Montag, 12. Januar 2026

Buchrezension: Emilia Hart - Die Unbändigen

Inhalt:

KATE, 2019
Kate flieht aus London und lässt alles zurück – endlich hat sie die Kraft gefunden, den Mann zu verlassen, der ihr Leben kontrolliert. Sie findet Zuflucht im Weyward Cottage im Norden Englands, das sie von ihrer Großtante Violet geerbt hat. Dort stößt Kate aber auf verstörende Gerüchte und auf ein sorgsam gehütetes Geheimnis, das sie tief in die Geschichte ihrer Vorfahren führt, bis zurück in die Zeiten der Hexenjagd.
VIOLET, 1942
Violet liebt die Natur über alles. Sie sammelt weitaus lieber Insekten und klettert auf Bäume, als sich an die strengen Benimmregeln für junge Damen zu halten. Dann verändert die folgenschwere Begegnung mit einem Mann das Leben der jungen Frau für immer.
ALTHA, 1619
Altha ist der Hexerei angeklagt – sie soll einen Mann getötet haben. Bekannt für ihr abgeschiedenes Leben als unabhängige Frau und für ihre besondere Verbindung zu den Tieren ist sie eine Bedrohung, die beseitigt werden muss.
Drei Frauen kämpfen in drei verschiedenen Zeitaltern um ihre Unabhängigkeit – aber ihre Geschichten sind weitaus enger verwoben, als es anfangs scheint.

Rezension: 

Kate flieht vor ihrem gewalttätigen Partner in das Cottage, das sie von ihrer Großtante Violet geerbt hat, die sie kaum kannte. In den alten Gemäuern erahnt sie Geheimnisse und als sie im Ort Gerüchte wahrnimmt, fühlt sie sich bestärkt, die Geschichte ihrer Familie zu ergründen.
Knapp 80 Jahre zuvor ist die sechzehnjährige Violet in den gesellschaftlichen Konventionen gefangen, sehnt sich nach der Freiheit in der Natur und der Bildung, die ihrem Bruder Graham zuteil wird. Gleichzeitig vermisst sie ihre Mutter, die vor ihrem Tod dem Wahnsinn verfallen sein soll. Während sie mehr über ihre Mutter herauszufinden versucht, lernt sie ihren Cousin kennen und wird von bisher unbekannten Gefühlen überwältigt, wobei sich ihre Unerfahrenheit rächt.
Über 300 Jahre früher wird Altha beschuldigt, am Tod eines Milchbauers Schuld zu sein, der von seiner eigenen Kuhherde niedergetrampelt wurde. Als Tochter einer Heilerin soll wegen ihren magischen Fähigkeiten für den Gewaltexzess verantwortlich sein. Altha droht als Hexe der Tod durch Erhängen.

"Die Unbändigen" wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen erzählt, die über die Jahrhunderte getrennt familiär miteinander verbunden sind.
Die Stimmung ist melancholisch und düster und man kann sich gut in die unterschiedlichen Zeiten und damit verknüpften Lebenssituationen der Protagonistinnen hineinversetzen. Zudem berührt jedes Schicksal auf seine Weise, denn allen Frauen wird Ungerechtigkeit zuteil. Falsche Verdächtigungen, Unterdrückung, Missbrauch sowie Gewalt gegen Frauen sind zentrale Themen des Romans.

Altha, Violet und Kate sind einsam, fühlen sich eng mit der Natur verbunden und schöpfen Kraft aus ihr. In ihren persönlichen Kämpfen gegen patriarchale Strukturen, für ihre Unabhängigkeit und Freiheit finden sie zu innerer Stärke und Mut zur Veränderung. 
Die Darstellung des Männlichen als widerwärtig und böse ist dabei einseitig und ermüdend. In allen drei Handlungssträngen wiederholt sich das, was Männern ihren Frauen antun. 

Die Entwicklung der Frauen ist nicht wirklich überraschend und wird allein auf die Loslösung von Männerfiguren reduziert. Bis auf die Liebe zur Natur ist bei keiner von ihnen eine Persönlichkeit zu erkennen, noch gibt es ausgeprägte Beziehungen zu anderen Personen (Frauen), die der Geschichte etwas mehr Facettenreichtum verleihen hätten können. 

Spannung entwickelt sich erst in den letzten Kapiteln, als auch die magische Gabe der Weywards samt der Verknüpfung der Ahninnen zum Vorschein kommt und jeweils zum Befreiungsschlag ausgeholt wird. Mehr Variation der drei etwas einseitig gestalteten Handlungsstränge hätte der Geschichte dennoch gut getan. Zudem erscheint fragwürdig, ob ein einsiedlerisches Leben an der Seite von Insekten und Vögeln tatsächlich so erstrebenswert ist, wie es hier propagiert wird. 

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