Mittwoch, 8. Februar 2017

Buchrezension: Lucy Clarke - Die Landkarte der Liebe

Inhalt:

Ein meerblaues Reisetagebuch – das ist alles, was Katie von ihrer Schwester bleibt. Denn Mia ist tot. In Bali stürzte sie von einer Klippe. Katie hat nur eine Chance, das Geheimnis um den Tod ihrer unnahbaren Schwester zu lüften: ihr Tagebuch zu lesen und den Stationen ihrer Reise zu folgen. Und so taucht Katie immer tiefer ein in das Leben ihrer Schwester und entziffert Stück für Stück Mias ganz persönliche Landkarte der Liebe …

Rezension:

Ein Jahr nach dem Krebstod der Mutter erfährt die 27-jährige Katie, dass ihre drei Jahre jüngere Schwester Mia auf Bali gestorben ist. Katie kann nicht glauben, dass sich Mia von den Klippen gestürzt haben soll, um Selbstmord zu begehen. Was ihr von Mia geblieben ist, ist ihr Rucksack mit ihrem Reisetagebuch, anhand dessen sie Mias Reise nachvollziehen möchte, um ihren Tod zu begreifen und die ungleiche Schwester zumindest nach ihrem Tod besser zu verstehen. Bei ihrem letzten telefonischen Kontakt, als Katie Mia von ihrer Verlobung mit ihrem langjährigen Freund Ed erzählte, hatten sich die beiden gestritten.

Der Roman ist abwechselnd aus der Perspektive von Mia in der Vergangenheit und Katie in der Gegenwart geschrieben, wobei die Handlungen durch die gleichen Orte der Reise eng miteinander verknüpft sind. Mia, die immer ein wenig rastlos war und noch keine wirkliche Perspektive für ihr Leben hat, begibt sich zusammen mit ihrem besten Freund Finn bei der Reise in die USA, Hawaii, Neuseeland und Bali auf die Suche nach ihrer Identität, weshalb eine ihrer ersten Etappe der Besuch ihres Vaters in Maui ist, der die Familie vor über 20 Jahren abrupt verlassen hatte und sich nie wieder gemeldet hat. Da sie kaum Gemeinsamkeiten mit ihrer Mutter und ihrer großen Schwester hatte, hoffte sie, in ihrem Vater ihr Abbild zu finden, wird jedoch bitter enttäuscht.
Sie reist weiter und lernt in Neuseeland den Surfer Noah kennen, der stets auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick zu sein scheint. Die beiden verleben verliebte Tage miteinander, wobei Noah unnahbar bleibt und dann sang- und klanglos nach Bali verschwindet. Nach einem Streit mit Finn, der mehr für Mia empfindet als nur Freundschaft, reist Mia Noah alleine hinterher.

Der Titel "Die Landkarte der Liebe" suggeriert einen leichten Liebesroman. Das Debüt von Lucy Clarke ist allerdings vielmehr als das. Es ist eine zutiefst berührende Geschichte über zwei ungleiche Schwestern. Es geht um Liebe und Tod, Vergangenheitsbewältigung und Verzeihen sowie um die Aufdeckung von wohl gehüteten Familiengeheimnissen.

Durch die anschauliche Beschreibung der Reiseroute wird der Leser an all die exotischen Orte versetzt, die Mia und Katie auf ihrer Reise besuchen. Den Duft von Frangipani in der Nase kommt spätestens auf Bali ein Gefühl von Fernweh auf. Zudem fühlt man mit beiden Schwestern während ihrer traurigen Begegnungen auf der Suche nach sich selbst bzw. der Wahrheit mit. Überraschende Wendungen machen den atmosphärischen Roman bis zum Schluss zu einem spannenden Drama.

 

Montag, 6. Februar 2017

Buchrezension: Graeme Simsion - Das Rosie-Projekt

Inhalt:

Don Tillman will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: Mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist.
Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Offensichtlich ungeeignet. Aber Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt: Sie sucht ihren biologischen Vater. Dafür braucht sie Dons Kenntnisse als Genetiker. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.

