Mittwoch, 3. Oktober 2018

Buchrezension: AJ Pearce - Liebe Mrs. Bird

Inhalt:

London 1941. Emmeline Lake träumt davon, Kriegsreporterin zu werden. Als sie eine Anzeige für einen Job beim London Evening Chronicle sieht, scheint ihr Traum in greifbare Nähe gerückt zu sein. Stattdessen stellt sich heraus, dass sie als Sekretärin bei der respekteinflößenden Kummerkastentante Henrietta Bird arbeiten soll. Ihre Hauptaufgabe wird darin bestehen, die Leserbriefe für Mrs. Bird vorzusortieren. Die Anweisungen ihrer Chefin sind unmissverständlich: Alle Briefe, die irgendwie anstößig sind, gehen sofort in den Papierkorb. Doch Emmy liest Briefe von Frauen, die mit ihren Verlobten zu weit gegangen sind oder die sich von ihren Männern mehr körperliche Aufmerksamkeit wünschen. Emmy fühlt mit ihnen: Sie beginnt, den Frauen Antworten zu schreiben. Und unterzeichnet mit Mrs. Bird. 

Rezension: 

Emmeline Lake, Emmy, ist 22 Jahre alt und träumt davon, als ernstzunehmende Kriegsberichterstatterin zu arbeiten. In der irrigen Annahme, eine Anstellung als Journalistin für die "London Evening Chronicle" zu erhalten, nimmt sie eine Arbeit bei der Herausgeberin einer Frauenzeitschrift, der sehr resoluten älteren Dame Mrs. Bird an. Diese vertritt sehr antiquierte Ansichten, weshalb die wenigsten Briefe der Leserinnen, die sich mit Fragen zur Ehe, Geschlechtlichkeit oder Politik beschäftigen, beantwortet werden. Emmy soll anstößige Briefe aussortieren und diese vernichten. Emmy bringt es allerdings nicht über das Herz, die Briefe der jungen Frauen zu vernichten, versucht diese im Namen von Mrs. Bird zu beantworten und gibt sie sogar vereinzelt in den Druck. Niemand außer der aufmerksamen Assistentin Kathleen von Mrs. Bird, mit der sich Emmy angefreundet hat, bemerkt die plötzlich anders klingenden Antworten an die Leserinnen, die die Auflage steigern. 

Im Vergleich zur sich verschärfenden Situation im bombardierten London der Jahre 1940/ 1941 wirken die Briefe trivial, aber bieten Ablenkung in den schlimmen Zeiten. Emmy arbeitet neben ihrer Tätigkeit für Mrs. Bird nach Feierabend bei der Freiwilligen Feuerwehr um Notrufe entgegenzunehmen. 
Ihre beste Freundin ist Bunty, die sich mit Bill verlobt. Emmy wird dagegen von ihrem Freund, dem Arzt Edmund, für eine Krankenschwester verlassen, verliebt sich aber bald danach in den jüngeren Bruder ihres Kollegen Mr. Collins, Charles. 

Emmy ist eine sehr sympathische Protagonistin, die das Herz auf dem rechten Fleck hat. 
Der Roman beschreibt sehr eindringlich die Atmosphäre während des Zweiten Weltkrieges in London, insbesondere als die Angriffe der deutschen Streitkräfte zunehmen und sich die Einschränkungen für Bevölkerung verschärfen. 

Was etwas naiv und scheinbar belanglos mit den Sorgen der Frauen der damaligen Zeit beginnt, mündet in ein Drama über Liebe und Freundschaft und Vertrauen in einer zunehmend bedrohlicheren Welt. 
Emmy entwickelt sich weiter, wird mutiger und kämpft um ihre Freundschaft mit Bunty, die sie durch einen dummen Fehler gefährdet. 

Der Roman ist wunderbar charmant und warmherzig geschrieben. Es ist eine süße Geschichte, die von wahren Leserbriefen inspiriert ist, die sich insbesondere zu Beginn aber nur gemächlich entwickelt und mich auch deshalb nicht durchgehend fesseln konnte, da sich Emmy so scheinbar problemlos über die Herausgeberin hinwegsetzen konnte. 
Die Schilderungen der Bombardierungen und Folgen für Emmy und ihre Freunde sind allerdings sehr anschaulich, mitnehmend und bewegend dargestellt. 



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