Mittwoch, 28. Januar 2026

Buchrezension: Kira Mohn - Alle glücklich

Inhalt:

Nina: Mutter, Ehefrau, MTA. Erfüllt alle Rollen, doch daneben gibt es eine, von der niemand etwas weiß.
Alexander: Oberarzt, Ehemann, Vater. Tut alles für seine Familie, opfert sich auf als Arzt – und wer dankt es ihm?
Emilia: Gymnasiastin. Zum ersten Mal richtig verliebt. Sucht ihren eigenen Weg, geht aber den des Freundes.
Ben: Student. Es geht ihm gut. Es geht ihm wirklich gut. Verdammt noch mal, es geht ihm gut!
Nina, Alexander, Emilia und Ben. Eine liebevolle Mutter, ein beruflich erfolgreicher Vater, zwei wohlgeratene Kinder. Doch wenn der Druck steigt, reißt die Fassade auf. 

Rezension:

Die vier Holtsteins sind eine Bilderbuchfamilie: Vater, Mutter und zwei Teenager ohne Geldsorgen in München.
Alexander ist Arzt im Krankenhaus und sieht sich als Ernährer der Familie. In seinem Beruf geht er auf, Zeit für seine Frau und die Kinder bleibt wenig. Nina arbeitet, seitdem die Kinder größer sind, halbtags als Arzthelferin, ihr Medizinstudium konnte sie als zweifache Mutter nicht beenden. Heimlich hat sie einen Job als Kassiererin in einem Supermarkt angenommen, um nicht jeden Friseurbesuch vor ihrem Mann rechtfertigen zu müssen.
Die 16- jährige Emilia ist verliebt in ihren ersten richtigen Freund, aber verunsichert, weil so viel souveräner und erfahrener ist als sie. Ihr älterer Bruder hat hingegen keine Erfahrungen in Liebesdingen. Ben studiert, zieht sich aber darüber hinaus in sein Zimmer vor den Computer zurück. Er würde gerne raus aus der Passivität und findet im Internet einen Mentor, der ihn motiviert.

Die vier Holtsteins sind grundsätzlich glücklich, aber ein Blick hinter die Fassade zeigt, dass es in jedem von ihnen brodelt.

Der Roman wird abwechselnd aus allen vier Perspektiven geschildert, wobei der Alltag in einer Familie mit Teenagern realitätsnah abgebildet wird. Die Ehe ist von einer fehlenden Romantik geprägt und zunehmende Streits und unterschiedliche Erwartungen gefährden die Harmonie. Die Teenager führen ihr eigenes Leben und ziehen sich aus der Fürsorge der Eltern zurück.

Im Vordergrund stehen die Emotionen und das, was jedes Familienmitglied innerlich bewegt. Es ist spürbar, dass die Familie sich auseinandergelebt hat und nicht so glücklich ist wie sie sein möchte. Die Emotionen - egal ob Wut, Enttäuschung, Verzweiflung oder Liebe - führen auch dazu, dass sich in jedem Leben etwas bewegt. Jeder bringt für sich einen Stein ins Rollen, das nicht nur das fragile Familiengefüge weiter erschüttern, sondern auch zu einer persönlichen Katastrophe führen könnte.
Drastisch wird aufgezeigt, was sich aus andauernder Unzufriedenheit, fehlendem Verständnis und mangelnder Kommunikation entwickeln kann. Dies sorgt für Spannung und Dramatik, wobei in einer Familie innerhalb kurzer Zeit wirklich viel ins Wanken gerät, was trotz der alltagsnahen Darstellung in Summe überspitzt ist. Dass die Geschichte abgewürgt mit einem einzigen Scherbenhaufen endet, wirkt unentschlossen und unglücklich unfertig.

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