Rezension:

Don Tillman ist 39 Jahre alt, Professor der Genetik an der Universität in Melbourne und Single. Aufgrund seiner eingeschränkten sozialen Kompetenz hat er nur zwei Freunde und war noch nie mit einer Frau fest zusammen.
Nach einem Vortrag über das Asperger-Syndrom, den er in Vertretung für seinen Freund Gene hält, beschließt Don, sich auf die Suche nach einer Ehefrau für sich zu machen. Dazu entwickelt er - ganz der Wissenschaftler - einen umfangreichen, 32-seitigen Fragebogen, um potenzielle Heiratskandidatinnen nach den für ihn relevanten Kriterien wie Pünktlichkeit, Intelligenz, Nichtraucherin, Alkohol-Abstinenzlerin, ... zu finden bzw. ungeeignete Kandidatinnen direkt herauszufiltern, um sich ein fruchtloses Treffen zu ersparen.

Da begegnet er Rosie, die Gene auf ihn angesetzt hat, die aber aufgrund ihrer Eigenschaften als rauchende Barkeeperin, die kein Fleisch und nur Fisch aus nachhaltigem Fang isst, ganz offensichtlich durch Dons Ehefrauen-Raster fällt.
Rosie ist Anfang 30 und leidet noch immer unter dem Verlust ihrer Mutter und der Tatsache, dass sie nie erfahren hat, wer ihr leiblicher Vater ist. Don bietet ihr daraufhin als Genetiker seine Unterstützung bei der Suche nach ihrem Vater an. Mit Hilfe von Gentests an ehemaligen Mitstudierenden der Mutter soll dieser identifiziert werden.

Rosie und Don verbringen viel gemeinsame Zeit bei dem Vaterprojekt, so dass Don immer öfter gezwungen ist, von seinen streng organisierten (Tages-)abläufen abzuweichen. Schon bald ist er irritiert darüber, dass er gerne mit Rosie zusammen ist, obwohl sie doch gar nicht seinen Kriterien einer perfekten Ehefrau entspricht.

Der Bestseller "Das Rosie-Projekt" ist eine Liebeskomödie, die aus der Perspektive on Don geschrieben ist, der eine zwanghafte Persönlichkeit mit autistischen Zügen ist, dem es an Empathie fehlt. Don lehnt Körperkontakt ab und hat aufgrund seiner eingeschränkten sozialen Fähigkeiten Probleme mit anderen Menschen zu interagieren. Offensichtlich ist ihm selbst trotz seiner Intelligenz und Eigenschaft als Wissenschaftler nicht bewusst, dass er vermutlich selbst unter dem Asperger-Syndrom leidet. Durch Rosie beginnt seine Fassade allerdings zu bröckeln und er schafft es langsam, von seinen festgeschriebenen Gewohnheiten abzurücken und anderen Menschen gegenüber aufgeschlossener zu werden.

Der trockene Erzählstil von Graeme Simion passt ideal, um sich in die Lage von Don hineinzuversetzen. Durch seine eingeschränkten emotionalen Fähigkeiten ist "Das Rosie-Projekt" eine unkonventionelle, sehr unterhaltsame Liebesgeschichte, die die Persönlichkeitsentwicklung von Don, der trotz seiner Erkrankung fürsorglich und liebenswürdig sein kann, aufzeigt und das Herz des Lesers erwärmt.


Freitag, 3. Februar 2017

Buchrezension: Kathy Reichs - Die Knochenjägerin

Inhalt:

Eine packende Sammlung all dessen, was an Tempe Brennan begeistert – knochentrockener Humor, spannende Tatortarbeit und eine Ermittlerin zwischen wissenschaftlichem Genie und alltäglichem Wahnsinn. 4 Fälle in einem Band.

"Tempe Brennans erster Fall":

Es ist Dezember, und an der Anthropologischen Fakultät der Universität von North Carolina sitzt Temperance Brennan an ihrer Doktorarbeit. Als zwei Cops ungebeten ihr Labor betreten, ändert sich Brennans Leben von einem Tag auf den anderen. Die Detectives Slidell und Rinaldi untersuchen den gewaltsamen Tod eines Arztes, dessen stark verbannte Leiche in einem Wohnwagen gefunden wurde. Ob Tempe mit ihrer Erfahrung im Analysieren menschlicher Überreste die Identität des Opfers bestätigen kann? Widerwillig erklärt Tempe sich bereit, den Ermittlungsbehörden zu helfen. Ihr erster Kriminalfall stellt nicht nur ihr ganzes Können auf die Probe, sondern bringt auch das Leben der Detectives und ihr eigenes in große Gefahr...

Dieser Kurzroman von 90 Seiten erscheint zum ersten Mal und exklusiv in "Die Knochenjägerin - Vier Fälle für Tempe Brennan".


Rezension: 

Neben dem Kurzroman "Tempe Brennans erster Fall" enthält der Sammelband die bislang als E-Books erschienenen Kurzromane "Fährte des Todes", "Wasser des Todes" und "Gletscher des Todes".

"Fährte des Todes" 

Die Wasserleiche einer Biologiestudentin wird in den Wäldern um den Mountain Island Lake in North Carolina gefunden. Die forensische Anthropologin Tempe Brennan unterstützt die  Ermittler im Umfeld militanter Umweltaktivisten und wird dabei auf einen grausigen Fall von Tierquälerei aufmerksam. Pikant ist zudem, dass die Studentin Edith Blankenship ein Verhältnis mit ihrem Professor hatte...

Der Krimi mit knapp 80 Seiten ist schnell gelesen, ist aber aufgrund der Kürze weder sonderlich komplex noch spannend, da die Auflösung des Falles sich ziemlich schnell ergibt und Tempe Brennans Können als forensische Anthropologin im Untersuchen von Details, um auch die kleinsten Zusammenhänge zu erkennen, die den polizeilichen Ermittlern häufig verborgen bleiben, nicht wirklich gefordert ist. 

"Wasser des Todes"

Eigentlich möchte Tempe Brennan Urlaub in den Everglades bei ihrer Freundin Lisa machen, als sie zufällig auf die sterblichen Überreste einer Frau in dem Magen einer Schlange aufmerksam wird...

"Gletscher des Todes" 

Tempe  Brennan wird darum gebeten, eine Autopsie an einer drei Jahre alten Leiche vorzunehmen, die durch ein Erdbeben in der Gipfelregion des Mount Everest freigelegt wurde. Es soll sich um die Bergsteigerin Brighton Hallis handeln, die Tochter eines reichen Ehepaares aus Charlotte ist. 
Durch die Autopsie der Leiche ergeben sich jedoch mehr Fragen als Antworten...

Beide Krimis sind deutlich ausführlicher als "Fährte des Todes" und nach dem vertrauten Schema der Tempe-Brennan-Romane aufgebaut. Die Arbeit einer forensischen Anthropologin und der Spürsinn sowie Ehrgeiz zur Aufklärung nicht ganz gewöhnlicher Todesfälle spielen die entscheidende Rolle. In beiden spannenden Fällen fiebert der Leser bis zum Ende mit, was Brennan bei der Leichenschau aufdeckt und wie sie sich selbst bei der Tätersuche in unmittelbare Gefahr begibt.

"Tempe Brennans erster Fall"

Es handelt sich um den ersten Kriminalfall von Tempe Brennan. Als studierte Archäologin, die sich eigentlich nur mit uralten Leichenteilen befasst, wird sie von Ermittlern der Polizei angesprochen, an der Aufklärung eines Falls um einen toten Zahnarzt mitzuwirken, der in seinem Wohnwagen verbrannt ist. 
Interessant ist zu lesen, wie Brennan zu ihrer Berufung als forensischen Anthropologin gelangt ist, die Aufklärung des Falles fand ich dagegen unspektakulär und schon fast langweilig, was aber auch der Kürze von nur übersichtlichen 76 Seiten des Krimis geschuldet sein kann. 

Fazit: Echte Fans von Tempe Brennan werden von diesem Sammelband enttäuscht sein. Mir selbst haben zwei der Fälle wirklich gut gefallen, ein echtes Kaufsargument sind diese aber auch nicht. Die Kriminalfälle leben einfach von der Persönlichkeit, Expertise und Leidenschaft von Tempe Brennan, die in den Kurzgeschichten einfach nicht zur Geltung kommen.