Mittwoch, 7. Januar 2026

Buchrezension: Coco Mellors - Cleopatra und Frankenstein

Inhalt:

Ein Silvesterabend in New York: Cleo, Mitte zwanzig, britische Kunststudentin, Bohémienne a.k.a. ewig pleite, trifft Frank, Mitte vierzig, Amerikaner, Inhaber einer Werbeagentur und ungleich gesettleter, im Aufzug einer Partylocation. Es ist die vielbeschworene Liebe auf den ersten Blick. Hals über Kopf stürzen Cleo und Frank sich in eine amour fou, mit der sie selbst kaum Schritt halten können - geschweige denn die, die ihnen nahestehen. 

Rezension: 

Cleo und Frank treffen sich im Fahrstuhl beim Verlassen einer Silvesterfeier. Es bleibt nicht bei einem Flirt, schon nach sechs Monaten sind die beiden verheiratet, denn Cleos Studentenvisum neigte sich dem Ende zu. Sie lieben sich, doch der Alltag ist nicht einfach. Cleo versucht sich als Künstlerin einen Namen zu machen, leidet jedoch seit Jahren unter Depressionen und hat den Verlust ihrer Mutter nicht verkraftet. Der knapp 20 Jahre ältere Frank ist Inhaber einer Werbeagentur und erfolgreicher Selfmade-Man, hat jedoch mit einem Alkoholproblem zu kämpfen.  
Unsicherheiten, Streit und fehlende Kommunikation sind die Folge und drohen ihre Liebe zu zerbrechen. 

Der Roman ist aus mehreren Perspektiven geschildert. Neben den beiden Hauptfiguren Cleo und Frank gibt es Kapitel aus der Sicht von Personen, die ihnen nahestehen, wie Franks Halbschwester Zoe und verschiedene Freunde von Cleo und Frank in New York. 
Es ist ein Buch über Liebe und Freundschaft und vor allem über die Probleme ausgefallener Individualisten. Ausgehend vom Künstler- und Kreativenmilieu geht es um eine privilegierte Gesellschaftsschicht in New York, in der Drogenkonsum und psychische Probleme keine Seltenheit sind. 

Durch die verschiedenen Personen und die Schwierigkeiten, mit denen sie sich konfrontiert sehen, ist die Geschichte facettenreich und vielschichtig, wobei die Verbindung zu Cleo und Frank als roter Faden stets erhalten bleibt. Die Vielzahl an handelnden Figuren sorgt jedoch auch dafür, dass einige der Themen um mentale Gesundheit, Sexualität und Rassismus nur oberflächlich behandelt werden. 
Dennoch ist insbesondere in den Dialogen die feine Beobachtungsgabe der Autorin zu erkennen. Der trockene Humor sorgt für ein wenig Leichtigkeit, auch wenn der Roman von einer steten Traurigkeit durchzogen ist. Nach der berauschenden Liebe auf den ersten Blick erfolgt die Ernüchterung und eine Erzählung, was nach dem Happy End passiert. Angst, sich den Problemen zu widmen, fehlende Kommunikation und der Wunsch, die Flucht zu ergreifen drohen Cleos und Franks Liebe zu zerstören.

Aus einem romantischen Neubeginn entwickelt sich ein schmerzhaftes Porträt einer Liebe. Es ist eine unbequeme Geschichte über Großstädter zwischen Identitätssuche und Selbstzerstörung, wobei die destruktiven Verhaltensweisen der Charaktere in den Bann ziehen und ein Ende ungewiss machen. Der Roman handelt innerhalb von zwei Jahren und schildert eine authentische Entwicklung der Figuren. Aufgrund der nur episodenhaften Darstellung entsteht jedoch keine echte Nähe. 

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