
Inhalt:
1952: Die 15-jährige Miri Ammermann wächst wohlbehütet im Städtchen Elizabeth, New Jersey, auf. Ihr Vater hat sich zwar früh aus dem Staub gemacht, aber ihre liebevolle und kämpferische Mutter, ihre weise Oma, ihre beste Freundin Natalie und all die anderen Menschen in ihrem Umfeld stehen ihr bei ihren Schritten ins Erwachsenenleben zur Seite. Als sie ihre erste große Liebe Mason kennenlernt, scheint das Glück perfekt zu sein. Doch dann stürzt ein Flugzeug ab, und nichts ist mehr, wie es war.
Rezension:
"Im unwahrscheinlichen Fall" beruht auf realen Ereignissen. Im Winter 1951/ 1952 ereigneten sich innerhalb eines Zeitraums von 28 Wochen drei Flugzeugabstürze in der amerikanischen Kleinstadt Elizabeth/ New Jersey. Die Autorin Judy Blume stammt von dort und hat die Katastrophen und das Leid der Menschen als Teenager miterlebt.
Der Roman ist möglicherweise aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen zu einem Großteil aus der Perspektive der 15-jährigen Miri geschrieben, die den ersten Flugzeugabsturz unmittelbar auf ihrem Weg vom Kino nach Hause miterlebte. Ihr Onkel Henry ist Journalist der örtlichen Tageszeitung und berichtet fortlaufend von den Unglücken und den Folgen für Opfer, deren Angehörige und den nun umstrittenen Airport Newark. In der Bevölkerung werden Verschwörungstheorien und Forderungen nach der Schließung des Flughafens laut, da man sich eine derartige Häufung der Vorfälle an einem Ort nur schwer erklären kann.
Neben den eigentlichen Unglücken handelt der Roman im Kern zwar von Miri, ihren nächsten Angehörigen und Freunden sowie ihrer ersten Liebe zu Mason, darüber hinaus werden jedoch die Schicksale so vieler Personen der Kleinstadt thematisiert, dass ich vor allem beim Einstieg in den Roman aufgrund der Vielzahl der Namen fast den Überblick verloren habe. Vom Verlag liegt der Romanausgabe als Hilfestellung ein Lesezeichen mit einer Übersicht der 23 Protagonisten bei, auf die man während des Lesens spicken kann, um die Verbindungen der Personen untereinander besser vor Augen zu behalten. Im Verlauf des Romans kamen allerdings stetig weitere Personen dazu, die man aber kaum näher kennenlernte und deshalb eher zur Verwirrung als zur Unterhaltung beitrugen.
Aufgrund der sachlichen Schreibweise wirkt der Roman authentisch, aber auch wenig lebendig. Innerhalb der einzelnen Kapitel wechselt die Autorin zwischen den verschiedenen Charakteren und erzählt die Geschichte aus deren Sicht. Bis auf Miri, die die zentrale Rolle im Roman innehat und bei der das Personengeflecht zusammenläuft, kommt der Leser keiner Person wirklich nahe. Opfer und Angehörige bleiben fremd und auch das Leid der Menschen wird nur aus der Distanz wahrgenommen.
Das Buch wirkte auf mich wie ein Tatsachenbericht über drei tragische, historische Ereignisse, die anhand fiktiver Charaktere einer Kleinstadt beschrieben werden. Für einen Roman haben mir trotz einiger emotionaler Szenen und der Verarbeitung von Themen wie der ersten Liebe und der Emanzipation bzw. die Rolle der Frau in den 50er-Jahren, Lebendigkeit, Spannung und Drama gefehlt.


Inhalt:
Seit der zehnjährige Jamie das Spider-Man-T-Shirt von seiner Mutter geschenkt bekommen hat, wartet er nur darauf, dass sie ihn besucht und ihn darin bewundert. Schließlich hat sie das versprochen. Aber wie so vieles, was Erwachsene sagen, war auch das eine Lüge. Genauso wie jeder nach dem Tod seiner Schwester Rose beteuert hat, dass alles wieder gut werden würde. Stattdessen ist es eigentlich nur schlimmer geworden. Sein Vater trinkt und versinkt in Trauer. Seine Mutter ist verschwunden und meldet sich nicht mehr. Und seine Schwester hat beschlossen, nicht mehr zu essen. Dabei will Jamie nur, dass seine Familie wieder zueinander findet. Doch dann freundet er sich in der Schule mit Sunya an, und plötzlich nimmt sein Leben eine ganz andere Wendung.
Rezension:
Der zehnjährige Jamie ist mit seinem Vater und seine 15-jährigen Schwester Jas aus London weggezogen, als die Mutter, die in einer Trauergruppe einen anderen Mann kennengelernt hat, die Familie verlassen hat. Vor fünf Jahren wurde Jas' Zwillingsschwester Rose bei einem islamistischen Anschlag getötet. Niemand in der Familie hat den Verlust der Tochter bzw. Schwester verarbeitet, weshalb ihre Überreste in einer Urne im Wohnzimmer auf dem Kaminsims gehütet werden. Der Vater tröstet sich mit Alkohol und ist nach dem Umzug kaum mehr in der Lage, seine Kinder zu versorgen. Schwester Jas vermisst ihre Zwillingsschwester, fühlte sich nach deren Tod aber zunehmend von ihren Eltern vernachlässigt und beginnt zu rebellieren. Jamie kann die Trauer in der Familie nicht verstehen, da er sich kaum an seine Schwester Rose erinnern kann und nie um sie geweint hat.
In der neuen Schule, in der Jamie der Außenseiter ist, der Tag für Tag dasselbe Spider-Man-T-Shirt trägt, dass er von seiner Mutter zum Geburtstag bekommen hat, lernt er Sunya kennen. Sie ist die einzige, die ihn gegen seine Mitschüler verteidigt und keinen Streich gegen diese und die Lehrerin Mrs. Farmer auslässt. Sunya ist aber Muslima und Jamie weiß, dass sein Vater durchdrehen würde, wenn er von seiner Freundschaft zu ihr wüsste. Für ihn sind alle Muslime pauschal Terroristen.
Jamie wünscht sich so sehr, dass alles wieder ist wie früher, dass sein Vater aufhört zu trinken und vor allem, dass seine Mutter wieder zurückkommt. Nach einem traurigen Weihnachtsfest, das Jas und Jamie ohne Eltern feierten, beschließt Jamie, sie und seine Schwester bei einer Talentshow zu bewerben, um die Familie durch einen Auftritt im Fernsehen wieder zusammenzuführen.
Der Roman ist aus der Sicht eines 10-jährigen Jungen geschrieben, der die traurige Situation, in der er lebt, auf eine kindlich ehrliche Art beschreibt. Im Gegensatz zu den Erwachsenen und seiner fünf Jahre älteren Schwester geht er mit dem Verlust und der Trauer um die Schwester viel nüchterner um. Er vermisst Rose schlichtweg nicht, was er aber nicht aussprechen darf. Stattdessen vermisst er eine "normale" Familie. Mutter und Vater, die sich beide um die Kinder kümmern, sich nicht streiten und einer geregelten Arbeit nachgehen sowie eine Schwester, die genügend isst.
"Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims" behandelt ein tragisches Thema, ist aber durch die Schilderungen des Jungen keinesfalls deprimierend, sondern stellenweise richtig lustig zu lesen.
Annabel Pitcher ist ein sehr bewegendes Buch über den Verlust eines Familienmitglieds und dessen Folgen gelungen. Es ist ein Buch über Trauerbewältigung und den Zusammenbruch einer Familie, aber auch über Freundschaft un den Mut zur Vergebung und für einen Neuanfang. Traurig, aber herzerfrischend schön!


Inhalt:
Vielleicht hätten Lucy Houston und Mickey Chandler sich nie verlieben dürfen. Und erst recht nicht heiraten. Denn beide haben ein schweres Schicksal zu tragen. Doch die Liebe geht ihre eigenen Wege, und so führen Lucy und Mickey eine ungewöhnliche, aber glückliche Ehe. Vor vielen Jahren haben sie sich das Versprechen gegeben, keine Kinder in ihre unsichere Welt zu setzen. Als Lucy plötzlich doch schwanger wird, steht nicht nur das Fundament ihrer Beziehung auf dem Prüfstand, sondern auch die Kraft ihrer Liebe.
