Freitag, 8. April 2016

Buchrezension: Liz Balfour - Ich schreib dir sieben Jahre

Inhalt:

Wer ist der mysteriöse Fremde, der ihrer Mutter sieben Jahre schrieb? Als die knapp dreißigjährige Ally Briefe eines M. an ihre Mutter findet, ist ihre Welt aus den Angeln gehoben: Hatte ihre Mutter ein Leben, das sie vor jedem geheim hielt? Dabei ist Ally schon genug damit beschäftigt, ihr erfolgreiches, scheinbar perfektes Leben weiterzuführen. Als sie die Briefe liest, kommt ihr ein schlimmer Verdacht: Der Mann, den sie nicht wagt zu lieben, könnte ihr Halbbruder sein.

Rezension:

Die knapp 30-jährige Ally hatte nie einen guten Draht zu ihren Eltern. Schon als Teenager hat sie das Cottage in Irland verlassen und ist auf Anraten ihrer Eltern zu ihrer Tante nach England gezogen. Sie wollten, dass sie eine bessere Ausbildung und ein besseres Leben als auf dem Land erhält. Ally hat sich in London auch immer wohlgefühlt und Karriere als Anwältin gemacht. Inzwischen ist sie mit Benjamin verheiratet, mit dem sie gemeinsam eine Kanzlei in London führt.

Der Kontakt zu ihren Eltern ist fast eingeschlafen. Ihr Vater ist zwischenzeitlich verstorben und jedes Mal, wenn sie ihre Mutter Deirdre besuchte, gerieten sie in Streit.
Jetzt liegt Deirdre nach einem Herzinfarkt im Koma, weshalb Ally in das Cottage nach Irland zurückkehrt. Dort findet sie leidenschaftliche Briefe eines "M." aus den 1970er-Jahren, der offensichtlich verheiratet war, aber unsterblich in Deirdre verliebt war. Als sie von ihm schwanger wird, überlegte er sogar seine Familie zu verlassen.
Durch die Briefe lernt Ally ihre Mutter völlig neu kennen und bereut, dass sie immer so ein schlechtes und inzwischen fast gar kein Verhältnis zueinander haben. Sie hat so viele Fragen und hofft, dass Deirdre aus dem Koma erwacht.

In Irland trifft sie auch Eoin wieder, den sie bei einem Heimatbesich vor sieben Jahren bei einer Party kennenlernte und für den sie fast die Hochzeit mit Benjamin abgesagt hätte. Er macht sie auch heute noch nervös. Obwohl sie ihn kaum kennt, spürt sie eine enge Bindung zu ihm. Er war auch derjenige, der ihre Mutter nach dem Herzinfarkt gefunden und sich auch sonst um Deirdre, die in dem Cottage recht abgeschieden lebt, gekümmert hatte.

Währenddessen beschäftigt Benjamin in der Kanzlei ein Fall einer Plagiatsaffäre in der Modebranche. Ein bekannter Modedesigner und Mandat der Kanzlei möchte Allys beste Freundin Kate verklagen. Ally ist in ihrer Solidarität zwischen Benjamin und ihrer gemeinsamen Kanzlei sowie ihrer Freundschaft zu Kate hin und hergerissen.

Außerdem steht sie vor der Entscheidung, das Cottage zu verkaufen, was im Pflegefall der Wunsch ihrer Mutter war, um ihrer Tochter (finanziell) nicht zur Last zu fallen. Es liegt ein Angebot für das fehlende Stück Land vor, um eine Ferien und Freizeitanlage zu erbauen. Dieses Vorhaben missfällt Eoin, zu dem sich Ally immer mehr hingezogen fühlt, gewaltig.

Puh... in dem Roman werden neben der Familien- und Liebesgeschichte sehr sehr viele Themen wie Tier- und Umweltschutz, Ehebruch und Fehlgeburten bis zum Nordirland-Konflikt angesprochen. Meines Erachtens ist der Roman damit etwas überladen. Das zerrüttete Familienleben sowie die Entwicklung und Aufklärung desselbigen kamen mir dabei etwas zu kurz. Die Zusammensetzung der einzelnen Puzzleteile und Aufösung der Rätsel um Deirdra, ihre verlorene Liebe und den verstorbenen Ehemann kam am Ende des Romans sehr ad hoc und die vorhersehbare Versöhnung von Mutter und Tochter war dann doch sehr seicht.

Nichtdestotrotz sorgt "Ich schreib dir sieben Jahre" für kurzweilige Lesestunden, vor allem für Freunde von Familiengeschichten in irischer Kulisse. Es ist aber kein Roman, der mir länger im Gedächtnis bleiben wird.



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