niemandem teilen möchten.
Tommy ist nach einer schweren Krise nach Amerika gekommen und hat in dem Hostel einen Job am Empfang bekommen. Er beobachtet die eintreffenden Gäste, schließt Freundschaften, möchte andere aber am liebsten wieder gehen sehen.
Der Roman wird aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert. Aufgrund der Vielzahl der handelnden Personen und jeweiligen Rückblenden in die Vergangenheit braucht es zunächst Konzentration, um die Protagonisten und ihre Hintergründe zu sortieren und einzuordnen.
Die kurzen Kapitel und schnellen Perspektivwechsel machen dies nicht einfacher, sorgen mit wiederholten Mini-Cliffhangern aber für anhaltende Spannung und Fragezeichen, was jeder einzelne (noch) zu verbergen hat und wo Gefahr drohen könnte.
Im Verlauf der Handlung wird durch die Rückblenden und Geständnisse deutlich, welche Geschichten die einzelnen - moralisch ambivalenten - Protagonisten bergen, vor was sie geflüchtet sind und was sie in der Vergangenheit getan haben. Die Vielzahl an dramatischen Ereignissen bleibt die Geschichte vielschichtig und hat emotionale Momente. Zudem ergeben sich im weiteren Verlauf immer mehr Überschneidungen, die von einem raffinierten Aufbau des Romans zeugen ohne allzu weit hergeholt zu sein.
"The Vacation" ist bereits im Jahr 2015 unter dem Titel "Welcome to Wherever You Are" erschienen, wurde Jahre später überarbeitet und ist nun neu ins Deutsche übersetzt worden. Im Gegensatz zu seinen späteren Werken ist "The Vacation" vom Spannungsaufbau schwächer, überzeugt jedoch mit originellen Einzelschicksalen und kann aber mit einigen Wendungen aufwarten, die manche Person in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Der Roman handelt von Rassismus, Missbrauch, Einsamkeit und zerrütteten Familien und zeigt deutlich, was (jahrelanges) Martyrium und Verletzungen aus einem Menschen machen können und was dieser dann bereit ist, zu tun.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen