Mittwoch, 1. April 2026

Buchrezension: Christian Huber - Solange ein Streichholz brennt

Inhalt:

Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Er besitzt so gut wie nichts. Einen alten Rucksack. Geschnitzte Holzmäuse. Einen Brief, den er nicht öffnen will. Mit seinem Hund Fox kämpft er sich durch die Tage und Nächte.
Die junge, einst aufstrebende Fernsehjournalistin Alina steckt fest. Im Job und in der Angst zu scheitern. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere scheint eine Reportage über das Leben auf der Straße zu sein.
Alina findet Bohm.
Plötzlich ist da etwas zwischen ihnen. Etwas, das nicht sein kann. Und ein Geheimnis, das ans Licht drängt. 

Rezension: 

Bohm ist 36 Jahre alt und seit fünf Jahren obdachlos. Als er von einer Journalistin angesprochen wird, ob er sich für eine Fernsehreportage zur Verfügung stellen möchte, lehnt er zunächst ab, ändert seine Meinung jedoch, als sein Hund schwer verletzt wird.
Der Sender übernimmt die Kosten der Operation des Hundes und im Gegenzug muss Bohm sich nun sieben Tage von Alina begleiten lassen.
Alina, die aufgrund von Einsparungsmaßnahmen mit einer Kündigung gerechnet hat, hofft mit der Dokumentation "Wie entgleitet ein Leben?" auf einen Karrierekick.
Sie ist überrascht, wie warmherzig, schlagfertig und humorvoll der Einzelgänger Bohm sein kann, der von Außenstehenden nur abschätzig betrachtet wird. Doch wohin soll die Sympathie führen - zu einem Mann am Rande der Gesellschaft?

Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren geschildert. Die Geschichte zeigt den Alltag eines Lebens auf der Straße und die Arbeit in der Medienbranche, auf andere Art und Weise brutal ist.

Die wechselnden Sichtweisen in unterschiedliche Leben sorgen für Dynamik. Die Geschichte ist lebendig und unterhaltsam und mit Empathie für die Figuren formuliert. Mit Bohm möchte man nicht tauschen, aber man bemitleidet ihn auch nicht. Er hat einen starken Charakter und lebt von einem Tag auf den nächsten. Vergangenheit und Zukunft sind nicht relevant. Was zählt sind ein trockener Schlafplatz und Lebensmittel, die noch nicht ganz verdorben sind. Alkohol ist sein bester Freund, bis Hund Fox in sein Leben tritt.
Alina möchte eine ehrliche Reportage zeigen, stößt jedoch an ihre Grenzen, als für die Einschaltquote mehr Sensation und Drama verlangt wird.

Die Annäherung zwischen Bohm und Alina erfolgt zwar schnell, aber dennoch behutsam. Die romantischen Gefühle wirken nicht erzwungen, denn trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswirklichkeit sind sich beide Personen nicht unähnlich.

"Solange ein Streichholz brennt" ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die unterhält und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Die Geschichte widmet sich einem Menschen einer sozialen Randgruppe, der mit Vorurteilen und Ungerechtigkeit zu kämpfen hat und übt Kritik an der Medienbranche, die schamlos ist.
Der Roman zeigt, wie ein einziger Moment alles verändern kann und wirkt mit dem Verzicht auf unnötiges Drama und Rührseligkeit ehrlich und zutiefst menschlich.