Mittwoch, 9. September 2020

Buchrezension: Julius Kron - Die Tote von Dresden


Inhalt: 

Die Kommissare Frank Haberking und Anna-Maria Slakow haben nur eines gemeinsam: nichts zu verlieren. Sie wurden strafversetzt und sollen die zehn Jahre zurückliegende Entführung der Dresdner Familienrichterin Jennie Flagant aufklären. Ein Fall, an dem bisher alle Ermittler gescheitert sind. Jennie Flagant wurde damals in die Zwangsprostitution verschleppt. Da sie wenige Tage nach ihrer Befreiung durch die Polizei Selbstmord beging, blieben viele Fragen offen. Wer hat sie durch diese Hölle gehen lassen und vor allem: Warum? Auf der Suche nach Antworten geraten Slakow und Haberking in einen Fall mit ungeahnten politischen Dimensionen, der sie in höchste Gefahr bringt. 

Rezension: 

Frank Haberking und Anna-Maria Starkow sind Kriminalkommissare, die beide Fehler bei der Bearbeitung vergangener Fälle gemacht haben, deshalb strafversetzt wurden und nun gemeinsam an einem Cold Case arbeiten müssen. Sie sollen den zehn Jahre zurückliegenden Fall um die Richterin Jennie Flagant aufklären, die entführt wurde, zur Prostitution gezwungen wurde und sich aus Verzweiflung umgebracht hat. 

Haberking ist ein prinzipientreuer Ermittler, der vor allem an seine Familie denkt und sich beruflich nichts mehr zu Schulde kommen lassen möchte. Auf mich wirkte er für einen Polizisten zu weich und in Bezug auf seine Ehefrau und seine beiden Kinder schon fast weinerlich. Starkow ist dagegen eine toughe Frau, die eher unkonventionell arbeitet und nicht davor zurückscheut, sich in Gefahr zu bringen. Da es sich bei "Die Tote von Dresden" um den Auftakt einer Reihe handelt, könnten sich die beiden ungleichen Ermittler insofern auch in folgenden Fällen gut ergänzen. 
Die Ermittlungen im Fall der verschleppten Jennie Flagant empfand ich allerdings als wenig spannend geschildert. Neue Spuren ergaben sich fast von selbst und wurden etwas sprunghaft verfolgt, ohne dass die zahlreichen in den Fall involvierten Personen längerfristig eine größere Rolle gespielt hätten. Ich fand das Durcheinander aus Serbenmafia, fragwürdigen Politikern und Korruption innerhalb der Polizeistrukturen sehr wirr. 
Die Rückblenden in die Jahre 1995 und 2006 fand ich dagegen dramatischer und fesselnder. Nur diese sorgten dafür, dass ich das Buch nicht öfter zur Seite gelegt hatte, da die Handlung in der Gegenwart einerseits sehr konstruiert und verworren wirkte und andererseits mit den Sorgen Haberkings um seine Familie die Nerven strapazierte, während man zur interessanteren Figur Starkow gar keine Hintergründe erhielt. So war es für mich etwas zu einseitig, könnte aber bewusst so gewählt worden sein, um sich weitere Optionen für folgende Bände offen zu halten. 

Trotzdem fand ich den Auftakt der Reihe für einen Krimi nicht spannend genug und auch der Stil der Ermittlungen konnte mich nicht wirklich neugierig auf nachfolgende Fälle von Haberking und Starkow machen. 



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