Freitag, 10. April 2026

Buchrezension: Miriam Georg - Im Nordlicht (Die Nordwind-Saga, Band 2)

Inhalt:

Hamburg, 1914. Alice’ kleine Tochter ist verschwunden! Die junge Mutter sucht überall nach Rosa. Vergeblich. Nur ihr unberechenbarer Ehemann Henk weiß, wo sie ist. Aber er schweigt. Weil Alice sich von ihm scheiden lassen will, benutzt er das Kind als Druckmittel. In ihrer Verzweiflung nimmt Alice eine Stelle als Dienstmädchen in der Villa von John Reeven an. Die Arbeit bei dem Anwalt ist ihre einzige Hoffnung, vor Gericht einen guten Eindruck zu machen.
Seine Familie, seine Verlobung, das Vermögen – alles um John herum zerfällt. Die Hochzeit steht kurz bevor. Aber wie kann er, mit Alice täglich vor Augen, eine Vernunftehe mit Evelyn eingehen?
Unaufhaltbar wächst die Liebe zwischen Alice und John, doch eine Verbindung zwischen ihnen ist ausgeschlossen. Ihre Welten sind zu verschieden. Und John ahnt nichts von Alice‘ Vergangenheit, die sie mit aller Macht vor ihm verborgen hält. 

Rezension:

Alice Bloom ist auf der verzweifelten Suche nach ihrer Tochter Rosa, die ihr Ehemann, von dem sie sich scheiden lassen möchte, ihr entzogen hat. Im Haus der Familie von John Reeven, der sie bisher als Anwalt vertreten hat, hat Alice eine Anstellung als Dienstmädchen gefunden, wobei es beide schmerzt, dass sie sich so nah sind, aber ihre Gefühle nicht zulassen dürfen. John muss die Heirat mit seiner Verlobten Evelyn planen, nachdem die Familie mit der Erkrankung von Johns Vater Theodor und dem überraschenden Tod von Evelyns Eltern gelitten hat.
Auch Johns Schwester Blanche leidet, hat aber einen Plan entwickelt, um der Tyrannei ihres Ehemanns Einhalt zu gebieten. Währenddessen verzweifelt Marlies an ihren unerwiderten Gefühlen für John, ist sie doch mit seinem Bruder Julius verheiratet, der wiederum mit seinem Rang innerhalb der Familie hadert.

"Im Nordlicht" ist der zweite Band der atmosphärischen "Im Nordwind"-Saga und setzt genau dort fort, wo "Im Nordwind" spannungsgeladen endete.

Der Fokus der Geschichte liegt weiterhin auf Alice, insbesondere da über Rückblenden in die Zeit vor der Jahrhundertwende erzählt wird, was sie in jungen Jahren durchgemacht hat und ihr im Kampf um das Sorgerecht für Rosa zum Verhängnis werden könnte. Darüber hinaus werden die Lebensgeschichten der weiteren aus Band 1 bekannten Personen vertieft. Im Hause Reeven spielen sich dabei zahlreiche Dramen ab, die jedoch nicht unglaubwürdig sind, sondern mit der Entwicklung der Figuren schlüssig einhergehen.

Die Geschichte ist facettenreich und lebendig und verknüpft anschaulich die harten Fakten der damaligen Zeit mit den emotional bewegenden Schicksalen der fiktiven Personen.
Der Roman versetzt die/ den LeserIn nach Hamburg ins Jahr 1914 und entwirft ein detailgetreues Porträt der Gesellschaft, wobei die unterschiedlichen sozialen Schichten mit ihren Schwierigkeiten und Entscheidungen beleuchtet werden. Die Liebesdramen und Sorgen um geliebte Angehörige treffen Arm und Reich. Für die untere Schicht ist das Leben ein ewiger Kampf und mit Leid verbunden, das mitunter zu Verzweiflungstaten führt. Aber auch die Schicksale der Privilegierten gehen nahe, die in den Konventionen gefangen sind und sich Glück ebenso wenig erkaufen können.

Gefesselt verfolgt man jedes einzelne Schicksal, unabhängig von sozialem Rang oder Sympathie, und kann durch die sich stetig ändernden Perspektiven in die Lebenswelt, Gedanken und Gefühle jedes einzelnen eintauchen. Mit dem Wechsel zwischen Vergangenheit und erzählender Gegenwart steigert sich die Spannung um das Schicksal von Alice, deren Geheimnisse bekannt zu werden drohen, und ihrer Tochter kontinuierlich bis zum Ende. 
"Im Nordlicht" ist ein dramatischer und packender Abschluss der historischen Dilogie, der die in Band 1 aufgeworfenen Themen Scheidungsrecht, Gewalt in der Ehe, soziale Ungerechtigkeit, Depressionen, Zwangsprostitution und Menschenhandel noch weiter vertieft und die gesellschaftlichen Zwänge zur damaligen Zeit eindrücklich darlegt. 

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