Rezension:
Mit Anfang 20 verliebt sich Lucy in den acht Jahre älteren Mickey. Er ist Inhaber mehrerer Clubs und Bars in der Umgebung und steht abends als Comedian auch selbst auf der Bühne. Was die junge Lehramtsstudentin Lucy zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt, ist dass sie nur eine Seite von Mickey kennengelernt hat.
Das zufällige Wiedersehen der beiden findet in einem Krankenhaus statt. Lucy besucht ihre ältere Schwester Lily, die operiert worden ist. Die Frauen der Familie Houston sind in Bezug auf Krebserkrankungen erblich vorbelastet. Die Mutter ist dem Krebsleiden erlegen, als Lucy 17 Jahre alt war. Der Vater war zuvor bereits als Polizist bei einem Einsatz erschossen worden.
In der Krankenhaus-Cafeteria erfährt Lucy von Mickey, dass er zur Behandlung seiner bipolaren Störung in der Psychiatrie untergebracht ist. Durch die Neueinstellung seiner Medikamente ist er stabil und auf dem Weg der Besserung. Er ist sich jedoch bewusst, dass auch dieser nicht sein letzter Klinikaufenthalt gewesen sein wird. Mickey ist mit einer manisch-depressiven Mutter aufgewachsen, die sich in einer ihrer depressiven Phasen das Leben genommen hat.
Sowohl Lucy als auch Mickey haben schon viel in ihren jungen Leben erlitten und sind sich bewusst, dass eine Beziehung zueinander aufgrund der Erkrankung Mickeys nicht einfach sein wird. Dennoch beschließen sie, ihrer Liebe eine Chance zu geben und stellen, zusammen mit Mickeys Psychiater als Hilfe, schriftlich Regeln für ihre Beziehung auf. Auch wenn insbesondere Lucys älteste Schwester Priss sie vor einer Beziehung mit einem "Geisteskranken" warnt, heiraten die beiden wenige Jahre später. Lucy und Mickey lieben sich heiß und innig, aber trotz allem muss Mickey während ihrer Ehe einige Male stationär zur Behandlung in die Psychiatrie. Vor allem Lucys Krebserkrankung, fünf Jahre nach der Hochzeit, hatte Mickey den Boden unter den Füßen weggerissen.
Als Lucy bei einer Vorsorgeuntersuchung bei ihrer Frauenärztin erfährt, dass sie ungewollt schwanger ist, befindet sich Mickey erneut in der Klinik. Das Paar hatte sich in seinen Beziehungsregeln eigentlich darauf geeinigt aufgrund der Krebsgefahr in Lucys Familie und der psychischen Erkrankung Mickeys keine Kinder zu bekommen. Auch wenn Mickey mit der Situation zunächst überfordert ist, schaffen sie es nicht, die Regel einzuhalten und sich für eine Abtreibung zu entscheiden. Damit nimmt das Schicksal seinen Lauf...
Der Roman ist überwiegend aus der Sicht Lucys geschrieben, wobei am Anfang eines jeden Kapitels Mickey durch eine Art von Tagebucheinträge zu Wort kommt und man deshalb auch einen guten Einblick in sein komplexes Seelenleben erhält. "Tanz auf Glas" beschreibt die Beziehung von Lucy und Mickey als ein Tanz auf Glasscherben, wobei sie stets darum kämpfen, wieder festen Boden unter den Füßen zu erhalten.
Lucy hat trotz des frühen Verlusts ihrer Eltern ein starkes Familienband, auf das sie sich verlassen kann. Ihre beiden ungleichen Schwestern Priss und Lily sind ihr ein starker Halt und auch Freunde ihrer Eltern sind weiterhin als Ersatzmütter und -väter für sie da.
Das Buch ist traurig, aber gleichzeitig wunderschön und man ahnt es bereits sehr früh, dass es für Lucy und Mickey kein Happy End geben wird. Es beschreibt eine sehr emotionale Liebesgeschichte mit Tiefgang, bei der der Leser gar nicht anders kann, als mit den Protagonisten mitzuleiden. Ka Hancock ist Krankenschwester im Bereich der Psychiatrie und schafft es vermutlich deshalb, die Charaktere so authentisch und glaubhaft darzustellen. "Tanz auf Glas" ist eine mitreißende Geschichte über Liebe, Familie und Hoffnung, aber auch Angst, Wut und Schmerz, die zu Tränen rührt und keinen Leser kaltlässt.
